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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-27 · Heft 2843 (27.1.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2843 (27.1.1927)
Date
1927-01-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Men, DonmrSkvg Go'iteä kinftein für die Loderstrafe. Das „Berliner Tagblatt" hat bei Gelehrten, Richtern i.nd Justizbeamten angefragt, ob sie für Beibehaltung oder Abschaffung der Todesstrafe sind. Vor wenigen Tage.! hat das Blatt die eingelaufenen Antworten veröffentlicht. Die groß: Mehrzahl der Befragten lehnt die Todesstrafe als roh und unsinnig unbedingt ab. Der Leiter des Mordreferates der Berliner Polizei und ein Kriminalrat sind, allerdings mit weitgehenden Einschränkungen, für die Beibehaltung. Unbedingte für die Todesstrafe spricht sich Professor Einstein aus. Seine Antwort lautet: „An sich kann ich nicht einsehen, warum die Gesellschaft Individuen, die sich als soziale Schädlinge erwiesen haben, nicht sollte ausscheiden dürfen. Unvollkommenheit der staatlichen Organe kann, ich nicht dagegen gelten lassen, denn es ist nicht besser, wenn diese lebenslängliches Zuchthaus statt den Tod zu Unrecht über einen Menschen verhängen. Es wird gesagt, daß die Todesstrafe verrohend auf die Uebsrlebenden wirke; dies kann nur ejntreten, wenn die Menschen Imfolge falscher Erziehung die „Strafe" als einen Akt der Rache statt einen Ausdruck des Strebend der Gesellschaft nach Vervollkommnung ansehen." Einsteins Aeußerung geht weit über alles hinaus, was bis jetzt von den Verteidigern der Todesstrafe vorgebcacht wurde. Er fordert schlankweg für die Gesellschaft das Recht, Menschen, die sich ihr nicht einfügen, zu morden. Er begnügt sich aber nicht damit, das einfach auszusprechen, und wählt den überbrutalcn Ausdruck: „Schädlinge auszuscheiden." Das klingt wie im Jargon der hakenkreuzlerischen Mordfeme. Jede Gesellschaft hat das Recht, sich als die beste anzusehen. Sie hat das Recht, jchen, der gegen ihre Regeln und Gesetze verstößt, als einen Schädling zu betrachten; sie hat also auch — nach Einstein — das Recht, ihn zu töten. Die Inquisition mit ihren Scheiterhaufen hatte recht und die fascistischen und bolschewistischen Blutgerichte haben recht. Alle, die unter Wahrung gewisser Formalitäten und im Namen irgendeiner Gesellschaft hängen, köpfen und erschießen, haben recht. Wer dagegen aufschrcit hat unrecht. Wem sich das Herz im Leibe umdreht, wenn er an die um den Galgen versammelten Richtertalare und Priesterkutten und daran denkt, daß einem Lebewesen unter Anrufung Gottes, des Monarchen und der Republik das Genick gebrochen oder zerhackt wird, bis ifjitt die Zunge blau auS dem Maule hängt, der ist blödsinnig. Diese Gesellschaft um den Galgen ist — nach Einstein — das erhabene Symbol des erhabenen Srrebens, des Strebens der Gesellschaft nach Vervollkommnung. Auch die Eventualität, daß irrende Richter einen Unschuldigen aus dem Leben schaffen, ist nicht danach angetan, vernünftig erzogene Menschen auszuregen, sagt Einstein. Der Fall Einstein ist anschaulich und lehrreich. Er zeigt, daß höchste Wissenschaft und höchstes Menschentum verschiedene Dinge fiitb. Robert Stricker. Verurteilung des „Pro-hrten* Schadaan. Vor längerer Zeit schon wuchte. w:e wir seinerzeit berichteten, in