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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-26 · Heft 2842 (26.1.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2842 (26.1.1927)
Date
1927-01-26
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. ML «km» Msrsr«zettu«g 26. Jänner 1927 .eite 7 nationalen Gesellschaft für neue MulsU" erzieitt-en Ma „Serenaden" von Paul H>i nd« rnit b, Op. &*>, einen vollen EMg, der zugleich ein voller Erfolg der gang auAgezeichmchsn Sängerin RlMna H e r l t n g e v war, die sich immer wieder m den Dienst der Moderne stellt. Mt großer Sicherheit führte sie den Gssangspart dieser kleinen Kantate für Sopran, Oboe, Bratsche un>d Cello aus, deren Dexte und M-anismWungen letzte A'Mäufer einer bei Hin'den-rith anischeinend ülbe-rwlundcnen Romantik sind. Ga«nz eigenartig hindenrithifch sind die instrumentalen Fwischenis'piele, in denen romanLifcher KLang und archaisierende Polyphcnie eine durchaus moderne Verbinldimg emgchen. ffb. Aus den Theatern. Burgtheater. M^rgctr „En Sommernachtstraum" vin Lhalespeare. (Im Abonnement fünfte Gruppe.) Anfang halb 9 Uhr. Akademietheater. Morgen „Mädel von heute" von Gustav Davi-Z. Anfang halb 8 Uhr. , , O p e r n t h e a t e r. Morgen „Cavalleria rustieana", hierauf „Der Bajazzo". Anfang 7 Uhr. „„ „ Deutsches Bolkstheater. Morgen 29. Aufführung „Der Garten Eden" von Oesterreicher und Bernauer. Theater in der Josefstadt. Freitag, 7 Ubr, Ur. aufführunz „O e st e r r e i ch i s ch e K o m ö d i e" von A.exander Lernet-Holtnta. Modernes Theater. Donnerstag, 10 Uhr nachts gelangt Anatol Kamensky's fatanistisches Schaufptel „Die schwarze Messe" zur deutschen Uraufführung. Die weiß* tiche Hauptrolle spielt die russisch: Schauspielerin Äarwara Ko« strowa. — Morgen und Freitag AndrejewS „Studentenrieb e" (Die Tage des Lebens). Anfang halb 8 Uhr. «ne „Lkterarifche Bühne". Diese neue Schauspielerbereinigung beabsichtigt, ausschließlich Werke der Weltliteratur zur Aufführung zu bringen. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen eines Regiekollegiums, dem die Damen Lilly Fröhlich und Gertrud Kolar-Klastersky, ferner der Schriftsteller und Regisseur.Rudolf K. Kinsky angehören. Als Eröffnungsvorstellung geht am 27. Jänner in den „Künstlerspielen" (Riemergasse) Tschechows „K i r s ch g a r t e n" in Szene. Eine Akademie für Mosaikkunst. In Leningrad wurde vor. kurzem eine Akademie für Mosaikkunst eröffnet, die die modernste Kunstanstalt auf diesem Gebiete werden dürfte. Bis jetzt «haben sich 30 Hörer inskribiert. Meder Rektor der Kunstanstalt in einem Vortrag hervorhob, können Mofaikkunstwerre in 17.000 verschiedenen FarbLnttüancen hervorgebracht werden. Derfteckte KoftgeschSte ver Nationalbank. Sine «Inge gegen dis znilltnt. Em ^Senac des Haaollsgerichteo u.ckec Vorsitz des Hosrotes Dr. Mraz beschäftigte sich gestern mit einer Klage der Firma Alois Jo kl Sc Co. auf Ausfolgung von Effekten im. Werte von...ungefähr 100.000 Schilling gegen die Nationalbank. Im April 1924 hat diese Firma durch Vermittlung des Remissieürs P r y d l von der Nationalbank, der statutengemäß die Lombardierung von Wertpapieren verbotet: ist, Vorschüsse auf Börsenpapieren erhalten. Pr.)dl hatte nämlich bei der Nationalbank einen bekannten Oberinspektor, der ihm Vorschüsse auf Wertpapiere verschaffte. Als der Kurswert der Papiere sank, wurde ein Teil derselben verkauft. Nur ein Rest im Werte von etwa 