Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2852 (5.2.1927)
- Date
- 1927-02-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Setze < Men^GamSta- Ser HSchste Serichtshos ver Welt. Am 14. März 1928 hatte der österreichische Vertreter Leim Völkerbund die Erklärung abgegeben, daß Oesterreich die zwingende Gerichtsbarkeit des Ständigen Internationalen Gerichtshofes ohne Einschränkung für die Dauer von fünf Jahren anerbcnne. Der in dieser Erklärung festgesetzte Zeitraum läuft am 13. März ab. Die Regierung spricht nunmehr vom Nationalrat die Genehmigung an, für w e i t e r e zehn Jahre sich der Gerichtsbarkeit des Internationalen Gerichtshofes zu unterwerfen. Zu den Staaten, die schon vor Oesterreich die zwingende Gerichtsbarkeit des genannten Forums in Mischenstaatlichen Rechtsstreitigkeiten rechtskräftig angenommen hatten (Bulgarien, Dänemark, Finnland, Haiti, Litauen, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Schweiz und Uruguay) haben sich noch Belgien, China, Estland und Aethiopien gesellt. Weitere Annahmen dieser Gerichtsbarkeit, in-Ac sondere durch einzelne Großmächte, find für die nächste Zeit zu erwarten. Der Ständige Internationale Gerichtshof gilt heute unbestrittenermatzen auf der ganzen Welt als die höchste Autorität in Fragen des Völkerrechtes, und selbst die Vereinigten Staaten, die sich vom Völkerbünde fernhalten, haben vor kurzem beschlossen, unter gc- »vissen Bedingungen dem Statut des Gerichtshofes beizutreten. Auch das Deutsche Reich ist nach seiner Ausnahme n den Völkerbund diesem Statute beigetreten. Stts dem Wiener Semeioderat. In der gestrigen Sitzung des Wiener Gemeinderates wurde die Spezialdebattc über den Rechnungsabschluß des Jahres 1925 fortgesetzt. In der Debatte trat Stadtrat K u u-- schak für die Aufnahme einer Anleihe für Wohnungsbauten ein. Die Gemeinde fönntc mit einer Anleihe von 560 Millionen Schilling bei einer 7prozentigen Verzinsung der Wirtschaft eine Steuerlast von 650 Millionen Schilling ersparen. Bei Besprechung der Zustände im Lainzer Versorgungshaus kam es zu größeren Zusammenstößen zwischen Majorität und Opposition. Die Beratung wird Dienstag fortgesetzt. Verband der zioniftev-Revifionisten. Vergangenen Sonntag fand m Verbands heim der Ziönisten-Revifioniiften (Cafe Müller) eine stark besuchte Versammlung statt, in welcher von den österreichischen Delegierten an der Pariser Konferenz. Moses Lutzky, i&t. Norbert $ off man w und Dr. Paul Diamant, Bericht über die Konferenz und ihre Ergebnisse erstattet wurde. Nach einer längeren DikEuffion, an der sich zahlreiche Anlwe-seyHe beteiligten, wurde vom Direktorium eine Rcisolution gegen die beabsichtigte Verschiebung -des ZionisterKongresses vorgeschlagen/ Die einstimmig angenommene R-eisölution lautet folgendermaßen: Die am 30. Jänner 1927 im VertbandLheim der Aionisten-RevisiolN'isten staitgefundene Bevsammlung protestiert g?gen jede Absicht einer VerischieLlMg des 15. Zionisten-Konigresies, die nur geeignet wäre, der fortschreitenden Zerstörung der Zionistischen Organisation Vorschub zu leisten. zirken, nur um möglichst viele 3 t hu nun gegen die Sklaverei abgeben zu können. Er änderte sogar und zerstörte dm uraltm Brauch der „Jahresmiete" in dm Töpfereien, iveil er seiner Ansicht nach einen Beigeschmack von Sklaverei hatte. Nach diesem unbilligen Brauch, gegen den man diesig Jahre gekämpft halte, mußte der Arbeiter ein Jahr lang dem Meister zu Diensten stehen, der Meister aber war nicht verpflichtet, ihm Arbeit zu geben. Wenn eS Arbeit gab, zahlte man sie per Stück. Es ist kaum nötig zu sagen, daß es in „Etruria" keine Lohnkämpfe gab. Nach bemdetem Mittagessen oder am Abmd las mein