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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-30 · Heft 2846 (30.1.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2846 (30.1.1927)
Date
1927-01-30
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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30. JLnnör 1927 Nr. 8816 Wien, Sonntag so. J8im«r 1927 beginnt der KEREN HAJESSOD-DRIVE. Zionisten, stellet Euch als Mitarbeiter zur Verfügung. Juden, denket an den Palästina-Aufbau und erfüllet Eure Keren Hajessod-Pflicht. Tatsächlich eilt neuer Mann, der im Druiimtstcheil Bescheid weiß» auch ohne Ballungen, rmverständliche Tnnlcllxnten, gewollte Verstiegenheiten sich als Dichter legitimiert, tatsächlich eine neue Hoffnung, eine österreichische noch dazu. Otto Abel es. 4tt« den Theatern. -Bürgerthea t er. Dienstag -findet das JtchUäum der 100sten Aufführung der erfolgreichen Operette „Der Mi't- LsrnachtSwalger" von Dr. A. M. Mllner und Rudolf Oefierreicher, Musik von Robert Stolz, statt. Reue Wiener Bühne Mittwoch österreichische Ur« Aufführung der Schwankes ,H o ch z e i t s r e i s e n L> e". Operntheater. Morgen, 7 Uhr, Mas-ken-ball; Dienstag Intermezzo. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr, ,Jüngling" (Theatergemeinde Serie F). BolkSoper. Morgen gastiert Leu Tenor der Lemlerger und Warschauer Staatsoper Herr Jnjo Mann als Ca-- vacatzoffi in »Losca". Deutsches Volkstheater. Morgen findet die letzte Vorstellung des »Mauen Vogels" statt. — Direktor Jushnh wiü> EnLe Juni die Tragödie von Alexander Jwanowitsch S umba tow -I ush i n, in der deutschen Äarbeknnrg von Arthur Sakheim errat" mit den Kräften -de- Deutschen Volkstheaters, inszenieren. Modernes Theater. In Abänderung des Spselplanes heute und morgen abends „Dia Rote Robe". Ehrung Professors Fuchs. Ueber Anregung des Frauen- Shvchhonieovchefttrs wird zum 80. Geburtstage (15. Februar) des heimischen Komponisten und Lehrers Professor Robert Fuchs seitenns eines Komitees, dem Vertreter des UntericytSministeriums, der Gesellschaft der Mustkfreunnde, der Madenvie für Tonkunst ustv. angehören, ein Festkonzert veranstaltet, welches ausschließlich den Werken dieses Künstlers gewidmet ist und am 18. Februar im gwßen Musikvereinssaal ftottfindet. ' R tt r 'wähl an der Hechschuke für Mus *. A:r dcrM Hochschule wurde gestern vormittags die Neuwahl des Rektors für das Studienjahr 1926/27 vorgenommen. Es lourbc bei Stimmenenthaltung des derzeitigen Rektors mit den ikbrigen zehn abgegebenen Stimmen einhellig der bisherige Rektor Hofrat Professor Dr. Josef Marx wiedergewählt. Nach den Bestimmungen des Hochschulstätutetz unterliegt diese Wahl der Genehmigung durch das Unterrichtsministerium. Klavierabend Nana Krieger. Ein Konzert der jungen, r begabten Pianistin ftelttc neuerlich der Schule ihres Lehrers Prof. Paul Weingarten das beste Zeugnis aus. Trotz Befangenheit spielte Fräulein Krieger mit vorzüglicher Technik und gesunder musikalischer Auffassung. Wenn aud) nicht alles mit voller plastischer Schärfe geriet, so ist doch Sinn für Gestattung, Br Aufbau und Steigerung vorhanden. Mit gutem Geschmack war das Programm zusamengestellt, welches weniger , bekannte Stücke von Nowak und Salmhofer. brachte und so von der üblichen Schablone vorteilhaft abwim. Ein zahlreiches Publikum zeichnete, die Birtusin mit lebhaftem Beifall aus. Modistin,. 