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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-28 · Heft 2844 (28.1.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2844 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sekte i Men, Frei-Kry Wiener M-rsenzettnns 28. JLnner IM Nr. 8844 Bühne und Kunst. SkSndung einer Sinsonie-Srchester» in Lei Awiw. Die ersten Konzerte. — Jan Kubelik in Palästina. Dank der rastlosen Bemühungen des Herrn Fritz Saphir, eines ehemaligen Mitgliedes der Wiener Philharmoniker, ist cs endlich gelungen, in Tel Awiw ein ständiges S i n s o n i e o r ch e st e r zu gründen. Diese Gründung ist vom künstlerischen und auch vom sozialen Standpunkt als eine Tat zu wertem Vor allem eröffnen die ständigen Konzerte den arbeitslosen, darbenden Künstlern Palästinas Beschäftigungs-, Verdienst- und Unterstützungsmöglichkeiten, wodurch auch gleichzeitig in der allgemeinen Arbeitslosigkeit und Not eine Linderung, ivenn auch in sehr bescheidenem Maße geschaffen wird. Den Berufsmusikern, die, um die Existenzfrage zu lösen, bisher unbefriedigender Beschäftigung nachzugehen gezwungen waren, bietet sich eine Gelegenheit, durch , ernstes Musizieren menschlich und künstlerisch zu wachsen. Don nicht minderer Bedeutung ist die gesteigerte Musikpflege für die Bevölkerung Palästinas. Der Kontakt mit der Gesamtheit wird hergcstellt, die Werke großer Meister werden den schwer Ringenden zur' wirksamen Ablenkung von den Mühsalen des Alltags, zur erhebenden, kraftspenden Quelle. Im Dezember, während der Anwesenheit des berühmten Violinvirtuosen Jan Kubelik im Lande, wurde das erste Sinfoniekonzert der Gesellschaft veranstaltet. Der große Künstler, der über die Ziele der Gründung aufgeklärt wurde, stellte sich, angeregt vom glühenden Eifer der Musiker, dem Sinfonieorchester in selbstloser, hochherziger Weise zur Verfügung. Unter der Leitung eines der ersten Pioniere im Musikleben Palästinas, Herrn H o p e n k o, wurde die Oberon-Ouvertüre und das Becthovett-Biolin- Verband 6er Zionfsfen-Revisionisten Oesterreichs Sonntag, den 30. Jänner 1927, um 1! Uhr vorm, lm Verbandsheim, I., Schottenring 13 (Cafe. Müller) Bericht Ober die Pariser KonJerenz der ZIonlsten-Revlslonlsten Referenten: Dr. Paul Diamant, Dr. Norbert Hoffmann, Moses Lutzky Anschließend Diskussion. — Zionistische Gäste willkommen * i JÜDISCHE WEIT Sie rhormuSnlel der Synagoge von Amerstoort. Am 23. Jänner wurde, wie I. T. A. berichtet, der 200. Gründungstag der Synagoge in Amersfoort (Holland) festlich begangen. Die Königin von Holland spendete einen Betrag zu dem ausschließlichen Zweck bet Reparierung der alten Parocheth (Vorhänge der Bundeslade), die von einem ihrer Ahnen, Prinz Wilhelm V., den damaligen Parnassim der Gemeinde geschenkt worden waren. Paläftlnaarbett der Strien in Schanghai. Wie aus Schanghai berichtet wird, hat die Arbeit für den Palästinaaufbau unter den -dortigen Juden in den letzten Jahren große Erfolge aufzuweisen. Noch im Jahre 1904 beschloß eine Gruppe führender Juden, die. Mittel für die Gründung einer Gartenstadt in Palästina in Schanghai und bei den in anderen Städten Chinas lebenden Juden aufzubringen. Es. wurden auch .damals 10.000 englische Pfund gezeichnet. Der Weltkrieg und die sonstigen unruhigen politischen Verhältnisse haben es bewirkt, daß nicht alle Zeichnungen realisiert wurden, und so. entschloß. sich das zionistische Bureau von Schanghai, nunmehr dem Vorschlag des Hauptbureaus des Keren Hajessod zu entsprechen und den bereits eingezahlten Betrag von