Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2846 (30.1.1927)
- Date
- 1927-01-30
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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80. Jänner 192“ Wien. Sonntag Minister über Lik! Auf bun .§aiYbeIA£omntextag, dzm öar Bundestaitaler nichts versprochen halben wollte, liest tor herbrrrroßentc Jnbustriefachmonn Dr. Erich G e x - ring«r seine Zifftrnfkolcmnen anfmarschieren, die schlag.nb beweisen, wie die ö>sterreicks«sche Produktion seit Jahren nicht ans dom Ertrage, sondern aus dem Kapital bcft:urrt wird. Die direkten Sterrern haben sich von 276.8 Millionen Schilling im Jcchre 1924 auf 278 Mill. im Jahre 19M rmd au,f W3 Millionen im Jahre 1929 erhöht. Das gischah zu einer Zeit, in der die Zahl der Arbeitslosen von 115.000 i.m Jahre 1924 auf 160.000 i-m Jahre 1926 und aus 170.000 im Jahr? 1926 g2st ragen ist. Mühte schon allein die graste Arbeitslcsigkeit als eine Abnobme der Wirtscha.fts?nevgie normale rw eise (denn so rationalisiert werden wir noch lange nicfft sein, um eine Minder(r7schaftig-ung von Händen durch Intensivierung des MrstsckxrftsapparateS und der Arbeitsleistung überkomvc'r.siert zu haben) in einer Minderung der MeuerlePungen zmn Ausdrucke kommen, so erscheint jener Widersinn der steigenden Abgaben bei steigen-der Arbeitslosigkeit in seiner vollen Nacktheit, wenn man sthn im Lichte der Hertz- Geiringerfchen Methode d'r Ww sipannunsi-en Mischen dom durchschnittlichen Werte eines Quantums RcHstoffeinfuhr und demselben Qunntim der Fertigfcbrik<ts-- ausfichr betrachtet. Diese Werstspannnng ist.nach .Hofrat H e r.tz ein Maststab dafür, welch- Summe an Arbeitslohn, Regien, Unterne^merg-rwinn Mv. im Inland verbleibt. Auf 100 Kilogram.nl Nohsiosfeinftchr berechnet Dr. Gei ringer die vcm Inland erarbeitete Suimne auf 249 Schilling im Jahre 1924. 206 i,m Jaihre 1923 und 200 im Jahre 1929. Mit welchen Methoden immer man an Las österreichische WirtschaftSprablem heranrückt, überall starrt uns das Kn.ochenges'pensi der Krise an, die Ergebnisse stimmen überein, und erklär n zu Genüge, wic'so wir Ende 1926 bei einem Außenhandelspassivum von 1200 Millionen Schilling angelang-t sind. ES konnte nicht anders sein bei einem FinanzsrFtm, da3 dar Produktion eine Kapitalsabzapfrmig nach der anderen appliziert, dessen formale Ertrags'steuern materiell sich als eine mehr oder nu.n'g.-r verhüllte .Kette von Verni'ögen?alg-''üen darst.-llen. Gerade diese Vermummung von Kapitals» als um schuldige Ertrags'steuern (,FvaiMiweise EntgiAerung" hatte sie Präsident Tilgner in seiner Eröffnungsrede genannt), erklärt auch die von Dr. Geiringer gegeißelt: illegale Uebersteueruyg. die sich aus den rrackyerabe zum Syst ein gewordenen M.'Hoden der Steuerbehörden erg'bt. Die Einleitung von Strafverfahren 31 tut fnnetfe der Einschüchterung des Steuerträgers, die Dorschreibung von Dorhaltsfr'.ist.'n, die nicht eingehalten werden können und dadurch nur zu Pressionen dienen, und die Anonymität der vernommenen SachleerstärÄgen nebst vielen anderen V<rationen, fthaisfen eine A t m osphäre der RechtSunsicherheit. Wenn der Wirtschaft Un- »nöigliches zugemutet wird, Last fi? nämlich jahraus jahrein Kapiialstejle an den Fiskus aüführt und wenn dieser auf seinem vorg.schr'i ebenen -Hockffttell, seinem ..Pfund Fleisch" b-eharrt, so ist es kein Wunder, daß die Steuerorgane zu der gesetzlichen Uebribesteuerung die ungesetzliche hingufügen. EZ kommt hinzubas sie cs nicht ungern? tun, denn, wie bekannt, ist Las östtrrei'ch'sche Butg't so k-onstrutert, Hatz mindestens 78 Prozent der Staatseinnahmen für daSStaatspersonal aufgewendet werden; dieses ist daher als stiller K-cm'pagnvn der Wirtschaft a-n der Einrahmesteigerung interessiert, und hie Steuerorgane handeln nur im Sinne der Weisungen der Staatsarg-'si-eNtcnorganisationen, wenn sie gegenüber dem Recht des anderen Kompagnons, zu loben, nicht gar sehr ziinperlich sind. Der Finangmin'st-er seDst -hatte erst vor einigen Togen dargslegt, Latz