Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2844 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2844 Men, Freitag Wittrer Morqerqeituns 28. Jämrer 1927 Sette t derichtsjaal. Werhaib er Ach hat tottfen taffe«. Vor dem DorftaiUid des Stra-sbegirksgerichtes I, Hoftot Höfl mayer, #iomö*e gestern ein Pveßprozetz zur Verhandlung, welchen der Präsident der Freidenker- Jnte-ruat'ivnaüe, Prof. Theodor H a rtwig, g gen den verantwortlichen Redakteur der ,Meichspost", Karl Schifleitner, erhoben hatte. Das Substrat der Klag« bildete ein Artikel, der am 13. Oktober v. I. in den „W i e n e r Stimmen" unter der Uebrrschrift „Der Präsident der proletar'l'scheir Freidenker-Internationale" erschienen ist. In diesem Artikel wurde Prof. Hartwig heftig ang'griffen und behauptet, daß er früher Jtz'g Kohn gch.ißen halbe, sich tarnen ließ und dann als frommer Konvertit sich an Dr. Geßmann angsbiedert halbe, um am Wiener-Neustä'dter Realgymnasium eine Professur zu ergangen. Weiter wurde er- Kärt, daß Hartwig sich in der Schule verschiedene Unge Hörigkeiten zuschulden habe kommen lassen. Im Zuge des von denn angeklagten Redakteur angebotenen Wa'hriheit§Scwc''ses wurde gestern als erster Zerrge der LandeSrat Dr. Rudolf B e'i re r vernommen, der seit 1900 an der Anstalt in Wiener-Neustadt als Professor tätig ist. Auf die Frage des Richters, ob ihm bekannt sei, daß -der Kläger früher Jtz-'g Kohn hieß, erklärte der Zeuge, dies sei ihm nicht bekannt, er habe nur von Geßmann erfahren, daß sich Hartwig., welcher früher Herzil hieß, hc/be taufen lassen. Geßmann habe ihm auch gesagt, daß Hartwig nunmehr e i n sehr verläßlicher Gesinnungsgenosse sei. Ans weiteres Befragen des Richters, ob die Dause d:s Klägers im Zusammenhange mit der Erreichung der Professur siche, erklärte der Zeuge, dies nicht arg ben zu können. Aus dem Gehaben des Pros. Hartwig in der Kirche habe er ersehen, daß Hartwg in den christlichen Gebräuchen nicht sehr bewandert sei. Aus seine Bemerkung, daß Hart'w'g Jude sei, habe Geßmann erwidert: ,Or hat sich ja ta uf e n l a sse n." Der nächste Zeuge, der pensionierte Schulrat Karl K roi ts ch, gab an, daß er vom Hörensagen wisse, daß Hartwig v.n s.'hr eifriges Mitglied der Leo-Gesellschaft war und daß er sehr fromm gewesen sei. Der Verteidiger Hartwigs, Dr. Grün borg. führte unter Vorlage des Tauf- und Trauungsscheines seines Klienten aus, daß dieser sich nur wegen einer Heirat habe taufen lassen. Der Richter beschloß, zur Dur-ckfliithrung weiterer Beweise nach mehrstündiger Dauer die Verhängung zu vertagen.. Wesen DkenfftMtevVehuni kn Pole« von einem deut che« Gericht vern teilt. Das Amtsgerichit B e rl r.n. M i t te hat gegen einen ausPolen stammenden jungen Juden, der sich in Deutschland aushalt, wegen Patzvergehens auf eine GefLugnissteafe auf einen Monat erkannt. Sein Aufenthalt in Berlin wurde dadurch bekannt, daß die Hochschule für die Wissenschaft des In d ent um s im April 1926 dem Fremdenamt eine Liste ibrer Schüler übersandte, in der auch sein Name stand. Der Einyelrichter der Abteilung 135 des Stirl - gerichtes Berlin-Mitte, Amtsgorichtsrat Nicolai, begründet m seinem Urteil vomr 27. Oktober 1926 de auffällige Höhe der Strafe mit folgenden Sätzen: ,,Der Angeklagte gchört zu den AuÄänidern. die Polen verlassen haben, um sich ihrer Dienstpflicht im polnischen. Heere zu entz-'chen und sich in Deutschland lästig zu machen. Da Geldstrafen selchen Ausländern gcg^A'ber keinen Erfolg haben, wurde eine Frei h en t s st r a f e ausgesprochen." Die Gründe dieses Urteils sind noch merkwürdiger als die Höhe der Strafe. ,,Wir wollen nicht fragen," schreibt die „Bossilsche Zeitung", „ob sich ein Ausländer durch den Besuch der Hochschule für die Wissenschaft d's Judentums lästig macht, aber sehr dringlich ist die Frage, ob die deuiisckien Gerichte da.zu da sind, jemanden dafür zu bestrafen, daß er sich der Dienstpflicht im polnischen Heere entzieht.