mehr als 3000 Pfund Sterling zur Errichtung eines jüdischen Hospitals in Palästina zu verwenden. Aus Anlaß des Jubiläums, des Jüdischen Nationalfonds fand im jüdischen Klub von Schanghai eine gut besuchte Feier statt, bei welcher für den Jüdischen Nationalfonds bedeutende Beträge eingezahlt wurden. Sie traurige Lage der Süden in Marokko. - Aus Casablanca wird uns geschrieben: Vor einigen. Tagen erschien beim Generalresidenten in Rab a t eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung von Meknes, die Klage darüber führte, daß die Juden dort in der letzten Züt Ueberfällen und Verfolgungen ausgesetzt sind, denen bereits mehrere zum Opfer fielen. Auch in Rabat wurden die Juden wiederholt überfallen, und erst unlängst wurde ein jüdischer Leichenzug durch eine Bande Eingeborener auseinandergetrieben und ein Teil der Trauergäste blutig geschlagen. Dasselbe ereignete sich am 16. Jänner in Mogador, wo gleichfalls ein jüdischer Leichenzug von Eingeborenen . mit Steinen, beworfen und mißhandelt wurde. Der Generälresident versprach, die Fälle zu untersuchen und die Schuldigen der Strafe zuzuführen. Solche Versprechungen umrden jedoch wiederholt gegeben, aber die Ausschreitungen gegen die .Juden durch die Eingeborenen wollen kein Ende nehmen. Bier jüdische Mitglieder der ungarischen Lserhan.es. Das ungarische Oberhaus hat, »me nunmehr seststcht, wenn von den getauften Juden und Judenstämmlingen abgesehen wird, vier jüdische Mitglieder, die im jüdischen öffentlichen Leben eine Rolle spielen. Es sind dies: die Oberrabbiner Koppel Reich., Budapest, Dr. Immanuel L ö.w, Szegedin, der Rechtsanwalt und Mitglied des Budapester Gemeinderates Dr. Samuel Glücksthal, welch« im Wege der Wahl ins Oberhaus gelangten. Der vierte ist der Generaldirektor der ungarischen allgeMkineu Koh'enbergwerks-Aktienges?llschast Eugen Vida. Er wurde von der Regierung ernannt, stcht heute im 57. Lebensjahre, wurde von mehreren ungarischen Städten in Anerkennung seiner. Verdienste um die soziale^ Fürsorge zum Ehrenbürger ernannt, nimmt an allen jüdischen sozialen Aktionen regen Anteil und hat sich hauptsächlich als Präsident des jüdischen Waisenhauses in Budapest um die Entwicklung und Mcd.wnisi:rung der jüdischen Waisenfürsorge große Verdienste erworben. Hebräisch in der Na'chi-Aadt. Aus Paris rvird gerne dtt: Der Rat der Ulliversität Dijon hat den Rabbiner Julian Weil eingeladen, au der'philologischen Fakultät einen frnen Kurs für Hebräisch zu leiten. — Dijon nimmt in der jüdischen Wissenschaft einen Ehrenplatz ein. In Dijon hat Nasch! eine Ze'itlmuz als Lehrer gewirkt. Ser Mar!hllü-Fonds des Richters Mack. Wie uns aus Newyork berichtet roird, hat der Richter Julian M ä ck gemeinsam mit seiner Gattin anläßlich des 70. Geburtstages Louis 'Marshalls Zeinen Fonds geschaffen, desslst Erträgnis jährlich als Preis für die beste Arbeit über , eine Frage auf dem G.-biete der jüdischen Erziehung, und Bildung zuerkannt werden soll. Die Verwaltung des Fonds wurde dem unter der Leitung Dr. Stephen S. W i s e s stehenden jüdischen Religionsinstitut überantwortet. Auch die Baptisten suchen Mische Seelen. Wo alles kauft, kauu's auch der Baptist nicht lassen. Bei dem Generalansturm auf die jüdischen Seelen, b;r, wie in unserem Blatte bereits berichtet rourde, in den verschiedenen Missionszentren für die nächsten Monate angesetzt »vurde, wollen auch die Baptisten ihren Anteil haben. Vorläufig verlegen sie ihren Fischzug nach dem Osten un5 zum Teile nach Ungarn. Im Osten scheint ihnen ab und zu ein Sensationssieg