Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2848 (1.2.1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Bim, Dienstag Wiener Morgenzettnng 1. Februar 1927 Seit« 5 JÜDISCHE WEH III * | Sotto Reatolrg nnto Ster Herbert Samuel bei oen Makkaiaeani. Aus London wird uns geschrieen: Bei dem vor .i'.ügen Tazen von den Maccabaeans zu Ehren Vizekönigs von Indien a. D. Marquis von Neading im Hotel „Grcat Central" v-.rrnstalteten Diner führte der gewesene OberkommWr von Pa'ä.'li.ta, Sir Herlert Samuel, den Vorsitz. Eine statt'i.h: Zahl jüdischer und nichtjüdisch r Per* sönlichrei'.en U3 britischen össentlichrn Lebens, war d.r Einladung der Gastgeber gefolgt. Den ersten Trinkspruch auf den Ehrengast hselt Sir Herbert Samuel. Lord R e a d i n g — sagte der R.dner — hat durch seine Karriere eine Reihe der wohl einzig dastehenden Präzedenzfälle geschaffen. Er war der erste Schiffsjunge, der oberste Richter des britischen Reich) gewc^an ist, der erste Lord Chief Justice, der zum Botschafter ernannt wurde und der erste Geueralanwalt, der in dieser Eigenschaft einen Sitz im Kabinett hatte und schliestlich ist Lord Reading, der erste Jude, der es zum Range eines Vize-Königs von Indien und eine) Marquis — der erste Marquis, den die Maccabaeans als Ehrengast begrüßen können — gebracht hat. Und in allen diesen seinen hohen Aemtern, hat Lord Reling sich ausgezeichnet. Ueberdies mar er noch in großen Industrie Unternehmungen tätig und Redner freue sich, hierbei auch daran erinnern zu können, daß Lord Reading Präsident der „E.'eetrical Ccr-oration" für Palästina ist. Wie er alle diese Funktionen, einschließlich der jüngsten Funktion als „Kapitän von Deal. Castle" zu bewerkstelligen vermag, sei ihm ein Rätsel. Im weiteren V:r'aufe seiner Rede besprach Sir Herbert Samuel die Erfolge Lord Readings in Indien, die er in zwei Feststellungen zusammen faßte. Er habe das schrvere Prib'em, wie in Indien die stufenweise Entwicklung zur politischen, persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit di'rchgeführt werden soll, der Lösung nähergebracht. Die Ruhe, die Lord Neading in Indien geschaffen hat, ist nicht ein von der Furcht diktierter Friede, sondern ein Friede, der d:r Hoffnung entsprang. Die Maccabaeans begrüßen in Lord Rmding den großen Staatsmann, den erfolgreichen Juden, dcr in allen ihm mrvertrauten hohen Stellen dem jüdischen Narnen Ehre bereitet hat. In seiner Ertvidernng gab Marquis Reading seiner aufrichtigen Freude darüber Ausdruck, daß ihm die Ehrung von seinen jüdischen Glaubensbrüdcrn zuteil lvtirde, und daß e3 gerade Sir 5)ordert Samuel war, der seiner so ehrend gedacht habe. Sie beide mögen alle, dir nicht im Judentum wurzeln, daran erinnern, daß die Zugehörigkeit zum Judentum irr England teikr Hindernis für eine hohe Karriere sei. Bezüglich Indiens sagte Lord Reading, daß er, seitdem er heimgekchrt ist, sich wiederholt. gefragt habe, ob schon alles, was gegenwärtig im Lande notwendig sei, auch wirklich bereits durch geführt wurde. Sollen weitere Fortschritte gemacht werden, so ist noch harte Arbeit erst r':n.'ich. Er wünsche, er hotte den Einfluß und die Autorität, die britische Oesfentlichkeit zu übcr.engen, daß nicht nur Sport und Spiel, sondern schtvrre, harte Arbeit