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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-05 · Heft 2852 (5.2.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2852 (5.2.1927)
Date
1927-02-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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3«te § Wien, Eamsvrst Wiesee Mo-gb«-ett«»s §. Februar 1987 Ne. «B Der »riefwechsel zwischen Weirmann und Marshall. PalSftiua «ud Sie Notftautsattioaea la Stzrmopa Die I T. A. veröffentÄcht Evllärungen Wöizmanns in der am 18. Jänner imNowAaÄer MeRa-Ternpc-l st^.tgehabteil zionistischen Massen« Versammlung. In dieser Rede machte President Weizmann genauere Mitteilungen scher sein Ab- Lammen mit der Iaint-Gruppe und eS wuvre mich stin Briefwechsel mit Mar sh-all 5>etanntgegeben. Zu Deg'.am der Dersommlurrg berichtete der Vorsitzende, Lvuis Lipsky, Präsident der Ämerrkanischen Zicmistischen Onganiiasion, daß die Zrvist'.gkeiten Zwischen Zioniisten >unld N-ichtzionisten -in Amerika beendet seien, und mies auf die Daüsache hin, Lnß Richter Otto Rosalski den Vorsitz über das Mw Jorker Komitee des llni&ft Pateftine Appeal, das eine Quote von zweieinhalb Millionen Dollar aiuifzubrin-gen hat, über» noamnen hat. Hierauf verlas Dr. .Wr-Wmarrn, wiederholt von Beifall unterbrochen, das von ihm und Mvrshall unSm^mchnete Dokument und erwähnte dabei, daß die Unterzoichnung am Tage vorher, am 17. Jämier (14. Scheavat) erfolgt ist. In seiner Erläuterung zu dem Mkommen führte er aus, daß der Bericht der irach Palästina zu entsendenden Sachverständigen-Kommiss-ien als Basis für die Aufstellung de s A rbeitSp rag ram>m s der I c - wisch Agency Äenen wird. Gestützt auf diesen Bericht, tvird auch die Höhe jenes Budgets festgesetzt rnerften, das die Agency zur Turchsiihrrmg ihres Avbeidsprogramimes in Palästina benötigt. Dr. Weizmann kündigte ferner an, daß das Komitee um die Pe ßa, ch - Ze i t herum die Reise noch »Palästina rntreten wird. Ihren Bericht wird man ' . gegen End« August erwarten dürfen- Möglich ist aber auch, daß gewisse Teile des Berichtes erst in einem Jahre fertig vorliegen werden. Der Hauptipmttt des -Unterzeichneten DcÄumentes und das Ziel der Sachber'stän'digen-Kommlssion, fuhr Dr. Weidmann fort, ist es nicht, die.Frage zu becvntparten, oft Palästina ' amf den von beiden Seiten Erkannten mchionalen Grundlagen ausgrftaut werden soll, sondern wie und in welchem Tempo der Ausbauvon-statten gehen kann. Dr. Weizmann lenkte die Aufmerksamkeit des amerikanischen Judentums darauf, daß -in den nächsten 16 Jahren Wer das Los des Jcrhrlüiuisende alten Traumes des jüdischen VoKes, ' Zion wöSder aufzubanrn, entschieden werden wird. Er fügte hinzu: Es liegt in den Händen des gesamten jüdischen Volkes und insbesondere desamerikanischen Judenttlms, das Schicksal Zions für kommende Geschlechter M bestimmen. Richter Otto Rosalfki hielt dann eine. Ansprache, in -der er auAführte: Ich komme , jetzt als ein Bote des Friedens und der Einigkeit. Aus der Mitte der heutigen Versammlung ergeht der Nus an das amerikanische Judentum,, einig zu, sein in. der. großen historischen Mission, die die Geschichte dem gegenwärtigen jüdischen G-aMecht auserttgt Hut. Es ist uns. die Möglichkeit gegeben. Pal ü st i n a a l s dieHeimgt d y.s jüdischen Volkes auszu bauen. Groß ist die Verantwortung uns selbst gegenüber sowie gegenüber den Einstigen Geschlechtern. Zum Schlüsse verlas Richter R-csalM die zwischen Dr.