^ Bei schlechtem Geschäftsgang muß man nicht gleich »Vbauen. Der KausiMnn M)ses Derschoivitz, der zur Erzeugung von. Rucksäcken und Sporta t!ke"n 35 Arbeiter vureauangesteilte und nrehrere Agenten beschäftigte, geriet im Anfang des Jahres 1925 in ZaUungMMeria- 'eiten, konnte die GeMter nicht ausbezahlen, behielt edoch, trotzdem der Umsatz auf die Hälfte gesunken wrr »en Vo'lbetrieb aufred)t. Au?;erdem übernahm' er für eine Neschästsfrau die Büc^faft für ein Darlehen von 16.500 Icliilling. Als er im Dezember 1925 um Einleitung des llusgleichSvrrfahrens ansuchen mußte, h t e er 80.000 ©d>il» iiitß Scliulden. Gestern hatte sich Deischowitz vor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. Kubesch oegen Vergehens der fahrlässigen Krida zu »erantwotten. Sem Verteidiger, Dr. Ignaz Kurt Rosenleld, siihrte aus. daß es sich im gegebenen Falle um ein FaisongcMft handle und daß inan einem Kaufmann uidjt Minuten könne, bei Zahlungsscklolerigkeiten sofort seinen oetrieb zu sperren, da er ja mit einer Besserung des GechäftSganges rvri>nen müsse. Der Senat st!,loß sich diesen Ausführungen an und erkannte den Angeklagten lediglich vchzen der verspäteten Anmeldung des. Ausgleiches der 'ahrläMgen Krida, schuldig und verurteilte ihn bedingt in sechs Wochen Arrest. Bon den übrigen Anklaze- .'nnrten wurde Dexschowitz frei gesprochen. In der Begründung. führte der. Vorsitzende aus, daß ein Kaufnann bei schlechtem G'e sch ä f t s a a n g nicht zum s oo r t i a e n A b b a n seiner A n g e st e l l t e n v e r- -flichtet ist. VOLKSWIRTSCHAFT Herabsetzung Des SlalageilnMrr. Der Bankenverband hat den Beschluß gefaßt, den Einlagezinsfuß für sofort behebbare Einlagen von 4M auf 4«4 Prozent zu ermäßigen. Der Zinssatz.für Einlagen mit einmonatlicher Kündigungsfrist wird auf 4M, für solche mit zweimonatlicher Kündigungsfrist auf 6%,' nnb für dreimonatlich kündbare Einlagen' und darüber mit 5M Prozent festgesetzt. Diese Beschlüsse treten am 29. d. M. i n K r a f t. Der Herabsetzung des Einlagezinsfußes waren langwierige Verhandlungen vorangegangen, da besonders die Sparkassen, allen voran die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, einer Ermäßigung widerstrebten, aus Angst, daß die Einlagen von ihnen abströmen und sich anderen Anlagen, namentlich in Effekten, zuweitdm könnten. Auch die Banken selbst hegten Bedenken ähnlicher Art, und daraus erklärt es sich, daß der Ermäßigung der Bankrate nicht sofort die Herabsetzung des Einlagezinsfußes gefolgt ist, und daß sie nicht dem gesamten Ausmaße der Hcrabsitzung der. Bankrate Rechnung trägt. Mit dem Satz von 5*4 Prozent für langfristige Spareinlagen steht Oesterreich noch immer hinter Deutschland zurück. Die preußische Seehandlung vergütet, ab 21. Jänner für Monatsgeld 4%, für Geld von vierzehn Seefische billiger! Stieferrvücklivste, Stück 40 Wir. LachSyerrnge. Stück SO Gr. Oelsardioev preiswert Eine Delikatesse find warme gebackene Fische aus unseren modernen FifchbackSfen Pikant sind unsere Russen, Roll-, Bismarck-, Ostsee-, Prat«, Aspikheringe usw. Deutsche Dampffischerei SS Für WtedcrverkNufer befimbetj pre i tot et! ff Tagen bis zu einem Monat, soferne nicht über Ultimo, 3für Gold über einen bis zwei Monate 4%, für Gcld über zwei Monate 4M Proz-mt. Die B e r l i n e r S p a rkasse hat kürzlich den Satz für Einlagen über 5000 Reichsmark mit monatlicher Kündigung von 5 auf 4 Prozent herabgesetzt, und ihn mit dem für sonstige Spareinlagen, der unverändert 4 Prozent bleibt, vereinheitlicht. Als Folge der Ermäßigung des Spareinlagenzinsfußes dürfte eine, Umwandlung der auf fremde Valuta lautenden Kassenscheine in Schillingeinlogen zu gewärtigen sein. Dieser Prozeß ist jedenfalls in Budapest bereits eingetreten,-wo