Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2851 (4.2.1927)
- Date
- 1927-02-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I fabtttat 1m nt. SKi «im, Stctto« ®U*«t .] .- — .-..—wJ-!-—— --- -— ... ■—Ii) flitw»n,I1HU—...V.. das rückwärtige Tor ins Freie gelangt mW zogen den GozkalKe«, denen sich' inzwischen zahlreich« Passant«« an. geschlossen hatten, nach Zwischen Parlament und Rathaus erreichten die beiden Gruppen einander, und «I kam hauptsächlich Lm RathauSpark zu Zusammenstützen, bei denen die Wache ivi-derholt «inschreiten Mutzte. Die Polizei nahm fünf deutschnatimal« Studenten sch. Gegen Wittag war die Ruhe an der Nniversttät wi-dtt vollständig httgestellt. Dieser Zustand dürfte jedoch nicht lange anhalten, da die Hakertlreuzler wieder einmal einen größeren „Gewaltstreich" planen. Ein nicht zu verkennende- Symptom hiefür ist» daß der Frsntkämpferhäuptking Oberst Hiltl die jüngst vom Rektor mit einem PiMenschuß leierlich eröffnere Schkeßstätt« in der Universität inspizierte. rr. Reauer «btt lttr SchleMttt. In seiner gestrigen Red« tm Rationalist kam Abgeordneter Dr. Renner auch auf die gestrigen Universität-- krawalle zu sprechen. Er sagte u. a.: „Die Universität, die heute wieder der Schauplatz von Krawallen war, Ist das eigentliche Rekrutierungsgebiet der Frontkämpfer und der Hakenkreuzler, die Pflanzstätte, wo nicht di« Idee der Wissenschaft, sondern geradezu das Evangelium der Gewalt verkündigt wird. Sie haben versucht, an der Universität die Technische Not- Hilfe etüzurtchten, das ist Ihnen nicht gelungen. Jetzt haben Sie dort eine Schießstätte eingerichtet. Sie haben eine sogenannt« Studentenlaminer, die eine sr«te Bereitung rst, sich aber den amtlichen Titel einer Kammer an,näßt. Das Amt für Leibesübungen fordert die Räume für eine Schießstätte an und das Rektorat iiefert sie mrrktvürdigerweise au». Als unsere Leute Wer die Entweihung der Universität und über die einseitige Begünstigung Beschwerde erhoben, sagte ihnen der Rektor» Ivrnn die andern etwas Positives schaffen, wollen Sie es hinterher hindern, im übrigen mögen Sie sich auch eine solche Einricht u n g schaffen. Darauf kann man dem Rektor nur erwidern, baß diese Studentengruppe seit fünf und mehr Jahren einen Raum für wissenschaftliche Zwecke verlangt und keinen erhält. In diesen Schteßstätten wird nicht etwa der Sport geübt, «S fei denn, daß Sie in der Be* drohung der Bolksmafftn, die auf ihren demokratischen Rechten bestehen und sich von den Universitäten nicht terrorisieren lassen wollen, eine Art Sport sehen wollen. Wir.werden darauf ächten, daß das Erschießen von Arbeitern n i ch t e i n Studentensport werde." Keim Weordvere« bei Aktienbank«. Der UnvevÄubarkeitsauKschuß des NationalrateS hatte chinerM einstimmig beschlossen, daß vom 1. Jänner 1927 an, Stellungen bei Akiicngesellschaften, die bank»' mäßige Geschäfte treiben, mit dem Mandat eines Mitgliedes des Nationalrates unvereinbar sind. Alle .Zone Abgeordnete«, die eine solche Funktion itruehatten, wurden ebngeladen, bis zum 81.. Jänner 1927 nachzuweisen, daß ste diesem Beschluß des UnperÄnbarksitSausschusseS entsprochen haben. Seitens aller dieser Mitglieder des Rattonalrates liegt nunmehr die Nachweisung vor, daß sie die mit ihrem Mandat unvereinbar erklärte Funktion z u r ü ck g e l eg t haben. Ab 1. SDföti 2000 [öfter Friedevrjlo»??ine Aktion deS Reformuerbandes. Dir im Resörmvcrband der Hausbesitzer Oesterdeichs organisierten