Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2843 (27.1.1927)
- Date
- 1927-01-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8843 Wien, DsttnerStas Wiener Morgenzeitnng 87. JSnner 1927 Seite 8 DER ERFOLG untere großen Bücherprämienaktion hat uns bsttimmt dieselbe zu verlängern. um e» jedem zu ermöglichen. eure Prämie zu erhallen. Ki.i zehnWrlger v.-keidigt leine» Vater. Aus Paris wird uns gemeldet: Im Palais de Justice gab es vor einigen Tagen eine kleine Sensation. Ein Verteidiger trat auf. der erst zehn Jahre alt war, und es gelang ihm, dem Richter ein mildes und dennoch gerechtes Urteil abzuzwingen. Angeklagt war ein Arbeiter Orzack, der einige Rollen Draht von einer Auslage auf der Straße gestohlen hatte. Als der Angeklagte vor die Schranken gerufen wurde, drängte sich durch die Zuhörer ein kleiner Junge in geflickten Hosen, nahm Haltung vor dem Präsidenten an und meldete tich: „Orzack present, monsieur le President!" Der Richter tvar überrascht. „Du kannst doch unmöglich der Angeklagte Orzack sein. Orzack ist sünfzig Jahre alt." — „Orzack Et mein Vater. Herr Präsident. Er ist hier, aber er spricht nicht französisch. Wir sind Polen." Hinter dem Jungen stand wirklich ein bleicher Mensch, der verlegen auf den Richter sah. Der Präsident lächelte. „Tu aber sprichst französisch, Orzack Sohn?" — „Ich habe es gelernt, Herr Präsident. Ich will dem Vater beistehen. Ich werde übersetzen. was Sie sagen. Herr Präsident." Der Vorsitzende sah seine Kollegen an. Es war gänzlich 1 inkorrekt, aber das Strafobjekt war eine Bagatelle. „Ist ein | amtlicher Dolmetsch da?" fragte der Präsident. Es war kein f Dolmetsch da und kein Verteidiger. Nur der Ankläger des Gelegenheitsdicbes war da, ein kleiner Kaufmann, dem die Sache schon leid tat. Der Richter fühlte ein menschliches Rühren. „Also übersetze. Orzack Sohn," sagte er. „Du kannst nicht vereidigt werden, aber du wirst die Wahrheit sagen. Und du dai.fst sagen, was deinem Vater nach deiner Meinung helfen kann." Der Junge war nicht ängstlich. Er gab die Personalien an, wie sein Vater sie ihm vorsagte, und dann sprach er: „Herr Präsident, wir sind fünf Kinder und die Mutter war krank. Der Vater hat keine Arbeit, weil die Fabrik Leute entlassen hat, aber hier ist sein Arbeitsbuch. Der Vater trinkt nicht und schlägt nicht. Der Vater hat uns gesagt, daß wir nicht stehlen dürfen. Wir hatten nichts zu essen und die Mutter hat geweint. Der Vater hat auch geweint, aber er glaubte, daß niemand es gesehen hat. Ich habe eS aber doch gesehen. Ich ging über die Straße zu dem Mann mit den Waren und bat ihn, er solle rins etwas geben. Er hat mich fortgejagt. Dann kam der Vater n»d sah. daß ich. fortlief. Der Vater wußte nicht, was war, denn er kann nicht französisch. Er war nur böse auf den Mann und er brauchte ein paar Francs. Und als der Mann in den Laden ging, nahm er das erste, was auf dem Tisch war, eine Rolle Draht. Da kam der Kaufmann und schrie und der Schutzmann kam und der Vater wurde arretiert. Sie ließen ihn aber wieder lausen, weil die Mutter so krank war. Das ist die Wahrheit." „Und ist die Mutter wieder gesund?" fragte der Präsident. — Der Junge fing an zu weinen. „Die Mutter ist tot. Jetzt muß ich für die Kinder