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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-26 · Heft 2842 (26.1.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2842 (26.1.1927)
Date
1927-01-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«Seite I Die«, Nilkivach WWUO^te^MM wicniv wKVfgvngViirag SS. tzStmsr 1927 Nr. MS Schreckliche Laviaenkatastrovtze 1a Soboit. 6la vwaaear« «rlSSiiel. — «awA m«am I» Mame». L on bott, 25. Jänner. Der Berichterstatter der Dritish United Pretz in Tokio meldet, hast ein Personenzug zwischen Tsurn und MiiHo von eine: Lawine verschüttet worden Ist. Sämtliche Reisenden sotten »mgekommen sein. Lawinen. Die Lawinen, auch der weiße Tod genannt, gehören 5ü den tückischesten NaturgerraUen, die alljährlich unzählige Menschenleben als Opfer fordern. Sie sind darum tückisch, weil ihr Erscheinen nicht berechnet werden kann und sie unvermutet über ahnungslose Menschen Hereinbrechen, alles unter sich begrabend. Es gibt mehrere Arten von Lawinen. Zu Len ungefährlichen gehören die sogenannten Schleich law inen, die langsam aber sicher in den Zeilen der Schneeschmclze zum Tale vorrücken und die dadurch entstehen, daß die untersten Schneelagen durch das Schmelzwasser schlüpfrig werden und sich vom Boden loslösen. Die schräge Neigung des Berges bewirkt, daß diese Schneemassen ins Rutschen kommen und langsam nach der Tiefe Vordringen, wobei sie die darunter liegenden Schncemasien mit sich reihen. Diese Lawinen werden nur dann gefährlich, lvenn sie plötzlich über einen Mgrund rutschen und mit donnerndem Getöse in die Tiefe sausen. Cs handelt sich dabei um Schneemassen, die ausreichen würden, ganze Dörfer und Städte zu bedecken. Viel gefährlicher als die Schleichlawinen sind die sogenannten Schiaglawinen, die durch steile Berge hervorgerufen werden und mit einer solchen Geschwindigkeit herabsausen, daß weder Mensch noch Tier die Möglichkeit hat, durch Flucht auszuweichen. Zum Schutze gegen diese Schlaglawinon versucht man allenthalben Bäume und Sträncher anzupflanzen, da nur allein die Aufforstung die Möglichkeit bietet, einen geringen Schutz gegen dies? Schneemassen zu gewähren. In gefährdeten Gegenden errichten die Bewohncr über ihren Häusern sogenannte Lawinenbrecher, d. h. keilförmig aufgcbaute Zäune aus Holz und Strauchwerk, durch die die Gewalt einer herabstürzenden Lawine in zwei Teile gespalten und links und rechts vom Hause abgelenkt wird, so daß größeres Unheil vermieden werden kann. Die weitaus furchtbarste Art der Lawinen find die sogenannten Gletscherlawtnen. Ihr Name bezeugt schon ihren Ursprung. Es sind Gletscherteile, die sich im Frühling und Sommer vom dem Hauptmasstv des Gletschers ablösen, und, vermischt mit Schnee und Eis, das die Lawinen auf dem Wege mit sich reißen, in die Tiefe stürzen. Sie. sind so vernichtend, weil diese Lawinen meist aus ungeheuren Eisblöcken bestehen, die oft mehrere Zentner schwer sind und durch die Höhe des Absturzes eine furchtbare Wirkung haben. Derartige Gletscherlawinen sind noch heute der größte Schrecken der Bergbewohner, zumal die Geschichte der Berg- und Gletscherstürze von ungeheueren Opfern zu erzählen weiß. In den letzten Jahren haben die Behörden in bedrrHten Gegenden im Hochgebirge Maßnahmen getroffen, um die Dörfer gegen Lawinen zu schützen. Es sind große Kunstbauten errichtet worden, aus Steinen und Bäumen, die' den ersten furchtbaren Anprall der Lawinen brechen sollen. Oft genug sind allerdings diese Sicherheitsmaßnahmen von den Lawinen weggescgt worden. Ae Grippe. Neue Merfime l» Budavest. Budapest. 