- Weizmann und Louis Mars hall aasig-odauschten Briefe. Das Schvsiben Dr. Weizm-annS «ur Ddnrshall- ,Ms ich'in Amerika eimtraf, erfuhr ich zu meinem Beidauern, daß diejenigen, die die Verantwortung für die Hilfe an die notleidenden Juden Europas im Wege der United J-ewish Campaign Liberncmmen haben, über dt e Stellung gewisser Zsonisten zu diesem großen hmnanitären Werk in Erregung geraten sind. Ich ergreife darum die Gelegenheit, um meine Stellung in dieser Sache darzuftgen. Im Mai 1626 erhielt ich von David M. Brown, dsm späteren Vorsitzenden der United Jewihh Campaign, die telegraphische Einladung, mit ihm in Paris zuiammen-nkonnNen, um die geplante Campa'ign in Amerika zu besprechen. Herr Brown hatte eben Palästina un>d Rußland besucht. Wir hohen uns -in Paris sehr offenherzig aus-gofprochen. Ich stimmte mit ihm vollkommen dgvin überein, daß die Not groß ist rmft die Hil'fe bald zu erfolgen habe. Ich habe nur einige Zweifel i n b e z ug a u f ft i e in Rußland geplante Arbeit geäußert. Im Vertarkf der gangen Unterredung stimmten wir durchaus darin üfterein, daß die Arbeit in Palästina in einem. größeren M o ß st a ft als bisher fortgeführt werden müsse, webe! gleichzeitig die Hilfsaktion im Interesse jener Juden, die in ihren Wohnländorn verbleiben, voll anzueickennen sei. Wir waren uns beide klar darüber, daß die Juden Amerikas in der. Lage stnd, nicht allein die volle Verantwortung betreffs , der Hikfe für die notleiftenden Brüder in allen Teilen der Welt, sondern auch fiir den Aufbau Palästinas zu tragen- Bedauerlicherweise aber traten in Amerika unernrartcle £nt,mex\cftelten in Erscheinung. Die Träger der zionistischen Mivn gllmbten, daß das Kolonisationsivork m Rußland dem Palästina.Werk Konkurrenz bietet, sie hatten auch ftas Gefühl, kutz eine umfangreiche Hilfs-kampegne in Mmerika die zionistische Energie schtvächen und die nattveudige Geldau Bringung für Palästina beeinträchtigen würde, wcftei sie von dem Bewußtsein durchdrungen smven, daß Palästina jetzt größere Mittel als je benötigt. Auf der anderen Seite wandten die Führer der United Jewish Cain-pvign des Joint erklärlicherweise ihre konzentrierte Dusmerüsamkeit den Problemen OsttnroPaS zu, auf die dort herrschende oknte Not hinweisend. Die Stellungnahme der zionistischen Führer wurde von ihnen deshalb als eine Störung ihrer Arbeit envpfunden. Das Resultat war, daß «die bei'drrse'ldigett großen Bewegungen Schaden gelitten haben. Wäre die Harmmrie nicht gestört woiben, dann hätten fteifte Mionen weit größere Summen Geldes erhalten, als Vis fetzt eingeflossen sind. Das Joint Distrrlbuti-on Committee HÄ Zoit feines Bestchens EfriLchtiyeS Jntaresfe für Palästina bewiesen. In seiner Geschichte ist k e i n c r u ziger Fall zu - verzeichnen, wo die NoÜveEgkeiten Palästinas nicht airerkannt worden wären. Ich glaube, mich nicht zu irren, wenn ich sage, daß vonften 62 Millionen Dollar, die von der Unitüd JswU) Campaiign bis jetzt g-ssammett wurden, mehr als 7 Millionen Dollar stir Pcilästi-na verwertet worden sind- Ich weiß es, daß auch von den. währer.ft der jetzigen Kampagne ein'fließenden Geldern einige. Millionen Dollar . ist Palästina Der- IfeM Her WM. Bisltrreldis. Morgen Sonntag, den 6. Februar, um 11 Uhr 1 vormittags, iin Verbandshelm, I., Schottenrmg Nr. 13 : (CafS Müller) Fortsetzung der Diskussion über die Pariser Konferenz der Zionisten-Revisionisten und Über die Frage der Jewish Agency, - ■=-■;.