Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2848 (1.2.1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeit« 6 Ären, Diensrag WrLttiM ÄE-kAMßEkkH 1. FsbTva? 1iR7 Kr. 2848 kommen. Ab DonnerSurg, den 3. Februar, gelangt dort täg« Uch am 8 Ilhr abends unter dem Titel „Von Tücke stow bis nach A-merika" eine Revue in 20 Bildern von A. Meisel? zur Darstellung, in der 40 Darsteller» darunter die Tansirvvve Meazarow und die Tambasjangirls mit 'irken. Konzert Olga Olgine. A-m 4. Februar gibt die War- 'äxruer Sängerin Olga Olgina im großen Musi kvereinSsaal " ein Konzert. Die .Künstlerin. die noch im saufenden Monat in der Breslauer Oper als erste Sopranistin auftreten wir!:, ist eine Schülerin des berühmten russischen Komponisten Glazunow; sie hat vor kurzem eine größere Tournee in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien aibioüviert, die bei der Kritik und Publikum starken Beifall fand. Das reichhaltige Programm des Wiener Konzertes umfaßt außer mehreren Opernarien Lieder moderner polnischer Komponisten. Preisgekrönte franzSstsche Theaterstücke. Die Societe universelle du theatre gab ihren ersten Preis dem Srüif „F eteS de rechange" von I. V. Pellerin. das in der vorigen Saison bei seiner Uraufführung im Studio des Ehamps ElyieeS so stavk diskutiert wurde.'Im Manuskript wurde preisckront ein Drama von Gabriel Marcel, lobend erwähnt ' neS von Ren« Nruyez, das Dullin in dieser Saison im '^elier herausvringan wird. Berriar. BottrSge und Versammlungen. Jülstscher Frauenbund uud Zionistische Frauenorganisation. Heute, VzS Uhr, Jüdisches Zentrum, 2. Bez.. Untere Augarten- Pratze 35. Bibeluortrag der Frau Esth-r Mieses. „Die Sprüche". Eintritt frei, Gäste willkommen. — Zionistische Sektion 6—8, 8. Bez., Bennoplotz 1a. Heute, 8 Uhr abends, Bortrag: Dr. M Präger: .jüdischer Humor in Legenden und Schwänken". Der Verband jüdlktycr Hörer bcr Jagiel. Universitöt (früher Rigorosantenverband! in Krakau wendet sich auf diesem Wege an alle Mitglieder sowie Rigorosanten mit der Bitte um rascheste Begleichung aäer bisher nicht ausgeglichenen Verpflichtungen. Alle Be-rä.?«' wollen an die Adresie .^Ognisko", Krakow, ul Zielona 7, übertvie-i'en werden. 30semestriges StiftmrgSnst der Jüdisch-akademischen Lese- und Redchalle Brünn. Mittwoch, den 16. Februar, )49 Uhr abends im Festsaale der Deutschen Technischen Hochschule Vortrag Dr. Max Brod: Indische Renaissance einst und jetzt (im Anschluß an den Renaissaureroman Reubeni). — Freitag, IS. Februar, im Restaurant Pospischil, offizieller Begrüßungsabend zu Ehren der amvesenden Alten Herren und Delegierten. — Samstag, 19. Februar, um 10 Uhr, tagt auf der Bude (Stadthofplatz 2) das K a r t e l l der Lesehallen Men, Prag, Brünn. Um 3 Uhr nachmittags A.-H- Tagung. Abends, %9 Uhr, Reprasentationsball im Stadion. — Sonntag. 20. Februar, 11 Uhr vormittags, Festkonvent. 1 Uhr Bankett im Grand-Hotel (Weißer ^aal). Reklamationen sowie Hotelzimmerbestellungen an die Adresie: Brünn, Deutsche Technik. Gerichtssaal. Lotschlag aas Uebermut. Bor den Geschwornen des Landesgerichtes 2 hatte sich gestern der 19jährige Hilfsarbeiter Karl Machet tvegen Totschlages zu verantworten. Nach Darstellung der Aiiklagc suchte 5karl Machet am 17. Oktober v. I. gegen 9 Uhr abends mit seiner Mutter Eva und anderen Personen das Gasthaus Bock in Oberlaa auf.. Machet und seine Begleiter belästigten: bald die im Gasthaussaal tanzenden Gäste. Um Ruhe zu schaffen, drängte der Wirt den Friedensstörer und seinen Anhang zur Tür hinaus. Kaum hatte sich hinter den unliebsamen Gästen de Tür geschloffen, als Eva Machet und ihr Sohn neuerdings in daS Gastzimmer stürzten. Machck hielt ein offenes Taschenmesser in der Hand und schrie: ..Wer meine Mutter gestoßen hat, der komm