Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2839 (23.1.1927)
- Date
- 1927-01-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Wiener Morgenzettnns 28. Jänner 1927 Seite 6 :r. 2839 | I.IOYP IMBIINO - IMHI. Winterreisen nach Aegypten 1 REKORDE: Fahrtdauer Triest-Alexandrien . 3 Tage Fahrtdauer Brindisi-Alexandrien 2 Tage Billige Rundfahrkarten «Sr Erholungsreisen sur See. Kajütenbureau: I. Kärntnerring 6, Tel. 56-0-53 | den Verschwundenen am zweitfo lgende:> T a e mittags von eurem Straßenbahnzuz aus gesehen haben will. Ein Irrtum in der Person sei ausgeschlossen, da er Stricker genau kenne und ihn wiederholt we-en unbefugten Hcm'iererrs beanständet habe. Auch a m d r i t t e n T a g e hat ihn der Oberwachmamr neuerlich von der Elc'lrl'chen aus gesehen. Aus diesen Angaben schießt die Polizei, daß Stricker aus noch ungeklärten Gründen seinem .Hause fern bleibt. Manume und Macembe. Aus Berlin wird gemeldet: Zwei aus Kamerun gebürtige Neger, die als junge Leute nach Deutschland einwenderten und hier als F i l m st a t i st e n tätig sind, standen gestern wegen geschickt eingefädeltec Banknotenfälschung vor Gericht. Sie haben nämlich als angebliche Beauftragte eines afrikanischen Neger st aates bei verschiedenen Firmen Neklamedrucksachen in Auftrag gegeben, auf denen eine naturgetreue Nachahmung der englischen Fünf Pfundnote hergestellt war, und diese Noten, die auch mit Wasserzeichen versehen waren, nach Wegschneiden des Ncklametextes als echte Banknoten in Verkehr gesetzt. Tie beiden Neger, Manume und Macembe, die leugneten, wurden zu drei Jahren und einem Monat Gefängnis, bezw. einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Ter WrMeit zwischen klnbrechero «nd PanzerichrSnkerv. Ein ge.ung wer Ei b uch in Lle.liu. Geldschrankeinbrecher bewältigten in der verlängeren Nacht in der Dreysenstraße in Berlin einen der allerneuesten Panzer schränke, die vor einem halben Jahre rroch ' für unbedingt s i ch e r galten, da sie hinter den Suhlplatten noch eine schmelzsichere Betonschicht besitzen. Die Einbrecher, die sich durch ein Kellerfenster Eingang verschafften, blendeten im ersten Stock die Fenster ab, nahmen Strom von der Lichtleitung, schweißten die Stahlplatten durch u d zerstörten, die Betonschicht mit einem elektrischen Stahlb ohre r. Sie erbeuteten 13.000 Mark. , Wm gehört der Hund? Salomo, der weise Richter, hat soeben einen würdigen Nachfolger gefunden, und zwar in der Person eines Friedensrichters des sechsten Bezirkes in New Aork. Wieder einmal handelte es sich um zwei streitende Mütter, die sich erbittert um das Besitzrecht auf ein kleines Wesen zankten, nur daß dies kleine Wesen diesmal nicht ein Kind, sondern —ein Hündchen warl Der einen hatte ursprünglich das Tier gehört; eines schönen Tages aber, an irgendeiner Straßenecke, hatte sie es — ob in der Zerstreutheit oder mit Absicht, läßt sich nicht mehr feststellen — jählings im Stich gelassen. Die andere Frau fand den Hund, wie er vollkommen verwahrlost umherirrte, und erbarmte sich seiner, nahm ihn mit nach Hause, pflegte ihn sorgsam und erreichte cs auch, daß er wieder ein rundlicheres Aussehen bekam. Viele Wochen vergingen. Da wollte es der Zufall, daß der Hund und seine neue Pflegerin auf die alte Herrin stießen, die sich mit dem Schrei: „O, mein Liebling!" auf das Tierchen stürzte, und es wieder an sich nehmen wollte. Jetzt setzte der Kampf zwischen den beiden Frauen ein, in dessen Verlauf es sogar zur Androhung von Ohrfeigen kam, bis man sich endlich einigte, dem nächsten Friedensrichter die Angelegenheit vorzutragen.. Dieser weise Herr sperrte zunächst einmal den Hund in eine abgelegene Kammer und hieß die Damen, eine Zeit lang sich gedulden. Nach Verlauf einer halben Stunde, während der das Twr ungeduldig lärmte und winselte, wurde es aus seiner Gefangenschaft befreit. Jaulend und springend stürzte es sich mit stürmischer Begrüßung'auf seine neue Pflegerin. „Gnädige Frau", sagte der Richter mit zuvorkommender Verbeugung, „das Tier verbleibt IhnenI" Zwei Ueberglückliche und eine Geknickte