sorgen." Der Richter verurteilte den Polen Orzack zu a ch t T a g e n Gefängnis mit Strafaufschub. Dann rief er den Jungen zu sich und sagte ihm: „Dn mußt jetzt auf deinen Vater aufpasscn. damit er nicht noch einmal etwas wegnimmt. Hast du verstanden?" — „Jawohl, Herr Präsident. Wir werden arbeiten. Ich werde mir eine Stellung suchen." Da mischte sich plötzlich der Bestohlene in die Unterhaltung: „Der Junge kann bet mir Ausläufer werden." sagte er. „Mir hat es schon leid getan, daß ich die Anzeige gemacht habe. Ich möchte den Leuten helfen." So endete alles in schönster Ordnung. Cin MratausschubZesuch Alexander Weiß'. Dir frühere Chefr<ÄaLt<?ur des „Abend". Wexander Weiß, hat vor einigen Teigen dem LandrAgerrcht I, bevor ned) ottie Ai»"'fovderiir,g zum Antritt der rechtskräss>':g gewor-den.en Kerkersirafe von si den M-onaten (von der noch edwa fiilerf Monade zn verbeißen find') ergehen feamth», ein Gesuch um Strafaufschub dorlegisn lassen. Dx-sed Gesuch brgÄM Weiß mit schwerer Erkrankung seines Vater? un>d dem Hinweis darauf, daß er für feilte greifen Eitern jmö fein Kind zu sorgen siaibe. Ueber das Mesuch w'nid nach Acmtzeri'ing der Maats' klNwe'id'Haft. falls d'<«s-? mb der vorsitzan.de Qb-erlaudesfferiichi'sr.a.t Dr. D ö r r k-ezü^lich der B'milt'gung des SdrafauCschudeH^ nicht l'hewtn'stm'men, rin Dreier» srnat in n'tcktösifen'tl'cher Sitzung zn entscheiden halben. Man keim die En^chvit» für heute, spätesten? F* 'de tii-eser Woche erwarten. ES ist m vermuten, daß Alexander Weiß zur Vc^tuny einer Sicherstellung auifs'c'sor^ert weiten wird, deren Höhe heute notur» kkvmätz nech n'ck't sisisiebt. Die Angelegenheit Fuchs. In «der Frage. cO nach Aus Hebung des Urteils sfegen Artur Fuchs durch den Kassationshof die S!'.iatsanwa!ji'5last nrueritich in eine Ap^iage gegen ihn r!ntr"ten wird, ist bisher keine En'iichei'dung getroffen, koch ist k a u m a n z u n e h m e n, daß eS zu einer, wem, auch nur t^rneilen W'^derausrollnug de? Pro» sesseS kommen wird. Letzte Nachrichten. Sn Kongreß dn uunfotifdie« Slontfte« vrr boten. Bukarest, 26. Jänner. (I. T. A.) Der für die Z§«!t vom 23. bis 26. Jänner nach B u z e u eiu'öerufene Kongreß der Jio.'.sten Rumäniens, an weichem als Vertreter dor Zion:siifck>en Wettorganifation Herr Dr. Victor Jacobson ttilnehm-en sollte, wurde im letzen AligerM'ck vo-n den Behörden verboten. Ms Grund wird angegeben, es bestün'de die Gefahr antisemitischer Ausschreitungen in vcr» biwb--ng mit der Atihaltung des Kongresse?. Ein Ersuchen d:s K«ccn'tses für die Doriberc-itung des K-ou^resseS, die A'bhaltung des Kongresses in Bukarest zu gestatten, wurde abschlägig beschicken. Lke Men von Preßburg «nb Komorn. Prag, 26. Mtmer. Im Rahmen der projektierten Wasierbeiu-len, die das Arbe'tsm'tntsi.'r-ntim in dicisrm Jahre m allen Ländern b:r Tschech^oivakei durcklführt, wird auch an die Anliage nr>uer Häfen in Komorn i:»rib Preßburg ge'.ch-'iti'en werden. Die Borbercitun-gS-arLeiien brig'irrnen bereits in den nächsten Tagen. Diese Maßnalme wird durch daS starke St-igen d^S Hafeu.lverkehrcS i.n b:ci’cn beiden Orten erforderlich. Der Hafen in Komorn soll überdies zu einem spcgi rllen K o h l e n >u m 's ch 'l a g p 1 a tz auSgrstaltc't weiten. . ■: In