25 Jahre alt, amerikanische Bürgerin, schön, wirtschaftlich erzogen, spricht Englisch, spielt Klavier, besitzt Barkapital von zirka 4000 Dollar, wünscht passende Ehe. Unter Chiffre „Religiös und fromm“ an die Expedition des Blattes. Kunstpreise oer Stadt Wien. Die Gemeinde Wien hat iviedermn. für hervorragende Werke der Musik, der Dichtkunst und'der bildenden Kunst (Malerei, Bildhauerei und Architektur) Kunstpreise gewidmet. Die Preise wurden mit je.dreitausend Sch illing für jedes der drei Kunstgebiete festgesetzt. Um die Kunstpreise der Gemeinde. Wien können sich alle in Wien lebenden und ivtrkenden Künstler bewerben. Die Bewerbung muß b i s längstens 88. Februar 1927 schriftlich bei der Direktion der städtischen Sammlungen im Neuen Wiener Rathaus erfolgen. Die Eingabe ist mit vollem Namen und Adresse zu fertigen und es nruß genau zu ersehen sein, für ivelches Kunnstgebiet und auf Grund welchen Werkes die Bewerbung erfolgt. Die angemeldeten Kunstwerke sind bis zum Mlauf der Einreichungsfrist an die Städtischen Sammlungen einzusenden. Die nächsten Novitäten des Buvgtheaters. Donnerstag, denn 3. Februar findet die erste Aufführung von „Der Diktator", von Jules Romsinns. - deutsch von Hans Feist, statt. . — Die nächste Premiere, Nestrohs „Zu ebener Erde und erster Stock", Musik, nach den Motiven Adolf Müllers von Julius Bittner. ist für den 24. Februar geplant. Hierauf folgen« als Neuheiten die Komödie „Das Genie und sein Bruder" von Sil-Bara. das Drama „Trieschübel" von Franz Nabl, ^Narciß" nach Brachvogel, frei bearbeitet von Gustav Davis und „Paulus unnter den Juden" von Franz Werfel. — Im Akadenrietheater wurde die deutsche Uraufführung von „Marika", Lustspiel von Stefan Zagon für den 9. Februar angesetzt. Die nächste Neuheit wirb hierauf Anton Wildganns' „Liebe" sein. Deutsches Bokkstheater. Im.Rahmen einer Nachmittagsvorstellung von Grillparzers „Savho" debütierten zwei junge Kunnstler als Melitta und Phaon. Beide Debütanten scheinen uns — sagen wir vorläufig — für das Deutsche Polkstheqter nicht geeignet zu sein. Uebrigens war die junge Dame Indisponiert, der junge Schauspieler recht befangen und beide so herzlich bemüht, ihr Bestes zu geben, daß,wir denn Gästen dnvch Namennennung nicht schaden wollen. „Der Garten Eden", - die überaus lustige, toirkungsvolle.Komödie von Oesterreicher uno Bernauer feierte -bas Jubiläum der 25. Aufführung im Deutschen Volkstheater. Die ausgezeichnete Darstellung, mSbesonndere du«h Fräulein K v e p k e, Frau Wallentin, sowie die Herren Sdthofer, Homann, Ziegler und Lack»er fand wieder stürmischen Beifall. Ter große, verdiente Erfolg des liebenswürten Werkes hält an. Ein vorzeitig beendetes Gastspiel. Wie aus Oedenburg» »gemeldet wird, hat das dortige Gastspiel des- Wr.- Neustädter Theaters ein vorzeitiges Ende genommen. Direktor Rollett erschien nach der gestrigen Vorstellung vor der Rampe und richtete an das spärlich erschienene Publikum eine Ansprache, in der er sich Über die Indolenz deS Publikums beklagte. Sein bisheriges Defizit betrage mehr als 75 MiMonen nng. Kronen, weAbaw er genötigt sei, die weiteren VorsteNungen cinzustellen. Jüdische Schwänke. Dr. Max Präger, der bekannte Verleger, liest Sonntag, den 6. Februar, um halb 8 Uhr, im Mittleren KonzerthauSsaal „Jüdische Schwänke". Dieser Abend erhält seine besondere Note dadurch, daß jüdischer Volkshumor im Original dem Publikum vermittelt und der viel mißbrauchte jüdische Witz zu ursprünglicher, unmittelbarer Wirkung gebracht werden soll Das Programm ist für Wien vollkommen neu. Restliche