Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2850 (3.2.1927)
- Date
- 1927-02-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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>2fctte 6 Men, Donnerstag 3 1M< M. wm JÜDISCHE WEIT Aus den Memoiren Adolf Kraus'. eine Kampagne Der „Wcago Jrtöunr vermiettt. Zn unserem vor kurzem veröfsentlichten Artikel über die diplomatischci: Aktionen des Präsidenten des unabhängigen Ordens „B'rmi B'rith" Adolf''Kr auS in Chicago nnrd uns von befreundeter Seite geschrieben: In den in Jhrenl Aufsatz erwähnten «Memoiren von Adolf Kraus befindet sich auch eine Stelle, die schon deshalb verdient, wiedergegeben zu rverdeu, weil dadurch eine für die.Angriffe gegen das Judentum häufig benützte Quelle in das richtige Licht gerückt wird. Die betrefferrde Stelle in Kraus' „Rcminiscences" lautet: Anfangs des Jahres 1923 begann die russische Somjetregiemng die k a t h o l i s ch e u P x i e st c r zu verfolge^ Am 15. April veröffentlichte die „Chicago Tribuns, eines der übelsten Sensationsblätti'r, ein langes Telegramm ihres auswärtigen Korrespondenten, in ivclck'rnr es unter anderem hieß: „Der Papst trägt sich mit der Absicht, an alle zivilisierten Nationen einen Appell zu richten, damit sie. die Sowjetrrgieruug zwingen, die Verfolgung der Christen zu verhindern. Eine hervorragende Persörttichkeit, über die Haltung des Popstes befragt, erklärte der,Triburre': Hier langte ein Bericht ein, wonach einige Sowjetsührer ent* schlossen seien, den Papst in Anklagezustand zu versetzen mrd zu verurteilen. Diese Sowjetführer sind überzeugt, daß Italien früher oder später bolsch»rvistisch werden wird, was den Bplscheiviken. die Möglichkeit gebe» würde, das Ttüwsurteil gegen die Christen auszuführen. Der P a p st h a t die Empfindung,, daß di es e r Krieg gegen das Christentum von Juden inspiriert wird, und verlangt, daß die Juden der erleuchteteren Länder, wie Italien und Amerika, die glücklich an der Seite der Christen leben, ihren Einfluß geltend machen und ihren Glaubensgenossen die Verwerflichkeit ihres Tuns, das heißt der Verfolgung der Diener des Christentums, vor Augen führen. Der Papst ist von den jüngsten Vorgängen in Rußland schwer betroffen und ist der Meinung, daß eine gemeinsame Aktion der Vertreter aller Religionen zur Verteidigung der religiösen Freiheit ,not>vendig und nützlich' wäre." So weit der Bericht der „Chicago Tribüne". Am 16. April sandte ich an den Papst ein Kabeltelegramm, in welchem ich den: Bericht der „Chicago Tribüne" wörtlich ziiicrte mrd hinzufügte: . „Es ist unglaubwürdig, daß .Eure Heiligkeit die angeblichen Behauptungen getan haben sollen. Sollten sie aber unwidersprochen bleiben, so würden sie von manchen als' eine Erklärung Eurer Heiligkeit gegen die Juden im allgemeinen hingeftellt werden, was meiner Ücberzeugung nach Ihrem ernsten Wunsch, den Frieden und guten Willen, für die gesamte Menschheit zu fördern, rvidersprechen wrirde." Am 9. Mai wurde die Jüdische Telegraphenagentur von autoritativer römischer Seite ermächtigt, zu erklären, daß „die vatikanischen Kreise es kategorisch in Abrede stellen, daß der Papst die russischen Juden direkt oder indirekt für die Verfolgung der katholischen Priester in Rußland verantwortlich gemacht hätte". ßinheMche MwanrenmgsMW in PalSftiaa. In Jerusalem fand vor kurzem eine vom Einkduö€nmgsb€£arteii!CTit der zionistischen Exekutive eillberufene Konferenz von Sachverständigen auf dem Gebiete der Statistik statt, in welcher