Vater dm Lehrlingen Maeaulay und John Stuart Mill vor. Ms der Krieg begann und das Geschäft aufhörte, hatte die Firma ein paar Tausend in der Bank gut; man beschloß, so lange weiter zu arbeiten, bis das Guthaben erschöpft iväre, mit Geschäft oder ohne Geschäft. Und als Josiah II. für den Bezirk Newmstle-under-Lyme im Jahre 1831 kandidierte, gaben die Arbeiter Beitrage zum Wahlfonds. Irr einem alten Bündel in einem verstaubtm Schubfach entdeckte ich Josiahs Dankschreiben. ,r . . Aber Eure Spende hat mir eine Freude gemacht, die ganz persönlich ist. Ihr und ich, wir wissm gut, daß letzten Endes unsere Interessen zusammmfallen. Aber es mag manchem von Euch oft geschienm haben, und manchmal muß es der Fall gewesen sein, dost ich. wenn ich mein ei»"""" Dresse wahre. ^aS Mure nicht gmüm berüücksrch'.igte. Nun Ist Eur: freiwillige, unerwartete und unverlangte Spe.ioe a.i Bnoeis, daß mein Verhakten während der recht langm Zeit unserer Verbindung so war, daß ich im großen ganzm Eure Achtung und Schätzung gewvnnm habe, die ich zu den wertvollsten Gütern meines Besitzes rechne." Mtürllch hat „Etruria" sein Museum, wo wir jetzt die altm Besuche und Bücher, Muster und Former» bewahren. Hier ist die ganze Geschichte des Aedglvood-PorzellanS ausgestellt, von der grünm Glasur und der ersten gelblichen Farbe bis zum gestaubten Blau und Hochglanz von heute. StlMt Letzte Nachrichten. Set Aofftmd in Poüugal «Sterdrückt. Paris, 4. Februar. Aus Lissabon wird gemeldet: General Amara l fft mit Truppen verschiedener Garnisonen, 'die er schnell zrssammenig'özogen lmt, nach Porto marschiert, um di« dort'vge Revolte zu unterdrücken. Ucber das ganze Land ist das Standrecht verhängt worben. Der KriegAminister hat sich nach A v e i r o begoberr, wo gleichfalls regierungstreue Truppen konzentriert sind. Abends haben sich die aufständischen Truppen in Porto dem BefchMcHcr der Regierungskru-ppen ergeben. In gang Portugal herrscht 'vollständige R u<h e. %\i sraoMsche Wahlrrsorm. Prri^, 1. Februar. Der ,,Matin" veröffentlicht 'das vom Minister 'des Innern Carrant ansgearbeitete Projekt für die W'cchlreform. Es siecht für je 100.000 Einwohner einen Deputierten vor, doch muß jedes Departement rvenigstens drei Deputierte hoben. Die Wahlkreise werden ungefähr den ursprünglichen Arrondisse-menis en!i)prechen. Wenn jedoch ein Wahlkreis weniger als 40.000 Einwohner umfaßt, wird er mit dem benachbarten Wahlkreis verbunden. Sarraut ist ferner für dieBallotage scwie für die VerlangerungdesMandatsauf sechs Jahre, wenngleich er in diesem letzteren Punkt noch kernen eri«:iAiil.t'.Hen Endschlntz gefaßt hat. Er neigt auch dazu, die K a m m e r in zwei Hälften erneuern zu lassen. Jedenfalls soll aber das Mandat der-gegenmärt''!gen Kammer nicht erneuert werden. AerztUeh empfohlen. — Ist von unerreichter Wirkungsweise. 258 in allen Anoiheken Sie Keren Hnieffor-Miio» in Sesterreich. Heute Vortrag des Colonel Wedgwood. Heut« mn 6 Uhr abends findet im Hotel Metropol (1. Bez., Morzinplatz) die Konferenz «der Mitarbeiter an der diesjährigen Keren-Hajessod-Aktion statt. Di« Beratung wird durch den Präsidenten der Keren-Hajessod-Kommisston Oberrabbiner Dr. CHajes eröffnet, worauf Colonel I. Wedgwood über dem Palästina-Aufbau referieren wird. Herr Dr. N. M. Gelber wird sodann Mitteilungen über Anlage und Durchführung der Aktion machen. Das Direktorium des Palästina-Aufbaufonds in Jerusalem hat an das Wiener Bureau das folgende Telegramm gerichtet: ,Pitte, übergeben Sie Wedgwood unsere Grüße und unsere guten Wünsche zu seiner Vorkämpferschaft für unsere Sache unter den österreichischen Juden und Zionisten. Wir geben unserer Hoffnung Ausdruck, daß die