zu gelingen, denn rvie uns aus Riga geschrieben wird, fand in der dortigen baptistischen Kapelle vor kurzem die Taufe von sechs Juden, und zwar drei Männern und drei Frauen, statt. Die ziemlich komplizierte baptistische Taufzeremonie vollzog der Pastor Smoliar, der selbst vor nicht langer Zeit in die baptistische Laube gegangen ist und sich dort die offenbar reckst einträglick)« Stelle eines Baptistenpastors gesichert hat.' Mit welchem. Köder diese sechs jrregeführten Juden für den Baptismus gefangen »ourden, hat Pastor Smoliar dem ziemlich zahlreichen Publikum, das bei dem Taufspiel anwesend war, nickst bekanntgegeben. Warnung vor der Auswanderung nach Kuba. Der jüdische -° Emigrationsveiband ..Emigdirek" versendet einen vom 10. Dezember 1926 tatterten Bericht des HiaA- Ko.mitees in Kuba, in welchem iüdisbe Auswanderer davor gewarnt werden. Kuba a-s Aulwurberungsgeblet zu wählen. In dem Bericht hei «t es unter anderem': Gegenwärtig ist Ku'aün keinem Fa l auch für den geringsten jüdischen Einwanderungsstrom geeignet. Das Land besitzt fast gar keine Industrie, die einstigen entwickelten Industriegebiete sind Zucker- und Tabakfaürikation. Die Arbeit auf den Plantagen ist so schwer, daß selbst der eingeborene Kubaner sich weigert, sie zu verrieten und man daher gezwungen ist, in der Hauirtsajson Arbeiter von den Nachbarinseln zu holen. Auck) die M'i-l» ' f‘i* Handw.'rker oder Geirerbetrewenter forrzuvrtngen ist noch immer eine sehr beschränkte und die Ent.olinung oer Arbeit ist, selbst wenn man schon welnie findet, eine außerordentlich geringe. Demgegenüber herrscht hier eine starke Teuerung der Lebensmittel, was besonders für die neuen Eingewanderten, die sich der Diät der tropischen Länder nicht so leß'.t anpasien können, besonders schwerwiegend ist. Eine Ein" anderung nach Kuba ist vorläufig noch mit ungeheuren Risken be.b«lwen. der Jl*§ . ERFOLG unsere großen Bücherprämienaktion hat unS bestimmt die elbe zu verlängern um er jedem zu ermögltchen. eine Prämie zu erhalten. konzert D-Dur, mit Jan Kubelik als Solisten zum Gehör gebracht. Der ois auf den letzten Platz-gefüllte Saal, die andächtig: Stimmung der Zuhörer, der nicht endenwollende Beifall bestätigten die innere und äußere Berechtigung dieser Gründung. In den letzten Tagen fand das zweite Sinfoniekonzort, unter der Leitung des Herrn F o r d a u s statt, der dem mit Hingabe musizierenden Orchester zum ehrlich verdienten Erfolg v,:rhalf. Man spielte Beethovens Egmont- Ouvertüre, Mozarts Klavierkonzert A-Dur, in dem sich Fräulein Schulamith Doniach als Pianistin von Rang bewährte, und Beethovens Siebente Sinfonie. Der Reinertrag des Konzertes würde von Musikern, die auch anderweitig beschäftigt sind, ihren arbeitslosen Kollegen gewidmet. Der ersts Schritt ist getan. Es'ist zu erwarten, daß die freudige Aufnahme, die die Gründung des ständigen Orchesters in allen Kreisen der Bevölkerung gefunden hat/, diese emsig schaffenden Arbeiter auf dem Gebiete der Tonkunst zu weiteren erfolgreichen Lcistungen ansporuen und befähigen wird. Tel Awiw, im Jänner. E.-Sirkes. Ans len Lljeotern. Durg 1 heater. Morgen, halb 8 Uhr, „V olp o n e". A k o d e nr r e t h e a l e r. Morgen, ha.b 8 Uhr, „S tief* m a tu <x". ' . ' ' O p e r n t heo i o r. Morgen, halb 7 - Uhr, a n nhäufe r". Bolksoper. Morgen „A i L> a", Sonntag ,T) rpheus in der Unterwelt" Deutsches Volkstheater. Das diesmalige Gastspiel des „231 aue n V og' c l" umfaßt nur noch vier Nachtvorstellungen und die um 3 Uhr beginnende Sonntag-'Nachmiriagsaufführung; Samstag -urb .Sonntag, 7 Uhr „D e r " Garten Eden"; Samstag, 3"nhr nachm., „Sappho", K a m m e r s p i e l e. Die Premiere des Stückes ,..D a 8 Haus in Altona" von Hmre Faze'kas findet am 31. d. M. statt. — Sonntag, 11 Uhr vorm., Tä nznratinee Tätjana' Var- - bakoff. Modernes Theare r. Morgen, 10% Uhr nachts, „D i e schwarze M e s«"e" mit Warwara K o st r o w a. Neue Wiener Bühne. Mittwoch, den 2.. Fxlbruar, gelangt der ..H o chz e i t s re i sie n d c" von?