die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und Vereinheitlichung der statistischen Verarbeitung des Einwandernrigsmaterlals in Palästina und den Auslvanderuugsländeru hervorgehoben wurde. Die unter Vorsitz des Professors H. P i ck abgchaltcne Konferenz betraute eine ans den Herren Dr. Fr aus, Dr. Hurwitz und H. Gordon bestehende Kommission mit der Ausarbeitung eines gemeinsamen Arbeitsplanes. Ae Heimalftadt Soolldger tSr die PaMIaa- ANiou. ' Aus Newyork wird uns berichtet: In der Heimatstadt des Präsidenten Coolidgc, Northampion, fand im Rahmen des Ziondrives eine stark besuchte Versammlung * statt, die nackt Anhörung der Referate beschlvß, „als Ausdruck dtzr Dankbarkeit für den Präsidenten Coolidge, der zur Unterstützung der zionistischen Kampagne den Präsidenten der zionistischen Organisatrön mi.t besonderer Freundlichkeit ausgenommen und mit ihm eingchrnde Besprechungen geführt hat, einen größeren Betrag für zionistische Zwecke zu zeichnin:". In der Versammlung selbst imtrb'ett sofort lOOÖ Dollar eingezahlt. Bühne und Kunst. „Sie rote Stoße. * Modernes, Theater. Das altbewährte Ropertoivstück Brieux* ist Mar noch immer ein d-anDarer Lückenbüßer, sonst aber ist »La robe rouge" schon cüdoas außer Met^e. Weniger die Tendenz: daß bei dem Streben nach Karriere.im richterlichen Milieu die Ge» rcchtigiöeit zu kürz kommt, findet Verständnis. Der dem Stück gewissermaßen angehan-gtc vierte M mit" seiner kitschigen Sentimentalität nmte-k freilich schon antchuiert an. Gespielt wurde sehr flott. Im Mictelpuwlte Direktor Körner, der. den skrupellosen Untersuchun-gSrichter auf gut preußisch sehr schnod-dering gab, und Mma'La sk, die für ihre'Rolle die entsprechenden wilden Töne hat. Die Damen I ta u-nd Hermann sowie die Herren Kammawf, Hardtnnltih, Jens Friedrich, Favkenhau-sen» Dehal, Gruber und in einer Episodenrolle gang grotesk .Herr Gersth wirken verdienstvoll mit. Das wirksame Schauspiel. gestÄ: »' —D. Konzekivereiuisullg Wiener Staatsopeenchor. Das kunstliehenr.e Wiener Publikum hat den Wiener Operntheaterchvr nicht nur auf der OpevnHühne> sondern auch im Konzertsaal Äs selLständig wirkende.Körperschaft Wiederholt gehört. Nun. wollen die Sängerinnen und. Sänger -es Qperntheaterchores durch die Bi^uwg einer eigenen Vereinigung in Mixen-die Grundlage für regelmäßige, mustergültige Wiedevgaben hederv:ender Chovwerkc. durch Berufssänger scha-f- 'fen. Diese Gründung ist' jetzt vollzogen worden. Opern bheaterbirecktor Professor Franz Sch alt hat -die Funktion des Konzertdirektors .der Konzertvere<n.lgu.ng Wiener. S r a.a tsopernch o r akzeptiert und somit die^ künstlerische Leitung der zunächst geplanten Aufführungen übernommen. -Dietechnischen Vor-berettungew sind .so . weit gediehen,' dirß'die Konzertveremigun-g Wiener Staatsopernchor bereits, am 10. Märg 18L7. mi.r -ihrem ersten-Konzert wivd vor die Oeffentlichkeit treten können. Zur Aufführung gelang im großen Musilocreinssaale die ,Hohr Messe" in H-Moll von I. S. Bach. Dirigent Professor Franz-Schalk; Orchester: Wiener Philharmoniker; .Solisten: -Solpnrstglich.er des . Wiener Opernthoaterß. Es such für jede Saison zunächst zwei statuearische uneventuell ein außcrordentlickes Konzert geplant. ooocQooooroooQOQCcxxxxa^^ _ Am besten sind doch die Ceschka-hote VllH RilsarstraB« 129 WIEN IX.