100.000 Schilling blieb noch übrig, deren Ausfolgung später Jokl gegen 'Rück-ahlung des Kredites samt Zinsen forderte. JiEol-'e der sortivähreluien Schwankungen und der Kosten der wiederholten Käufe und Rückkäufe Prydls waren aber'auch diese Papiere nicht mehr. vorhanden, so daß Jokl unr die Papiere kam» Die Nationalbank lehnte den geforderten Ersatz ab, weil ihr alleiniger Kommittent Prydl gewesen sei lind weil es sich nach ihrer Ansicht um Verkäufe, nicht aber unr Belehnungen handelte. In der gestrigen Verhandlung erklärte Prydl, er sei der Nationalbank gegenüber. nur im eigener: Namen aufgetreten. Er habe durch dm ihm bekarmten Oberinspektor Wertpapiere bei der Effektenkasse der Nationalbank zum börsen mäßigen Verkauf eingereichl, bis zu dessen Abwicklung er auf den Berkaufswert stets einer: Vorschuß erhielt. Dies habe er öfters für fremde Rechnung, so auch für Jockl getan. Seine Protektion hätte cs bewirkt, daß in mehreren Fällen mit dem Verkauf der Effekten zugewartet wurde, so daß er auf diese Weise leicht zu billigem Gelde kam. Es handelt sich also um versteckte Kostgeschäfte,von denen auch der Oberinspektor gewußt. haüm muß, zumal dieser Pvchl aufgefordert babe, von diesen Transaktionen niemcridern etwas zu erzählen. Der bereits pensionierte Oberinspektor bestätigte die Angaben Prydls. Das Urteil wird auf schriftlichem Weg bckanntgegeben werden. ver zn'ammenbrnch des Snttfljirafei Taulfig. Der gewesene Jnhaoer eines Banckommis,ionsgc,ü)ästes Bruno Taussig wurde von der Staatsanwaltschaft wegen Veruntreuung und wegen fahrlässiger Krida unter Anklage gestellt. Die zweitägige Verhandlung vor den Schöffen findet unter dem Vorsitze des Hofrates Doktor Kernert statt, öffentlicher Amläger ist Staatsanwalt Dr. Kralik, Verteidiger Dr. Zörnlaib. Taussig gründete im Spätherbst 1922 mit seinem Schwiegervater und mit seinem Gesellschafter Peter Paul Winter die Firma Taussig, wobei trotz Uebereimommen, je 100 Millionen beizusteuern, nur 25 Millionen eingezahlt wurden. Das Bankhaus befaßte sich hauptsächlich mit dem kommissionstveisen An- und Verkauf von Effekten. Die Klientel, für die gekauft wurde, hat dem Bankhaus jedoch nur bis zu 50 Prozent Deckung gegeben. Die sehleiwen Mittel mußte sich die Firma in Form von Taggeldern verschaffen, wobei sie die gekauften Effekten diesen Taggeldgläubigern gleich als Sicherstellung übergab. Diese Manipulation war mit dem Sinken der Efseltenkurse unmöglich geworden Als im April 1924 einige Kommittenten ihre vollausbezah.ten Efse.ten verlangt:::, konnte Taussig dies nicht erfüllen und. suchte um den Ausgleich an, zu einer Zeit, wo nach dem Status eine Ueberschuldung von drei Milliarden Krönen schön vorhanden war: Die Verhandlung, die schon einmal durchgeführt wurde, ist seinerzeit'vertagt wordenum vor allem auch festzustellen, welchen Einfluß die Stützungsaktion des Giro- und Kaffendet ein es hatte. Rechtsanwalt Dr. Siegfried Kantor sagte als Vertreter des Bankenverbandes über die Stützungsaktion des Giro- und Kassenvereines, daß man, um einen Run auf die immobilisierten Bankgeschäfte zu verhindern, zwanzig Milliarden mit Hilfe der Großbanken den Mittel- und Kleinbanken und dem Verbände der Bankenkommissionssirmen zur Verfügung gestellt habe. Es hätte wohl kein direkter Anspruch weder der Gläubig-w der Banken noch der nolleioeud gewordene.: sich-.i-.v.i.