Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2841 (25.1.1927)
- Date
- 1927-01-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 2841 Wien, DieEcrg Wrs«er Msegerr-rttarrg . .; -—-*~ - . JÜDISCHE WELT WM«»MW>»Ml>WWW»i>W»»WWW^^ finden Wolsr 70. Skbmtrtaz. Wie schon berichtet wurd.', beging dieser Tage der Präsident der jüdischen historischen Cesellsch-ast und Sekretär deS jüdischen Komitees sür auswärtige Angelegenheiten (Joint Foreign Comnri.t e) in London, Lucien Wolf, seinen 7Ö. Geburtstag. Lucie« Wolf gehört seit 1874 der Journalistik an, war ursprünglich Hauptmitarbeiter der „Jewish World", später Mitherausgeber der Tageszeitung „Publle Leader" und nachher politischer Mitarbeiter and rer Tageszeitungen und Londoner Korrespondent großer auslündischrr Blätter. Er ist der Begründer der jüdisch-chistorischen Gesellschaft in England, deren erster Präsident er war. Auch in dieser seiner Eigenschaft gab er eine Anzahl wertvoller historisü-er Schristen heraus, und die englls'h-jübisch? Familicnsorschung verdankt ihm einige grundlegende Werte, nie „Sir Moscs Montrfiore: Geschichte eines Jahrhunderts", „Tie Juden auf den Kanarischen Inseln" u. a. Als Sekretär des Joint For ign EomM. führte Wolf besonders in der Nacll'ricg-zeit eine Anzahl diplomatischer Aktionen durch, über welche er auch eingehende R.ferate veröffentlichte. Im Jahre 1919 war er eine der führenden Persönlichkeiten d.s Komitees der jüdischen Delegationen bei den Fri^denstonserenzen.. Im vorigen Jahre erschien von Wolf eine größere Publikation über das Leben der Marannen in Portugal, deren Wiedergewinnung für das Judentum vom Lissabouer Ingenieur Schwartz angeregt wurde. Die jüdssih-historische Ge'ellschast in England veranstaltet aus Anlaß des 70. Geburtstages Lucien Wolfs am 1. Februar einen Festabend. Sie Juden in Helstngsors. In HelsingsorS leben gegenwärtig e.wa 290 jüdische Familien, die eine selbständige, von der Regie.ung mit dem Steuerrecht betraute Gemeinde erhalten, deren Jahresinidget ungefähr 5090 Dollar beträgt. In nächster '.t wird ein Rabbiner bestellt werden. Die Gemeinde besitzt keine Synagoge, doch hat sie in ihrem zweistöckigen Gebäude einen modernen Best'aal, während sich im ersten S ock eine gut dotierte Bidtio h k mit Lese'aal und Klub ä..m:n befinden. Die jüdische Gemeinde von H.l.iirfors hat in ihrem Budget auch verhältnismäßig ansehnliche Summen für den Keren Hasessod und andere zionistische Fonds ausgesetzt. In Helsingfors gibt es eine Anzahl zionistischer Klubs, einen jüdischen Gesangverein und ganz besonders ist in Hetsiugsors ivie in Finnland überhaupt, der jüdische Sport gut entwickelt. Die Sportjugend erhält eine eigene Monatsschrift zur Förderung des jüdischen Sports. Die inländischen Ju'. en nehmen im Stzort einen bedeutenden Platz ein; als der bedeutendste Hockeyspieler von Finnland ist der Jude Kaplan aus Wiborg anersannt. Wirtschaftlich sind die Juden von Helsingfors gut gestellt. Völlig Mittellose gibt es Überhaupt nichL und auch für die Minderbemittelten wird von der Gemeinde ausgiebig gesorgt. Wie in vielen anderen Ländern,'haben auch in Finnland und in der .Hauptstadt Helsingfors, die Juden die Kleiderkonfertwn begründet und An großem Aufschwung gebracht. In