25. Jänner. Nach dem Bericht des hauptstädtische Oberphysü'atS wurden gestern zwei Fälle der sogenannten spanischen Grippe angeme^det. Beide Kranke sind im Eptdeinie-Gplial gestorben. Im Laufe des gestrigen Tages wurden in dir hauptstädtischen Spitäler 59 Influenza-Kranke ausgenommen. Wr^n derEpidemie wurden in dem Budapest« Vororte R a k o s p a t o t a sämtliche Schulen gesperrl. Auch aus der Provinz wrrden massenhaft Erkrankungen an Influenza gemeldet, jedoch kein Todesfall. Unter dem Mannschastsstand der Honved sind im Lause des gestrigen Tages 206 Personen erkrankt, davon fünf schwer. Todesfälle sind nicht vorgelommen. «takle «usdreilma ln Mimen. Prag, 25. Jünner. Nach den amtückrn Mitteitungen wurden in Böhmen in der Zeit vom i. bis zum 15. Jänner im ganzen 6343 Fälle katarrhalischer Grippe, 85 Fälle von Lungengrippe (mit Lungenentzündung) und 630 Fälle von Bauchgrippe gemeldet. Diese Zahl erschöpft allerdings nicht alle Fälle, sondern nur die gemeldeten ernsteren Fälle. Auf Groß- Prag entfallen 2363 Grippe fälle. Die Zentra>Sozialver'iHerung?anstalt in Prag meldet, daß in der Woche dom 15. bis 22. d. M. in Prag un'.er ihren Mitgliedern 3241 katarrhalische Grippefälle und 83 Fälte von1!uttgengr1ppe'(3 mit tödlichem 'Ausgange) gemeldet wurden. Bier Personen sind an Bau chgrlppe erkrankt. «chMM »tk SSmlea^MeriM^aiilalaie tmi Kaffee- Sofia. 25. Jänner. Infolge der großen Verbreitung der Grippe wurde gestern die Schließung sämtlicher Schule» in Sofia auf 10 Tage und die Schließung aller Unterhaltungslokale, KaffeeHäuser und Kinotheater auf drei Tage angeordnet uno vcr.ügt, daß in dieser Zeit in diesen Räumen eine gründliche Desinfektion vorgenommen wird. Auch in BurgaS wurden sämtliche Scbulm gesperrt. Hier sind gestern elf Pers». nen an Grippe gestorben. za zvgoMtta. Belgrad. 25. Jänner. Die Grippeepidemie ist nunmehr auch in erhöhtem Maße in Jugvs.äwi.n einzezogen. In Belgrad wurden einige hundert Grippefäll e sestgestellt. Aehnlich ist die 8<rc ln Agram. %tt Nektar der AM valvrrM aa Vrlrwe aestardea. Paris. 25. Jänner. Der Rektor der Pariser Universität La pte, ist gest r t im Mer rv: ösijJahrenan Grippe gestorben. Er hat sich besonders mit philosophischen und pädagogisch:,! Arbeiten besaßt. Ser Kamps um medlzlMe Präparate. Professor Wa'sickyS „Oekonomifche Rezeptur". Man schreibt unS: Der Professor der Pharmakognosie an der Wiener Universität, Dr. Wassicky, huldigt in den mit seinem Fach zusammenhängenden Dingen dm christlich-germanischen Schönheitsideal (er stammt nämlich aus einer Gegend, wo man wasserpolackisch radebrecht und seine Aussprache hat ihren Hnmaik'ang mehr treu als deutsch bewahrt). Noch ist di- Rolle in allgemeiner Erinnerung, die Professor Wassicky bei d-r Überprüfung d:r Apotheken gespielt hat; da führte er den Kampf grgen die Uebrrtrelungen der Apotheke.b:fugniS so gTwsi.enhaft, das; — gsvühnlich dir jüdischen Apothekcr zum Handkuß kamen und einer von ihnen lieber se!n:m Leben ein E.h: machen als von Professor Wassicky weiter gewissenhaft überprüft werden wollte. Jetzt hat Professor Wassicky ein neues Gebiet, auf dom er seinen Kampfgeist betätigen kan.r. Bor kurzem hat er ln der Gesellschaft der Aerzte einen Vortrag über ökonomische Rezeptur gehalten, wobei er dir Handhabung der mcdlziiüsrhrn Spezialitätenve.ordnung durch das VolksgesuNdheitSamt einer hcfsi^eu Kritik unterzog und g:gen eine Reih« von pharmazeutischen Jnduftrieunternehmnngen Angriffe richtete, weil sie angeblich minderwertige Speztalapparate Herstellen. Die Argumentation war etwa so: Dieses Präparat ist ein Salzgemengsel, jenes ein mit Schwrfelverblndungen verunreinigte- Wasser. Man kann nämlich jede Mischung von Salzen alS Salzgemengsel» jede Lösung als verunreinigtes Wasser bezeichnen; auch Wein ist ein mit Alkohol und ätherischen O.leu verunreinigtes Wasser. Professor Wassicky erhielt denn auch in der Debatte Über seine Ausführungen ein? gründliche Abfuhr. Nun fragt man sich: Warum hat