Karten von 70 Groschen bis 5 Schilling bei der Konzertdirektion Lanyi, 1. Bez., Kärntnerstraße 44, Buchhandlung flöwtt, 1. Bez., Rotenturmstraße 22, und Bücherstube Rath, 2. Bez., Taborstraße 20 a. Gerichtssaal. Ser Zusammenbruch de» BaukzeschSlter Wellisch. In zweitägiger Verhandlung 'hatten "sich vor einem Schöffenseitat unter'Vorsitz des Oberäudesgerichtsrates^Dr. Kielhofder Chemiker Dr. Julius Wellisch und dessen Bruder, der gewesene Bankinhaber Hermann Wölkisch, wegen des Verbrechens der Veruntreuung un? f des Vergehens der fahrlässigen Krida zu verantworten. Hermann Wellisch betr'eb seit dein Jahre 1920 ein Banktmd Kommissionsgeschäft, in das später 'Dr. Justus Wellisch als offener Gesellschafter eintrat. Das erste Geschäftsjahr endete mit einem Verlust von 21/2 Millionen . Kronen, der hauptsächlich durch Unglücksfälle, nämlich durch den Ankauf von 13.000 falschen ungarischen Kronen, die Beraubung eines Kafsenboten mit einem Schaden von 80.000 Kronen und durch Einnahme von'90.000 falschen Leinoten, verschuldet wurde. Die Firma, die ihre Verluste wettmachen konnte, befaßte sich in der Folgezeit hauptsächlich mit Effektenfpefutattonen und verlangte von ihren 'Kunden eine Deckung von nur 4Ü Prozent, so daß das Geschäft einen großen Umfang annahm. Ans diesen Geschäften resultierten Verluste von mindestens 21/2 Milliarden Kronen. Um ihre Engagements aufrecht zu erhaltet:, griffen die Bankilthaber auch Effekten, die im freien Eigentum der Kommittenten standet:, ait. Als auch diese Quelle versiegte, entschlossen sich die Beschuldigten am 25. April 1924, mit eincnt Passiveitstand von 5i/z Milliarden Kronen, denen Aktiven von 800 Millionen Kronen gegcnühcrstandeit!, das A u s gle ichs v c rfa hren anzumelden. Die Angeklagten verantworteten sich dahin, daß sie alle Kommittenten, deren Efsektendepots bei der Firma unbelastet waren, mit Hilfe der StützungskomMission der Wiener Börse befriedigten. Nur jene Depots, die nach Ansicht der Stützungskommission nicht freies Eigentum der Kommittenten waren, wurden nicht ersetzt. Die Geschäfte habet: beide im gtltert Glauben abgewickelt, ebenso haben, sie mit der Anmeldung' des Ausgleichsverfahrens so lauge gezögert, weil sie auf eilte Besserung des Effektenmarktes hofften. Nach längerer B ratltng verkültdete der Porst'-ende beit Freispruch beider Angeklagter von dem Delikt der Veruntreuung, dagegen wurden beide des Vergehens der fahrlässigen Krida schuldig erkannt. Hermatm Wellisch wurde mit dreijähriger Bewährungsfrist bedingt zu drei Monaten strengen Arrests und Dr. Julius Wellisch ebenfalls bedingt zu zwei Mvn a t e n st r e n g en Arrests verurteilt. Beide erklärten, die Strafe a-tznrtelnncn. ' w. f f w. yüüüüüüiüüüüüii JÜDISCHE WEIT Sorres an Marsball. Aus Paris wird uns berichtet: Wie erinnerlich, hat der bekannte anrerikanischejüdische Führer Louis Marshall vor einiger Zeit in einer öffentlichen Erklärung gegen die Kampagtte zugunsten Schalom Schwarzbarths Stellung genommen und sie verurteilt. Nmr richtet der Verteidiger Schwarzbarths, Torres, ein offenes Schreibeti an Louis Marshall, in welche«: er gegen die Haltung Marshalls scharf polemisiert. Die wichtige Folge des Falles Schwarzbarth — sagt TorreZ — bestehe darin,' daß durch ihn das Interesse der gesamten zivilisierten Welt für das allzu lang unbeachtet gebliebene jüdische Martyrium erweckt wurde. Marshall warne vor einem vorzeitigen Urteil in der Affäre Schwarzbarth. Warum nun, fragt fragt Torres, ist