Helsingsvrs gilt das Konsellionsgewerbe a s jüdisches Gewerbe. B.'zeichnend ist, wie M. Benzion in der Beschreibung seiner jüngsten Finnlands-Reise hervorhebt, daß die Juden von den zroei herrschenden Sprachen des Landes, finnisch und schwedisch, sich dir schwedische Sprache sozusagen als Muttersprache wühlten. In dieser Beziehung hat sich auch bei den Zionistrn eine fast durchgreifende sprachlich: und Kullura'simi'a iin durch-es'<et. Es -ibt in He'sing - fors Inden, die vor vier bis fünf Jahren aus Polen eingewandert sind, heute die schwedische Sprache bereits vollkommen beherrschen und sie sowohl in der Schule als auch in der Familie ansschließ'ich benützen. Ein anderer Reiseberichterstatter, der diese Erscheinung qlrich'alls herver'M, fügt jedoch hinzu, daß in der letzten Zeit bereits aussichtsreiche Bestrebungen, die hebräische Sprache zu kultivieren zutage treten. Hebung dir Keren-Halessod-SingSnge. Wie I. T. A. berichtet, sind laut Mittellung des Hauptbureaus des Ker:n Hajessod im Dezember 1926 48.409 Pfund Sterling eingegangen. Zu dieser Summe steuerten bei: Amerika 24.600, Südafrika 10.OO0, Deutschland 3O0O, Kanada 2840, Rumänien 1760, Polen 1260 Pfund Sterling. — In allen Monaten von Juli bis Dezember 1926 waren die Eingänge höher als in den gleichen Monaten des Vor'ahres. Immer weitere Kreise werden von unserer PrSmien-AMon f erfaßt. Auch für Sie % l J 8 i st e8 von Vorteil, jetzt das Abonnement ^°°°°°°^ einzuzahlen, um sich die Prämie zu sichern. Hundertvier Jahre alte geworden. In Na >rautz (Bukowina) starb dieser Tage oer älteste Bürger &cr S:adl, Israel Engel, im Alter von lO4 Jahren. Geboren 1828 in Nus'slsch- Poten, kam er im Revotutionsjahr 1643 mir der russischen Armee, die durch die Bukowina gegen Ungarn zog, nach Na» 'tautz. das zu jener Zesi noch zur. Gemeinde Altfratautz gehörte. Aach dem Krimkriege, an dem er nluahm. ließ er sich in Nada-utz nieder. Sein gesunder, trockener Humor, den er bis z>ur letzten Minute nicht verlor, machte ihn bei Alt und Jung beliebt. Er war ».weimal verheiratet und vor fünf Jahren feierte er im Krese seiner stattlichen Nachlommenschaft die goldene Hochgeit mit s'?iy»r Fwerte» Frau. Eine Nationalfondsfeier auf hoher See. Laut einer Meldung der an Bord der „Ägullania" der Cunard-Linie erscheinenden »Daily Mail" haben die jüdischen Passagiere der zweiten Klasse am 20. d. M. Anläßlich des Ehamischa-Aggar-Festes eine Nat>malfondsseier veranstaltet, im Verlaufe deren für den jüdischen'.llationalfonds 1OO Dollar gewidmet wurden. Die Anregung zu dieser auch von den nichtjüdischen Reisenden mit großem Interesse begleiteten Feier gistg von Herrn H. L ö w- Vogel aus Wien aus, der in der Durchführung der Veranstaltung von den Herren Nosenfeld, Jakob Dachis, D. A. Cumprich, Toub-K'.n und S. Zarkower unterstützt wurde. Von Herrn Löw-Vögel berichtet ..Daily-Mäil". daß er der Erfinder einer Schreibmaschine für mechanische Kurzs ch r i f t sei, mit deren Typen die Alphabete aller Sprachen mit Ausnahme der chinesischen und japanischen geformt werden können. Ein Konservator für Jerusalem gesucht.. Aus London wird gemeldet: »Daily Telegraph" kündigt amtlich an, daß die Stelle eines Direktors für Antiquitäten in-Palästina freigeworden sei. Der