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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-02 · Heft 2849 (2.2.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2849 (2.2.1927)
Date
1927-02-02
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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«r. S8O S Wien, Mittwoch KchrMrr 1SS7 Lrr Äsrtt» de» Araueai oinern ta; 'rn^Mbüru.n Gouvernstnents des Wolga- H-?ai i'av .• rriv;iv Gut der ^ainUie Batascheff, hi*' &*;i rivruch Ort vnnt der Solujev Regierung nationalisiert würbe, linier den Bauern der benachbarten Dörfer lebt beute noch die Erinnerung an den Ähnheürn BatasckM'. vor dem einst die ganze Umgegend zitterte. Än uralter Ämter weiß viele fesselnde beschichten vmtt Leven und Treiben dieses furchtbaren Despoten, den er als Eind noch persönlich gesehen hat» zu erzählen. Das ttfttttta* volle Schloß der fvmnlllr Batascheff liegt in «mein schönen Garten, tan oer VvffSnnmd der: Namen „Garten des Gramms" gab. kv er der Schatcvlatz mancher grauenhafte Errignisse war. Die Mach-' Oaktstbrffs schxn grenzenrvtz zu rein. Er r^rr Herr über Leben und Tod seiner unzithligen Leibvigcnen. Wagte etjemand, irgendtvie seinen Aren zu rvecken, s>? nmrde der Unglückliche mt einen Baum des cksartens gelingt. Mmichmel baumelten an nrehreren Bäumen die Lei" ihcn der Opfer der Laune dieses barbarischen Gutsherrn, messen Ersch'inung trotzdem für dir., russische jkultur der sogcnnttnten „Leibeigenen-Periode" typisch war, obwohl er mt wilden Launen unb Grausamkeit alle über traf. Batascheff hatte crirs seinen Leuten enre eigene „Leibgarde" organisiert. Mit dieser Leibgarde unternahm er 'Ztteifzügc gegen 'eitle Nachbarn, die mit ihm Differenzen hotten. In svb ch-n Hüllen füinie er einen richtigen Krieg — brandschatzte Wälder und Hauser» überfiel Transporte, nahm Gefangene ttnb chroerte bei „Friedensschluss" schwere Kontributionen. Di? Beziehungen Batascheffs )varcn so rinslnstmich, daß kenler es wagte, sich über seine Untaten in Petersburg zu beschrveren. Ging Batascheff auf die Jagd mtd roar sie nicht glücklich. so befahl er seinem Leibjäger. auf einen Baum zu klettern und von dort „Kuckuck!" zu nt Jeu. Der Knecht mußte, gehorchen, der Herr aber schoß auf den Kuckucksruser. War der Aertnste getroffen» so erzählte Batascheff zu Hanse, oaß die Jagd schlecht gewesen sei, da er nur einen Kucknck erlegt habe. Als Batascheff alt wurde» stieg sein Argivohn — er wollte um jeden Preis erfahren, was leine Leute von ihm hielten. Er iveihte feinen Kammerdiener in seinen Plan ein und stellte sich eines TageS tot. Man stellt« die „Leiche" in einen reichgeschmückten Sarge» von brennenden Kerzen umgeben, im Festsaal auf. Die versammelten Leute konnten ihr ltFreude beim Anblick ihres wten Peinigers nicht unterdrücken und ließen ihren freudigen Gefühlsausbrüchen freien Lauf. Plötzlich erhob sich der Tote im Sarge und schrie die entsetzten Leute mit furchtbarer Stimme an. Mehrere Frmren sielen in Ohnmacht, zwei alte Männer starben vor Schreck auf der Stelle. Als Batascheff einige Jahn? später wirklich tot war, tvollten es die Bauern nicht glauben. ,Heute noch wandert seine Seele, unter den Bäumen des Gartens des Grauens -- jede Nacht kann mmt sie dort treffen, deshalb wagt sich keiner an die verruchte Stätte," schließt der Bauer seine packende Erzählung, dessen Richtigkeit durch die Familienchronik der Batascheffs bestätigt wird Verhängnisvolle Nerrinwandernnger». Legionen von Mäusen, die der Hunger zur Ans ruanderung getrieben hat, überschwemmen zurzeit die Straßen des Bezirkes Bakersville im Staate Rordcarolina (U. S. A.). Die Verhältnisse sind durch diese MLufeplage so unerträglich geworden, daß die Regierung Sachverständige entsandt hat, dic dic Berichte der Landleute anfangs