Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2842 (26.1.1927)
- Date
- 1927-01-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Settr 6 Wien, Mittwoch Wienrr Msrsenzelßrm- Nr. 8848 IVDISCHE WEIT 308 Frauenstimmrecht bei den Juden. Ter Oberrabbiner von- Großbritannien und den Dominions, Tr. I. H. Hertz, stellte in einem Schreiben an den Präsidenten der UnitÄ Synagogue, Lionel de Rothschild, fest, daß im jüdischen Gesetz nirgends ein Einwand gegen die Gewährung von Stimmrecht an Frauen bei Wahlen zu jüdischen Gemeindeverwaltungen erhoben >:nrd. Nach der Meinung vieler Judert aber, setzt der Reichsrabbiner fort, ist diese Angelegenheit mit manchen anderen Vorkehrungen verknüpf-, von denen einige religiös fraglich sind. Ier ustchste mnerikaalsch-Wllche Kongreß. Newport, 2t. Jänner. Tie nächste Tagung des amerikanisch-jüdischen Kongresses in Washington, die bereits fürder: 20. imb 21. Februar festgesetzt Itmrbc, wird, nach den bisher bekanrttgüvordenen Punkten des Programms zu schließen, zu den wichtigsten Beratungen gehören. In sämtlichen jüdischen Gemeinden uitb Körperschaften der Bereinigten Staaten werden gegenwärtig auf Grund der vor einigen Monaten herausgegebenen demokratischen Wahlinstruktionen die Dclegiertenwahlen vorgenommen. Nach alter Gepflogenheit wird auch auf diesen: Kongreß eine jüdische Persönlichkeit aus Europa eilt Referat halten. Auf dem Kongreß vom Jahre 1923 hielten, wie erinnerlich, Frau Anitta Müller-Cohen aus Wien, mch Sejmdeputierter Dr. Reich aus Lemberg Referate über europäisch-jüdische Fragen. Tie Hauptgcgenstände des Kongresses 'werden die aktuellen Fragen der Gegenwart bilden, so eine Stellungnahme zur Judenfrage in Rumänien und das Problein der Minderheitsrechte in anderen osteuropäischen Ländern. Im Anschluß hieran werden die erforderlichen Vorbereitungen für die geplante interstaatliche Konferenz über die Sicherstellung der jüdischen Rechte in allen Staaten beschlossen werden. Diese «Konferenz ist für den Monat August 1927 in Aussicht genommen und dürfte aller Wahrscheinlich^ nach in Karlsbad abgehalten werden. Fstdifche Freiwillige km fravzöstschea Heer. In Paris existiert ein „Verein der jüdischen Freiwilligen im französischen Heeresdienst" (1914—1918), dem etwa 409 Mitglieder fremdstaatlichen Ursprungs angehören, die vor dem Kriege und rv-ährenü des Krieges eing-wandert find und sich freiwillig zum Kriegsdienst in der Armee gemeldet hatten. Die meisten dieser jüdischen Freiwilligen sind Familienväter und stammen aus dem Osten. 300 dieser jüdischen Freiwilligenfamilien wurden bis jetzt durch Naturalisation französische Staatsbürger. Nunmehr richtete die Vereinsleitung dieser Tage an die Regierung das Ersuchen, auch die restliche:: 100 jüdischen Familien in den französischen Staatsvcrband auszunehmen. Wie einer Delegation des Verbandes im Ministerium des Innern mitgeteilt wurde, lvird dem Ansuchen stattgegebeu werden, da hauptsächlich die Begründung des Gesuches, daß die Söhne dieser eingewandcrten jüdischen Familien den Wunsch haben, Frankreich auch im Frieden als Soldaten zu dienen, Berücksichtigung findet. Bei de« Wische« Arbellrkose« iv Parks. Wie bereits berichtet, wurden vor einigen Tagen etwa 74 Personen, die aus Ungarn nach Paris ausgewandert waren, um dort Arbeit zu finden, infolge der letzten strengen Arbciterschutz- und Fremdengesetzgebung aus Paris ausgewiesen, sind nach Ungarn zurückgelehrt und von ungarischen Regierungsorganen in Raab übernommen worden. Weit mehr als die Hälfte dieser jüngsten „Heimkehrer sind Juden. Einer von ihnen schildert seine Erlebnisse in Paris wie folgt: „Ich war sechs Monate lang in Paris, wo meine zivei Söhne schon seit drei Jahren in Arbeit stehe:: Auch ich war als Ziseleur bis zum letzten Augenblick vor meiner Abreise in Stellung. Anfangs November wurde mir amtlich mitgeteilt, daß mir die Aufenthalt Sbewilligung verweigert würde, worauf ichmeines Arbeitsplatzes verlustig wurde. Das war um jene Zeit, als sich infolge der Stabi.isicmng des Franc die große wirtschaftliche Stockung einstellte. Aus beit Fabriken uttb