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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-29 · Heft 2845 (29.1.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2845 (29.1.1927)
Date
1927-01-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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3eite i Lien. Gamstag Ser Raubmord ia der Brigittenau. BoMnWrr SrMWS der Mrderia. Im Laufe des gestrigen Tages bat die unter dem Ger- < au>re des Mordes verhaftete Hausgehilfin S t r a tz c r ein vollständiges Geständnis alrgelegt. Sie gab zu, den Körper ihrer siechen Dienstgcberin mit Benzin iibergosfen und sodann angezündct zu baden. Ferner gestand sie ein, das ganze Geld der ermordeten Frau, mtb zwar zwei Noten a ICH) Schilling und 15 Schilling Kleingeld, an sich genommen zu haben. Von ihrer gestern gemachten Aussage, die Witure aus Barmherzigkeit getötet zu haben, kanr sie ab und erklärte, Frau Anthofer im Schlaf mit Benzin übe r s ch ü t t c t und a n g e z ü n d e t zu Hecken. Als Beweggrund für ihre Tat gab sie an. dafj die Anthofer am nächsten Tage in das Spital hätte kommen sollen und da st in diesem Falle das Bargeld in andere Hände gekommen wäre: Mn gestern im Sterbe»,immer der Ermordeten vorzenomntenec Lvkalaugenscheirr bezeugte, dah die in der Kriminalgcschichte unerhörte Tat nahezu zweieinbiertel Stunden gedvruert haben must. Die Straher war bei der Ermordeten seil o-Lteinhälb Jahren in Dienst, hatte wohl keinen Lohn, - £-:> Hier. Essen und Kleider erhalten. Vor lvenigen Mona»»» aber hat ihr Frau Anthofer auf einmal 000 <5dnU liiig gegeben und ihr für den Fall ihres Todes eine Anzahl Möbel zugesagt. Die Straster wird heute dem Landesgericht eingeliefert lverdcn. Sitte siebenMfige Einbrecherbande verhallet. Seit Anfang dieses Jahres lvar eine Bande von Derüfseinbvechern in Favoriten und Simmering daran, zahlreiche Geschäftslokale und Schrebergärten systematisch auSznrauben. Die Polizei konnte nun eruieren, dah sich im Hause Pernerstorferstraße 1 c sozusagen die «Zentralstelle" der Bande befinde, wohin die Beute jeweils nach den Einbrüchen geschafft wurde. Dort konnten nun sieben wiederholt a b g c st r a f t e Einbrecher festgenommen werden. Die Bande hat in der Weise gearbeitet, dah sie in jeder Nacht an zwei bis drei verschiedenen Punkten Einbrüche verübt oder versucht hatte; um so die Polizei irrezufü'hren. Bisher konnten der Bande mehr als zwölf Einbrüche nachgewiesen werden. Die ganze Gesellschaft wurde gestern dem Lerndesgerichte eingeliefert. Schwere Stürme in Ea-land. London, 28. Jänner. Der in der vergangenen Nacht und am heutigen Tage wütende Sturm hat in allen Teilen des Landes großen Schaden angerichtet, insbesondere an Telegraphen- und Telephonleitungen. Nach den vorliegenden Meldungen wurde am schwersten Glasgow heimgesucht, wo ü b c r h u n d e r t Personen verletzt wurden und, wie man befürchtet, a ch i P e r s o n c n das Leben einbühten. Das schwerste Unglück ereignete sich nachmittags. als ein Schornstein e r n st ü r z t e und die Trünuner durch vier Stockwerke hindurch schlugen. Polizei und Feuerwehrleute mutzten sich durch die Fenster Eingang verschaffen, da die, Türen durch die Trümmer versperrt ivaren. Auf der Straße wurde ein Zwölfjährige? Bi ä d ch e n durch einen herabfallenden Stein getötet. Zwei Straßenbahnwagen und verschiedene Schiverfuhrwerkc ivurden vom Sturm umgcschleudert. Die Geschwindigkeit des Sturmtvindes betrug 02 Meilen in der Stuirde. Ein Schnellzug wurde beim Verlassen einer Station durch die Getvalr des Orkans, a u f g e h a l t e n