« AlsorstraSt Nr. B OOOOOOQOOOOOOOOOQQOOOOOCCQOQOCXXaboOOOO WIR H ABEN,, Jahres Abonnenten Halblahres-Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahresbezugsgebühr nach Wahl; jFoseplhixs (fforviu* SÄMTLICHE WERKE. Io drei eleganten Prachtleinenbänden, Mehr als 2000 Seiten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder IfetnricA Sroeh GESCHICHTE DER Geschenkbande. 2200 oder [UDEN. Drei Seiten stark, vornehme iven üf«Wn PALÄSTINA. Ein herrl.Lexjkonbandm, ‘JOOneuen Bildern aus Erez Israel in meisterha»ter Reproduktion. Text v. di berühmten Fors^tm^steisendei». erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Bezugs* gebühr folgende Gratisprämien nach Wahl: 9ISwo(Vov Heisl FEUILLETONS. Zwei geschmackvolle Geschenkbände. 700 Seiten stark BBIIAm DIE ZIONISTISCHE BEWEGUNG. Zwei Bände in einem hocheleganten Großoktavband. Gebd. ca, 400 Selten JVevnumn DAS OSTJÜDISCHE ANTLITZ. 52<Meisterzeichnungen. Text von Arnold Zweig ^ippurim DAS SCHÖNSTE JÜDISCHE SAGENBUCH 400 Seiten in modernem Leihenband. kostet für Oesterei ch S 60,-r und S 130 Portohe des am Kopfe des Bluttest angegebenen Gegenwerte der betreffenden Landesvaluta. Die ,Wiener Morgenzeitung4 kann in Wien in jeder Trafik bezogen werdenam lea Arnirm. .Burgtheaier. Morgen. haL 8 Uhr. „ÄetfÄte*. Akadem-ietheater. Mavgen, halb 8 Uhr, ./Spiel, im Schloß*. Operntheater. Morgen, haL» 8 IHr. .Lkurandot". Bvlksoper. Heute Orpheus in det Unter« welr"; morgen (Freitag) im Rahmen des NibeMngenrlnges „Das Rherngold". Deutsches V.vLkstheater. Morgen gelangt »eueinstuüiert Georg 'Kaisers Komödie ,.Ko-lportage", von Rudolf Beer in «szcne gesetzt, zNr Anfführung. Gegenwärtig sind die Proben für John GalKvorthyS jüngstes BühnenweNk „Flucht" (Escape) im Gange. Neue Wiener Bühne. Heute ilraufsührung des SchkvankeK o ch z e i t s r e i f e n d e" von A. RichÄlS unt» A. MathowS. ' „Jngeborg" in den Kammerspielen. Kuvt Gootzrus droll-iga. Komödie, seinerzeit in der Josoflt^t gespielt, begeh: in den Kammerspielen rhre Aufer-stehnng unter AMteNiz eines En» ckemlbleS, das sich in: Duft und in der Ironie des Stücks wu-n« oevvoll aur<!ennt. Die vom Autor foubretcenihaft gezeichnete Jngeborg erhält in der Darstellung Fried! Hae r li n s jeim zaEierhaf!« Frauenannvut;, die nur aus echtester Herfenspoesie gestaltet weri'en kann. Theodor Grieg als Ga.:te, H. L. Fischer als Peter Peter dralagisterten flott, der Sn-öbismus des Geistes paßte Paul Verhöeven und Mim: S ch rv a r g wie angegossen. o. r. Die „Zirkusprinzrssin" als Gast im Raimundtheater. Die Tatsache, daß das Grazer Operettenensemble nicht unter dem Wiener Niveau steht, konnte Dirsktör Lustig.Prean einwandfrei dem Publikuin. tos ins NaimrUnÄcheater go7ömmen :var, vor Augen führen. Schmiß und Spielfrei de charakterisieren die Borstell'ung der .Zirkuspringüssin", dessen Hauptrollen von den Damen Sieburg, Moll, Rainers und dqn Herren Baum» Hellmuth, Hamik in echt-wienerischer Traf.ition dargeftellt wurden. Kalman als Dirigent seiner Schlager sowie das gesamte Grazer Vnsem-ble (Regie Äober-t Wolf) wurden vom dich'besetzten Haus so stürmisch gefeiert als wäre es eine Wiener Originalpremiere gewesen. (Sitte jüdische Revue. Im jüdischen Künstilürkabarett (2. Bez., Praterstraße 60) wird das. jetzt vielgepflegte Genre der Revue nunmchr auch in jiddischer Sprache zur Geltung kommen. Ab heute Donnerstag gelangt dort täglich um 8 Uhr abends unter dem Titel „Bon Suckwstow bis nod} Amerika" eine Revue in 20 Bildern von A. Meifels zur Darstellung, in der 40 Darsteller, darunter die Tanzgruppe Cljazarow und die Sainbatjongirls Mitwirken. Hakoah-Orchester. Die Mitglieder werden aufnuirksam acinadst, daß von nun an die Proben