verließen das Revier... NAHMASCHINEN FAHRRÄDER 1927 rtuohgegon PICK •X.. Uooh|pn*tain»tra8* Nr. 2? •V„ Wndnnr Hauptitreßa Nr. e SImtl. Sport* «. »ourlatonirtlkol 0 vO ö O; 8« fowieiMche« Finanzamt. Bor dem Kriege gab es in Rußland keine Finanzämter — die direkten Steuern waren so gering, daß man sie nicht merkte, und die Steuerlast war auf indirekte Steuern verteilt. Nach der Revolution hat die Sorvjettegierung ein ziemlich kompliziertes System von Naturalabgaben für die Bauern und von Einkomm e n st e u e r n für die ganze arbeitende Bevölkerung — und in Sowjetrußland muß jeder, wenigstens offiziell, arbeiten — cingeführt. Auf dem Lande sind Finanzämter eingerichtet, die den Eingang der Naturalsteuern zu kontrollieren haben. Der Korrespondent einer führenden russischen Zeitung, gibt ein anschauliches Bild einer Verhandlung in einem ländlichen Finanzamt. Die Verhandlung findet — so erzählt er an einem Nachmittag statt. Alle Anwesenden sind schläfrig. Tie vorgeladenen Bauern sitzen mit recht unfreundlichen Mienen auf den Seitenbänken. Ein alter Bauer, schmutzig, verwahrlost, steht vor dem Tische. „Aus welchem Dorfe bist du, Väterchen?" fragt der Fittanzbeamte. Der Bauer gibt eine lange Erklärung und will sein Heimatdorf, das aus dem Fenster in weiter Ferne zu sehen ist, zeigen. „Schon gut, wie alt bist du?" „Bei der ersten Choleraepidemie habe ich mich verheiratet..." „Rechne mal aus, wann das gewesen ist." — „Hast du irgendeinen Besitz!?" fragt der Beamte weiter, nachdem er festgestellt hat, daß der Alte 70 Jahre zählen kann. „Nein, was kann ich haben. Was auf mir ist, das besitze ich!" „Also gar nichts," fährt der Beamte fort, „nicht mal eine Kuh?" „Wie kann ein Bauer ohne Kuh sein?" empört sich der Alte. „Wer das ist doch kein Besitz, das gehört dazu!" — „Vielleicht hast du ein Haus?" — „Wo solltt ich beim wohnen, wenn ich kein Haus hätte? Natürlich habe ich ein Haus. Wer jeder Bauer hat doch ein Haus. Wer kann das Besitz nennen!" — Es ist unmöglich, dem Allen cinzupauk-n, daß er, als Besitzer eines Hauses und einer Kuh, eine Naturalsteuer von sechs Pud Getreide (ein Pud ist 16 .Kilogramm) dem Staate zu entrichten hat. „Die wollen mich nur erschrecken," sagt er, nachdem ihm verkündet wird, daß er die Wgabe unweigerlich entrichten muß. „Sie schämen sich vor den Leuten, mir zu sagen, daß es nicht nötig ist. Ich denke auch gar nicht, mein Getreide abzugeben. F?as kann mir fcfrit vassieren." 'fvvyvwvrrwfvyvrwvv as ist der Ruf des Hasses, der durch die ganze Welt gellt. In einem grandiosen Zeitrorran des Dichters Kurt Münzer ist dieser Schicksalsruf eingefangen. Blutrausch des Krieges, Entartung der Nachkriegszeit, Pogromgeheul in der Weltstadt, Schrei der Verblendeten und Verführten tont aus einem Werk von ungerhorter Spannung. Flammende Anklage, dumpfe Ergebung, Blut und Schmutz, Tranen und Reinheit vereinigen sich zu einem Gemälde von mächtigem Format. UDE ANS KREUZ ist der Judenroman unserer Zeit, erschütternd und wahrhaft. JUDE ANS KREUZ der große sensationelle Roman *. hu t Münzer erscheint ab Samstag, den 5. Februar I. J. zum erstenmale in der »Wiener muracnzeitung*. Reich zu werden st heutzutage leichter als früher. Das letzte Geheimnis des Erfolges der Milliardäre, der sicherste Wegweiser zu Reichtum, Nacht und Ansehen Ist die Energie. Dazu bedatf es stählerner Nerve-i, einer widerstandsfähigen und Widerstands« kräftigen Konstitution u. einer kamptfreud gen Ausdauer. Wer von Kindheit au' DIANA-1 FRANZBRANNTWiflN NIT NENTH0L gebraucht, stählt seine Neiven, macht die Konstitution widerstandsfähig kraftvoll und kchaftt e ne kampffreudi e Ausdauer. ÜBERXLL ERHÄLTLICH! zur Mchologie Wischer Bornamen. Im Jahre 1921, als die Verehrung Lord Balfourt als des Schöpfers der Balfour-Deklaration aufs Höchste gestiegen war, hatte in Palästina ein enthusiasmierter Jude seinem neugeborenen Knaben den V o r n a m e u Barfour gegeben. Damit sollte eine Art jüdischer Heldenverehrung zum Ausdruck gebracht werden. Dem Beispiel dieses Juden sind seither viele jüdische Eltern gefolgt. In