österreichische Judenheit, hingerissen durch sein überzeugendes Eintreten für den Aufbau unserer nationalen Heimstätte, ihre Pflicht dem Palästina-Ausbaufonds gegenüber erfüllen wird." Sonntag, den 6. Februar, 10 Uhr vormittags, Vorführung des neuesten PalcMna'FilmS im Kino Kern (Prater, neben Lustspiel Heater). Die Ansprache hält bzx Vizepräsident »der Israelitischen Kult-usHemeinide, Herr Dr. Josef Löwen herz. sin Riesenbrand in A. Pölten. Die Brandlegungen in Niederösterreich. In dsn letzten Wochen mehren sich in Niederösterreich in rascher Folge die Fäll«, daß in großen Wirtschaftsgebäuden ,Ms unbekannter Ursache" Feuer ausbricht. Es scheint sich hier um systematische Brandlegungen zu handeln, doch konnten die Täter trotz aller Nachforschungen der Gendarmerie noch nicht eruiert werden. Gestern früh ist im Stab.bezirk V i e h o f e n bei St. Pölten in dem riesigen Wirtschaftsgebäude Schlager ein Riesenbrand ausgebrochen, der im kurzer Zelt das Wohnhaus samt den Scheunen und Stallungen ergriff. Mehrere Feuerwehren. Polizei und Manfchaften des Bundesheeres versuchten den Brand zu löschen, doch konnte er nur mehr lokalisiert und so ein Uebergreifen auf die gefährdetem Nachbargebäude vermieden werden. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend. Die Untersuchung ist einge- Leitel. Feuer tat rechrwloMeu vewerbemufeum. Im Technologischen Gelveröemuseum in der Währingerstraße brach gestern in den Abendstunden ein Brand gus. Oberhalb der Schulwerkstätte ivar im Gehätke ein Dippelbaumfeuer ausgebrochen, wahrscheinlich . infolge eines Fehlers im Kamim. Die Hörer der Schule suchten selbst den Brand zu löschen, doch mußte bald die Feuerwehr berufen werden, da das Feuer immer mehr mn sich zu greifen drohte. Nach mehr als zweistündiger Dauer konnte der Brand, der unter den Hörern der Anstalt große Aufregung hervorgerusen hatte, gelöscht werden. 8. mvwt tm Mk. 9R& Sie Zelischkllt .Pastftina' erscheint »leb«. Das Zionistische LmDeskomitee hat beschlossen, die ZciHchrifL „Palästina", die zuletzt vom Wiener. Zionistischen Lande skomitee im Jahre 1912 Lurch seinen damaligen Vorsitzenden Adolf Böhm heraus^egeben worden ist, a b 1. Zs 2 n n e r 192 7 wieder erscheinen zu lassen. Die Redaktion wirb Herr Adolf Böhm im Einvernchmen mit Dr. Leo Goldhammer führen. Doppelheft 1/2, Jänner-Februar, erscheint in Kürze. Da;ugiNpreise: Für Oesterreich: Einzelnummer 80 Groschen, haUährig Schilling 4.50, gaNMährig SckMing 8.—-. Mir bas Ausland: 1 Dollar 50 Cent?" jährlich.' -mische Anstalten in PaMIna. Die Deutschen in Palästina g ledern sich in drei religiöse Gemeinschaften, und zwar Templer, Evangelische und Katholiken. Den Templern gehören an die deutsche Kolonie am Bahnhof in Jerusalem mit 158 Einwohnern, die Kolonie Haifa mit 347 Seelen und der Tochterkolonie Nenhardthof (vier Familien), die Kolonien Jaffa und Walhalla mit 260 Seelen, Sarona mit 176 Seelen, Wiltjelma mit 800 Seelen, Bethlehem in Galiläa mit ICO Seelen, zu lammen etwa 1400 Seelen. Der Besitz der evangelischen Kirche umfaßt die Kaiserswerther Schtvestern (Krankenhaus in Jerusaleni und Mädchenwaisenhaus in Talithaknmi), das syrische Maksenhaus mit der Kolonie Bir Salem, das AnSsätzigen-'Asyl „Jesus Hilfe" in Jerusalem, der Jerusalem-Verein (Mission) in Jerusalem, Bethlehem, Betsahur und B:tdschala, die Jerusalem-Stiftung, das evmi^c iiche J.lstitut filr A terlumSiviffenschaft und schließlich die zum Seelenfang unter Juden und Mohammedanem bestimm e Karmelmiftion. Deutsche katholische Anstalten sind: daS Sankt Paulus(wspiz, die Dormitio, eine Mädchenschule, das Erholungsheim EmmanS und das Hospiz zu Tabgha am Seü Genezareth, von dem jedoch 25 