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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-30 · Heft 2846 (30.1.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2846 (30.1.1927)
Date
1927-01-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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irr. 3646 Wmm M. Hüttner 1ÄS7 Gert» 7 Vereine. Vorträge «ad Lersammlangen. Mai«u»»id,S-Jnstttut,!». Hetzgass« 40. Morgen, O—7 Uhr. Dr. A. Kam ln Lar „Das Buch Amoö"; 7—8 Uhr, INore Nebuchim: „Da» Gesetz vom logischen Widerspruch/ — Htfe»chd«th-J«gentz, 2. ®e^ Glockengajs« .W. Morgen, -L8 Uhr aberrds, Seminar für jiddische Litcrarur rDc. A. F. Fintel? stein). Jugendliche Gäste toillkommen! —Zionistisch« Gek» <ie» 6—8, 8. Weg., Bennoplatz 1a. DrenSrag, 8 Uhr abend», Vortrag Dr. M. Präger: „Jüdischer Humor in Legenden und Schwänken." Einleitende Worte Dr. GiegfriÄ» Schmitz. - Jugendverein Erez Israel, 2. Bcg., Zirtns-gasse 83. fixml«, %8 Uhr abends, Literaris/cr Avend; Montag: Hebräische Kurse (6—9 für Anfänger. 9—10 für Vorgeschrittene) — Wiener Bet.Hamidrasch, 2. Beg., Tempelgasse 8. 5 Uhr, Loktor Dr. T. Gel«»hau»: .Ikechitta"; 8 Uhr. Lektor Dr. S. Nu. bin: ^Midrasch, nach een Quellen erläutert und interpretiert." — Zionistische Jugendgruppe Leopoldstladt. Heute. 8 Uhr nachm., hebr. Sichah, 7 Uhr abends freie AusammenLnnft; morgen. 6 Uhr, Geschichtskurs. liftfein für jüdische Geschichte und Literatur in Wie«. Morgen, halb 8 %, im Älu'bsaale der Hakoah, l. Dez., Wipp« lingerstraße 34- 36 (Cafe Altes Rathaus, Eingang durch das HauStor), Bortraa Hofrat Dr. Stegmund Fuchs: »Synagogale Poesie des Mi^totalterS." Eintritt freil Wiener Juristische Gesellschaft. Mittwochs den 3. Februar, Hi tHr abend», im HSrsaal S6 rer Wrener Universität Bott Versammlung und Vortrag de» Herrn Doktor Alois KSrner (Wien): «Ziel und Weg einer Nefovm der Vorbildung für den höheren Verwaltungsdienst/ Die Kremenetzky-Ehrung de» Keren Kajemeth. Die Einzahlung für da» Kremenetzky-DankeU kann spätestens bis Montag, cen 31. d. M^. 6 Uhr abends, und auch direkt bei der Kasse de» Keren Kajemeth, 1. V., Kärnt« nerstraste 28, erfolgen. GS wird ersucht, die Sammelbögen spätostens b:s Dienstag, den 1. Februar, zu verrechnen. In dringenden Fällen kann sie «ine Stunde vor dem Bankett durchgeführt werden. Jüdisches Zentrum der So-daten HUfSgem«tnschaft Anitta Müller, 2. Bez., Unter« Auaartenstraße 35. Montag, den 31. Jänner: %8—9 Uhr, Hebräisch für Anfänger, von Vtl bis %8 Uhr. Hebräisch f. Vorgeschrittene I. von 8-210 Uhr, Hebräisch für Vorgeschrittene 2, von 7—8 Uhr, Englisch für Anfänger; Dienstag, 1 Februar, van 8— \ülO Uhr, Hebräisch für Vorgeschrittene, Vorlesung u. Interpretation des Buche» Hiob von Gcb'oma Auerbach. 7--8 Uhr, Französisch für Anfänger, 8- -0 Uhr, Französisch für Vorgeschrittene, >47—8 Uhr. Schwedisches Turnen für Frauen und Mädchen, 6—8 Uhr, /# stillen Städtchen, in der brausenden Weltstadt, im Frieden der Völker, im Wahnsinn ihres Krieges, in Not und Entartung, in Qualen des Hungers, immer und überall gellt der Rufi Jude ans Jtöreii*! Er ist aus Haß geboren und verführt zu Haß und Mord; alle Opfer der Liebe sind vergeblich — sie übertont der Schrei; Jude ans Mreuxf Diesen uralten Irrweg haßerfüllter Verblendung hat ein Dichter der Gegenwart, Kurt Münzer, in einem Roman von erschütternder Wirkung geschildert. Jude ans Mteuxl ist der Judenroman von heute; er gestaltet mit weltumspannendem Griff, hält in atemraubender Spannung, Deutschland und seine Hauptstadt, Zürich, Genf, Paria im Brand von Krieg und Nach* krieg, die Erniedrigten und Beleidigten, die Entfesselten und Entarteten, die Reinen und Gepeinigten aller Lander und Völker ziehen in dem von Meisterhand geschriebenen Roman in grandiosem Bilde vorüber. Jude ans Mreuxl der jüngste sensationelle Roman von Kurt Münzer, erscheint zum ersten Male am 5» Febriuu* 1« J* in der »Wiener Morgenzeitungi« lt(ge£peis& Weibliche Handfertigkeiten, %8—9 Uhr, Sprüche und Erläuterungen der Wochenabschnitte der Bibel. 8—O Ichr, Praktische HandrverMnrse. Bühne und Kunst. .Lesierrelchische Komödie.