den -stillen Städtchen, in der brausenden Weltstadt ira Frieden der Völker, im Wahnsinn ihres Krieges in Not und Entartung1, in Qualen des Hungers immer und überall gellt der Rur: JUDE ANS KREUZ Er ist ‘aus dem Haß geboren und verführt zu .Haß und Mord; alle Opfer der Liebe sind vergeblich — sie überlönt der Schrei : J J UDE ANS KREUZ Diesen uralten Irrweg haßerfüllter Verblendung hat ein Dichter der Gegenwart, Kurt Münzer, in c nem Roman von erschütternder Wirkung geschildert. UDE ANS KREUZ ist der Judenroraan von heute; er gestaltet mit weltumspannendem Grift, hä:t in atemraubender Spannung. Deutschland und seine Hauptstadt, Zürich, Genf, Paris im Brand von Krie*" und Nachkrieg, die Erniedrigten und Beleidigten, die Entfesselten und Entai teten, die Reinen und Gepeinigten aller Länder und Völker ziehen in dem von Meisterhand geschriebenen Roman in grandiosem Bilde vorüber. JUDE ANS KREUZ der jüngste sensationelle Roman von Kurt Münzer, erscheint zum ersten Male am 5. Febmar 1« J. in der „Wiener Morgenzeitung“, AAAAAAAAAAAAAAAAAAA Kennen Sie schon wirff/a« DIANA CD 410 FRANZBRANNTWEIN? Jeder GCSUNDB und Jeder KRA KE wird es Ihnen bestätigen, daß die denkbar beste Wiifcung durch Diana - Franzbranntwein HIT MENTHOL erzielt wird. (Iberall erhältlich? Wien, tt. Jänner. DrS Wetter. Gestern war eS in ganz Oesterreich ziemlick) kalt. Die Voraussage spricht von andauerndem Frost, zumeist heiter. Heute RattenkampfLrg. Heut? und morgen finden in Wien die Nattenkamvftage statt. Di der Bezug der hiezu erforderlichen Gifte uock» nickst algemein duv. .gesüh t ist, werden alle Haus¬ und Siedkun^sbrsitzer (Schrebergärtner) a.fgeforecrt das bei den Gist'Mdlern (Dro-lsten) angemelecte Nattengist sofort abzulw'sn, da sie sanft die zwangsweise Dn.chsührung der Rattenvertugung d rr.tz die Behörde und erhebliche materielle Schäden zu gewästlgen haben. Arbeitslose Kellnar bei Beitner. Ein Komitee der 4500 arbeitslosen Angestellten des Hctel- Ga> und Kaffeehaus?ewrrbes sprach beim Sta^trat Breitner vor und suchte ihn für eine Herabsctzung der Lustla.-keltSder Fremtenbeherbergunys- und der Äahrungs- und Genu^mitt? abgabe durch die Mitteilung zu gewinnen, da"? in diesem Fa le 3009 Arüeitsl.se in den Betrieben cingeste'lt werden könnten. Breitner erklärte, solange keine andere Bedeckung für die sozialen Auö-adeu der Gemeinde Wien vorhanden lei. könne er auf diese" Abgaben nicht verzi.:'st?n doch werde M vielleicht eine P attsorm finden, um ein ausiichtires Mitemp.inden mit brr * o-e der arbeitslosen Gast- und Kaffeehrusangestellten zu bekunden. Eine Bereinigung de? Wiener Musiklehrersihaft. Auf Grund des Bundesgesetzes vom 28. Juli 1826 bat der Wiener Ctadtsenat eine Verordnung über Me lrrric'itung einer Vereinigung der „Oestcrreichischon Musiklchrerschaft Landesgruppe Wien" heraus'egeben. TaS Gesetz be^-'mt daß alle in Wien wo'mhastrn P?rsonen. die in Oesterreich im .Hau'stderuf M.