Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2839 (23.1.1927)
- Date
- 1927-01-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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T Sake 4 Wien, Sonntag Wiener Morgenzettuns 23. Jänner 1927 Nr. 2839 -Huf ihren Schwingen schweben all unsere Ged.nr,en, in ihre? Angst wogen all unsere Wünsche, und die d.r znnschen Himmel und Erde zitternd schwebt, die verirr'-c Taube, unser eigenes Schicksal kündet sie nun, der ungetreue Bote von einst, an den Urvater der Menschheiti Und wieder harrt wie vor tausenden Jahren eine Welt, dass einer die .Hand ihr entgegenbreite und erkenne, es sei genug nun der v|;r'isung. Womit sich manche Leute ihr Geld verdienen. Es gibt zahlreiche merkwürdige Berufe, von denen der getvöhnlickie Mensch keine Ahnung hat, sonderbare, ja groteske Berufe, über die man, wenn man von ihnen hört, ungläubig den Kopf schütteln mutz. Es ist geradezu erstaunlich, worauf erfinderischer Menschcngcist kommen kann, ivenn es gilt, sich Geld auf nicht alltäglichen: Wege zu verschaffen. Die allgemeine Not und die überaus scharfe Konkurrenz tragen dazu bei, daß so die eigenartigsten Berufe auftaucheu können. Amerika ist auch hierin das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, dort wird jede Gelegenheit, Geld zu schaffen, restlos ausgenützt. Ein etwas absonderlicher Beruf dort drüben ist wohl der G e s e l ls ch a f t s m a n n. Es sind dies nette, gepflegte und salonmätzig angezogene Männer, die von eigenen Bureaus und Theatern gegen ein geringes Entgelt auf telephonischen Anruf hin „ausgeliehen" werden. Zumeist bedienen sich ihrer allein ins Theater gehende Damen, die sich durch die angeworbene männliche Begleitung vor Straßenbelästigungen schützen wollen, oder aber man bestellt sie für Gesellschaften, lvo sie als Ersatz für einen in letzter Minute absagenden Gast einspringen und dann gewöhnlich als Vetter aus Texas präsentiert werden. Es sind zumeist gebildete junge Leute, die zu plaudern und zu unterhalten verstehen. Eine englische Spezialität bildet wohl der G eschmacksrat. Geschmack und Eleganz sind Eigenschaften, die durchaus nicht allen Menschen von der Natur verliehen sind und häufig fehlen sie gerade denen besonders, denen am allermeisten an ihnen liegt, den vielfachen Emporkömmlingen. Diesem Mangel abzuhelfen versucht der Geschmacksrat, oder, wie er sich aus seiner Visitenkarte stolz bezeichnet „Ratgeber in Sachen des Geschmackes, der. Harmonie und Mode". Nati'rrlich gibt es männliche und weibliche „Räte", deren Aufgabe darin besteht, dem Ratsuchenden die Toilettensorgen zu erleichtern, bei den Einkäufen die Auswahl zu treffen und auch die Kleidung zu begutachten. Es soll dies ein überaus einträglicher. Beruf.sein. In P a ris sind' die Klappstuhlbermiete r. eine überaus volkstümliche Erscheinung geworden. Sie hasten sich an den Kasseneingängen der Pariser Theater auf, wo sie gegen eine geringfügige Leihgebühr den vielen Kunstbegeisterten, die es auch heute noch in der Seinestadt gibt, kleine Klappsessel zur Verfügung stellen, auf welchen sie dann bequemer die Eröffnung der Theaterkasse abwarten können. Nebstbei gibt es dort auch „Blindgänger", das sind Personen, die bei Premieren oder interessanten Vorstellungen sich stundenlang vor den Kassen anstellen, um dann im entscheidenden Moment den sorgsam gehüteten Platz dem Auftraggeber abzutreten. Es soll unter diesen „Kunstjüngern" Personen geben, die noch nie einer Vorstellung wirklich beigewohnt haben, obgleich sie täglich die Kassen belagern. Das kleine Entgelt für die abgestandenen Stunden genügt ihren Kunstbedürfniffen vollauf. Liebe zu Gott, das Ernennen Ernten t.t iiieoe aij’o ist die höchste erreichbare Vollkommenheit der menschlichen Seste, die damit auch die ganze Natur, der sie angehört, Gott, in