notwendig sei, um die vorgesteckten Ziele zu erreichen. IteMifchen Gewerbetchuten in Polen. In Polen gibt cs fast in jeder Stadt mit größerer Zahl jüdischer Bewohner eine Anzahl jüdischer Gewerbeschulen der verschiedensten Fachgebiete, die allen an Fachschulen zu stellenden Anforderungen vollauf entsprechen. Trotzdem wurde den mdfteri dieser Anstalt bisher das Oeffentlichkoitsrecht vov.nlhalt-en, wodurch sie in ihrer Entwicklung gehemmt waren. Der neue Bildungs- Minister Dobrickk geht nun daran, dieses langjährige Unrecht allmählich gutzumachen. In den letzten Tagen hat Minister Dobrickt sämtlichen im Wilnaer Schulbezirk bestehenden jüdischen Gewerbe schulen im Vi.rordnungswege das Oeffentlichkeitsrecht verliehen. Baronesse Rothschild über Die erMeriiche Ausgabe Der Wische« Fra«. Aus Paris wird uns berichtet: In dem jüdischen Kulturve'rein „Schemah Israel" hielt vorige Woche die Tochter des Barons Robert de Rothschild einen Bortrag über die Nolle der jüdischen Frau im Erziehungswesen. Sie schilderte die Geschichte der verschobenen Schulanstalten der jüdischen Gemeinde von Paris, von denen mehrere auch Gratisausspeisungen vornehmen und mit sanitären Hilfsstellen ausgestaltet sind. Diese Schulen sind normale Volksschulen, in denen der jüdischen Erziehung besond.re Aufmerksamkeit zugewendet wird. Außerdem gibt cs auch verschiedene jüdische Spezialschulen und Kurse. Besonders wertvoll seien die jüdischen Gewerbeschulen, in denen Hunderte junger Mädchen und Knaben eine gewerbliche Ausbildung erhalten. Nach einer eingehenden Darstellung d.r Erziehungsmethoden in den jüdischen Waisenhäusern schloß Baronesse Rothschild ihren Vortrag mit dem Appell an das große jüdische Publikum, an dem Erziehungswerk zur Erhaltung des Judentums nach Kräften toilzunehmen. WSHrigrs Maleriub-ISum Jury Prnr. Am 27. Jänner beging der hervorragende jüdische Maler Jury Pen in der weißrussis-Hen Stadt Wi tebsk, in der er sein ganges Leben verbracht hat, das Jubiläum seines 40jährigen Schaffens als Maler. Er ist der Begründer der W'.teMer Maler-Schule, die eiben jetzt das 30. Jalhr ihres B-Istchens feiert und in der Pen eine gange junge Maler-Generation erzogen hat. Pen ist ^sonders durch seine Bilder und Porträts aus dem jüdischen Leben in Rußland populär geworden. Sein Bild „Scheidung" machte ihn berül'im-t. Sein Freund Ansky, der verstorbene Dramatiker, bezeichne le ihn in einer in „Ost und West" ersckj'enenen Monographie als den basten Schilderer des jüdischen Lebens. In seiner W'.te0?ker Schule wurden Maler vom Range Mark Chagalls. Altmanns, Schulmanns, Abel P a n s und Mestschaninows erzogen. MarE Chagall spricht in seinen Erinnerungen begeistert über sesne Lehrjahre bei Pen. — In ganz Nuhland wird das Jubiläum Pens mit D.'geisternng gefeiert. Tie Sowjet- Regierung hat ihn zum „VoASmaler" ernannt. Der ChrenPMidcnt der Pres.burqcr Mischen Riell» glonSgemeinöe gestorben. Nah längerem Leiden starb in Preßbur; der eherr.a.ige langjährige P.äsident und Ehrenpräsident der lichen Judengemeinde, Rechtsanwalt Dr. Eugen L i cd t n e r. Er gehörte zu den angesehensten und beliebtesten Persönlichkeiten der Stadt. Auch als Jurist hat Dr. Licht ne r, besonders auf dem Gebiete des Handels- und Gewerbe?