Syrien ein neuer „Prophet" auf. der sich als von Allah gesandt, ausgab, und brei:e DoÄsmassen bewog, ihre Hake zu verändern oder ihm zu schenken, da das Ende ter Welt nahe bsvorstohe. Schelk Scha'baan. dies der Name dcS Propheten, trieb überdies mit den Frauen seiner Gemeinde rie schändlichsten Dinge. Er ülh:e auf weite Kreise der syrischen LantDevöLerung einen mächtigen Einfluß aus, so daß Me. Zahl seiner Anhänger täglich wuchs. Als die Behörden daMischentraten. mutzten sie mit der irrege-sührten Bevö.'terung förmliche Kämpfe bestehen. Schließlich gelang es den „Propheten", der behauptet hat:e, datz er nur Allah Rechenschaft schuldig sei, zu verhaften, und ihn der irdischen Gerichtsbarkeit zuzuführen. Die irdischen Richter harten keine Angst vor Allah und seinem Propheten und verurteilten den Betrüger zu fünf Jchren Zuchthaus und Zwangsarbeit. WI«n« Morg«u«ltuag Re Srivve. n Mustlli I» »arm«». Warschau. 86. Jänner. In den letzten Wochen sind nach den offiziellen Berichten in Warschau 59 Personen an Grippe gestorben.?87 AveMe irr Suglaud. London. 26. Jänner. In IVödergrößtenStädte in England und Wales sind in der vergangenen Woche 767 Todesfälle infolge Grippe zu verzeichnen. In der Vorwoche hatte die Zahl der Todesfälle 828 betragen 8» raten. Prag. 26. Jänner. Nach einer amtlichen Mitteilung aus Mähren wurden in der Zeit vom 1. bis 15. Jauner 279 Grippe fälle gemeldet, vom 16. bis Ä. Jänner 4032 Grippeerkrankungen, darunter vier Todesfälle. Am stärksten trat in dieser Zeit die Grippe im Mährisch-Ostrauer Bezirk (2013 Fälle) auf. Eine größere Anzahl von Grippefällen ist ferner im Misteker Bezirk, in Göding, in Hohenstadt und in Znaim zu verzeichnen. Die Krankheit nimmt in den meisten Fällen einen leichten Verlaus. Auf Bauchgrippe entfallen zivei?. "izent und auf Kopfgrivvc ein halbes Prozent. Am stärksten tritt die Grippe unter der Schuljugend (64 Prozent) auf, besonders im Mährisch-Ostrauer Bezirk, wo sämtliche Schulen'geschlossen wurden. In Ungvar selbst erkrankten ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung. In Berehov wurden sämtliche Schulen geschlossen, weil 30 Prozent der Kinder und sieben Prozent der Erwachsenen an Grippe erkrankt sind. Sie mnnitse Qtipve ln sutmuelt. Budapest. 26. Jänner. Nach dem Bericht des hauptstädtischen Oberphysikats sind gestern zwei Fälle von spanischer Grippe vorgekommen. In den hauptstädtischen Spitälern fin& 82 Jnfluenzakranke ausgenommen worden, in häuslicher Pflege befiuden sich derzeit 125, von denen einer gestorben ist. Bei der Honved sind 160 Mann erkrankt, davon zwei schwer. Todesfälle haben sich nicht ereignet. Snlnrtlger Setlnnf ln IrutWand. Berlin. 26. Jänner. Im Reichs-Gesundheitsamt fand gestern eine Beratung statt, die sich mit dem Auftreten der Grippe und den gebotenen Abwehrmaßnahmen befaßte. ES würde übereinstimmend fcstgestellt, daß der Verlauf der Krankheit im allgemeinen als gutartig zu bezeichnen ist. Verhältnismäßig am stärksten betroffen ist der Südwesten des Reiches: Besondere behördliche Maßnahmen für die Anzeigepflicht oder Berkehrsb-eschränkungen wurden nicht für notwerwig erachtet. Sie arilisemltllchr Provaranda unter Den Aravera. Wir berichteten vor einiger Zeit über das Erscheinen des antisemitischen Buches des yrab:schen. Schriftstellers