Liebe nahe bringt. . . War die Liebe im allgemeinen Thema der Antike, so ist das Verhältnis Gottes und des Menschen seit jeher die Grundfrage der jüdischen Ethik. Leo wurzelt hier tief in der jüdischen Gedankenwelt, besonders auch im Pantheismus der jüdisch-mittelalterstchen Mystik. Er war aber auch btf erste, der diesem altjüdischen Problem jene Formulierung gab, die in die moderne Philosophie hinüberleitet und hier geradezu naturnotrvendig wieder von einem Philosophien unseres Volkes ausgenommen wu.de, Spinoza.. Gerade der bei Leo zuerst aufscheinende Begriff dS amore intellettuäle kehrt bei Spinoza als amor bei intellectualis,. die erkenntnisvolle Liebe Gottes wieder und ist hier wie dort höchste und letzte ethische Forderung, in der beide Systeme gipfeln. Es besteht kein Zweifel, daß Spinoza Leos Werk gekannt hat, wenn dies auch wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen erscheint. Solche Kenntnis ist nebst der mehrfach:« Uebereinstimmung in den grundlegenden Anschauungen daraus leicht zu erschließen, daß die Dialoghi in 70 Jahren mit 19 italienischen Auflagen und außerdem zahlreiche". Uebersetzungen ins Französische, Spanische, Lateinische und Hebräische das ungeteilteste Interesse der Z:itgenossen gefunden haben. Und so ist Leo, der einer ganz unverdienten Vergessenheit anheimgefallen ist, einer der Träger jener bedeutsamen und konsequenten Entwicklung, die aus dem klassischen jüdischen Schrifttum über die jüdische Philosophie des Mittelalters in. die moderne" Philosophie Spinozas führt. Zum Schlüsse sei noch angemerkt, daß auch Schiller die Dialoghi gekannt hat und daß es darum ganz dankba/ist, in seinen „Philosophischen Briefen" etwa zu lesen, Liebe sei die Leiter, auf der wir zur Gottähnlich-keit emporklimmen. Ebendort leuchtet solche als jüdisch in Anspruch genommene Anschauung in einem Hymnus auf, dn in die Worte anstlingt: Liebe, Liebe leitet nur Zu dem Vater der Natur, Liebe nur die Geister. UTHAGON Vorzügliches Präparat gegen alle durch Gallensteine Bestens bewährt auch gegen Magendruck, Aufstoßen u Uebelkeiten infolge Magenüberladung. Aarztlich erprobt und begutachtet Erhältlich In allen Apotheken! Preis pro Flasche S 4.80. Erzeugung Alte Feldapotheke, Wien, I. Stophansplatz 8 nmai Von den vielen italienischen Versuchen, sich ans einfache nnd wenig anstrengende Weise Geld zu verschaffen, ist Ivohl der der S t ratzenmaler am eigenartigsten.. Da geht man durch eine Straße von Rom oder Neavel und wird plötzlich von einem etwas zerzaust aussehenden Mann, der bisher regungslos an der Hausmauer lehnte, in höflichem Tone gebeten, einen Moment stillzustehen. Und flügS zeichnet oder malt er eine Karikatur des Angehaltenen auf das Trottoir und erbittet sich dafür einige Saldi. Sehr originell war wohl der Einfall jenes Spaniers, der seine--Glatze einer Parfumeriefirma zu Neklamezwecken vermietete. Mit der auf seinem Kahlkopf aufgemalten Ankündigung „Dies wäre vermieden, wär bei Xylol ich geblieben", saß er acht Stunden lang in den verschiedensten Kaffeehäusern, gebeugt über eine Zeitung, eine lebende R e k l a m e t a f e l. Die Fortschritte der Medizin haben ebenfalls in verschiedenen Orten einen neuen Beruf auftommen lassen, die sogenannten „Bluttransfusoren". Das sind Leute, die sich gegen Honorar ihr Blut zur Heilung Kranker abzapfen lassen. Kürzlich erst hat einer dieser Bluttransfusoren in Paris das gewiß seltene Jubiläum seiner dreißigsten Blutübertragung feiern können, wofür er auch mit der Ehrenlegion ausgezeichnet wurde. Ein speziell jüdischer SeltenheitZberuf ist der des „Jahrzeittafelschreiber s". Es sind dies Leute, die nach Bekanntwerden eines Todesfalles die Jahreszeitgedenktage für einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten auf einer Tabelle aufsetzen und sie den Hinterbliebenen