her, ich frech' ihn nieder!" Gleich darauf betrat der Gemeindefeldhüter Franz Sedlmaher das Gasthaus. Machet trat plötzlich auf ihn zu und versetzte ihm einen Stich ins Herz. Sedlmaher wankte einige Schritte, brach dann zusammen und st a r b. Machek verantwortete sich mit N o t w e h r, doch ging aus Zeugenaussagen hervor, daß er der Angreifer war. Die Geschwornen bejahten die Hauptfrage auf das Verbrechen deö Totschlages einstimmig und verneinten mit der gleichen Stimmenzahl die Zusatzfrage auf Notwehr und mit zehn Stimmen die Zusatzfrage auf Notwehrüberübecschveitung. Auf Grund dieses Verdikts verurteilte der Gerichtshof Karl M n ch e k zu 18 Monaten s ch w e-;• e ii Kerkers. Tine „appetitliche" Konditorei. Bei einer Revision der Zuckerbäckerei des Josef K m o s e k. 5. Bez., Kli'bergasse 1 a, wurden in dem Betriebe außerordentlich unappetitliche Zustände festg-estellt, die bei einer Verhandlung vor dom Bezirksgericht Margareten (Bezirksrichter Dr. B e r n a r d) zur spräche kamen. Im Mani-pulanonSraum war der Fußböden mit einer singerhohen Schmutzschichte bedeckt, die r»us einer klelbrigen, von Abfällen herrührenden, mit den Füßen festgetrete-nen Masse bestand. Unmittelbar auf diesem schmutz lagen Bäckereiaibfällc, die zur Verarbeitung zu Bröseln bestimni'r waren, darüber waren abgebrannte Zündhölzchen gestreut. In einem großen Kessel befand sich eine Füllmasse für Bäckereien und Torten, die aus den verschiedensten Jngredenzien zusammengemischt, mit einer Menge roter Streichhölzer mit gelben Köpfen durchsetzt war. Dann war noch eine andere sogenannte Creme da, in der sich Fliegen maden befanden. Schokoladeiorten und.Bäckereien waren mit Staub. Schmutz und kleinen Dorsten belegt. Kyrc» sek gab an. er habe die beanständeten Waren von einem anderen Geschäft an Zahlungsstatt übernommen und bis 2 Uhr in der Nacht dann: zu tun gehabt, sie einzuräumen. Am anderen Morgen, zeitlich, ehe er noch mit dieser Arbeit fertjg war, sei er Durch die Revision überrascht worden Der als Zeuge vernommene Oberkommissär G r ö m des Marttamtes Margareten verwies darauf, daß diese Verantwortung um so iveniger stimme» könne, als die am Botzen befindliche Schmutzschicht« schon von langer Zeit herrülhren müßte. Uebrigens habe die Revision erst um 10 Uhr vormittags stattgefunden. Kmostk sei dem Marktamte schon lange tvegen seiner unsauberen Berriebsführung bekannt. Der Richter verurteilte i'an Angeklagten unbedingt z u 48 Stunden Arrest. Berteidbzer und staatSanwaltschaftlicher Fnn'ktionär ineldeten Berufung an. VOLKSWIRTSCHAFT Meitners Wahrheit. Sie zwei retormbedSeftiae« SteuerWeme. Unmittelbar auf den Handelskammertag, auf dem ein sanfter Vorstoß gegen das Bundessteuersystem unternommen tvorden war. folgte die große Volksversammlung im Rathaus, in der Stadtrat B r e i t n e r sein 'Steuersystem v'erteidigte. Dort tvaren die Produzenten versammelt, die, indem sic gegen den Steuersadismus des Bundes ein wenig fcondierten. zugleich mehr oder minder auf ein zweites Steuersystem hinwiesen, dessen Abschaffung vielleicht ihnen noch am Herzen liegen dürfte, als eine Erleichterung der drückenden Bundessteuern; hier waren ztvar überwiegend Arbeiter vertreten, jedoch nicht in ihrer Eigenschaft als am Produktionsprozeß werktätig Beteiligte, sondern als Konsumenten. insofern'alle die städtischen Steuern, welche in das Finangsystem Breitners eingeglisdert find, dazu dienen, großzügige soziale Wohlfahrtseinrichtungen zu schaffen, für die die erforderlichen Beträge in irgendeiner Weise aus der Produktion Herausgeholt ivecden muffen. In der Charakterisierung der Bundessteuern hatte Stadtrat Breitner leichtes Spiel: Von 1923 bis 1927 sind die Zölle von 113 auf 206 Millionen Schilling gestiegen; die Zuckersteuer ivar 1923 