für übertrieben hielten, sich aber nur zu bald von der Wahrheit überzeugen mußten. Augenzeugen berichten, daß die über das Land ziehenden Nager in st» ungeheurer Zahl und Masse auftretxn, daß man das Bild eines sich fortbewegenden grauen Teppichs zu schauer» glaubt. Der Verkehr ist.auf den Straßen des Bezirkes ernstlich gefährdet, da vor der geschlossenen. Masse der Mäuse selbst Automobile und Antoomnibusse zum Halten gezwungen sind. Die Kleider der Land bevöllcrung sind nicht mehr in den Schränken sicher. Man hat wohl überall vergiftetes Getreide ausgelegt m»d bannt auch gute Erfolge erzielt, aber die Lücken der Getöteten wurden sofort ausgefüllt, so daß keine Vermin dcrung der wandernden Mäusearmeen festzustellen' nrar. Jetzt will mau es mit Giftgas versuchen. Die Sachverständigen erklären, daß sich dic Mäuse nur deshalb in so ungeheurer Weise vermehren, weil mmt seit. Jahren einen wahnwitzigen V-rnichtttngskrieg gegen die grimmigsten Feinde der Mäuse, dic Wildkatze n, H a ö icb tv itub andere Raubvögel führt. Dic Tterwanderungen, die man bia heute beobackM hat, haben die Tatsache bestätigt, daß die tierbiologischen Verhältnisse rirres Landes nicht nur tief in seine Wirtschaftslage cingreif'U, sondern sich auch dorr Grund auf verintdern kinurett. Welche Umwandlungen Tierciiüvanderunger. zur Folge h<wen können, hat sich vor mehr als 360 Jahren *utf der Insel S t. Helena gezeigt. Die Insel besaß noch im späten Mittelalter eine üppige Begetatiorr, -«eite Landstrecken waren mit Laubwäldern und saftigen Wiesen bedeckt. Damit tvurde es anders, als sie Spanier »ms St. Helena die Ziegen heiniisch machten, da sich unter d^r Tiertv.lt der Insel k.in Mtziges größeres Säugetier befand. Diese Zirgnteinivandcmng hatte aber böse Folge«. Die Tiere vermehrten sich, verwilderten, und im Laufe von zwei Jahrhunderten hatten sie die ganze rÄchr Vegetation der Insel kahl gefressen. Sie verschtoaitden freilich allmählich wieder, über St. Hel-ua ist heute noch, ei« baumarmeö, kahles Land. llii/Ü Unangenehme Folge« einer Tic Einwanderung hatten auch dic Engländer zu verspüren, als sie, um dem auf St. Helena gefangenen Napoleon näher zu sein, die nordwestlich van St. Helena gelegene Insel Ascension besetzt hatten. Auch auf Ascension gab es ursprünglich keine größeren Tiere, die dem Menschen zur Nahrung dienen konnten, allein eine reiche Fülle, von Bogelarttn fand sich vor, die Fleisch und Eier lieferten. Eines Tages strandete umveit der Insel ein fremdes Schiff, von dem sich ein paar Ratten an Land retteten. Zunächst beachtete man die neuen Einwanderer kaum; aber bald nahm der Bogelbestand merklich ab. Die Ratten hatten sich nämlich ungeheuer vermehrt. Daher ließ man eiligst Katzen aus England kommen, aber nun ging es den Vögeln erst recht schlecht, denn die Katzen fraßen lieber Vögel als Ratten, und schließlich warm es die Katzen, die tat meisten Schaden anrichteten. Man setzte nunmehr Prämien für jede getötete Katze aus, aber der einstige Bogelreichtum der Insel war und blieb schwer geschädigt. B mmmmmnmmmmmmm ui flALT! Eine Bibliothek von 300 Bänden I Eine Palästinareise i Fünf Dunam Boden ln Palästina I Das sind die erften drei Preise der grollen Kreuzworträtsel - Konkurrenz, die am 7. Februar in der »Wiener Morgenzelfung“ beginnt. Sie umfaßt 50 Rätsel. Außer diesen drei Hauptpreisen können Sie eine ganze Reihe anderer großer Preise gewinnen. Fünfzig Rätsel — fünfzig Preise I Beachten S(e ^unsere weiteren Ankündigungen! 