Werkstätten wurden die Arbeiter i n M a ssen entlassen Das geschah jedoch auf die Weise, daß die Arbeiter, die bis dahin als Facharbeiter beschäftigt waren und auch dementsprechend entlohnt :vurden, bei dem einen Tor hinausgingen, bei dem anderen aber wieder hereinlamen, sich als Taglöhner zur Arbeit meldeten und auch tatsächlich. Ausnahme faiwen — natürlich gegen bedeutend niedrigere Löhne. Ti: Ausländer wurden jedoch nicht wieder ausgenommen, da die französischen Arbeitgeber den stri ten Aust.ag Haler:, höchstens zehn Prozent Ausländer zu befestigen. Als die Arbeiterentlassungen bereits ungeheure Dimensionen angenommen hatten, setzte die ungarische Gesandtschaft mit ihrer Repatriierungsaktion gin." Was die Pariser Verhältnisse im allgemeinen betrifft, so herrscht dort in der Tat ungeheure Arbeitslosigkeit. Es muß jedoch der Wahrheit gemäß zugegeben werde,:, daß der Arbeitslose dort nicht Hungers sterben muß. Abgesehen von den ausländischen Gesandtschaften ivirit in dieser Beziehung in ganz hervorragender Weise di- Rothschild-Aktion, aus deren Mitteln Arbeitslosen unentgeltlich Mittags- und Abendmahlzeiten verabreicht needen. Ein großes Verdienst um die Unterstützung und Hcimbeförderung ausländischer Arbeitsloser hat sich der jüdische Bankier Louis Mann heim erworben, d.r unausge.e^tfür dieses philmttropische Werk arbeitet, wie überhaupt die Juden von Paris sich ir dieser Richtung ganz außerordentlich opferwillig zeigen, wobei gar kein Unterschied in bezug aus Religion oder Staatszugehörigkeit gemaäst wird. ' Eine besondere großaugelegte Hilfsaktion für jüdische Arbeitslose wird voll einer Gruppe reicher Juden, die aus dem Osten stammen, für ihre Landsleute erhalten. Aber auch hier wird kein jüdischer Arbeitsloser, mag er woher immer stammen, abgewiesen. Es kann nochmals nicht genug davor gewarnt werden, so lange die wirtschaftlichen Verhältnisse in FrankrJkch sich nicht bessern, behufs Arbeitssuche nach Frankreich zu reisen. M Syndikat Wischer Hrackerelea kn Jerusalem. In Jerusalem fand di Zer Tage eine Besprechung der jüdischen DruckerciLesitzer statt,, die zur Gründung eines Syndikats jüdischer Druckereien führte. Nach dem vorgelegten Plan wird das Syndikat in den größeren jüdischen Zentren von Europa und Amerika Niederlassungen haben. Bisher sind elf jüdische Buchrrucker, hauptsächlich Inhaber von Druckereien jüdlscher religiöser Bücher dem Syndikat beigetreten. Israel DavtS gestorben. Im Atter Von 80 Jahren ist in London Israel Davis, Präsident des Direktoriums des „Jewifh Chronicle", verstorben. Er war seinerzeit Mitredatteur von „The Times". Er schrieb „Die Juden in Rumänien", „Sir Moses Montefiore" und den Artikel über „Juden" in der Encyklopedia Britannica. WIR HABEN, UNSEREPRAMIENAKTIONVER B Jahres-Abonnenten Halblahres - Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahresbezugsgebühr nach Wahl: JosepAus Sftnviua SÄMTLICHE WERKE. In drei eleganten Prachtleinenbänden, Mehr als 2000 Seilen, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder KeinvicA &m-actx GESCHICHTE DER JUDEN. Drei vornehme Geschenkbände. 2200 Seiten statk, oder Sven Medün PALÄSTINA. Ein herrl.Lexikonband m 300neuen Bildern aus Erez Israel in meisterhatter Reproduktion. Text v. U. berühmten Forschungsteisenden. erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Bezugs« gebühr folgende Gratisprämien nach Wahl: (Tfteorfor Kml FEU;LLETONS. Zwe i geschmackvolle Geschenkbände. 700 Seilen stark Jittolf üBdAm DIE ZIONISTISCHE BEWEGUNG. Zwei Bände in einem hocheleganten Großoktavband. 