Marshall selbst von diesem Grundsatz abgewichen und hat ein ourchaus vorzeitiges Urteil abgegeben? Es mache den Eindruck, daß Marshall von irgendeiner Jnteressentengruppe bewußt irregeführt worden ist. Ile Wischen Katakombe« in Kam- In der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums sprach Professor Dr. Hans L i e tzntotut über die jüdischen Kataikonrben in Rom, alte Gradstätten des griechischen Diaspora-Judentums, die für die Wissenschaft von ungewöhnliche nt Wert sind. Es gelang Professor Lietzmann, eine im. Park des Fürsten Torlogne gefundene Grabstätte durch Messungen, Zeichnungen, Photographien und Beschreibungen der Wissenschaft zu erhalten, wobei bedeutsarne Ergebnisse in Inschriften zutage traten. Man erkannte daraub, daß in Rom nicht eine geschlossene jüdische Gemeinde war, es bestanden mehrere Gemeinden, die sich um die verschiedenen Synagogen gruppierten, wie zum Beispiel die Synagoge der Compssier usw.; sie bestanden auch aus P r 0 s e l y t e n, wovon sehr viele Grabsteins Zeugnis oblegen. Die Katakomben sind i-n den Erdboden als Stollen hineingetrieben und künstlerisch mit Säulen, Rundbögen und anderem Architektuvzierrat geschmückt. Sehr reich und farbenfreudig ist die Bemalung der Wände. Es wäre wünschenswert, wenn auch die anderen jüdischen Katakomben, kaum ein haWes Dutzend, wissenschaftlich eriwMxvt rheumatischen Beschwerden mehr nach einer «in» sochenVenecin^rinLkur t schlossen und in würdigen Publi>kationen fesigehalten werden würden, da sie v 0 m Untergang bedroht sind. Dm itali'eit'ische Negierung und der Vatikan haben mit der Erhaltung der christlichen Katakomibe-n zu tmt, so das; sie keine Mittel für die Erforschung der Mischen Katakomben haben. Da dieses verschwundene griechische Judentum aber eines der mächtigsten Faktoren der Weltkultur war, so sollte das Judentum selbst das Interesse daran halben, die letzten Uetberreste e i n e r gewaltigeit Zeit des jüdischen Volkes der Vernichtung zu entreißen. khrung eine« Wdllche« NnwandernngslommiM«. tzlus New Bork wird uns berichtet: Vor ermWN Tagen wurde imt Ncgierungsgebäude der Eiitwanderungsmsel Elilis Island der Mische Einwanderungs'kommissär Philipp Co w en aus Anlaß seines Uc'bertrtttes in den Rrchestand außerordentlich geehrt. Mr. Cowen ist heute 74 Jahre alt und stand seit 40 Jahren als Einwamderung-slbeamter in Diensten der amerikanischen Regierung. In New Bork geboren, war er ursprünglich jüdischer Publizist^ gvündete die bekannte englisch-jüdische Wochenschrift „American Helbrew" und gehörte zu den führendeit Persönlich»- ketten der unter dem Namen „Doung Mans Hebreüv Association" bekannten jüdischen Jugendbewegung in Amerika. Als Publizist widmete er sein Hauiptintoresse alligemeinen und Mischen EimvairderungsprMemen und der jüdischen EinwanderuiNgsihWstätigkeit. Durch diese seine erfolgreiche Tätigkeit wurde die AlvfmerkisEiEeit der Regierung auf Hn gelenkt und so wurde er vor vierzig Jahren zun: Eintwanderung-skommissär in Ellis Island emannt, welches A>mt er bis in die letzten Tagen innehatte. Mr. Philipp Cowmt hat wiederholt Wei'ltreisen unternommen,' auf welchen er die jüdischen Probleme in allen Weltteilen studierte und beschrieb. Mr. Cowen ist trotz seines hohen Alters -noch sehr rüstig und will sich nunmehr ausschließ>lich öffentlichem jüdischen Angelegenheiten widmen. Er gehört zu den popnlärston Persönlichkeiten im Orden dev B'mei B'riG.

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