und konnte während 40 Minuten nicht vorivärtSkoimneru In Norbury stürzte durch den starken Orkan ein einsitziges Bombenflugzeug ab. Der Fliegerofsizier fand den Tod. F , Srvlofiv» in einer englischen Metallsabrik. Cardiff, 28. Jänner. Bei einer Explosion in einer Metallsal'cik sind drei Personen g e iö t e t und sechs verletzt worden. Die Fabrik wurde g ä n z l i ch zerstört, Furrhtdare Sxvlosion ln einer Kotzlengrude. London, 28. Jänner. In einer Kohlengrube m der Nähe von Deal hat sich hßute früh eine Explosion ereignet. Vier Bergleute wurden getötet und e l f verletzt. Eine Lokomotive für slWge Kohle. AnS Berlin wird uns gemeldet: Eine aussehenecregende Erfindung wurde voir der deutschen Lokomotiv- Industrie geprüft. Der r u s s i s ch c Ciscnbahniugenieur Lomonossotv hat eine Lokomotive kür flüssige Kohle konstruiert. die in der Lokomotivensavrit in Düsseldorf ferttggeskellr wurde und deren e r ft e P r ü f u n g s s a h r t Wie«« Mveg««-eitm>s gut verlaufen sein soll. Es handelt sich um eine Lokomotivc sehr großer Bmtart mit einer mechanischen Leistung von 1 2 0 0 P f e r d e k r ä f t e n. Rach Ansicht inaßgebender Fachleute ist diese n-eue Lokomotive der letzte Vorläufer einer OelantrieblokoMotive, welche di« Danrpflokomütive gang verdrängen dürfte. Mährend die Dampflokomotive von ihrem Brennstoff nur 10 Prozent in mechanischer Leistung umsetzk, glückt bei der neuester: Lokomotive eine Auswertung des Brennstoffes bis zu 2 5 P r o z e n t. Der größte Vorteil der rreuen Lokomotive ist. daß sie lange Strecken, rvie z. B. Petersburg—Berlin—Madrid ohne Auffüllung des Betriebsstoffes bewältigen kann, da der lästige Maschinen Wechsel und die zeitraubende Wasseraufnahme entfallen wunden. Reue Hellmrlhode bei der Sasvergiltano. Das KokHenoxyd gehört als wesentlichster Bestandt-Kl des Leuchtgases zu den g e fä'h r l i ch st e n, jedenfalls zu dru verbreitetsten Gift.n und «fipiclt in der Unfall' und SeDstinortzchronik der letzten Zeit eine traurige Rolle. Die Wissenschaft lehrt, daß bereits ein Kohlcnoxyd-g-ehalt der Luft von nur 0.2 Prontille giftig wirkt, und dab-ei weift gerade das Leuchtgas nicht weniger als a ch t P r o z e n t Ko 'b l e n o x y d aus. Die Ver-giftuug komvlt dadurch zustande, daß sich das K>o'i'<'noxyd s:hr leicht und re sch mit den) Blntsarbstchf. dem sogenannten Hönroglobin, verbindet, und zur Erstickung führt. Es kommt also alles darauf an, den Vergifteten möglickist rasch aus dem gcsä'hrlichen Dunstkreise zu entfernen und ihm den für die Blutatmung notitvendiigen Sauerstoff zuzuMircu -- tvas durch k L n st l i ch e A t -m u n g un>d direkte Sa uerstoffzufuh r, oft stundeulang, geschahen muß. In der Münchener medizinischen Wochenschrift berichtet nun Dr. Ludwig Schmidt 'über ein neues und eigenartig..'s Verftbreu, auf mechanischem Wege — durch Aufenthalt in einer scisenannten Wechseldruck k a m m « r — dem Mut den erforderlichen Sauerstoff zuzusühren und zunächst einm-al Tiere, die bereits für tot gchalten. w:-'.der zum Loben zu wecken. In dieser Kammer wurden durch geeignete Anordnung einer Kchienpumpenau-lage veriod'lcho. der Ein- und Ausatmung entlfprech-en-de. Schva-wkimgen dcs Drucks erzielt. Dr. Schmidt spricht in diesen), Sinne von ein-er ./k ü n st l i ch e n Beat m u n g". D-ei eine») Druck von 2.5 Atmosphären g'laiig es, den erforderlichen Sauerstoff nicht dem bereits ausg-eschalteten .0ämcffe6in, sondern einem anderen Mut'bestandwil. dorn Blutplasma, zuzusühren, und dieses zum Sauerstoffträger )md -Vermittler für die K'orpergELc zu machon. Dr. Schmidt . ervrobttz