mit 2.8 Millionen Schilling veranschlagt,, Heuer erscheint sie mit 10,3 Millionen Schilling im Bundcsbudget; die Warenumsahsteuer ist von 44 Millionen Schilling im Jahre 1923 auf 312 Millionen Schilling für 1927 pcäliminiert. Mit Recht wies Stadtrat Breitner darauf hin, daß die Waremrmsatzsteuer den Menschen von der Wiege bis zum Grabe begleitet. Warenumsatzsteuer muß di«. Hebamme, die bei der Entbindung hilft, entrichten, und auch die Kosten eines Begräbnisses unterliegen der Warenumsatzsteuer. Daß ein solches Steuersystem einer gründlichen Reform bedarf, unterliegt keinem Zweifel. Indessen darf nicht übersehen werben, daß an den Bundessteuern die Länder beteiligt sind, und daß auch das Land Wien an dem Ertrage der Warenumsatzsteuer partizipiert. Allerdings ist es viel leichter, die Urheberschaft solcher Steuern von sich abzuwälzen und die Initiative für eine allfällige Reform den anderen zu überlassen. . Stadträt Breitner ging nun der Reihe nach durch alle die spezifischen Gemeindesteuern und wollte nachiveisen, daß sie nur die Reichen belasten, tvährend er die dem Gemeindsbudget Zufließenden Beträge. .dazu verwende, um Fürsovgeeinrichtungen zu schaffen, Hauser zu hauen. Schulzahnkliniken zu errichten — in sarkastischer Weise sagte er, daß er sich die hiefür erforderlichen 200.000 Schilling von den vier großen Wiener Konditoreien Dehmel, Gerftner, Slukam und Lehmann hole. Den Betrag von 460.000 Schilling für die Kiuderfveibäder holt sich die Gemeinde ans der N ah ru n g §- u n d Genußmittela b g a b e des Grand-Hotels und des Hotels Imperial Der grosse jüdische Erzähler des Ghetto $ H Ä ASCH Iführt uns mit mächtigen Schilderungen indischen Lebens u. Leidens, gintunct leidvollen Bildern der iiidischen Geschichte in das osteuropäische Ghetto, in das riesige Judenviertel von New- York und in die vielen Stationen der jüdischen Wanderung. \in seinen er greifenden Nomanen: Der elektrische Stuhl Die Zauberin von Kasti* llen Ein Glaubemmartyrium Mottke, der Dieb Onkel Moiet | Preis pro Band broschiert.S 5.— Ganzleinen.S 8, — Buchhandlung und Verlag R. LOWIT, WIEN, I. Rotenturmstraße 22 Flei8chmarkt und es bleiben sogar dann noch 180.000 Schilling übrig für die Lehrlingsheime. Das Geld für die Lehrmittel der Kinder holt sich die Gemeinde aus d e r H a u s p e r s onalabgabe. Die HauSpersonalaügabe treffen nur 6000 Haushalte, währen-d die übrigen 660.000 Wienar Haushalte un-besteuert sind; Rothschild muß für seine Hausgehvlfen migefähc 476.000 Schilling an Hauspersonalabgave bezahlen» der W r e n e c B a u k v e r e i n für se'men Bankpalast 33.800 Schilling an Wohnbausteuer «n Iah« entrichten. Damit tväre also bowieseu, daß diese ziveifelloS d-'n Kapitalisten auferlegten direkten Steuern den Awpestellten und Arlieitec nichts angingen. In Wirklichkeit weiß Stadtrat Breitner, selbst frij# gut, daß es auch indirekte Wirkungen direkter Stenern gibt. Die Tragfähigkeit des Kapitals hat nur gewisse Grenzen. In dem' Dkoment, in dem bei der Einstellung einer zweiten Hausgehilfin die Kalkulation wegen der Steuer eine Rolle zu spielen begimit, in dem Augenblick, in dem die Einstellung ein-eS neuen Arlieiters oder Bankbeamten dadurch kostspielig wird, daß außer dem erforderlichen Gehalt auch noch mit der Fürsorgeabgabe gerechnet werden muß. tritt jene Situation ein, bei der der Unternehmer sich sehr Ivohl zu ülierlegen beginnt, ob er auch diese Kosten auf sich nehmen soll, ob das Geschäft mrd der Haushalt auch noch diese Belastung ertragen. So mancher Haushalt hätte noch Platz gehabt für ein« ziveite Hausgehilfin, so manche Bank ivürde die Abbaumaßnahmen nicht in so drakonischer Weise durchgeführt haben, wie es tatsächlich geschehen ist, waren nicht die erwähnten Abgaben. Eine Sondersteuer verträgt