Hausherren werden, wie Vizepräsident Tichy gestern in einer Versammlung mitteilte, unter Berufung auf den §14 des MetengesetzeS von allen Wohnparteien den z w e i t a U fe n v f a ch e n Friedensz t n s fordern. , In der Kundntachung, die in allen Häusern angeschlagen wird, wird d.n Metern zur Kenntnis gebracht werden, daß ab 1. März der zweitausendfache FriedenSzins zu bezahlen ist. Sollte ein Mieter einen geringeren Betrag bezahlen, so wird dieser als Anzahlung auf obigen Mietzins betrachtet und gleichzeitig die ger i ch t l i ch e Z1 n s k l a g e eingebracht, dies auf Grund eines Gutachtens des Bausachverständigen über die unbedingt nottverchigen Reparaturen. Lesterreichlsche Keren -akM-AMo». SamStaa, den ü. Februar 1927, 6 Uhr abends, siithet im Festsaale des Hotel Metdopol, 1. Bsz., Morzin- Platz, die diesjährig Kottferenz der Keren Hajessod-Drive- Mitarbeiter statt. Tagesordnung: >1. Begrüßungsansprache durch den Präsidenten der österreichischst Kate» Hajessod- KyMmisfion Herrn Oberrabbiner Prof. Di» H. P. ChajeS; 8. ein Referat sibet den Koren Hajesfvd und den Palästülaatlfbail, das der bekannte englische Arbeiterführer und Fdeund deS Zioiliönms, Mitglied des englischen Unterhauses und britisch^ Minister a. D. Colonel I. Wedgwood erstatten wich; 2. der diesjährige Koren Hajesfod-Drive, Referent Dr. R. M. Gelber. Sonntag den 6. Februar, 10 Nhr Vormittags Vorführung doS Neuesten Palästina,AmS km Kino Kern (Prater, neben Lustspieltheater). Die Ansprache hält der Bizerüsident der Israelitischen Kn^tusgemcinde Herr Dr. Josef öwenher-' 3ade au» Keechi Äon Kurl Münzer. Zweimal ist es unwiderftchttch, von sich selbst zu derichten, aus sich ein Buch zu machen. Das erste Mal, WMN man jung ist; und das andere, wenn sich die Jugend wieder meldet. DoS findet beim Altern statt. Hat man die Vierzig hinter sich, spürt die erste Müdigkeit deS Herzens, die erste Sehnsucht nach Ruhe: um diese Zeit wehrt sich die Jugend noch einmal. Und da handelt man wie ein Jünger: man reißt das All an sich; man liebt j man fließt über, man selbst, das eigene Dasein, in ein Buch... Ich» ich selbst bin nur in zwri Büchern zu finden, in meinem ersten „Der Weg nach Zion" und in diesen, meinem letzten „Jud« ans Kreuz!" Ich habe nie «in Buch «schrieben, wett ich wollte, wett ich sollte. Nur wenn ich mußte, wenn Ich sonst, schweige,w, kaput gegangen wäre, schrieb ich. De-haA habe ich in zwanzig Jahren kein« zehn Roman« geschrieben... Vor vier Jahren, a» einem Novemhemachmittag, hatte ich eine Halluzination. In einem ebenerdigen Stübchen in einer Stadt an der Schmizer Grenz«. Es war trübe und kalt, und ich sah, dicht vor mir, in schrecklich lautloser Leibhaftigkeit, ein« KreuziMg. Line entftsse'te Menschenmenge, aus unserer Zeit, geiferte einen jungen Juden an, den sie ans Kreuz heftete. An Weib befeuert« sie... ES wuchs leer um daS Kreuz, und «S kam ein Mädchen, das auf di« Knie fiel vor dem LeldenSamtttz, und es kam die Mutter... Es waren wenig« Sekunden, nnd ich «lebte eine Ewigkeit, rin «vigeS' Ereignis, ein Symbol, das immer wiche« realer Vorgang wird. So begann ich mein Buch von hinten. Don der entgegengesetzten Seite. Es ist ein jüdisches Buch... Aber damals dächte ich noch an kein Buch. Jahve vergingen, und jenes tief geschaute Bist» wurde ein Kern, um den herum ü □ fl L Eine Bibliothek Von 300 Bänden! Eine Palästinareise! Fünf Dunem Boden In Palästina I Des sind die eilten drei Preise der großen