•==== Zionistische Gäste willkommen f werl.'ung finden sollen. Mrg dies-os'Geld nicht direkt dem zicinistischen Dinget zr-geMir-t weiden, so dient es doch dem Aufbau Palästmas. . .. . Gewiß bestehen zwischen uns Meinu'ngsver'schiederch'eiten: Es sind Menschen varchal.iden, die bis jetzt noch keirre NevMng zeigten, unsere Möglichkeiten und Hoffnungen betreffs Palästinas m Betracht zu ziuhen. Doch achtete ich stets den Standpunkt dicher Leute und hoffte, daß noch e-ine. 'Zeit kommen wird,' da alle Juden dieses großen Landes, Zionisten und Mchtzionisten, an der Eniwicktrvng Palästma-s Mitarbeiten werden. Ungeachtet -dessen, daß wir Zicm-isten uns ganz -dem Palästina-Ausbau widmen» wünsche ich, das; alle Ziomsten eS anerkennen sollen, - daß jeder Jude seine oigenr Mcbnung dEübar haben kann, wadem Judentum not tut. Mr müssen uns bemühen, mit unseren nichtzionistiischen BriDern, ftle d i e P r i o r i t ä t Pa last i n v 8 über das HiW.vrrk in anderen Ländern nicht anerkennen, freundschaftlich zusammenzuaifte-iten, mag es sich um eine ze-itweillge oder mm eine konstruktive Arbeit handeln. Erlauften Sie mir, daß ich mich mit einer ernsten Bitte an alle die Laüisellden Männer und Fragen des großen Landes wenide, die rat Verlauf von mehr als zehn Jahren freiwillig'die Verantworbung und die Last, für >die grauenvolle jüdische Sage in Osteuropa im Kriege und nach den: Kriege getragen haften: Mögen sie alle die Mihstimimuntzen vergessen und daran denken, daß wir Juden durch em historisches Ba-nft und durch Veranlworbuny für unsere Zukunft aneinander gebunden sind. Der Fried» tmt uns dringend not, der Frivde zwischen allen Kräften deö amerikanischen Judentums, damit wir jene Eiligkeit erreichen, die allein in dem höchsten Interesse des gesamten jüdischen PoNes hier wie überall gelegen ist." Louis MarshaÜ erwidert«: „Ihr Schreiben, das einen Appell fiir Frieden und Einigkeit, unter den Juden und eine Freundesbotschaft brdentet, hat bei mir. gposte Fveufte geweckt- 1 Ihre Worte haften eine vertraute Saite m meinem J Herzen sowie an den Herzen aller derjenigen, mit denen ich zu gsmeinfamem Ziel verftqrnden bin, erklingen lassen. Da wir immer an den Geist der .Harmonie und des gegenseitigen Vertrauens unter der Judenschast Amerikas von .Herzen geg-^nD! haften, haften die Um stände, auf die Sie anifpielcn »md die die letzten 18 Morrate andauerten, bei uns t-ieststen Schmerz geweckt: die uns allen teuer g'eworft-ene Arbeit schien uns bedroht. Unter denkenden Menschen ist eine vollkarnmetve Ucftereinstimrnung eine Unmöglichkeit. MWich ist aber stets ein Respektieren der Dteinnng des anderen. Eine aufrichtige rmd in höflichen Formest ßcfiifttt-e Diskussion ist wünschenswert, allein ein mit Bitterkeit grstihrter Parteikampf kann jede Zusannnenarfteit mumöglich machen. Sie'haben nun in Ihrem Schreiben eine genaue Diagnose der Lage gegeben und sind mit gerechter, taktvoller imd -durch- . greifender Methode, scwie mit Klarheit mld Offercheil an die Lösung der SchmieriKkeitett heran gegangen. Dies ist für Ihre Person charMensti.sch Ed ercheftt Sie auf die hcihe Sbuse des F r ietde nft ringe vH und aiufbau enden Führers. Im Namen meiner Freunde urd in meinem eigenen Rainen spveche ich J'-nen »den tiefsten Tank für Ihr Schreiben anL; wir ergreison. mit Fr^rtde d<e uns dargereichte Friedenshand und schon in Ihrer Tat Len iifterzMgeniden Beweis dafür, daß der Kmnpf in den Reihen des anVMkanischcu Judentums aufgiehlört hat. . Mögen die fr'.'i'evett Me'mungiAverschickdervheiten iit