7 Sin SedeWhrigtt MMmiit Ern siebenjähriger Knabe in Australien ist dieser Tage Besitzer eines Vermögens gervbrden, das nicht tve-- Niger als eine Millsmt' PfuUd Sterlürg beträgt. Gleichzeitig hat dieses Kind d«n Baronetstitel errvarbctl. Das sind die Folgeic eines traurige,: Ereignisses, das sich kürzlich in Monte Carlo zutrug. Dort starb nämlich Sir Rupert Clarke aus Ruperttvood im australischen Staate Viktoria, dtt Vater des erloahnten Knaben, ivLhrend er fick) zu seinem Vergnügen m Monaco aufhidt. eines plötzlichen Todes. Sir Rupert war der Sohn des Sir William Clarke «uü. Sydney, des ersten Baronets, der in Australie.it geboren rmtrde. Den Grund zum B-rtuögen der ^larkes legte Sir Ruperts Großvater, der unter dem Spitznamen „Big ^larke" bekannt ivar. Dieser Clarke war Fleischerknecht in London gewesen m»d wanderte im Jahre 1840 nach Australien atts. Er ließ sich in Hobart in Tasmarüen nieder und begann /gleichzeitig Grundstückspekulation. Big Clarke scheint für derartige Transaktionen einen besonderen Blick gehabt zu haben und sich auf tat Wert des Bodens besonders gut verstaitden zu haben, denn er war bald ein reicher Mamr und könntsich auf Schafmtd Viehzucht verlegen. Dann Raufte er ausgedehnte Farmen u,td verk«mfte sie mit großem Nutzen. Da sich in jenett Jahren Australien sehr rasch ent-- rvickelte, ertvarb Clarke in ktrrzer Zeit ein mtermeßlicheS Berntögett, so daß Rupert, obwohl dxr Nachlaß auf mehrtte Personen vertellt wurde, ein riesiges Kapttal tthielt. Aber Sir Rupert verstand nur das Geld mrszttgeben und nicht zu erhalten, geschweige denn, es ju tnchreu. Er hatte noble Passionen, gab viel auf Rennbahnen aus, steckte eine Unsumme in eine Theatergesellsthaft, die er zusaunnenstelltd und leitete, und opferte viel Geld für Forschungsexpeditionen in Neu-Guinea, an tarctt er selbst teilnahm. So kam es, daß er viel weniger zurückließ, als er geerbt hatte. Aber eine Million Pfund Sterling blieb doch troch für seinen Sohn zurück, ein Vermögen, das dem kleinen Baronel cs erlaubt, beruhigt in die Zukunft zu blicken. »«>»«»» St« »«ei»«»» Ji« »Wiener noraeiueilanii“ abonnierf V ' .... »uw i-mw-i! ii >!« ii wii 8a «ttotmmiMM w in toattfea St»»e«- tcafdML %n ' Be r t i n wird uns berichtet. Dtt T»tgtmg sei Studentenschaften der preußischtn UnlversitLtru in Magdeburg hat eine sehr zweideutige Entschließung angenomn«en, in der gesagt Mrd: der Frage der Zugehörigkeit auslandsdeutscher Studierender zur StudentenWst sind die preußischen Einzelstudentenschasten durchaus bereii, an eimr Neuordnung der fraglichen Bestimmungen im Sinne einer Mitwirkung des Rektors nritzttarbeiten, bei der sic jedoch die Geivährleistung einer selbständigen Stellung von Rektor und Sttrdentenschaft für unerläßlich machtet . Eine unterschiedliche Behandlung der Ausländsdeutschen tmch ihrer angetlblicklichen Staatsangehörigkeit ist für sic dabet undenkbar. Den Vertretern der preußischen Sindentenschaften erscheint der vom Kultusminister beabsich tigte Weg, eine Aenderung der an den ouslandsdeutschen Hochschulen bestehenden Verhältnisse durch die preußischen Stndentenschastetr herbeizuführen, nicht möglich." Dtt deutsche Studentenschaft will also den Konflikt mit dem Minister Becker vermeidett, traut sich aber nicht, den Arierparagraphen deutlich abzulehneu. «n B»hu«»g»schwindlek verhaftet. Der 26jährige Malerg^-Htlse Theodor Jscha hat in den letzten zwei Monaten verschiedenen Personen unter der Vorspiegelung, er sei Wohnungskommisfär des 4. Bezirkes, Geldbeträge herausgelockt. Er hat ihnen die Zuweisung von Wohnungen in Gemeindeneubauten in Aussicht gestellt und von ihnen für UmschreibungS-, Stempel- und sonstige Gebühren Geld verlangt. Bei seinen Schwinde leien bediente er sich gefälschter Zutveisungsformulare, die er mit einem gefälschten Stampiglienausdruck „Wohnungsamt der Gemeinde Wien" versah. Jscha, der S u k^ kassier der sozialdemokratischen Partei für die Dezirksorganisation Wüden war, hat in einigen Fällen den Partei^" vorgespiegett, sie müßten, um Wohnun gerr zu erlanget», der sozialdemokratischen Parteiorganisation