^nn NrcholS und W^ele Mathows, deutsch von Dr. Herbert Fuxregg, zur Uraufsü/hrung. .. . Nichtiaste'lluitfl. In unserem Gestrigen Feuilleton soll ' die Uebcrschrist rsi'.tir hei'en: „Ein Bruderzwist in Habs ö n r g". Es ist ferner statt Gotteskreatur ‘ richtig; Gottes Kreatur zu lesen. Die Nokaudbhne ist ab heute im Besitz der Hakenkreuz erischcn Deuts ,en Kunst^emein'-'m t. Es erübrigt 'ick demnach für uns, die Ausführungen dieses Jnstit.te^ anzukündigen. In OffenbachS Melodienreich führte die Urania vorgestern abends ein zahlreiches erwartungsfrohes Auditorium.. Der blühende, quellcnoe musikalische Nerchium Offen'bachs wurde ^a auSgebrcitet. Vergessene Operetten, deren Namen man heute nicht einmal kennt, zeigten sich und man wurde wieder gewahr, daß dre.ser Kantorssöhn aus Köln mehr Mustt. Geist und Witz im kleinen Finger hatte, als die Krepierln von heute, die die Wrener Operette beherrschen. DaS Uvania-Orchester unter Leiti ng von Josef Maycr-Aichlhorn war mit Eifer bet der Sache und das Puibliilum dankte mit stürmischem Beifall für den so solten gewordenen Genuß, einmal wieder Mutstk zu hören, statt die Einfälle von Schnciderateliers bewundern zu müssen. „Daniel Teronda" als T-rrrma. Die berühmte Erzähüng der George Eliot „Daniel Teronda" wurde von der englischen Schriststcl erin Lilh Tobias dramatisiert. Das Stück kommt im Februar in London zur AussührunF, Berelne, Bortrage und Bersammlnnzen. Freie Vereinigung für technische Volksbildung. Samstag, halb 5 Uhr nachm., an ver Tierärztlichen Hochschule. 3. ^Bez.» Linke Vahngasse 11, Vortrag: „Feinerer Aufbau des Tierleibes" von Prof. Dr I. Fiebiger. — Technisches Museum. Sonmag, den 30. Jänner. 10 Uhr vorm., im großen Hörsaale Lichtbitdervortrag mit Filmvorführung .^technischer MonarSbericht über neue Erkenntnisse und. Erfindungen" pon Kustös Dr. Ing. F. Sedlacek. — Hebräischer Klub. Morgen. Samstag 8 Uhr. rm Klublokal, 2. Bez., Zirlusgassc 33. Vortrag M D. Groß: „Das hebräische Schuütverk in Palästina." — Misrachistischsr Jugendbund, Wien, 2. Bez,. Präleöstraße 43.^ Freitag, 8 Uhr abends, Indische Meschichre (Gerstl); Samstag, halb 3 Uhr nachm., Wochenahschnitt (Scha- . pira), 7, Uhr abends, Heimabend. * Der Hilssvevein für russische Jude» m Wien veranstaltet am Samstag, den 29 d. M„ präzise 9 Uhr, im Gewerbeverciu, 1. Bez.. Eschenbachgasse 11. seinen alljährlichen Konzertball. Mittvirken:e: Prof. Julit s. JsserltS. Kammersängerin Sonja Palm. Kammersänger Josef Manowarda. Prof. Erich Meller. Dir. Juschnij, Ada Kelsen. Hilde Locuve, Israel Brandmann, Nafael Lanes, Anni Holweg, Hilde Dulitzkaja, Fama Suponitzkaja. Balalaika-Orchester, Ensemble des Theaters ..Der Blaue Vogel". Hilferuf. Die Fainilie eines ehemals angesehenen jüdischen Kaufmannes befindet sich in uttlbeschreHlichentiElend und fürchtet die Delogierung. Der Mann ist krank, ue Frau envartet ihre. Niederkunst, ein Kind ist blind. Wir hoffen, daß man aus unserem Leser'reis den ^"inen, deren Adresse uns begannt ist, \ tätiges Mitgefühl zeige. ^,ird.

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