Kreuzworträtsel«Konkurrenz, die nächste. Mocks In der ,.Wiener Morgenrel uns" beginnt, Sie umfaßt 50 Rätsel. Außer diesen dr£i HauptpfeiSen können Sie eine ganze Reihe anderer großer Preise gewinnen. Fünfzig Rätsel — fünfzig Preise! Beachten Sie unsere weiteren Än* kündigungen I sich eine ganz« kleine Welk kristallisierte. Meine Jugend schoß dgzu, eigenes Erlebnisuttb Milerlebtes, aus jedem Tage strömte Ereignis her. Es kamen die Berliner Nächte der Pogromraferei. Ich fuhr nach Bor in, uiU> in meine Stube stürzten bleich« Menschen, die man verfolgt, bespien, verletzt hatte. J>n Ghektoviertel wurden Md«n geplündert, Kinder mißhandelt. Ich wußte nicht, daß es in mir arbeitet« ... Eines Tages, früh.morgens, wieder im November, begann ich zu schreiben. Ich schrieb zwanzig Tage utfo Nächte, ich ließ niemanden zu mir. Ein Hündchen »rar mein Zellengenosse. Und nun r „Dieses Buch ist kein Mich." Es ist ein Ansbruch, es ist das tmckte Leben, es ist die Wahrheit. I ch bin es. Du bist es. Wir fittb es, geliebte Menschen meines Bluts. Cs hat eilt« Form gewonnen, ich kann Nichts dafür. ES ist ein Roman geioorden. Aber Jude fein ist ein Schicksal. Und Schicksal ist Roman. ES ist kein Buch: es ist daS Heut! Ich Sin so sehr und' ausschließlich IM, daß ich kan« Zeit gar nicht wußte, daß ich es bin. ES war das elnM SelSstperstäMiche. Als ich den Haß gegen den Jichsn aus- Srechsn sah. da erst wuchs ich mir bewußt, da veivnts ich eS, da kehrt« ich es heraus, da trug ich «S wie Erlesenheit und Schönheit: ich bin Jude. Ich bin nichts weiter. Ith habe keim Heimat als: Jrchenhüt. Ich bin nicht, wie ein M größerer Bruder, »Jude und Deutsches, ich bin Jude in Drutsch'and. Und davon spricht mein Buch Ich möchte so gern kein neues Mehr schreiben. Aber svenn ich denn noch länger leben soll, so wird noch Jahr Md Dag — mein Herz, mein Blut mich wieder zwinge«. Schreiben ist Eicht, Aper erleben, bevor man schreibt, ist schwer. Ich hin zM Erleben geboren, von meiner Mütter, von der ich dieses inbrünstige Erleben gelernt habe. Zu allerletzt schvM meine Mutter in mir, schreiben vielleicht — Geschlechter in mir. Ihr werdet vielleicht -*•* tr«t>« s dieses Buch lieben, es wird — vielleicht — Euch rühren. Euer Herz bewegen, Euch trösten: ich kann nichts dafür. Ich habe «S nur ausgeschrieben. Ich habe eS nicht Mm erlebt: Ihr habt es erlebt, Ihr habt es erlitten, Ahs habt es auch geschrieben. Alte «ad «« SchlNnge. Die »es EUver«. Auf dem Silbermarkt ist in den letzten Tagen eine angemeine Preissteigerung eingetreten, die man vor allem auf Eitberküuft der chinesischen Regierung in London zurückfühlt. Diese Preissteigerung deS Silbers hat auch in Oesterreich eine Erhöhung der Einlöfepreise für Silbermünzen mit sich gebracht, Re bereits in Kraft getreten ist. Während bisher die alten SilberschiNinge, die bekanntlich mit 1. Jänner außer Kurs gesetzt ttntrden, von der Nationalbank zum Silberkurse von 63 Groschen eingelöst wurden, werden für sie nunmehr 69 Groschen bezahlt. Gleichzeitig wurden auch di« Etnlösepveise für die Silbermünzen der alten Währung erhöht, unb zwar befonmtf man nun: Für ein Einkronenstück 0ch1 Schilling, für ein Zwe i k r o n e n ft ü ck 1.6L Schilling, für ein Fünfkronenstück 2.10 Schilling, für ein Eing ul d e n st Ü ck 1.36 Schilling, für rin Zw« j g u t d e n st ü •* S.76 Schilling. LungentudeMose overatt« heilbar? Aus Karlsruhe wird gemeldet: Anläßlich der Tagung der Notgemeinschaft der deutschen