-'inen über die Grenzen des Landes binausreichendcn Ruf genossen. Sein Leichenbegängnis fand unter Teilnahme aller Kreise der hiesigen Bevölkerung statt. Der gegenwärtige Präsident der Gemeinde, Dr. Biltor Stein, sowie cter der Chewra Kadischa, der Stadtgemeinde und andere, würdigten in ihren Aachrnfen die Bedeutung des Verblichenen. Eine grcße Spende für jüdische Wohlfahrtszwecke. Herr David von Sebestyen hat anläßlich seiner Goldenen Hochzeit der jüdischen Gemeinde von Klaufenburg eine Stiftung im Werte von fünf Millionen Lei für jüdische Wohlfahrtszwecke gewidmet, ohne den Zweck näher zu bezeichnen. Bühne und Kunst. See neuere Georg Kaiser. „Papiermühle" im Albert-Thoaiirr in Dresden. Un-fer Dresdener Z.'Derichterstalter schireibt unS: Am hiesigen Mbert-Theater wurde Georg Kaisers jüngstes Werk, das drciaktig.' Lustspiel „Papiermühle", urcmsgesührt. ES geht den Biographen, also gewissermaßen den Jouvnalisten zu Leibe und macht ihre Tätigkeit mit stelleriweise recht grimmiger Satire lächerlich; es ist beinahe, als wollte Georg Kaiser in diesem Stück mit irgendeinem seiner Bie-graphen abrcchnen. Seinen Titel bezieht das Lustspiel von einem gottverlassenen Proviuzncst sw'.'schen Paris und Boulvgne sur Mer, wo ein Dichter, den Kcn'.ser Ollier nennt, eines Sommers eine „Francesca von Rimini" geschrieen Hai,' zu der sein Biograph Duchut im nächsten Sommer das Modell sucht. Zu die/sem Zwecke reist Duchut mit seiner Frau Francine nach Papiermühle. Francine ist Francesca; mit ihr hat Ollier den Sommer vorher vier herrliche Wochen in Pa'pierrnülhlc verbracht. Sie wird von vier Stammgästen des Hotels in Pap'.ermiühle wiedererkannt, und wie sie, von ihrem Gatten über seine biogrcvphi's'chLN Forschungsahsichten unterrichtet, Ollier zur Hilfe herbeiruft, ergeben sich durch die Ansprüche der vier Spießbürger allerhand nicht sehr kurzweilige Der- Wicklungen, an deren Ende dw Aufklärung für den Biographen steht, dessen journalistische Neugier damit gestillt ist. Er lägt dom Dichter seine Frau, dafür hat er OllierZ lückenlose Biographie. Soweit die Satire gegen die Diographenschnüsselei. zu Wort kommt, ist das Stück recht amütfant; es werden darin einige prachtvolle Formulierungen gesprochen. Die Sipietzerkomödie ist im Grunde gänzlich verunglückt, wie llibarhaupt die dramatische Maschinerie des Stückes merkwürdig häufig leevläuft und dalher zu Wiederholungen greifen mutz. Die Ausführung, die recht blaß geriet, tat nichts dazu, um der Komödie etwas leibhafteren Gang zu verleihen. So bleiben eigentlich nur die. satirischen Sentengen, die sich besser losen als unzulänglich gebrockt — an hören. (Die Buchausgabe des neuen Kaiser ist im Verlag Gustav Kiepenheuer, Potsdam, erschienen.) Das Prbli-kum lächelte freundlich zurückhaltend; es hat schon bessere Sbücke von Georg Kaiser gesehen. kugUsch-amerikanüches Amlauschtheater. Aus London ivird uns geschrieben: Basil D e a n> der Regisseur und Autor, hat nunmehr seine Pläne für die Errichtung eines „A m e r i k a n i s ch e n Theaters" in London und eines „Englischen Theaters" in Newyork fertiggestellt. Das .Englische Theater" soll die „besten englischen Stücke, auf englische Art und Weise inszeniert und von englischen Schauspielern und Schauspielerinnen gespielt", den