-.sikur.t.rric'it erteilen, v.llsährig und im Sinne des Gesetzes staatlich geprüft sind, eine Anmeldung beim magistrat-st'ien Rezi-^'- ' Wümortes zn erstatten haboir. Die Anmeldungen werden vom 1. bis 19. Februar v<n 8 bis 16 Uhr ert-egen^enommen. Bei der Anmeldung inüfs.'n a l? Per'onaldo^nmente vorrcwic'en werden, ^ur Anmeldung sind auch alle BcrufSmusiker verpslich-> t:t,: die du^ch Musikunterricht ta'ern "'nen überwiegenden Teil ihres Lebcy§unter^'a''tes erwerben. Die neue Bereinigung so'l nach den ^pstinrnun^en des. BundesgesetzeS"zur Vertretung und Förderung wirtfchastMer Angelegenheiten der Mufille^re s'-a't in Wien berufen sei». Brautwerbung mit getrocknetem Mist. Bei den Tan^uten, die im Hochland von Tibet leben besteht noch heut: der eigenartige Brauch, daß ein junger Mann, der um ein Mädchen werben wi.l, seine Wüns.he nur durch ein Symbrl a sdrückcn darf. Diese? Symbol ist sonderbar, denn es besteht darin, daß der Bursche ein Stück — getrockneten Biehmistes auf daS Mädck)en wirft. Will sie ihn nicht erl;ören, so tut sie, a^s Hütte sie n!ck>tS bemerkt; ist sie ihm dagegen aut, hebt sie das Stückchen aus und gibt cs ocm Freier zuruck, wiraus er ihr einen Ring und sie ihm einen Tabaksbeutel schenkt. Dantit gilt die Verbindung a^s geschl-s'en.; E Schon wieder ein Haupttreffer mit einem Schelhammer» Los gewonnen! In vorgestern stattgefundenen Ziehung der 2. Klasse der laufenden "olterie entfiel der größte Haupttreffer auf daS im Banthauie S ch e l h a m m « r u. S ch a t t e r g, Wien, 1. Bez. Ctephanspiatz 11 verkaufte Klassenlos Nr. L5342. E Blut- Haut- und Nervenkranke erreichen durch den Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef"-Bitterwassers geordnete Verdauungc'vcrhältnisse. Spezialärzte von hohem Ruf bescheinigen, daß sie mit der Wirkung des all'bewährten Franz-Joses-Wass.'rs in jeder Beziehung zufrieden sind. Bereine. Bartkiige un» Dersammlungrn. Wiener Bet-Hamidrvsch, 2. Bez., Tempelgasse 0. 6 Hhv. Lektor S. Gelbhaus: „Historische Psalmen". — Maimomdes- Fnstitut, Hetzgasse 40'. Heute, halb 7 Uhr: Dr N. Goldstein: ..Lchemorh rabba" halb 8 Uhr: Traktat Kidduschin — Zionistische Bezirlsseltion Lerpoldstadt. Die Vorstandsmitglieder un.d Mandatare werden ersucht, im Laufe der nächsten Tage im Vereinslowle in den Amisstunden, zwischen 6 und 0 Uhr abends, bei der D r i v e l e i t u n g das Prc,a^anda'Material> in Empfang zu nehmen. Heute, Donnerstag. 8 Uhr abends, Vortrag Fr. Margit Buchbinder: ..Jüdtzche Kolonifa.ion tn Pa-laslina vor 1014". — Zionistische Bszirkssektwn 9, S".nncag. den 80. Jänner, 10 Uchr vormittags, Vorführung LeS Palästina-Kinderfilms im Heimaklino, 6. Boz., Porzellan-- gaffe. * Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler. Freitag, 8 Uhr aiben^ im Heim der Bezirksseltion 6/8- (8, Bez., Bennoplatz 1). Vortrag Dr. L>:o Goldhammer Mer: «Der zionisiische Student einst und jetzt". Die „Erste östorrrichi'che Krlippclarl'«i.'Lgcme!nfchqft", 2 Be.z, Pazmani:cngasse 7, hält ihre diesjährige Generalversammlung Sonntag, den 80. d. M., um 10 Ihr dar« mittags im Saa!e der „Bereitschaft", 1. Bez.. Annagasse 18, ab. Gleichzeitig gibt diescllbe bekannt, daß ihre Telephon, nummer 47«7«62 i'st. Zirkus Ado f:. Die <regemvartig zur LluE'ühruna gelangenden W a f f e r sch a u s p i e l e ^nd die Dressurs. nsä'.ion S e e l ö w e N a n o k. sowie die , Radfahrmeistersch -stL'on» kurrenz verbieilen nur noch riese Wocke am Spe'-ian. Sonntag Entscheidung in der Mad fahr Meisterschaft, 806 1. fiebntat kommt vollkommen neue» Programm.