dftses Verfahren zrinächst an Katzen. Wurden -PeTieve. än' eine Leuch^aasutmos'phLive und —- nachdem d'e Atmung bereits eine Zeitlaug ansgesetzt batde — in die Schun'dtlschc Wechsel' druckkamm-er gebracht,, sv wurden sie schau nach we. nigen Minuten wjcder munter und atmeten garrg ruhig. Die Korrtrollticre, die nur in einfache frische Luft c':<"r selbst in.'reinen. Sauerstoff gelegt untrb.'u, üarben entweder, oder ersholt-en sich nur ganz langsain und machten erst nach einer halben Siun'de d"n Vewnch, auszustuben. Weber sie noch einige Zeit mit Atemnot zu ken)psen hat'on. Freilich, Uneuäg/.iches — sagt 'Dr. Schmidt — darf man von der Methode reicht erwarten. Wenn etwa schon schwere V-ergiftmigsers che in im gen im Gehirn bestehen, ist aller Liebe Mü!h' ümsonst: auch we,)n atl'a v'e.'g' Zeit 'gsiscben dem Eintritt des ScheimtoLgs' nnb der Weckseldruckbchandlnng v-erstricben ist, i'ommt ma-ii zu Gat. Tr. Schmidts Ver-- suchstier? durften zmn Beispiel n i ck, t tän.ger als fünf Minuten ohne AÄnuug gewesen sein., um noch zu r-eagieren. Bei»!» Meichl-en!i gen die D-erbält» nisse allerdings glünstiger. D'r K o b l e n o x v d - s ch e i n t o d dauert oft viel r S t u w d e n u-nd noch nach z w a n z i g S t u n d e n ist völlige W i e d e rb « l e b u n g beobachtet wo)'den. Die Aussicht, )»U der Weck>seldruck'ka-mmer eiwe Rettung von) Tode zu erzielen, ist daher'auch bei dein schon lange bestehenden Scheintod Menschen viel größer als beim Tiere. Frankreich gegen die auslrindilchen Arbefter. Paris, 28. Järmer. Die französische Negierung plant, wie die AgLnce HavaS erfährt, die Wiederemführmig der P a ß a u s w c i s e. um die Massenemwanderung ausländischer Arbeiter e i n z u s ch r ä u k e n. die dem heimischen ArbeitSniarkt Konkurrenz machen. ' Nach einer Statistik deö Arbeitöministüriunw betrug am 27. Jänner die Zahl der Arbeitslosen 48.223 gegenüber 38.374 in der Vorwoche. In Paris nahmen am 32. Jänner 21.410 und in den anderen Gemeinden des Seine-Departements 18.702 Arbeitslose die ttnterstütznngskasse in Anspruch. Die Ar b c i t s l o f i *g! c i i Ist in ga))z Frankreich im ständigen Wachsen begriffen. M. Lanner 1927 Ä. 'Mi Metalle im mev.chliche« Mp«. Die medizinische Forschung hat festgestellt, daß er viele Mrnschm gibt, die fast ständig Zink ausschviden. Bei solchen Mensch?» sindct sich der Zinkgehalt hauptsächlich in der Leber, in d?n Dkuskelü und im Gehirn sowie im Bült, das übrigens bei allen M.?nfch2N zinkhaltig ist. Verinutlich ist der Zinkgehalt dftscr Körperorgane darauf zurückzuführen, daß gewisse pflanzlich: nick tierische Nahrungsmittel des Me,lfch?n Zink enthalten. <so findet fick z. B. im Körper unserer hauptsächlichsten Schlachttierc — Rind, Kalb und Schaf — ein ziemlich ansehnlicher Gehalt an Zink, besonders Dn d:r Leber, die beim Rind sogar auch etwas Kupfer enthält. Auch S-efischfleisch. Hühnereier, Brot und Kartoffel weise)) einen schlvachen Zinkgehalt auf. In jüngster Zeit haben die Forscher Betrand und Marcheboeur im menschlich?n Körper auch Nickel und Kobalt gesunden, und zwar fast in gleicher Menge sowohl in der Leber als auch in d-r Bauchspeicheldrüse (Panlreas), für deren S-krelivn der Metallgehalt besonders wichtig sein dürste. Es hand.llt sich beim Metall gehalt des menschlich-n Körpers aber natürlich immer nur um ganz verschwindend kleine Mengen, die oft nur Tausendstel cin?s Gramms betragen. Die, Leber des M.'