pünktlich unt ist Uhr beginnen und Zuspätkommende erst wieder, zur Pause eingelassen werden. — Am Montag, den 31. v. M., verschied plötzlich unser altes Mitglied, Professor Friedenthal. Friedenrhal war Professor am Neuen Wiener Konse^"tormm, litt bereits seit längerer Zeit an einem Herzklä M.lfelAer, welcher Krankheit er plötzlich, wahrend seiner Lehrtätigkeit, zum Opfer fieL Er war seinerzeit Gründer und Leiter des lcakoah-Mindolinenorchesters, während er seit Zehren als Blaser auch im Haköay-Owhester wivkte.. Wir beklagen aufs tiefste das Hinscheiden dieses alten, treuen Hakoalm^yS und werben ihm stets ein ehrendes Ängedenkvn b^ahrchn. Die Einäscherung findet heute um kalb 11 .Uhr vormittags im Wiener Krematorium statt, und werden alle Ovchester- --Mltglietzer. aufgefordert,,, .hiebei teilzunehmey. . . Mäx Prrkzers Mischer Schwank.rbend. Bielen unserer Leser und Freunde find Dr. Prägers Vorlesungen ß\i$ der jüdischen Schwankliteratur von wiederholten Mitwirkungen bei verschiedenen zionistischen. Sektionsveranstgltungen be- . kannt. Der jüdische Schwankabend am Sonntag, den 6. Februar, bringt in einem umfassenden Programm alle Gebiete des jüdischen Volks-Humors zpr Darstellung. Wir sind überzeugt, daß gerade unsere Leser und Freunde dieser Veranstaltung besonderes Interesse entgegenbringen und haben deshalb bei der veranstaltenden Konzert^i^ ft?:*» Richard Lanhi 100 Karten gesichert, die wir än unscre Abonnenten gegen einen Regiebeit-ag von 1.— SchiMng an der Kassa der „Wiener Morgenzeitung." abgeoen. Abonnvmentqüittung ist vorzuweisen. Lerelue, LoettSge und verfawmransea. Wiener Bet-Hamivrafch. 2. Be»., Dempelgaffe 3. 8 Uhr, Lektor Dr. S. Gelbhaus: Historische Psalmen. Maiws- «»deS-Jnstitut, Z. Bez.. Hetzgaffe 40. Heule, halb-7 Uhr, Doktor , N. G o l d st e i n: ./Schemoch ral>ba."; halb 8 IHr. Juchstische Erlärvierungen zu Traiktat Kidbr ifchin. — Zioaistifche Bezirk-« scktion Leopoldstadt. Heute, 8 Uhr abends, Vortrag Gemeinderat Dr. P l a s chck e s: Zionistische Fraktionen uw> Föderationen. Der Verband jüdischer Hörer der Jaziel. UniversMt (früher Rigorosantenverband) in Krakau wendet sich auf diesem Wege an alle Mitglieder, sowie Rigorasanten mir der Bitte um rascheste Begleickmng' aller bisher nicht ausgeglichenen VerpM-tüngech, Alle Beträge wollest an die Adresse ,L)gniSkb*, Krakow, ul Zielona 7, übezwkesenl werde». lleberttetmseu -egen das Lebeyrmiltelgesetz. Der Selchwarenerzeuger Alfred Paritschek, der i» Wien 33 Filialen besitzt, hatte sich vor hem Pozirksaericht Margareten zp verantwotten, weil in seiner Filiale in der RancherSdorfergasse verschiedene Wurstsorien mit Mehlzusatz verkauft wurden, ohrre daß dieser lsmstand. wie vorgeschrieben, im Berkanfsladen durch eine Tafel. en'ichtlich gemocht war. Die als Zeugin vernommene BerMeißerin gab an, die Tafel sei, als sie ihre Stellung im Laden antmt, dott befestigt gewesen. Gelegentlich einer Reinigung der Mnde, sei die Tafel herunter genommen worden und sie habe vergessen, sie wieder aufzuhängen. Der Verteidiger Dr. PlaschkeS wies auf die große ZaU der Filialen hin und meinte man könne von dem Angeklagten nicht verlangen, daß er fortwährend in jeder Filiale ngchsehe, ob die Tafel an der Wand hängt. Dev Richter, verurteilte de» Angellagten trotzdem zu 100 G ch i l l i n g H e l d strafe mit der Begründung, haß die Wel -et zwei Revisionen ist dn» Lade» und deor zweiten Male Besitze der gerichtlickzen Vorladung Mitzstand hätte beseitigen könne». Mr vor l er hyffT. aTA