>aber ftrbst auf bi*';' Hilfeleistung bestanden, ubrc mit e i it o t' g e tui j s o u Wahrscheinlichkeit härten alle Banthäuser wohl auf diese Hilfe rechne,: könne,,. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende zunächst den Freispruch des Bngellaglen Bruno Taus sig von den: Delikte der Veruntreuung und er kannte ihn lediglich des Vergehens der fahrlässigen Krida schuldig. Das Urteil gegen Taussig lautete auf zwei M o n a t e st r e n g c it dl r c c ft s unbedingt. Bereine, BortrSge und Versammlungen- JuvenÄverein Erez Jjrael. Hcut-e, halb 8 Uhr abends, .finde: im Bortragssaale. 2 Bez.. Zirkusg.sse 33, der Vortrag Dr. Heinrich Gt a nz' über „Die älteste beschichte des jüdischen Volkes" stali. — Der Gesellschaftsauend des Jüdischen Fra>uett»Wohltätigkeitsvcreine9 Favoriten findet Sonntag, den 3(1. d. M., um haiid 9 Uhr abends, in den Festsäien des Mlitärkasinos, 1. Bez., Schwarzenbcrgplatz 1, statt. Das Erträgnis dieses Abends kommt der Mtion „Kl ne er aufs Land" gn. — Hechaluz, 1. Bez., Drahtgasfe 4. Heute. 7 Uhr Abends, findet der zweite Vor.rag über das Thema: „Geschichte der ersten Älijoth" statt. — Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt. Die Torstantsmltglieder und die jüdischen Mandatare werden ersucht, im Laufe der nächsten Tage im Vereinsloknie in den Amtsstunden zwischen 6—9 Uhr abends bei der D r i b c l e itung sich zu me.den und das Material in Empfang zu nehmen. — Zionistische Jngendgruppe Leopoldstakvt, 2. Bez., Zirkusgasse 36. Heute, 8 Uhr a'bends, Plenarversammlung. Vortrag Gelber: „Kulturzionismus"; morgen, 8 Uhr, Sich ab; Samstag, 3 Uhr nachm., «ichah, ha.!b 7 Uhr abends. Hebräisch für Anfänger. — Zionistische SckÄon 6—8, Verein Tikivath Jehuda. Heule, 8 Uhr abends (8. Bez., Bennoplatz 1 a>, Trauerseier für Achad Haam. Gcoentrede Dr N. M. Gelber. — Jüdische Toynbeehalle, 20. B., Denisgasse 33. Heute, 7 Uhr abenis, Hosrat Prof. Dr. S. Frankfurter: Isther altsüdische Erziehung. — MairnonidoS-Jnstitut, 3. Bez., Hetzgasse 40. Het :e, 6—7 Uhr. Nabbiner Dr. A. Ka m i nka: „Das Buch Ainos, unter Berücksichtigung der Septuaginta"; 7—8 Uhr, More die buch! in, „Ari'stotHiische Cebank«>n - Wer das Schicksal." — Zionistische Fria.ttnrorganisa'ion Oesterreichs. Honte vierter Vortrag des „Zyklus für dte sü dis che Frau", um 5 Uhr nachm., im Henne ^er Hakoah, 1. Bez., Wipplingerstratze 24—26. (Eingang durch den Hausflur. Es spricht Frau Dr. Waldmann über „Ra'öbi Elieser Hyvkanos und die Frauen". Predigten in den isrrelitischen Gemeindetettlpeln. Freitag finden bet dem unr 4 Uhr 45 Min, beginnenden r'ibcn gottesdienst Predigten statt, und zwar: 15. Bez., Turnergasse 2» (Nabbtner Dr. I. 'Tagiicht); 16. Bez., Hubergasse 8 (Dr. I. M. Bach): 18. Bez., Schopenhaucrstraste 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang). Samstag, 9 Uhr 15 Min., exegetischer Vortrag des Rabbiners Dr. Nosennrann. — Der israelit »sche I it gend - gottesdienst findet am 29. d. M. um 3 Uhr nachmittags in den Gcinoiti^e- und Be'.i.ckstynaqogen statt. . Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgemeinschast Anitta Müller, 2. Bez., Untere Augartenstraste 35. Heute cntsäM der Kurs für Jndividualpst-hologie. Um halb 9 Uhr abends Kurse über „Hvgiene des Abtags", Dr.