Herr Professor Wassicky plötzlich den Kampf gegen die Sp.zialitätenvrrordnung und das Volksgesundhritsamt ausgenommen? Bloß zur Reklame für seine „Ökonomische Rezeptur"? Es ist ja bekannt, daß Prof.' Wassicky, der Mitglied des Obersten Sanitätsrates ist, sich gewissen Spezialerzeugnissen der pharmazeutischen Industrie gegenüber sehr wohlwollend verhält. Warum nur nach einer Seite das Übergroße Wohlwollen, nach der anderen dis heftige Kämpferpose? Herr Pros. Wassicky, der ja Mitglied des Obersten Sanitätsrates ist, könnte darüber wohl Ausschluß geben. Dazu kommt noch etwas — und das dürfte den Hauptgrund für den Kampfsiser deS Professors Wassicky in Sachen der Spezialitätenverordnung bilden: Die O.'sterreichische Spezialitätenverordnung ist von allen in Betracht kommenden Stellen deS In- und Auslandes als vorbildlich bezeichnet worden und wird sogar Von vielen europäischen Ländern alS Muster für neue Heilmittelgesetze benützt. Allen' praktischen und wissenschaftlichen Anforderungen entspricht die Verordnung und sie hat in den Augen des Professors Wassicky nur einen, leider nicht gützumachenden Fehler: ihr Autor ist ein Jude. Daß dieser Jude Weltruf hat, ist nebensächlich; die Tatsache, daß Prof. E. P. Pick, der Autor, ein Jude ist, genügt für einen Vorkämpfer deS christlich-germanischen JdealS. Es geht doch nichts über wissenschaftliche Gewissenhaftig-- keit. Her:s Professor Wassicky hat sie wieder einmal am Unrechten Ort bewiesen. Wie oft und wie lange wird c« es noch tun dürfen? kie elektrische Wlluschelru!,. Wechselströme zur Auffindung m\ Erzuno Erdöllagern. Aus Parts wird gemeldet: Der französische Gelehrte Guy du DezaS führte kürzlich seine' Erfindung vor, welche cS ermöglicht, Erzlager unter der Erdoberfläche zu konstatieren. Die Erfindung beruht darauf, daß man mit einem besonderen Apparat, der im Prinzip einem radioteltgraphischm EmpsangSavparat gleicht, elektrische Wechselströme in die Erde sendet, wobci sestgestM wird, ob diese Ströme aus Widerstand stoßen, so daß auf dt?se Welse Vorkommen von Wasser, Petroleum cbtt Erz fichergestM werden können. Bar einem B«lehk»ffnik in Pale«. Warschau, 85. Jänner. Der „Robotuik/ daß die Vertreter der Eisenbahnergewerkschaft, der LokonlotivsÜhrerürganisation, deS Verbände? d?r Ci.enlahubeamten und des Postbeamten Verbandes in einer gemeinsamen Beratung den Beschluß gefaßt haben, im Falle der Ablehnung der von diesen Organisationen ^stellten Forderungen nach einer Loht:-, re> Gehaltsaus'.«2sierütta mit der Prottamterung eines BerkehrSstreikS zu drol>en. 5 OLL ♦ eine wertvolle DtlcherprSmie an Ihre Adresse abgesendet werden? ♦ HABEN Sie schon die VezugSgebÜhr für Ahr Abonnement überwiesen? Ae SblrMio» im Semelaverat. Sdvuerttche Lürmszewen. Noch dem vorgestrigen Krawall im Wiener Gem«inr<ra1 hat sich gestern die Stimmung envaS gebessert, cU.vvhl von einer Einstellung rer christttchsogialen LVstrut.wn noch keine Rede sein kann. Auch gestern t-am «S im Laufe der Sitzung zu einem nicht unerh-cb.ichen Krawall. Zu B«gmn der gestrigen Sitzung, die bereits für 3 Uhr nachmittags angesetzt war, versammelten sich fast sämtlich« Gemeinde rate im Sitzungssaal und auch die Galerie war von Leuten dicht tesetz:» die in der Erwartung einer Wiederhol: ng >reS Hupen- und NatschenkonzcrteS erschienen waren. AlS der Lürgermeister di« Sitzung für eröffnet erklärte, begannen dre Llhristlichsozialen in erregtem Ton« zu schreien: ^Pfur Abrahamowicz!" und verließen jm» Zeichen des Protestes den Sitzungssaal. Nur der Klubobmann K u n s ch a t und Gememderai Angermayer blicüen im Saal. Letzrerer erbat sich tatz Wort, um im Namen seiner Partei gegen di« brutale Vergewaltigung der Opposition durch den Mrgermerster zu protestieren. Da d:e Christlichsogialen e» unterlassen