seit der Einführung der Pengöwährung die Valutaeinlage-n mit Rücksicht auf die Spannung gegenüber den Pengöeinlagen allmählich abgezogen und in Pengöeinlagen umgewandelt werden. Sollte ein ähnlicher Prozeß in Oesterreich eintreten, so wäre das die stärkste Aeußerung des Vertrauens gegenüb?r dem Schilling, eines Vertrauens, das übrigens mit Rücksicht auf die große Deckung (85 Prozent) der Noten der Ocstorreichischen Nationalbank durch den Devisenschatz urrd die Nostrodevisen durchaus gerechtfertigt wäre. Kündigung der Rohstahlpakte» r Än'g!'siält.s d:s sich in Deukschlaivd vorbereitendest Rechtskurses gewinnen die anläßlich eines Behökdenerrvpfange's durch die Nieherösterreichiqche Industrie- und .Handelskammer in DuisbU,rg von GeneraldireLbor R e u s ch der ,lten-Hoffnnng-Hüldte" in der Begrüßungsansprache gemachten Aeußerungen über die erst ki'irzlich geschaffene Rc^stahsgemeinschaft besondere Bedontnrig. Rensch führte aus, inan habe den Pakt seinierzeit unterschrieben, weil man eine Bereinigung der politischen Atmosphäre er-vartet hatte. Da aber die Verhandlungen wegen des deutzscht-franFöstscheu Handelsvertrages noch nicht ausgenommen werden konnten. herrs>chte eine gewisse V e r - d r o s s e n h e i t über das Abkommen und man erörterte sogar, ob nicht der Eisenpakt zu k-ü ndigen ser. D r R<5>ftawpc.kt läuft bekanntlich ans fünf Jahre mit der Eirschränkung. daß er m i t d r e i m o n a t - l i ch e r Frist gekündigt werden kann, falls bis zum 1. Ap-'iil d. I. nickt ein de uts ch-fran z ös isch e.r Handelsvertrag zustande gekommen ist oder bis dahin die Verhandlungen zuim Abschluß eines endgültigen Vertrags ausgenommen worden sind. Daß nun die Kündigung der Nchstak/yemeinschaft als ein. Mittel zur baldigen Erreichung eines brauchbaren Handelsvertrages mit Frankreich angewenidet wird, wäre immerhin noch begreiflich. BedeMicher ist jedoch die Zuspitzung der Al'Lstihrungen Reuschs nach der politischen Seite hin, so daß eine Kündigung des Rohstahlipaktes, falls sie tatlsächl'ch erfolgen sollte, mehr als alles andere nach außenlhin dokumentieren würde, wie fahr die neue Kabinettsbildung mit ihrem Rechtskurse der einer auff wirkschaf'(''cher Grurdlage au'fgrbauten Verständignngsp-cklitik Eintrag zu tun geeignet vst. Befferung des fflottz. Das bemerkenswerteste Ereignis auf dem Devisen^ ntmf war gestern das Herabgleiten von Kab:ll Warschau, das monatelang auf dem Stande von 9.— verharrte, auf 8.97 Brief. Diese Erscheinung ist darauf zuriückzuführen, daß, wie aus Berlin gemeldet wird, die Bank Polski angeblich die Absicht habe, den . bisherigen Dollarkurs um zwei Punkte, tb. h. ans 8.96 h e r ab zu setzen. Die sich schüchtern regende Haussespekulation in Zloty ist der Leitung der polnischen Notenbank offenbar zuvorgekommen und hat ihr jedenfalls die VerwirMichung dieser Absicht erleichtert. Im W'ener Clearing wurde der Ermäßigung des Dollarkurscs gegenüber d'm Zloty dadurch Rechnung getragen, daß die Devise Warschau auf 78.95 Geld sgrgenüber 78.75 tagsvorher) erhöht wurde. Die Devise Paris bli-:b gestern unverändert. Mailand hat sich auf 22.37 M grigen 22.25 tagsvorher gebessert. Ketznrs übrr die BerMgnng der zinrfntzer. London, 27. Jänner. Im Wirtschaftsteile der „Morning Post" wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die Bankrate trotz der Lage in China herabgesetzt werden wird. K e y n e s, der in der Jahresversammlung der Mutual Life Asiurance Company den Vorsitz führte, sagte, zum erstenmal seit drei Jahren seien Anzeichen zugunsten eines einigermaßen niedrigeren Zinsfußes vorhanden. Wirr HABEN, UNSERE PRÄMIEN AKTION VER Jahres - Abonnenten HalUlaltres - Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahresbezugsgebühr nach Wahl; Josepftus STtavium SÄMTLICHE WERKE. 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