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Er dichtete im Verschwiegenen, und tote er gelegentlich büchtet, „besäten heimliche Verse den Weg aufwärts durch alle Schulklassen". Nach den Lehrjahren in Genf, England aftb Italien, die ihn für das Gasthofgewerbc vorbereiteten, trat er in das väterliche Geschäft ein, die Bahnhofrestauration in Göschenen, und blieb trotz seiner großen dichterischen Produktivität bis zum Jahre 1917 Bahnhoftestaurateur. Er hat über diesen „Doppelberuf" ein bemerkenswertes Wort gesagt: „Der Wechsel von Arbeit zu Arbeit beglückte und stärkte mehr, als der von Arbeit zu Rast. Während ich im bürgerlichen Berufe bis zur Erschöpfung tätig, war, glomm in mir heiß das Lämplein der Erwartung auf die spärliche Zeit, da ich dem wundersamen, unbeschreiblich erquickenden anderen Wesen wieder würde verfallen dürfen, das in mir Innerstes, Mächtigstes war und in künstlerischem Schaffen sich löste." Zu den bekanntesten und geschätztesten Werken Zahns gehören die Romane „Albin Jndergarid" ein/historischer Roman, dcr di: Kämpfe der Schweizer gegen die französische Uebcrmacht im Jahre 1799 schildert, ferner die „C l a r i - M a t i e", das Jugendbuch „E r z ä h l.u ngenausdenBergen", die wunderschönen „Z ü r ich e r Märchen", die Novellenbüirde „Helden des Alltags" und' „Firnwind" und sein stärkstes Romanwerk „LukaS H o ch st r a ß e r s H a u s". Ein Teil seiner Poesie ist das Familienleben, und Kennern ist daS gereimte Merkchen „Kinderanekdoten in Versen", das er seinen Kindern gewidmet hat, besoitders ans Herz gewachsen. Das liebenswerte Antlitz des Dichtes, eines glücklichen, harmonischen Menschen, blickt uns aus dem innige» Gedicht an, welches er an die Freunde richtet, die ihn anläßlich des 60. Geburtstages zu feiern gedemen. Wir setzen einige Strophen hieher: ... Im Grunde, Freund«, was war datan? Ein wenig Regen und Ringen, . Und dann, d.m Kind in die Wiege getan. Ein bißchm Mut und Gelingen. Das Auge schaute die Wunder der Welt, DaS -rriche, - das• -sprühende fieb.it.'..-. Der Seele, war, wie vom St.in eS gellt. . :• ..... Ein klingendes Echa gegeben. Und Lirkv und Freundschaft war mein Geleit. Die Freude sang mir zuseiten. Bon Hügeln winkte die Dan.knrkeit. So war eS ein löst ichcS Schreiten . . - Neue Mafik. Im letzten G« se l lfcha ftsko nze rt go» lÄ.ng!>c -unter S-cikm-g von Leopold N e i chm e i n der 69. Psalm von Heinrich Käminski zur Er-stauffü'hrum.g. Der deutsche Tondichter aus dem schwarzwalde setzt imsoferne die Traditio-mn Bachs und RegerS fort, als er mit ganz außerN'wö'hnilicher Kunstfertigkeit den palyphVN'M Satz meistert. Seine riesenhaften GclbiGe ermarigelin freilich der Oekor.iom.ie der SÄiitM, das Massenaufgebot an Stimmen und an JnstriMPNten, hxtfdjc den Dakalsatz übermäßig belasten, wird kaum durch dm erreichten Klangeffekt gerechtfertigt.. Der mitunter nur pap lerne .Kontrapunkt setzt sich ni'cht immer klanglich durch, die Worte des Psalmes ,sich, versinke in tiefem Sclilamm, da kein Grund ist", troffen gleichsam atnf die Dcrtormng z>u, deren 1lh:>mat sicher Grund und Beiden in dem Morast der Vie«lstimm!g>keit geigen blich förmlich versiM. Zndrm ist die Potyphome des zweiten Teiles für Kinderstimmen kaum ausführbar^ hier imißte durch hinter dem Podium g>'fu.n.gene Fraiucnstimmon Wanidel geschaffen werden. Astes in allem ein gigantisches, höchst strebendes Ghorwerk, welches durch seine Uebermah? zu Schaden kommt, Zilvei interessante Novitäbin brallte das Konzert der vorzüigilichm Geigerin Eirgenie Bert s ch. Zunächst spiÄte sie mit brillanter Technik, mit Gesühlstiese und reifem, edlem'Dovtraige das B-Dur-Violinikonzert von Okmar Schoek, welcher neben dem kürzlich vsrstorlbenen Hermann Suter zu den bedeute nisten Schweizer modem-en Tondichtern zählt. Die Mustk« moderne der rinftSum von Berg>eit uwischlossenen Schweiz ist natürlich noch nicht M.bedin>gt radikal. Schoeck ist in gewissem Sinne BrahinS-Epigone, erbat dessen gewaltigen melodischen Atem, seine fonmale Geradheit, seine Vetstiliosseriheit. In seiner Herbheit und in seiner meisterhaften Satztechnik berührt sich daS Vidl'm-Konizert üdrigens auch mit Max N^er, von dcyn auch die ansehnlichen, rm>ge>mein schwierigem Violiw Variationen. Op. 37 von Ju<lni/s Weißmann, die zweite Novität de§ Abends, beeinstußt sind. Am Schluß spickte die Geigerin noch mit Wnem Gelingen die im Wien kaum bekannte „Tallahassee- Suite". des Engländers Cyrill Scott, wckche um* vressionisteche urib exotische Elemente im bi« Sphäre des Salorns verpflanzt. In der fast mit Ausschluß der Orffentlichkeit mr» ermLödlich tätigen Wiener Ortsgruppe der ,Witter»