unter Berücksichtigung Lcr Familiena.ng-eihörigen der aktiven Bediensteten und Pensionisten fast eine Million Menschen in Oesterreich vom Staate oder besser von den Abgaben der Wirtschaft an den Staat leben; wenn es ums L.iben geht, dann gibt es eben keinen Pardon für den schwächeren Teil. Das ist hier die Wir stichast. Das i'sterreick.i'sche Finanzsystsm ist auf dem Kampfe der Mer Komipagnons au-f-gcdaut, von denen | Seile 11 der eine die Macht hat, dem anderen zu diktieren, wir viel dieser jenem von seinem Arbeitserträge, Md wenn es nickt anders geht, auch vom Kapital abzn führen hat. Das rst die nackte Wahrheit, die gcwist nicht so anmutig ist als das von Dr. Seipel' auf dem Han-delskcmmcrlag norge tragen? Jdent'itätssystem zwischen Wirtschaft und Politik, die nur verschiedene AeußerungZ-weisn des Lebens eines un-d desselben BolkcZ seien. Dieser soziologische Monismus schickte sich gan-z gut in die feierliche Stimmung einer Kongresierös'fnung, dast er nur dekorativ wirken sollte, bas nicht zu Taten verpflichtet, darüber wollte der Du-n-deskangl-er die Kongrest-tei'lnehmer nicht einen Augenblick itt Zweifel lassen, als er erklärte, er verspreche ihnen nichts — vielleicht weil er Nicht halten könnte, vielleicht weil er nicht zu halten gewillt wäre. Der Fln-anZ>:nin'lst-2r hätte ja in diesen Dingen das entscheidende Wort. Und tatsächlich war es in-trrcssaw zu beobachten, wie dioser auf den in dem Referat Dr. Geiringers zum Ausdruck gebrachten schrocheu Dualismus zwischen Wirtschaft und Staat reagierte. Wir greisen nur das W gütliche aus D c. K i e nhöcks Darlegungen heraus: Die bezüglich der Praxis der Steuerbehörden vorgcörackiten Klagen seien ihm vollauf bekannt; er müsse das Vorhandensein einer Ueberbssteuerung zugrüen; an Bemühungen der Re gierung (unter dem Druck des Völkerbundes, als wir noch unter Finanzkontrolle standen!) Steuermästigimgen dm-chzusetzen (Wankenumsatzsteuer, KörpersMstssteuer) habe cs nicht geschl-t; vieles sei auf Konto der Finanz- Verfassung zu setzen; infolge der A b g a b e n t e 11 u ir g besitze die Regierung keinerlei Einfluß auf die Steuerpolitik der Länder und Gemeinden. Aus dieser Antwort ist zu ers:h°n, daß wir uad; bei der Regi;rungskunst anni 1917/18 halten. Als es damals im Hinterlande schon nicht mehr möglich war, jeder Neuerung der Kritik mit den Mitteln des Kriegs Überwachungsamtes zu beg^gn.n, legten sich die Minister Sr. Majestät die populäre Methode zu, so oft die Masse der Unzusriedeipn ihrem Unwillen über dieses und jenes lauten Ausdruck verlieh und ihre Klagen bis an die Stufen der Regierung drangen, in öffentlichen Kund gedungen, Jntervi.wS usw. in den Chorus der Schimp senden miteinzustimmen. Damit wälzten sie in gefälliger Weise von sich die Schuld und zugleich die Verpflichtung zur Tat ab. Damals soll es auch vorgekommen sein, daß der eine Minister dem anderen die Verantwortung zuschob, eine Rollenverteilung, mit der sich immerhin eine Zsitlang — bis zum endgültigen Zusammenbruch — das Auslangen finden li;ß. Honte ist Wir verlängern unsere Prämlenaktion I I. Wer das Abonnement für ein ialtr einzablt, erhält als Prämie je nach Wahl ein Exemplar der folgenden Werke:!. Josephus Flavlus: Sämtliche Werke: Der jüdische Krieg und Jüdische Altertümer, zusammen in drei eleg. Prachtbänden (2000 Seiten holzfreies Papier, schöner, klarer Druck). 2. Heinrich Graetz: Volkstümliche Geschichte der luden, ln drei schmucken Prachtbänden von mehr als 2200 Seiten. 3. Sven Hedin: 11. Wer ein Halbjahresabowwment einzahlt, erhält als Prämie je nach Wahl ein Exemplar folgender Werke: 1. Theodor HerzI: Feuilletons. In zwei vornehmen Geschenkbänden. 2. Adolf Böhm: Oie zionistische Bewegung; das Standardwerk der neuen jüdischen Bewegung in zwei Großoktavbänden. In wertvollem Ganzlcinenband. 3. Herrn. Struck u. A. Zweig: Das c<8tjüdische Antlitz 52 Zeichnungen des großen jüdischen Künstlers, Text des berühmten jüdischen Dichters. 4. 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