Abdallah Anan in Kairo, der unter dem Titel „Die Geschichte der Geheimorganisationen" alle bereits bekannten Verleumdungen gegen die Juden zusammengetragen und als authentisches Material verbreitet hat. Wie uns jetzt aus Kairo berichtet wird, wrid dieses Machwerk durch die arabischen Tagesblätter und Zeitschriften als Beilage unter der arabischen Bevölkerung im ganzen Orient, hauptsächlich in Palästina, Syrien. Aegypten, dem Irak, der arabischen Halbinsel usw. verbreitet. Die ganze Aktion wird von den arabischen Christen in Syrien geleitet und finanziert. Das in Kairo erscheinende jüdische Blatt „Israel" führt wohl in seiner arabischen Ausgabe gegen dieses Lügengewebe einen Aufklärungskampf, doch dürste dieser schon aus dem Grunde wirkungslos bleiben, weil das Blatt von der arabischen Masse in Aegypten, welche nur die Anschuldigungen zu Gesicht bekommt, nicht gelesen wird. 27. JSrmer 1927 Nr. 2348 zionistische WellwahWeu. Bor dem 18. Zionlstenkongprß. Das zionistische Aktionskomitee hatte auf feiner letzten Sitzung im Juli 1926 sich unter anderem auch mit der Frage der Durchführung der Kongreßwahren auf Grund der durch Einführung deS Einheitsschekels geänderten Verhältnisse besaßt und mehrere Richtlinien für die Neuredigierung des Wahlreglements beschlossen. Um die Frage einer eventuellen Einführung von sogenannten W e l t w a h l l i st e n, wie sie beim letzten Kongreß angeregt wurden, in bezug auf ihre Möglichkeit und Durchführbarkeit zu prüfen, wurde vom Aktionskomitee eine besondere Kommission eingesetzt, in die gewählt wurde«: Dr. A. Barth, Rechtsanwalt Gronemann, Dr. Hellmann, Dr. Lauterbach» Locker und Dr. M. Rose n b l ü t h. Diese Kommission hat auf ihrer am 17. Jänner in Berlin abgehaltencn Sitzung nach längerer Ausspräche beschlossen: 1. Die Einführung einer Weltrvahlliste erscheint im Interesse der Organisation durchaus wünschenswert. Die Durchführbarkeit wird für den gegenwärtigen Zeitpunkt mit Rücksicht.auf die Schwierigkeit der Durchführung einer cinheitliä/n Wahlordnung verneint. ES sind nach Meinung der Kommission alle Anstrengungen darauf zu richten, zunächst eine reibungslose Durchführung der Einheitswahten zu erreichen und ireitere Maßnahmen zur Kontrolle der Wahlvorgäuge zu trefstii. Erst nenn daS geschehen ist, kann nach den Erjahrungen künftiger Kongreßumhlen ohne Gefahr zur Einführung einer Weltwahlliste geschritten werden. CS wird empfohlen, daß eine Diskussion über diesen Gegenstand möglichst bald in der zionistisck-en Oesf.n.lichkeit oingeleitet tvird. 2. Die Kommission stellt fest, daß durch den Beschluß der letzten Tagung des Aktionskomitees die Grundlage für eine Verbilligung von R c st st i m m e n in Wahlgeöieten mit me.sr.ren Wahlkreisen gescha.se» uu.de. 3. Die Kommission empfiehlt, in das Wahlreglement eine Bestimmung cinzusühren, wonach es den einzelnen Landes wahlverbänden gestattet ist, sich untereinander zu einem einheitlichen Wahlvrrband zu vereinigen. 