Vergessenheit sinken und der Friede nngMrt bleiben, auf dem — w>:-e unsere Weisen sägten -die Welt erbaut-ist, von welchem aber auch die Existenz von Juden nnft Judentum abhängig ist. Mit wiederhevgrstellter Brüderlichkeit werben wir wieder die Km st finden, Fraunften wie Feinden darzutun, ftaß wir in Einigkeit weiterhin unsere fte^uterldr Beistsner zu Z-ivililfakion, Knlhux und Wahlsthrt der Merts-ckheit leisten Werften. Felix Warburg in PMftlna. ' Wie der Zionistischen -Korr-esponftentz aus Jemsälom gemeldet 'wirft, hat der Präsident des Joint. DM'ftntion Commiitte, Felix W a r-ft « r %,. Montag Patäistina wieder verlassen-- Sonntag hatte er . eine Besprechlmg mit dem Keren Hajessod-Dire-ktarium. In der Sitzung der Z t on i ftn s ch e n P a l ä ft i nxi *. E xekn t i v e. Mmftnrg. wie -berichbet, beiwohnte, hörteer ein Reserat Wer die Lage in Palästina: an. ' In seiner Rede umterstrich Felix Warftupg^ seine Äw erk.enn.ung für bie zi-onistiischen. Leistungen in iPvlästi-rta und gab. sein-er vollsten Spimpaihl^ für das An-jiba-uwerk Anrftruck. Er schllfterke da s Z ustan b ekomm en ft e r Iew i s h Agency durch Weizmann ltmd seine Bemühungen «und versprach auch für weiterhin sein-e aktive MiHil'fe. Vor.der Mreise aus Palästina erklärte Marburg den Vertretern der palästinenstls-chen Presse, daß -die großen Fortschritte', die in ften drei Jghren seit seinäm früheren Besuch in Palästina überall erzielt worden stn-d, t i e f e n E i n d ruck auf ihn gemacht haften.' Er ha'be das vollste-Vertvam'en: daß, ungsachbet der gegenwärtigen Krise, die Arbeit desjüdischen Volkes das Land baldigst zu neuer Blüte ftvingen wirft. Die lauftwirtschaftlichen Si-cftlungen zeigen - einen g^fünften Fortschritt. Die Entwicklung der ländw-i rtschaftli-cken Jnidiustrie biete gvotze-MiöglichEeiten. Das Interesse Amerikas am Mederaustöäu Pakäst-inas sei im Zu-nehmen ftrgrUen. Die VerhaMungen Wer die Erw'eiterM'g fter -Jkw'tsh Atzemy vensprechen den ge° w ü-ns'ch te n. Erf o lg. Die Sachverstan'd-igen-K'onr- Mission werft» in»I'Land, kommen,, uim im Geiste fter schöpferisck.'en Mltthilfe den bcsten Wrg für die Erreich un'g d e s g i on i st i sch e n Z 4 e 11 8 zu finden. Er hoffe, daß idie Kommission unter Mitarbe-it des J-lschuw die GruMage legen wÄ-fte siir ftie Erreichung des Zieles im Lapse von zehn Jahren. Lle llvterredimg zwWen Cobmel M« md SderkommWr Ponsot. Jerusalem, 4. Februar. (Zion». Kopr.) Der Vorsitzende der Zionistischen Palästina-Exekutive, Colonel Kisch, hatte eine UnterrebEg mit ftem französischen Oberkcmmissä-r von Syrien, Pan s o t, fter dom High. Comm-lssioner Lvrft .P f Ü m e r in Jevusalem einen Besuch ekycstattet hatte. Pansot kennt Kisch noch aus der Zeit des Plebiszits in Obsnschlesien. Poript gab seinen Sympathien und seiner Bewunderung fiir das jüdische Aufbauwerk in Palästina Ausdruck. Nr weißruffische Berschwöruug iu Poleu. Warschau, 4. Fcftrnar. Der Jmm«u nitä-ts^ ausschuß des Sejm hat m einer bis Mitternacht dauernd^ Debatte die Auslieferung der weitzrussischen Abgeordneten mit acht gegen vier Stmrmen bei zwei Stimmenenthaltungen beschloss e n. Gegen »die Auslieferung wv-ren die jü d M che n Deputierten und die Vertreter der'anderen n a t i o n a l e n. M i n ft e r h e i t e n sowie hie polnischen Sozialisten, während die Nationalsozialisten ustd die Bauernpartei sich der Abstimmung en'Hiel-ten. Die Etttschei^ürrg fällt im SÄ'nvplenuni. ' «

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