gegen geringes Entgelt verkaufen. So könnte die Reihe der sonderbaren Berufe noch lange fortgesetzt werden, denn der Kampf um das Dasein läßt die Menschen auf die eigenartigsten Ideen kommen. « ' —eich. * MWvke. zwei MerMe InBiwMst. Budapest, 12. Jänner. Nach dem Berichte des Hauptstädtischen Oberphysikats' wü.'den gestern zwei Fälle der sogenannten spanischen Grippe mit tödlichem Ausgange gemeldet: Außer diesen beiden Todesfällen ist bisher kein weiterer infolge der Grippe bekannt ge- Die Achab Haam-Gevenkseler I« Men. Am Dienstag finbel die Trauerkundgebnng des Zionistischen Ländeskomitees für Oesterreich zum Tode A ch a d H a a m s statt. Die Feier wird in den Olympiafülon, 1. Bezirk, Roth-gasse, alb-gehalten und, beginnt um Uhr abends. Das Programm umfaßt: 1. Kammerorchester* der Hakoah: Händel: Largo (Dirigent Walter.Hahn). 2. Einleitende Worte: Tr. David N ö t h b l u m (hebräisch). 3. Gedenkrede: Dozent Dr. Harry T o r e z y u e r (Berlin). 4. Kammerorchester der Hakoah: Mozart: Maurische'Traüermüsik (Dirigent Malier Hahn)'. Karten sind im Sekretariat des Zionistischen Lan-deskomitees, 1. Bezirk, Kärntnerstraße 28, erhäff.M (Telephon Nr. 77-4-85, 77-4-86.) klne Kundgebung in Paris. Die J.T.A. imlrct aus Paris: In dem von moyr als 1060 Personen gefüllten Saüle des „Petit Journal" fand der vom Pariser Hebraisten-Klub arrangierte Achad Haam-Gedenkabeud statt. Der Vorsitzende, Nahum Sokolow, sagte, Achad Haam liebte die Gradlinigkeit, die Einfachheit und wehrte sich gegen Phrasen nnd unklare Definitionen. Sein Kampf gegen den politischen Zionismus Herzl's war nicht so ei-nseitig, wie er von der beiderseitigen Gefolgschaft dargestel.lt wo.den ist. Er wollte eine Synthese zwischen geistigem und materiellem Streben. Eine solche Synthese ist ja auch unser Ideal. Politiker ist Achad Haam niemals gelvesen und hatte nach dieser Richtung keinerlei P.äiensionen. Es sprachen ferne/ der Dichter Salman Schneur, Rabbiner Eisenstad Jabotinsky und Motzkin. Hungernde indische Lehrer. Die Vorgänge am Israelitischen Taubstummeninstitut in Wien. Vor kurzem hat Gemeinderat Dr. Plaschkes im Zuge der Budgetdebatte im Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde die Leidensgeschichte der Lehrer des im Vorjahre geschlossenen Israelitischen Taubstummeninstitutes geschildert. Die elf Lehrers) ensionisten des Institutes, deren Bezüge seit dem 1. Juli 1926 nicht ausbezahlt wurden, haben sich, wie sie uns schreiben, nach sieben Monate währendem Darben und Harren dazu entschlossen, den Klageweg gegen das Kuratorium zu betreten. . Die Verhandlung findet av» 27. Jänner beim Gewerbegerichte statt. sich. 42 Jnflu2nra7rkrenffe,:von tei"N .."wei geworben find. Statte Berbreltung ln der tWchlschen Armee. Prag, 22. Jänner. Die: Grippe-Epidsmie hat sich auch in der tschecho-slowakischen Armee ziemlich stark verbreitet. In manchen Garnisonen ist fast die Hälfte der Mannschaft. er kram kt..Der Verlauf der Krankheit ist ein durchaus lei chter> - ein Erdbeben in Kärnten. Klagenfurt, 22. Jänner.'.In der Nacht auf'vorgestern wurde in M a l l n i tz, beiderseits des Tauerntunnels, ein starkes Erdbeben wahrgenommen, das' jedoch keinen Schaden anrichtete. i Jas Wundern nimmt kein Ende. Jeder fragt sich erstaunt, wie solche Preise möglich sind: 1 Meter Chiffon nur LOGroschen, Damenwäsaie-Garnituren, ajouriert oder gestickt, Hemd oder Hose n ur S. 1.98, 1 Frack-Hemd n u r S. 3 90, diese Sensativnspreise verblüffen allgemein. Und doch sind diese Beispiele aus der Okkasions- Preisliste der „Weißen Woche" bei Brüder Schiffmiann, 2. Bez., Taborstraße 48, reelles Angebot. Das -Geheimnis dieser ungewöhnlichen Leistungsfähigkeit erklärt, das Schiffmann'sche Kaufs- und Verkarfsch-tem. Durch Kassagnkaufvon Riesenmengen aus erster Hand erzielen Brüder Schifftnann