das Kapital nicht, eine Sonderstener, die fiir ge-wiffe Zwecke bestimmt ist. mögen diese Zwecke auch noch so idealer Natur sein, wie es in den Intentionen des Breitnerschen SteUlLrsystems gelegen ist. Tatsache ist, daß im' Nahmen des Bveitnerschen Referats die Fürsoi'geabgabe. jene Mgabe. die eine spezifische Lohnsteuer ist. nur nebenbei gestreift wurde» so das; man aus seiner Rede den Eindruck empfangen hat, man hätte sehr viele Steuern zu Gesicht bekommen, am meisten aber die eine Fürsovgoabgabe gesehen, die nicht da war. Damit, daß er vielleicht sell'st die schärfsten Waffe-" gegen das Bundessteuersystem geliefert hat, ist die Neformvedüöftlakeit fernes-Steuersystemsnoch nicht von der Tagesordnung abgefetzt. Weder dem Arbeiter als Produzenten, noch dem Produzenten als Unternehmer ist damit geholfen, ivenn nUr das eine. Steuersystem bekämpft, das andere aber vornehm ignoriert oder gar m den höchsten Tönen gepriesen wird. Beiden Steuersystemsstehen zwei furchtbar« Tatsachen gegenüber: die Verarmung deS Bürgertums und die grobe Arvektslosiakeit-. Die Dundessteuern der Smiierrmg und die Häuserbesfeuerung. die beide überspannt sind, wirken sich aus in der Entgüterung und in der Arbeitslosigkeit. Dem Oestevveicher ist damit nicht geholfen, wenn, um ein bekanntes Wort zu gebrauchen, der eine auf den anderen hinweist, dort sei br größer« Affe. Die Oesterreichlsche Postsparkasse verzinst Sparguthaben von.1 Schilling und darüber vom 1. Februar 1937 angefangcn mit 424 Prozen: für das Jahr. Der Zinsfuß für Zollstundungen. Eine Verordnung des Bundesministeriums vom 20. Jänner setzt mit Wirksamkeit vom I. Februar den bisherigen Zinsfuß der Zollstundungen und die Nebengebühren von 8 aus 7Jf Prozent. Dieser Zinsfuß findet auch Llnwendung bei der Abrechnung der Zölle, Wavenumsatzsteuer und sonstigen Abgaben, welche für die aus den offenen Lagern auf Bormerkrechnung in den freien Verkehr getretenen Waren monatlich abzustatten sind, und es ermäßigen sich demnach diese Abgaben pro halben Monat von '/»Prozent auf 5 '/„ Prozent. Anhaltende Festigkeit der Peseta und der uorweglschen Kronen. Alck dem Devisenmarkt war gestern das Geschäft nur in Pesetas und norwegischen Kponen lebhaft, die im Kurse weiter anzogen. Pfunde Madrid gingen unter 39. zurück, Pfunde Oslo auf 18.80. Auch der Zloty konnte Zeine' Steigerung behaupten, Dollar gegen Zloty stellten sich ayf 5.91. Im Wiener Devisenclearing wurde die Geldnotiz für Warschau auf 79.15 erhöht. Das Interesse der internationalen Spekulation ist gegenwärtig nur auf die drei genannten Devisen gerichtet, so daß Mailand und Paris unverändert geblieben sind Bemerkenswert war die Schwäche des S'ch w e U zer Franken, New Pork gegen Zürich streifte den Kurs von 520 (gegenüber einer Parität von 518.25). Feilbietungen. Im Exokutionsgericht Wien, Abt. 1, Zimmer Nr. 4, am 2. März, Zwangsversteigerung des Hauses Roter Höf Nr^ 8, in Wien, 8. Bez.; - Schätzwert II. 782 Schilling, geringstes vlebot 5891 Schilling. — AM 3. März beim Bezirksgericht Meidling, Abt. 4. Bier Neuntel der Liegenschafi ltätastralparzelle 95/2, Bauareal mit dem dreistöckigen Eckhause 13. Bez., Füchselhofgasse 9, und Katastralparzelle 27/9, Garten Schätzwert 13.999 Schilling, ge» riiigstes 6)ebot 6809 Schilling. Uebergang polnischer Zuckerfabriken in fremden Besitz. Bor kurzem wurden sieben P ö s e n e t Zuckerfabriken durch eine deutsch-holländische Zuckerbandels-Gosellschaft, die Internationale Sukormaartechappii mit dem Sitz in Berlin und Amstexdam, käuflich erworben. In den letzten Tagen ist neuerdings eine polnische Zuckerfabrik in fremden Besitz übergegangen. Die Zuckerfabrik Borowiczkt würde von einem Russen M. GolO« detz, dem Besitzer eines großen ZuckerhandelSunternehmeus im Ter*"—k-*