-Klaber (Z. M. B. Mirbam). Im Nahmen des H ebräischen.Jugendklubs findet rin: 7 Uhr ein Vortrag von Prof. Kästenban'm: „Hmnaschtchiuth bejisrael". Jugendliche willkommen! — Donne-tstvg, von 2 bis 4 Uhr: ärztliche Beratungsstelle; von halb 7 bis 3 Uhr: Erziehungsberatungsstelle. Der 5kurs der Frau Ester R ap aport-Mieses über: „Sprüche und Erläuterungen der Wochenabschnitte der Bibel" findet diese Woche, Dienstag—Donnerstag um halb 8 Uhr, statt. — Samstag beginnt die Vortragsreihe „Jüdische Kunst", Leitung Dr. Else H o f in a n n. Näheres wird noch bekanntgcgeben. Artistenpräsunz. Die Internationale Artistellorgnriisation gibt betäniu, daß die nächste am 5. Februar, 3 Uhr nacbmittags, stattsindende Art:sienprüjung im Johann Strauß- D b c a t e r ab 'e^'alwtl wird. Das Awachen. Novelle von David PinjN. (Aus dem JMischew übertragen von Theodor Zlocisti.) Er war rin Fremder.in dieser Welt. Fremd ihren Stürmen, fremd ihrem Leide. Fremd ihrer Liebe. Niemals hatte ep Pläne geschmbchet für den Kampf des Lebens; denn er wußte nichts von den Kämpfen ":es Lebens. Ihm war es, als sollte er sein ganzes. Leben schwimmen über das unendlich weite Meer , der heiligen Lehre. Das syllte sein Leben.sein von der Geburt an, ja schon vor feiner Geburt, und bis weit über den Tod hinaus, weit nach den letzten, schweren Schollen der Gräbererde-- Träumte er nie von der Liebe? Nie von der Glut der Umarmung und. all des wilden Glückes der Jugend? Fern stand diese Wett seiner Seele. Die verfänglichen Stücke des Talmud studierte er in der Unschuld-des Kindes. Und für die schlimmste Stelle fand er noch , eine Frage in so holder Naivität, die er dem Stadt-Rabbi stellte, daß die ganze Stadt lachte und böse Scherze machte. Leiöke verstand das Lachen nicht und stellte seine Frage immer wieder jedem, der sie nur Höven wollte; trotz seines Scharfsinnes, trotz der unergründlichen Tiefe des Talmud, den man zu neuem Segen imm^r wieder durchgraben und durchpflügen kann. Er sah nicht das zynische Leuchten in den! Augen seiner Zuhörer und das Zucken um ihre frevelnden Lippen. Voll des Eifers redete er und mit Lust ^ird?rholte> er. Worte, bei denen seine Mutter die Augen zur Erde senkte und rot wurde, und bei denen Hinde, seine Halb-. schwester, die halb Dienstmädchen war zu Hause, aus dem Zimmer lief» verflammt und in verletzter Keuschheit. Leihke war ein schöner Hüngiing von kräftigem Wüchse Und bpeiten Schultern, einem Erbteil, seines Vaters, der früher auf . dem Lande getvohnt hatte, Gaben von seinem Woßvater; seinen Ahnen und Urahnen her p atte Geschlechter. von Landbewohnern, denen kein Stud'nn: des Talmud und ckein Hocken auf Lehrhaüsbänken die Kraft aus Muskeln Und Sehnen tzenommen. Er hatte, ein..zartes,, weiryes,. rundes ^e,ia)t, oas wie eine Krone dichtes^ kastanienbraunes, krauses Haar umgab. Und große, braune, tiefe Augen unter dichter: Brauen, glänzten aus dem Antlitz. Die Mädcher: aus . seiner Gasse , und noch von viel weiteri her« sprachen tuschelnd über ihn und wenn sie -ihn von weitem sahen, stellten!sie sich m:s Fenster und warteten verstohlen, bis er vorübcrging. Er aber sah rüernals jemand. Am Simchas- Thora — wenn er mit der Thorarölle durch die Synagoge ging —" dann wurde die seine von; den Mädchen am liebsten mit dm Lippen berührt. Und es soll sich sogar oft - ereignet haben, daß-dann ein paar warme feuchte Lippen sich zr: seiner wnchm, tveißen Hand, verirrten. Mer ihm gab der Kuß nur ein unangenehmes Gefühl: gar etwas wie Verachtung für die niedrigen Geschöpfe, die nicht einmal der Thora einen rechten Kuß zu gebm verstandm. Und es schien ihn: geradezu eine Beleidigung der heiligm Thora, mit der er jubelnd