hatten, einen General« tebner zu dem Budget?api:el „Technische Angelegenheiten" zu »rühlen, schritt der Bürgermeister nach einem kurzen Schlußwort des Referenten zur Abstimmung über riese- Kapitel, das mit den Stimmen der Sozialdemokraten angenommen wurde. Der Bürgermeister übergab sodann den Vorsitz dem segialdcmokrarischen Gemeinilvrat Schorsch und verließ den Saal. Erst dann kehrte wieder die Opposition zurück. Stadtrat Kokrda referierte über das Budgetkapitel „Approbisionierungkwcsen". zu Hem sich über 20 christlichsogiale Redner vormerlen ließen, von denen als erster Redner Angermayer einige Stunden lang sprach. Nacktem noch zwei Redner gesprochen hatten, erhob sich, wie in der vorgestrigen Sitzung, Cemein-derar Hofbauer und beantragte Walhl eines Generalredners und Schluß der Debatte. DreS löste abermals «inen Sturm auf den Bänken der Opposition aus, doch wuv:e diesmal von B-laS- und Schlagwerk kein Gebrauch gemacht Man hörte nur die Rnfe .Judenkneckste". „Das ist eine Demolra:!«". Schließlich gelang SS. w« W<chl des Gemeinderates Doppler zum Eenereplredner durchzuführen, d e abermals in heftiger Dejse gegün die Pergow«.ltigung der Opposition protestierte. Nach einem Schlußwort des Referenten wurde das in Behandlung stcheud« Bürgeckcpitel a n g e n o m m t n. Die Sozialdemokraten hoffen durch Anwendung ihrer bisherigen Mechode das Budget noch in die,ser Woche zu erledigen. Keine Ae»«ermWgu»g für Aachllolale. Gestern abendS jpeach bsim Fiuanzresere"t^n B r e i t- N«r eins Abordnung der Großbrtr'ebe brr Vergnügungslokale vor. Die Mitglieder der Abordnung schilderten de» ungünstigen Geschäftsgang und dcrwiescn auch auf die schweren Störungen, die sich dutch die häufigen Revisionen ergeben. Demgegenüber erklärt« Stadtrat Bteifti 11, daß die Geimunde völlig außerstande sei, auf Einnahmen zu verzichten. Von i gndeiner Ermäßigung der Abgabe bcl den Rachtlokalm könne keine Rede sein. Dia Revisionen könnten nur dadu.ch vermieden werden, daß die Abgabe in P a u s ch a l f o r m entrichtet wird. Dem Magistrat sei die Pauschalierungsform grundsätzlich erwünscht, die Gemeinde dürfe aber durch dke Pauschalierung keine wie immet geartrte finanzielle Einbuße erleiden. Daher könnte als Grundlage für ein PauschalierungsÜberelnkommcn nur die volle unverkürzte Abgabe des Jahres 1926 genommen werden. Es stehe jedem einzelnen Großbetrieb frei, sich für dle Pauschalierung zu entscheiden, oder bei der drrzrttigen prozentuellen Abrechnung zu verbleiben. Dir Abordnung behielt sich Neberlegung vor und wird am Donnerstag noch einmal bei Stadtrat Breitner vorsprechem Ae Wünsche der Gewerbetkelbendc«. Im we.teren Verlauf seiner wirtschaftlichen Wahlpropaganda nahm Bundeskanzler Dr. Seipel gestern die Wünsche der Gewerbetreibenden entgegen, deren Spidenorganisa» tionen bei ihm erschienen. Sie trugen zunächst ihr« Wünsche bezüglich der Altersversorgung vor. dann ihren Wunsch auf eheste Schaffung einer Geldausgleichstelle für die gewerblichen Kreditgenossenschaften. Auf dem Gebiete der Zoll- und Handelspolitik verlangten die Gewerbsvsrbände ein innenhandslspülitische» Produktlonsförderungsprogramm, insbesondere Erleichterungen für den Beredlungsverkehr durch erhöhte Zollstundungen, Befpeiung von der Warenumsatz ft euer usw. Die Forderungen der GewerbeverbSndk gipfelten in dem Wunsche nach einer Reihe von Erleichterungen der sozialen Laste«, besonder» hinsichtlich deS Achtstundentages, der Abfertigungen dev Ansg'ellten, der Kündigungsfristen derselben sowie Zulassung der Siebenuhrsporre. Zum Schluß verlangten die Gewerbetreibenden die Aufhebung des Preistreibereigesetzes und sprachen ihre Wünsche bezüglich der öffentlichen Lieferungen und Gteueretleichterunaen auL

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