Wisseirschast in Karlsruhe fand in der Fssthalle eine große Kundgebuirg statt, die vom Vorsitzenden der Notgemeinschaft, Staatsminister Dr. Schmidt-Ott, geleitet wurde. Den ersten Vortrag hielt der hervorragende Münchener Chirurg Geh:imrüt Professor Ferdinand Sauerbruch Über „Fortschritte der Chirurgie, inSbesoiidere operative Behandlung der Lungentuberkulose." Et wies auf die Entwicklung der Chirurgie in großen Zügen hin. Unter den Fortschritten sind besonders die der Brustchirürgte hervorzuheben. Die Möglichkeit, akute und chronisch« entzündliche Erkrankungen der Lunge operativ erfolgreich zu behandeln, ist ein großer Gewinn. Bon ganz besonderer allgenieiner sozialer Bedeutung sind die Fortschritte auf dem Gebiete der operativen Behandlung der Lungentuberkulose. Sanerbruch wies an Hand historischer Betrachtung nachwie sich allmählich der Gedankt, tuberkulöse Lungenkranke» denen klimatische und diätetische Behandlung nicht hilft, durch bestimmte Operation bgt Heilung zuzuführen, entwickelt tzät. Der Grundgedanke aller chirurgischen Eingriffe bei der Tuberkulose ist die künstliche Erzeugung von Schrumpfungsvorgängen. DaS kann in sehr verschiedener Weise geschahen: Durch Einblasung von Luft in den Pleuraraum (Pneumothorax), durch Einengung des tzgUM Brustkorbes, durch Kürzung der Rippen, durch Einfügen von Fremdkörpern, die die Lunge zusammenpressen (Plomben) und durch künstliche Lähmung des LwerchfeNmuskels. Er besprach daun im einzelnen diese verschiedenen Förmm und setzte ihre Wirksamkeit auseinander. Es gelingt auf diese Weise, etwa 35 bis 49 Prozent SchweruNd Schiverstkranktt mit einseitiger Tuberkulose zur H e il u N g zu dringen. 30 biS 40 Prozent Werden weiter erheblich gebessert und der Arbeit zutückgegeben. Die Erfahrungen stützen sich auf eine große Zahl von operierten Kranken, allein von SaUerbtuch fast 1000. Der Redner stellt die Tragiveite dieser Behandlungsmethode dar uw empfahl wärmstens deren noch Weitere Verbreitung. Sie spanische Grippe in Budapest. Budapest, 8. FeLruar. Nach einem Barichto -dös Ha-upilstädtischen OberHlchsikatS ist am Dienstag keiu neuer Füll von spamiischer Grippe gemeldet worden. Bon den schon srülhcr wfligemeldsten tot GriHpe GrkraWen sind drei gestorben. 53 neue ErkrMktmgen an J«nfluenza werden gemeldet. Eine Person ist «e stör den. MitAvoch wurde ein F ü N vom s p a n i f ch 11 G r ippe gemeldet. Eme Peiffon ist an Grippe gestorben. An diescint Doge sin>d 34 NeuerLranlsingen an Influenza gemeldet worden.- Hievon ist e i n e Person ge st o r.6 e n. ttngtitutt SartMltBns ta Snlgoiln. Sofia, 3. Jäntter. Die i Grippeepidonvi« in Bulgarien nimmt immer grSßeren Umfang an. In den Städten BurgaS und Küstendil sind 80 Prozent -er Bevölkerung an Grippe erkrankt. In Sofia sind sämtliche Schuten und Kinotheütör geschlossen. Die Zahl der Todesfälle ist sehr hoch. stiller aus der Hast euttaffr«. Prag, 8. Februar. Wie aus sicherer Quell« mitgetvilt wird, wurde der in der Cobur-c,-Affäre vielgenannte Dr.Eisler heute aus der Haft entlassen. Das Strafverfahvcn gegen ihn wird eingestellt werden. Durch ein« länger« und sehr eingehende Untersuchung, die auch außerhalb d.'r tschstchoflowakischen Republik (in Wien ußd Budapest) durchgeführt wurde, wurde festgestellt» daß von irgendeiner Bestechung amtlicher oder ofsizieller Personen überhaupt keine Rede foin kann. In dieser Richgt re i n L a t b e sta nd vor. Die Dtsserenz« dem Plinzen Cyrill und dem Beschuldigte»,