tänzle! Auch Hinde war ihn: nichts hier, die seine Elten: zu sich genvmmm hatten. Und doch stvar sie im Schmucke i ihrer siebzehn Jahre entzückmd schön. „Wie Gold" pflegtm die Frauen von ihr zu sagen. Sie war klein -..und hätte zierliche, runde Glieder. Ein alabasterweißes Gesicht von schwarzem, sannnetweich-'m Haar umrahmt. Und ihre Angm waren* blau, wie der Himmel und blickten gar ftöhlich und bescheidm in die Welt hinein. Immer schwebte ein liebliches Lächeln um ihre kleinen, süßen Lippen, die zwei Reihen blendmd weißer Zähnchen meyr mthüllten als verbargen. ' ' Hilide liebte Leibke stark,. heiß, mit der ganzen Kraft ihrer keuschen Seele. Ganz im Verborgenen, ohne Hoffnmrg, denn sie toar ja doch nur ein Dienstmädchen Ihre Mchte waren unruhig, und oft träumte sie im Wachen, ganz fortgerissm von ihren . Gefühlen, wmn sie in der Küche stand rmd die Töpfe wusch. Bon ihrer Zukunft träumte-Ne, .von ihm, von Hochzeitsstunderr. Mer sie wußte, daß doch niemals bas Glück zu ihr kommen könnte, ' Und er behandelte sie, ganz--wie ein Dienstmädchen. Ueberhaupt wie-ein Weser: 'niederer Ordnung . .. . Er ging also umher, als wäre er ans einer fremden, fernen Welt. Ein« ungeborene Seele zwischen lebensmüden und lebensmaste.t ivee.en. ^..n Gtüllü^er unter Verzagten und ein Schlafender unter. Wachenden. Da plötzlich kmn über ihn das große Erwachen. * Die Wände waren mit neuen Tapcren geziert. Diä Zimmerdecke frisch gelveißt, der Boden blank geirafchen, die Fensterscheiben geputzt, der Tisch im Zimmer gedeckt mit weißen neuen. Tüchern, mit neuen Tellern, blankeir. Messern, Gabeln und Löffeln, mit si.berneiu, fvergoldetent Becher mit zlvei Flaschen funkelnden Weins. (Es tvar zwar einfacher Rosinenwein, aber wie er gefunkelt hak int Glanze der großen, leuchtenden Hängelampe mu> der blinkenden Kmn-elaber.) Licht und .Helle waren in den: Zimmer; in jedem Winkel. Und die Herzen waren voll des Festtags — Passah wars und die helle, lichtige erste Sedernacht. Und alle Menschen ii: der Stube strahlten in Frische — Festiagmenschen. Und keine Müdigkeit war in ihnen von all den vielen, vielen Vorbereitungen zuur Feste; denn alles trar allmählich entstanden, wie - die Mutter cs liebte; und Hilcke war tüchtig, und eine Jüdin, die man ins Haus genommen, hatte ioacker geholfen. .Auf den Gesichten: lag ein Glanz von Glück; auf den Lippen schluinmerte ein Sang. Nur der Vater sah wohl ernst aus,. iviei es sich für eilten Herrscher des-' Freiheitsfestes passt. . , Er war wortkarg und beschäftigt mit den Vor-- bereitungen zum Seder. Und Leible ging umher ganzunter dem Eindruck eines neun: Gedankens, der chm zgekommen, als sie heute den Talmudabschnitt beendeten. Eine jener Slimmungen hatte ihr: umfangen, d'- weit, weit hinweg hob uttb ihn: Gesichte zeigte; aber sie ivar noch reiner, gehobener, war Fest azSstinnilung. Er war mit sich zufrieden und glücklich ob feines Scharfsinnes, glückl'ch ob der Tiefe der Geinara. Und er snmmte ein Lied, so wenig Melodie auch in ihm n-arl Die lichte Stube hatte, ihn mit. Glatiz erfüllt unb mit Glück. Er hatte den. Vorgeschnmck des Paradieses und durchlebte die ganze stolze Befreiung seines Volkes, und seine Seele jauchzte vor Lust. Und es war ihm, als ob die Passahnacht sich auf ihn herabgesenkt hätte,, weil er ihrer bedurfte, weil seine Seele lechzte nach Licht und Schönheit. (Fortsetzung folgt.)

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