* Theater in der Josefstaot. „Als ich vom Pferde stieg, trat ich ln den Dreck/1 sagt ein junger Adelsmmm, der Liebhaber dieser Komödie. Er meint es symbolisch und bitter. Soeben erfuhr et, daß die Anstandsdame seiner Braut, eine Baronin, irr einem fashwrrablen Wiener Hanse verkehrt, bei dem man die rote Laterne nicht ausstecken must. Die Aristokraten und Geld- Magnaten des In- und Auslandes kennet! die superbe Lasterhöhle in der Dorotheergasse Erfuhr es auf dem Herrensitz derer von Saurau, wo eine glänzende Adelsgesellschaft zu Gast geladen ist. Ein Großindustrieller, ausnahmsweise „Zugelassem^, ist mich dabei. Der hat mit besagtcr Braut durch Vermittlung besagter Anstandsdame ein kostspieliges Verhältnis augeknüpft. 'Des Mädchens Vater, der ahneiireiche Mertini, ist durchaus dafür, daß seine schöne Tochter 1001)1 standesgemäß blaublürig heiratet, aber den Papa gleichzeitig durch reichen Mailrrssengewinn auf der Höhe seiner Klasse erhält, von tvelcher der verarmte Aristokrat abzustürzen droht. Der junge Adelsmmm. blickt schauernd in de» Sumpf. Er hat so seine Ansichten über das, was man bei Sanraus, Mlbertinis, bei den Grafen, Exzellenzen- Militärs -feint? Verkehrs „nrodern" nennt, ist enrpört und der hochbegabte Autor Alexander Lernet - Holenia ist es mit ihm. Wenn Käuflichkeit, Schmutz, Verkommenheit die Gesellschaft besicheln, sicht es, muß es ein junger Dichter nicht zunächst dort sehen, wo er aufwächst? Diese „Oesterreichische Komödie" ist sein Sturm- und Drangstück. Daß er sie „öfter-- reichrsch" nennt, ist begreiflich, aber nicht gerecht. "Da ihn: kräftige Empörung die Feder führte, ist alles scharf gemünzt, was den sittlichen Zustand der elsgantÄv Gäste dieses /Schlosses charakterisieren soll. Gleich zu M- -gizm sagt ein Kavallerist zu.der blutjungen Tochter des Hauses : „ES gibt nur zwei Arten von Mädchen, solche^ die sich trauen, und solche, die sich. trauen lassen." Dw Backfisch lacht verständnisinnig. Und der alte Albertini fordert von dem Jndustrieritter für eine Nacht, die ihm seine Tochter bietet,- zwei Perlenschnüre. Kein Bargeld! Den Schmuck wird ihm wohl, sein Hausjud vinsklberu. Er Mt sich mit Geldgeschäften bricht-ab. Alle Figuren, Frauen und Männer der besten und der guten Jahre, Greise und Matronenhalbe Kinder und jugendliche Frechdachse, die alten und die neuen Domestiken Me sind mit gründlichster Mmrtnis des Milieus, aber, was mehr bedeutet, mit Dichterblick gesehen, der sie durchschaut, die Seelen erkennt, die ausgebrannten scheidet von den eben erst angefresseuen, um deren Not er iveiß. Diese im: Technischen .überraschend fertige Komödie ist natürlich in der Szenensührung und Gestaltung der handelnden Fe-^ Mren sticht durchaus geglückt. Insbesondere das junge Ä cherr, von heißer Liebe zu 'dem gut zahlenden Jndustriernamr chingezogen, aber auch in die mrsauberen 'Geschäste des Vaters, und-in das kupplerische Treiben ihrer „Anstandsdlmre". eingeweiht, ja an ihnen beteitigt,bliebverschrvoimnest, Der Gastgeber und seine Gattm,' cher Jndustriekönig (ftr! seiner ivaurlgen Sachlichkeit) sind Pnichtfiguren und die MH lebensvoller Episodengestalteu macht freudig ekflamtftr. . Eine glanzvolle Aufführung in einem glanzvoNeri Rahmen. Str» ads Bühnenbild von verschwenderischer und doch gediegener Vornehmheit, Stephan o ck s Regie aus inlimstes, rafft ierdleg.reZ Parlando gestellt. Die Stimmen schnurren durcheinander, nebeneinander,- virtuose ,lEniemblö-- sätze" ktängm rechtzeitig ab, ivenn ein Dialog-Solo einsetzt. Und diese Serie meisterhafter schauspielerischer Leifturv? gen! Die Baronin der Frau Termin, die ihr Leben mit unvergleichlicher Sioncha^ance zwischm Arrangements in bei „Maison" und feudalen Gesestschastsabenden teilt, Entrüstung aus dem Handgelenk pariert und unter den schivierigsten Un^ ständen allerorts ihren Kuppel-Betrieb aufrecht Hält; die hmnorvollst gezeichnete Hysterische Aristokratin der * Frau Wo'iwol)e, die alte Gräfin der Frau Förster, schweb hörig und doch feinhörig, wenn es sich lohnt; der samösch in der scharfen Charakteristik patinierten Adels jetzt toirNich unübertreffliche Herr Lovrtc. Dazu die rckssige, 'schöne DarvaS, die Herren "R'o'mVerg, 'Kvrff, Hermann Th im lg. Naihonikeur urck Hausfaktotum, Gesellschastskritiker und Haupt der Domestiken ist der Kanimerdiener Johann und/ HanS Moser spielt ihn. Mit althölzemen Gretfenbeknest mtd höchstlebendigen Augen, mit Ingrimm und Schockensreude. Sch<ü>e, daß er zu viel zu agieren und ununter?' brochm zu kommentieren l)at. Es würde sich empfehlen; das' überwucherttde Gestrüpp scl-res Textes zu lichten. Wie mms. di« Trunkenheftsszene Hugo Thimigs zur KeLttng jWr ÄöMtztg rund MN M Prozent öhrM sollte.

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