Schulen nach der Grenz-- regulierung französisches Mandatsgebiet nmrden. Auch die deutschen Borromäerinnen unterhalten einige Institute. Sin Fest in Abestinken. Aus 5öairo wird uns geme.det: Um sieben Uhr früh ritten Scharen von Abessiniern aus Addis Abeba hinaus, den Jahrestag des Sieges RaS TaffariS über die Heer Lidj Daffus zu feiern. Eine weite, ebene Wies, twai drei Bicrtelsttmden vor der Stadt, war für das Fest auser-- sehen. Die ganze Straße rvar ein einziger Festzng. Eiw Bild aus Len romantischen Erzählungen Walter Scotts war hier lebendig geworden Barone und Ritter, Sarazenen und Mauren schimen sich hier versammelt zu habm, als? falttc ein Turnier am Hof eines halb legendären Königs abgchaltm werden. Starke Maultiere, vom Kopf bi? zu den Füßen in goldburchwirktcs Scharlachtuch gehüllt, mit den hochroten Ledersätteln abessinischer Granden beladen und von Bewaffneten umringt, wurden hinweggeführt, wmn ihre Herren absaßen, um sich der Gruppe anzuschließen, dieR a S Taffari mngab, den Regenten des RckHs. ' Einige hundert Meter gegm Westen saßen auf einem Hügel fünfzig alte Männer im Kreis, mächtige, tiefgeftimmte Kriegstrommeln vor sich auf dem Boden, die ihre summende Stimme ertönen ließen, als Ras Taffari erschien. Die Altm waren in einem Wäldchen, das auf dem Hügel stand, säst verborgen, aber den ganzm Vorinittag hindurch erschallte die tiefe, unheimliche Musik der Kriegstrommeln, bald inächtig im Wind, dann wieder, wenn die Windrichtung wechselte, fast unhörbar, wie eine unaufhörliche, wilde Drohung. Abessinische Damen ritten herbei auf bunt geschmückten Maultieren, von männlichen und weiblichen Sklaven geleitet. Wmn sie absitzen »vollten, breitetm Diener Tücher aus, die jeden Blick fernhielten, denn bei solchen Anlässen werden die alten Ueberlieferungen treu gewahrt.; Ras. Taffari selber ritt auf einem herrlichm Maultier, das von goldgewirktem Tuch ganz bedeckt war. Zügel, Sattelzeug und Steigbügel waren aus dem feinsten Leder, mit Silber schwer beschlagen. Der Regmt erschim mit einmt glänzmden Geleite Reiter und Fußknechte; eS fchim di Norgen sonne auf glitzernde Gewehrläufe, «mf silbergezierte Schilder von Nhinozeroshaut, auf die Spitzm von mannslmrgm Hellebarden mit Elfmbeingriffen. Der Regmt betrat mit einem Teil seines Gefolges den Platz. Inzwischen bildete sich eine auf beiden Seitm von einer dichten Mensckprunengc eingesäumte, offme Bahn von etwa 300 Meter Länge, an dorem Ende zwei prächtig gerüstete Ritter Mfzogen. Der eine, der den anderen verfolgte, stand aufrecht in den Bügeln und schleuderte seinen Speer gradaus. Der Verfolgte wandte sich wie ein Blitz im Sattel um und packte dm surrenden Speer in der Lust, als er nebm seiner Achsel vorbeisauste. Dann wandte er sich und nahnr mm selber die Verfolgung auf, aber als er den Speer schleuderte, ging dieser weitab neben dem Ziel vorbei und fiel unter höhni-- schem Lachen des ganzen Publikums zu Boden. Dan» trat ein nmeS Kämpferpaar in die Bahn. Die Kaiserin tmf ein, in emem gewaltigen Schwann von Reitern, Dienenr und Sklaven, die durcheinander redeten und schrien. Würdige Fürsten saßen in Gruppen herum, den schrvarzrn Wolll burnus ums Haupt gewundm. Die kaiserliche Leibwache führte ihre Drillübungen vor, Kavallerie galoppierte in kühnm Windungm herum. Einer nach dem andern kamen die Ras mit ihren Mannen, bis zuletzt min destens zehntausend Krieger versammelt waren. Halbivilde Lmte mit buschigem "Haar aus Sem 'Innern des Reiches tanzien, in der Rechten den Speer hoch.'rhoben, über dmr linken Arm einen fchwerm Schild sch vingend. Und über dieses Schauspiel dröhk'te ohne Unterlaß der dumpfe, aufreizende Rhythmus der KricgstMmmelir.