4. In solchen Fällen wird den LandeSwahlverLkinden, die laut ihrer Sch.kelzahl nur zur Wahl von je einem Delegierten berechtigt find und in denen die Wahrscheinlichkeit der Ausstellung mehrerer Wahllisten vorhanden ist, nahegelegt, bei der Exekutive die Bereinigung mit anderen Landeswahlverbände.r, die sich in gleicher Lage befinden, zu beantragen, um auf diese Weise gemeinsam die Wahl nach dem Proportionalwahlsystem durchführen zu können. Die Exekutive wird gebeten, mit den in Betracht kommenden Laudeswahlverbünde.r in Fühlung zu trete» und der nächsten Tagung deS Aktionskomitees darüber zu berichten. Die Kommission behält sich vor, auf Grund dieses Berichtes dem Aktionskomitee weitere Anträge zu unterbreiten. Sie »Lotten-. Militürifch organisierte Frauenvereine. Das Interest eines jeden Fremden, der sich eine Zeitlang in Fi n n llln d aufhält, erregen die dort bestehenden eigenartigen Frauenvereinigungen, die ohne Gegenstück dasteh., n dürften. Er sind dies die „Lotta- Svärd"-Vereine (militärisch organisierte Frauenvereine), die sich zum Schutz, der Freiheit und der Selbständigkeit des Vaterlandes geschlossen haben. Ihren Anfang nahmen diese Verbände gleichzeitig mit den Schutzkorps zu Beginn der o'reiheitsbeive'uni im Jänner 1918, wo chre . MitglLder in jeder Hinsicht bemüht waren, den Schutzmannschasten zur Seite zu stehen. Als festumrissene Organisation jedoch bestehen diese eigenartigen Fraucnvereine erst seit 1920. Die Bezeichnung „Lolta Svärd" leitet sich von einem Gedicht gleichen Namens ab, aus dem Zyklus „Die Erzählungen des Fähnrichs Stahl", von Johann Ludwig Runeberg. Der Dichter verherrlicht hier eine Frau, die die finnischen Truppen 1803 im Kampfe um die Freiheit ihres Landes begleitete und ihnen Hilfe angedeihen ließ, wo sie hiezu irgendwie imstande war. Die modernen „Lotten" heutiger Tage, deren Mitgliederzahl etwa 200.000 beträgt, hcchen sich die gleiche Ausgabe gestellt, wie ihre durch den Dichter besungene Vorgängerin. Die über das ganze Land hin verbreiteten Verbände haben eine gemeinsame Zeniralleitung, die ihrerseits dem Oberbefehlshaber der Sch rtzkorps unterstellt ist. Je' e Ortsvereinigung zerfällt in vier Abteilungen: eine SanitätS-, eine Feldlüchrn-, eure Ausrüstungunb eine Einsammlungssektion, Bezeichnungen, die gleichzeitig den Zweck und die Art jeder einzelnen Abteilung angeben. Jede nationalgesinnte einwandfreie Frau kann gegen Beibringung eines von zwei Zeugen untnschriebmen Leumund'eumifseS eine „Lotta" werden. Jnnerha'b der „Lotta-Svärd"-Brreine werden Ausbildungslurse und regelmäßige. Hebungen abgehalten, wovon die größeren Hebungen mit denjenigen der SchutzkvrpS zusammenfallen. Zu diesen großen Hebungen strömen Frauen allen Alters von 16 bls 70 Jahren und aller Gesellschaftsklassen, auS allen Teilen des Landes, selbst aus beii nörlichsten Gegenden herbei, allesamt von einem vaterländischen Ge'st und Opfersinn beseelt. Rang und Reichtum existieren nicht, nur Leistung und Tüchtigkeit geben den AuSsch'ai. B.'l den Hebungen herrscht strengste Ka'ernenordnung wie b.i den Männern. Sümt iche „Lotten" schlafen auf Stroh, das graue Gewand ist gemeinsam für alle. WIR HABEN,, UNSERE PRAMIENAKTIQN VER H Jahres - Abon nenlen Halbiahres Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahresbezugsgebühr nach Wahl: ÜoiieiiAiit &taviua SÄMTLICHE WERKE. In drei elegiutcn Prachtleinenbänden, Mehr als 2000 denen, schönster, klarer Druck, holzfreie* Papier, oder 3tmtnHdk &ruetM GESCHICHTE DER Geschenkbände. 2200 oder UDEN. Drei vornehme eiten staik, Ihwn Kedin PALÄSTINA. 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