beitreten, wobei er es als unttläßlich hinstellte, daß sic die MitgliedsbeitrLgc auch für die vergangene« ztvei Jahre erlegen müßten. Ztvei Parteien zahlten tatsächlich die Mitgliedsbetträge ein, die Jscha ebenfalls für sich verwendete. Nun konnte Jscha auSgeforscht und verhaftet tvettten. Bisher kotmlen ihm bereits fünf solche Betriigtteien nachgewiefen werden. Datz Wla«, 2. Februar. Die Tempermur ist gestern etwas gestiegen, in eingelnen Teilen des Landes hat es geschneit. Die Vorhersage lautet: Darmes Wetter, in der Niederung tagsüber über Null, stärkere Bewölkung, stellepweiise mäßige Sttedev-' schlüge. Promoti»«. Freitag, den 4. Februar KL7, #m halb LS Khr vormittags, findet im Senatsaale der Wiener Universität die Promürian des .Herrn Dosider Elben schütz, des SohnM des Kantors und Amtsleiters der israelitischen Kultusgcmeinüe Wien, Herrn Jonas Eibenschütz, Aun Doktor der Sraatseviffenschcrften statt. Prof. Herma«« Daub tödlich verunglückt. Der 56jähriae Professor an der Technischen Hochschule in Wien, Ing.Hermann Daub ist gestern früh durch einen tragifchetl Unfall tödlich verunglückt. Cr ist am SechKhnusergürtel in eine zweieinhalb Meter, ttefe Ausgrabung, die für die städtischen GaAverke durchgeführt worden war, gestürzt. Bon der Feuerwehr wurde er sofort geborgen, doch konnte der Jnspekttonsarzt der RettungsgesillMMt nur mehr den Eintritt des Todes feststellen. Die gerichtliche Obduktion der Leiche wurde zur Feststellung der Todesursache anaeordnet. ES heißt, daß daS aufgerisiene Straßenstück nicht vorschriftsmäßig beleuchtet war. Bo« einem Auto getötet. Vorgestern tvurde auf dem Kotrgretzpkatz in Öttakring der 12jährige Bürgerschüler Otto Krbeeek von einem Lohnauto, das der Chauffeur Otto Wiedermanu lenkte, niedergestoßen. Mit einem Scdädelgmndbmch wurde «r von dom Chauffeur in das Mlhelminenspital gebracht, wo er noch am selben Tage gestorben ist. Der Chauffeur behauptet, langsam gefahren zu sein und Huppensignalc gegeben zu haben. Knaben erzählen, daß Krbecer Passanten belästigt und von einem unbekannten Manne eine derartige Ohrfeige erhalten hat, daß er rücklings mtf das Straßenplaster taumelte, so daß ihm das vorbeikommende Sluto nieoerstoßen mußte. Tödliche Gasvergiftung. Borgestern wurde die 32jährige Private Amalia Hum-» mel in dem ntit Leuchtgas gefülltem Badezimmer tot aufgefunden. Der Gasyahn stano offen. Es wurde fest gestellt, daß es sich um einen Unfall Handel» dürste. Dechaftuug eines Spediteurs. Am 28. v. M. wurde hier der Wjührige Spediteur Julius Perl stein, Ehef der Firma Julüts Porlstein L Komp .ioege» Veruntreuung und Betruges verhaftet und dom Landesgericht eingeliefert. Bisher sipd duvch die Untersuchunng neun Personen festgestellt, denen er Betrage in der Höhe von rund 100.000 Schilling entlockt hat. Es ist aber tahrscheinttch, daß die Zahl der Geschädigten weit höher ist. Personen, die von Perlstein noch geschädigt wurden, werden ersucht, sich beim UntersttchurtgS'- richtet Eberftaller im Landesgerichte Wien IT zu melde«. Der Straßeuvahnzug i» der KuGerde. Gestern nachmittags fuhr ein Zug der Straßenbaim' linle 63, de» der WaaenMrer Leopow Mokesch lenkte, in der Schönbrunnerstraßo in der Nähe der Lobkowitz. brücke tu eine Herde von 10 Kühen, die ttach RudolsShelttt. S' lieben wurden. Hiebei wurden zwei Treiber, der 5ßr riae Schweizer Anton Schlögel uttd der 27jährige HilfS« eirer Franz M e s s e r l schwer verletzt. Auch einige Kiihe tvurden verletzt. Nach Zeugenattssagen trifft den Lenker deb Straßenbahttzugcs die Schuld an dent Unfälle, da er m spät übgebremst bat. Mokesch verankwottete sich dantit. daß die Breutse versagt ls«t, doco konnte bei einer sofort dorgeurnumonen Bretnsprobe miv ststgesteM wc'f den.

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