.nsch.'n enthält beispielsweise nur ungefähr 116 Tausendstel Gramm Zink, 160 TausendsiLl Gramm Nickel und 100 Tausendstel Gramm Kobalt. Ungeachlet dieser geringen Mengen scheinen nach den neuesten Forschungen diese Metalle im Körper aber doch eine bedeutsame Rolle zu spielen, so vor allem bei der Heilwirkung des erst in allerletzter Zeit entdeckten Mittels gegen dir Zuck.rlrant'heit, des aus der Bauchspeicheldrüse govonnenrn Insulins. Ein- Untersuchung hat ergeben, daß in Jüsulinpräparaten hundertmal mehr Nick?l und Kobalt enthalten war als in den Drüs-n, auS denen sie geivonnen wurden. Äolomra, die Weltrenieale der Allilhfabritation. Dir galizifchss Stadt K o l o m c a ist eine der ältesten Städte des Lan'deö. J'hre Gpüu-dung wird von den Hi'storiikern auf das Jahr 1214 durch den Fürsten Kolmnan von .Hk'licz anI?fetzt, der die Stcvdt nach se'ttwm Namen Kdlornea benannt haben soll. Im Jahre 1271 erhielten bVi aus Deutschland yertricbenen Juden das Recht der Niederlassung im Kttlcmea. Es Hai sich eine g.)WK' Reihe von Sogen und Logendan erhalten, ’&in mit der Wechsel,vollen Geschichte der jü>d'selen Gärn-einde in Aulsammerchang stehen. E'me dieser Sagen knüpft sich an die große Kirche von Kolomea, an deren Frontseite auch heute noch die vier hebräischen Bu'.lftaben des jüd:i,'chen Gott-esnamenS zu schen sind. Laut einer Legende wurde frkrp Kirche vor etwa einem Jahrhundert erbaut. Zu jener Zeit erweckte d-ie plötzliche Taufe eines Sofers, eines j!"il'iichen T'horaschreibers. in der Gemeinde das peinlichste Aussehen. Dieser getaufte S-o-si'c wandte nachher die atrsg-chuchtesteii Mitkel an, um die Juden zu krär'iken. Sem-er Anregung nun soll es zuzuschreiben gewesen sein, daß über der Emgangslür der Kirch-e die vier tz?bräiischen Buchstaben any ibracht wurden mrd daß bk AuürilNge.lN-g unter feierlicher Zeremonie dem s r i s ch g e b a ck e n e n K a t h o l i l e n, dem getauften Thoraschreiber überfragen wurde. An einem Sountog rnorgcns nach dem Kirchgang stieg der Sofer in 'Gcge)'.>wart eines ta'Uisend'ko'pslgen Publikums die. Leiter hinan und hestete die vier Buchstaiben „des jüdischen Goldes" an die Pfosten b:.r Kirche. Ms er nach verricht?tz.'r Arbeit — so erzählt die Sag'2 — die Stufen der Lester binrch,schritt, verlor er das Gleichgewcht, stürzte zu Betzen ixk llic'b tot liegen. Das Tetragra-MN deS „jüdischen Gottes" be,fi)?-tz.'t sich auch! heute noch an der Front der Kirche. vtolciniea ist als WoltJentrale der TallitihfebriiLakion in der ganzen W >lt bekannt. Die Fabriken sind heute schon zum größten Teil mit den modernsten Einrichtnutzen versehen. Die Tallesim arvs Külom-ea werden in alle WKtv'cht-nngen, nach Tunis, Chardin, Kalkutta, Jol-anwiLburg, Toronto,-Ncw Uovk und in eine U-nza>U anderer Städte veksan'dt. Neben den großen Fabriken -gibt es auch eine große Anyahl von Heimarbeitern, welckie auLschließlich von der Herstellung der Tallesirn leben. Eine j!ii>tz'sche Familie erwirbt einen Webstuhl, die gange Familie, Eltern und Kinder, arbeitet mit und lcht nicht schlecht vom Ergebnis ihrer Arbeit. D'e Fabrikation b schästiot Hunderte van j-üdkschen Arbeitern, zumeist roligiöse Juden, die die ganze Woche hindurch in den Fabriken bei den WebstWen oder bei den Maschinen stehen mid den gangen Tag schwer arbeiten, i-'in dann am Aüend im Beth-Hamidrasch ))och Talnnckstutz'ien zu betreiben. Sie alle gchören einer Atbe'.terg^'werkschaft an, in der sie sogar die Mehrheit bilden und därauif achten, daß wenigstens, was Kvlomea S0. J8nn«r 1927 beginnt der KEREN HAJESSOD-DRIVE. Zionisten, stellet Euch als Mitarbeiter zur Verfügung. Juden, denket an den Palästina-Aufbau und erfüllet Eure Keren Hajessod-Pflicht.

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