Ncwyorkern vermitteln, während , das „Amerikanische Theater" in London ausgesprochen amerikanische Stricke mit einem amerikanischen Ensemble spielen soll. . . Da die finanzielle Seite dieses Planes gesichert ist, so hofft Basil Dean, bereits in einem halben Jahre an die Verwirklichung herantreten zu können. In Newyork wird zu diesem Zlvecke ein eigenes neues Theaterzebäude errichtet werden. während das „Amerikailischs Theater" dr London in einem der bestehenden Bühnenhäuser Unterkommen wird. Man hat in London nur mit einiger B e st ü r z u n.g von Deans Absichten Kenntnis genommen: schon jetzt klagt man über die fortschreitende A m e r i k a n i s i e r u n g des Repertoirs der englischen Bühnen und würde lieber einen Schutzzoll aus amerikanische Stücke und eine Kontingentierung für amerikanische Autoren einführen, anstatt ein tveitereS Theater den amerikanischen „gold diggerd" zu überlassen. Bus den Theatern. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Leonie". A k ad e mt e th ea t e r. Morgen, halb 8 Uhr, ,-spiel km Schloß". Opernthea:er. Morgen, 7 Uhr, „Fidelio". B o l k L o P e r Morgen in teiLveiser Neubesetzung „Orpheus in der Unterwelt". Ka m m e r s v! e l e. 8?b heU:e wird die „A-B-C-N e v u e" aus halb 8 Uhr abends verlegt. Um ’/iU Uhr nachts iä-glick „D as Ha r 8 i n A l l a na". Neue Wiener Bühne. Die Premiere des Schwankes „H o ch z e' t s r e i s e n d e" von NichotS unb Mathews wurde technischer Schwierigkeiten wegen von Mit.woch au? Donnerstag verlegt. Deutsches V o l k s t h e a t c r. Von heule ab beginnen die SlbendvorstellU'Ngen regelmäßig um halb 8 Uhr. Freitag wird in neuer Einstudierung Georg Kaisers Komödie „Kolportage" nach längerer Pause wieder in den Spiel- -plan ausgenommen. Eln neuer Vertrag mit Frau Selma Kurz. Die Direltioi? der S'aatsoper will gur Richtigstellung der in einem Heuligen Morgentlatt erschienen.en Notiz, in der SchanbLet wurde. Kammersängerin Selma Kurz werde in ren 8ir:heita:rd ien, mit: Der D.rektlon der S':aatSoper ist es gelungen, nrau Kammersängerin Kurz von ihrem Vorhaben, ai S Nr»’ Llaa!---- oper zu scheiden^ rfyufiritircn und mit ihr einen neu-sn Vertrag abzuschlies'en. der die weitere Tötnstr:-' der gefeierten Künstlerin, die stets zu .den größten des Instituts zählte, an der Wiener Sraat?oper tiJf?.'rft-'Ue. Frau Kammersängerin Kurz wird voraussichtlich schon nächste Woche in der Stoat?oper in einer noch zu vere-nbarendc-n Par''e z.m er-swnmal auftreten. Eine jüdische Revue. Im jüdischen Kür»Ü!erkal»arH»t (2. Bez., Praterstrafte €0). wird VS seht viel, epfsegte ^lenrk der Revue nunmehr auch in jiddischer Sprache zur Gchinug WIR HABEN, UNSERE PR AMIENA KTION VER10 Jahres - Abonnenten Halbjahres - Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahres bezugsgebühr nach Wahl: 3&*pn0kua $Ftaviua SÄMTLICHE WERKE. 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Das Jahresabonnement der „Wicnei Modenzeitung* kostet tör Oestereich 8 60.- und S 1.50 Portospesen m S 61.50, für alle übrigen Länder das ZwtWfache des am Kopfe des Blattes angegebenen Monatsbezuvspreises, zuzüglich Portopesen von S 2.50 im Gegen weite der betreffenden Landesvaluta. Die „dienet Morgenzeitung" kann In‘Wien in jeder Trafik bezogen werden.