Gehalt beträgt 1300 ägypt. Pfund pro Jahr. Personen mit Kenntnissen in der A r ch ä oll o g.r e d e s- N a h e n O st e n s und der Konservierung altertümlicher Gebäude und Denkmäler werden aufgefordert, bis zum 15. März bei dem Unterstaatssekretär für die Kolonien ihre Bewerbung einzureichen (I. T. A.) WIR HABEN,, UNSERE PRAMIENAKTION VER M Jahres-Abonnenten Halblahres - Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahresbezugsgebühr nach Wahl: JosepAus STSauius SÄMTLICHE WERKE. In drei eleganten Prachtleinenbänden, Mehr als 2000 b eiten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder 3F£ctn*idh Gractx GESCHICHTE DER JUDEN. Drei vornehme Geschenkbände. 2200 Seiten staik, oder Jf reu Kedfoi PALÄSTINA. El.i hv'rl.Lexik^ndan'' w OCOneucn Bildern ausErez Israel in meistcrhaiter Reproduktion. Text v d. berühmten Pois.hungsi eisenden. erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Bezugsgebühr folgende Gratisprämlep nach Wahl: {7lhe»(fov Kexs! FEU LLETONS. 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Tie Schauspieler im Thea.er in der rlosesstadt hatten für Sonntag mittags zu einer Rilke-Gedächtnisfeier geladen; nicht allzu viele waren der Einladung gefolgt, merkwürdig wenig Jugend war zu sehen, und die dort •uot, hatte zu alte Gesichter. Ist der Klang der Verse RilleS noch nicht zur Jugend gedrungen oder kann er nicht mehr die Jugend, diese Jugend erreichen...? Ein Herold mit dem Wappen derer von Rilke sprach Worte, die ihm Alexander Lernet-Holenia ver.iehen, über das altadetige B'.ut, das aus dem letzten Rille sang. Und jener junge Cornet Christoph von Nil e, dessen Lebe« und Weise sein Nachfahr brsungeu, trat auf die Szene, um den letzten Rilke zu s.iuen Vätern zu holen. „Doch der letzte Rille" — schließt Hotenias Gedächtnisszcne — „gehört nicht den Geistern an, sondern dem Geist." Dieser Satz war gervissirmaßen die Tetise für die Feier. Aus dem „Buch der Bilder" und aus den „Neuen Gedichien" lasen Emil Geyer und Heemann Thimig. (Fra^e: Fi:ldet si h in dem große« Rei.rhardt Ensentü'c niemand, der imstatrde ist, den schwebenden Rhythmus jener Verse näederzugcberr und nicht auf Wirkung, sondern aufschließend zu lesen?) Einige Verse aus dem „Sturtdenbuch", die Alfred Rose musimlisch untermalt halte, brachte Stelle Eisler zu Gehör. (Frage; Auch zu Gefühl?) und sang sodann mit technischer Vollendung die K.'agearle aus der „Entführung" sowie Schuberts „Du bist die Lllch'". Zwei Lieblingsstücke des Titters, die sigurenreichen „Bariallous'erieuscs" von Me.delss.hu und einen' verhalten schluchzenden Tempe.ckpr aus dem 15. Iaht-. I hundert, gab 'Magda von Hattinberg auf dem Klavier nieder. Die Felrr klang in Zaubertönen aus, die , dcS Ce'lo Friedrich Buxbaums in den Raum hauchtet das Adagio von E:cles, wie cs Buxbaum völlig entmaterialisiert spickte, entrückte allem Irdischen und schuf jene Stimmung, die über den Tod h'naus zur Verllärung führt. Die Töne entließen die Hörer in ergrifsenM Schweigen. ' S. S. FurlwSngler-Konzert. An der Spi^e der Phi.yarmo.'