besonders billige'Einkaufsprelse, kalkulieren mit dem denkbar ^niedrigsten Gewinn und können so erstklassige .Qualitätsware konkurrenzlos biUig avgeben. -Die verblüffend niedrigen Preise des „Weisswaren-Sonderoerkaufes" haben einen so enormen Züwruch des konsumierenden Publikums aus allen Bezirken Wiens nnd der Provinz gebrächt, daß das Warenbaus Brüder-Schiffmann Me „Weiße Woche" verlängern mußte. Niemand versäume biere so T-aP» nicht wlederkehrende Gelegenheit zum wirklich biüiqen Einkauf Nachstehend einige Wz elsbeispiele: 3000, Stück Herren- Kragen, weich, weiß und färbiä, per, Stück 20 Groschen, Streiß-Gradl, per Meter 1:25, Hosen-Köver, 80 breit, S. 1, Handtücher, per Meter 80 Groschen, Tischtücher S. 4.60, Betttuch, 1.40 breit, S. 1.50, Tamen-Hemdhose, gestickt, ajour S. 3.60. la .7'err^n-5vnie-Unterhose S. 1.98, Madras-Halbstores S. 4.90 nstp. uho. OOOOOOOOCOCOOOOOCOOOOOQOCCXXXXXXXXXXXX2 Am besten sind doch die Ceschka-hdte VII., KilsorsfriSo 121 WIEN IX., AlxersfraBolfr. 6 Häabsrtzuug rrs KohlrupreiÄ. Um 30 Groschsn. In einer gestern vormittags abgehaltenen Besprechung der Kohlengroßhändler wurde beschlossen, den kürzlich erfolgten Aufschlag auf die Kohlenpreise aufzuheben und den früher in Geltung gewesenen Preis von 7 Schilling..80 Groschen per Meterzentner o* Lagerplatz Nordbahn wieder einzuführen. Ein Revolverattentat in der Straßenbahn. Gestern abends wurde die Wjälhrige Schneiderin Hermine Franta in einem Sträßen'bahnzntz der Linie' 34 durch einen Ncvolverschujst, den der untewsian'dslo'se Mavktihelfer Leopold Jah-l von der Straße aus auf sieabgab, getroffen und erlitt einen Einschuß am Jochlbögen. Sie wurde durch die- Rettungsgesellschaft in rie Unfallstation gebracht. / Jahl flüchtete, nach der Tat. Das Motiv dürfte E if er su ch ^gewesen.few -. Die Erhebungen sind im Zuge. OQOOOOOOOOOOOOOqqOOOqOOOOOOOQOOOOOOOQO Gräßlicher eisenbahnunfall in der Freudenau. Gestern nachmiitags sollten aus der Freu.enäu 48 leere Pserdetransportwaggous über Simmering nach dem Ostbahn-- hof befördert werden. Die lange Garnitur wurde von einer Maschine gezogen und von einer zweiten geschoben. Kaum! hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, als der Schaffner Pawlasek vom Führerausstieg des viertletzten Waggons abglitt und auf die Schimen anffiel,. wo er von den nachfolgenden Wa.-gons .und der Schublokomotive zu einent! f o r m l o s e n B r e i. z e r m ä l m t lvurde. Pawlasek. hinterläßt eine Frau imd zwei.unmündige Kinder. Jer verschwundene Platzvertreter. Die A..ge.e^,e.lheit des vermissten Pm^vertrelers Eduarl, Stricker eriveitert sich immer mehr zueiner M'steriöstn Angelegenheit. Die Umstände seines Verschwindend werdcir immer geheimnisvoller, zumal sich wieder neue Zeugen gesundet: haben, die Stricker nachher gesehen haben wollen. Die Polizei hat festgestellt,.da'ß Stricker mit Stoffen einer Leopoldstädter Firnra agentierte, und daß sich sein Kundenkreis hauptsächlich m:s den Steuerleuten und Matrosen der am Handelslai verankerten Schisse zusammensetzte. An: 15. d. M. hatte Stricker wieder von seiner Firma den Musterkoffer übernommen und war auf den Handelskai gegangen, von wo er seine Firma telephonisch, anrief, um sie zu . fragen, ob er den einen Stoff, um 1400 Dinar abgeben könnte. Als die Firma dies verweigerte, war er persönlich zum Chef gefahren, von dem er die Erlaubnis zum Verkauf ums 1500 Dinar durchsetzte. 'Et. nahn: auch sogleich den Stoff für drei Anzüge mit.'Damit begab er sich auf.das jugvslaivische Schleppschiff „M'mlr^'evi:", von welchem er weder ins Geschäft noch in seine/Wohnung zurücktehrte. ' Außer dem/Steuermann eines anderen . Schiffes,, der Stricker a»: nächstfolgmdeil Tage zwischen Ä'und 10 Uhr Vormittags auf dem Hairdelskai gesehen haben will, hat sich mmmchr auch ein Oberwachmann gemeldet, der