.i er ist Furtwängler auf dem rechieir P.'atze. Seine Dirigentrnperiöniichkeit, seine dramatische Kraft und ,'ckne Probenarbeit Verhalten Mendelssohns „schottischer Sinfonie" zu einem ganz ungewöhnlichem Erfo.'ge. Seine Wiedergabe h:bt Mendelssohn in dis Mhe Beethovens empor, erfüllt seine Melodik mit Heroismus und läßt doch seiner Senlimeutali ät und seiner Schvermut Raum. Die Stätten der schottischen Stuarts haben Mendelssohn die ersten Themen-EntwÜrse für die Sinfonie eiitgegeöcn, die immer wieder mit schottischen Mo iv- und Klange.'einen!en durchsetzt ist. Ganz w'.m''erschün. wie Furtmängler das Pastorale Scherzo mit seinen schotti'chm Dudelsack-Anklängen übermütig vorübertollen und svuckhall allsknngen läßt, oder wie er in die romantische Leidenschaftlichreit des Finale zu Hellem Brande entfacht. — Gleichsam als Fortsetzung und als Gegensatz zu Mendelssohns „Schottischer" ließ Furtmängler Brahms zweite Sinonie uach'olgen, auch ein S^ück Roman!:', ebm'a'ls von pastora'en Ecinnerungen erfüllt, eilt Werk, welches — nach den Worten Herrmann Kretzschmars — „^astora'e Motive und ana reon.'ifche Ideen mit geisterhaften Klänzen nahe zusammendrängt." Das ganz eigenartige Brahmssche Dur, welches meist einen dmüeln Beigeschmack von Moll hat, alles Gespenstische, der tragische Untcrton,' dieser Brahmsschen Idylle, welche so tief in Brahms' norddeutscher Heimaterde verwr.r'elt ist, wurden von Furtmäng'er und dem philharmonischen Orchester aufs Schönste zur Geltung gebracht. Furtwängler und die Philharmoniker, welche zusammengehören und endlich für die Da"er zu-ammensinden müßten, wurden vom Pub.'iluml durch stürmische Ovationen ansgezcichnct. flb. Aus den Dealern. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Leonie". (Abonenwnt dritte Gruppe.) K a m m e r s v i e l e. Die einmalige Tanzmatinee der russischen Grctrsltlnzerln Tatsana Bärbakosf findet Sonntag 11 Uhr vormittr.gs statt. Heute 59. Aufführung der A. B. C.- Revue. Operntheater, Morgen halb 8 Uhr „Interm e z z o." Theater an der Wien. Heute 130. Aufsiihrung der Operette „Das Schwalbennest". Theater in der Josef st ad t. Freitag Uraufführung von „O e ft e r r e i ch i s s ch e K o m ö d i e" von Alexander Lernet-Holenia. L u st s p i e l t h e a t e r. Heute gelangt die Tragödie „H i u k o m a n n" von Ernst Toller zur Aufführung. Paul Msderow ist plötzlich aus dem Verbände des D ecb» scheu Bolkstheater ausgeschiedon. Infolge Differenzm mit Direktor Beer anläßlich der Proüenarbeit zu „Ein Bruderzwist im Hause Habsburg" lnomen est omen). — Mederow ist ein denkender Künster. seine Faust-Vearbeitnng und die von ihm geleitete Wiener Aufführung beider Teile an einem Abend sind verdienstvoll. Als Darsteller fand Mederow beim Wiener Publikum bisher wenig Anklang, aber sein Gregors Werle („Wildente") war eine eigenartige tiefschürfende Leistung. Geistige Kräfte, Männer von großer Bildung und schöpferischem Willen sieht man ungern von Wiener Bühnen scheiden. — Direktor Beer hat die Regie des Grittparzerschen Dramas übernommen. Der Termin der C staufführung — heute halb 7 Uhr abends — wird eingehakten. Ein Bruder SttindbergS gestoben. Nach einer Meldung des Berliner „8 Uh'-Avsudbl.att.») ist Axel Strindberg, ein Bruder August StrindborgS. im vlller von 81 Jahren in Stockholm gestorben. Axel Strindbcrng war P ia nist und Kompo nt st. Einige Jahre gehörte er der Stockholmer königlichen Oper als Kapell- * > metster <m.