Europa wird jetzt zum erstenmal davon berichtet, das; ein jüdischer Knabe den Namen Balsour erhalten habe, und zwar geschah dies, wie das Rigaer Blatt „Das Volk" meldet, in N iL a selbst. Dies veranlatzte einen Mitarbeiter des genannten Blattes, durch Einsichtnahme in die jüdischen Geburtsmatciken von Riga zu erfahren, welche jüdischen Vornamen jetzt in der lettländischen Hauptstadt bevorzugt werden. Er stellt fest, das; viele bisher übliche Wische Vornamen ihr Popularität emzeüüßt haben und dafür andere in den Vordergrund treten. Besondere Vorliebe gibt sich für biblische Namen wie Mattisjahu, Jesais, Esra und andere kund, während Ellern, die dem Kaufmannsstandc oder dem freien Berufe angehörcn, fast ausschließlich fremden Volksstämmen entlehnte Vornamen für ihre Kinder wählen. So werden in diesen Kreisen sehr viel jüdische Knaben Hellmut, Roman, Alfred, Georg usw. benannt. Interessant ist, daß der ehemals bei Juden so volkstümliche Vorname Benjamin jetzt sehr selten gegeben wird. Der Name Jakob hat eine Entwicklung durchgemacht, die das Bestreben verrät, diesem Namen den jüdischen Beigeschmack zu nehmen. In Lettland werden jüdische Kinder, die aus. Familienrücksichten zur Erhaltung des Namens irgendeines Vorckhns Jakob benannt werden müssen, mit der lettische Form Jacobs immatrikuliert. Bei den jüdischen Mädchen machen sich die Eltern diese Aufgabe viel leichter. Die hebräischen Namen verschwinden und erscheinen in fremdsprachiger Ausgabe wieder. So 11'rb die Sarah in Sonja, Deborah an Dora, Schoschcmna in Rosa oder Rosalia verwandelt. Sehr häufig kehren in der jüdischen Geburtsmatrik echt russische Mädchennamen wieder, wie Nadja, Vera, Maria, Äolja usw. Die schönen hebräischen Vornamen wie Sulamith gehören zu den äußersten Seltenheiten. Ser Smlr von Kurdistan. Die Hochstapeleim des türkischen Schneidergefellm. An der französischen Riviera wurde ein Hochstapler verhaftet, der sich als Emir von Kurdistan aufspielte. Der „Emir", ein junger Mann in auffallender goldbordierter Kosakenuniform, m'.t vielen Orden, war in letzter Zeit das Mysterium der Riviera, und man sprach viel von ihm. Aber man wußte eigentlich weiter nichts, als daß er sich Prinz Mohammed al Raschid nannte. Das genügte immerhin, daß er mit reichen Amerikanern unp böivunderungssüchtigen Amerikanerinnen in Verbindung kam, die ihm gerne diskret aus „momentanen Geldverlegenheiten" halfen. Die Polizei, die sich weniger vom Ordensglanz und vom Klang des Emirtitels imponieren lieh, fand bei ihm, dem internationalen Schwindler aus der Türkei, neben ganzen fünfzig Fränllein eine Menge von L i ebesbriefen aus Kreisen der Geldaristokratie an der Riviera. Es ist indessen nicht das erste Mal gewesen, daß der Emir von Kurdistan Europa die Ehre eines Besuches abstattcte. Kürzlich hat Seine Exzellenz im Hotel Esplanade zu Berlin den Filminstruktor Holger-Madsen ausgesucht. Er hatte sich in voller Uniform, mit rotem Fez und goldenen Reitsporen eingefunden und den Wunsch ausgesprochen, man möge doch sein Leben filmen. Er gestand, daß er direkt vom biblischen A b r a h am abstamme und berichtete ausführlich über sein gegenwärtiges Schicksal. Der dänische Filmmann fand den Vorschlag ganz interessant, doch erkundigte er sich vorsichtigerweise nach des Prinzen ökonomischen Verhältnissen. Das brachte Exzellenz nicht in Verlegenheit; er erklärte, der reichste Mann der Welt zu sein und legte zum Beweis einen visierten Paß, das Scheckbuch einer ersten New Aorker Großbank, sowie Einladungen ins Weiße Haus zu Washington und zum Präsidenten der französischen Republik vor. Holger-Madsen fand aber, 300.000 Goldmark in bar wären ein zuverlässigerer Beweis als Paßvisa, Scheckbuch und Diplomateneinladungen. Mohammed al Raschid versprach, die Summe beizubvingen. In glänzender Uniform samt allen Orden brachte der Emir einen fröhlichen Abend mit dem dänischen Filminstruktor in einem Berliner Nachtlokal zu, und am folgenden Tag wollte er mit dem Film beginnen. Aber Holger-Madsen wollte unbedingt zuerst das Geld auf dem Tisch sehen. Das ärgerte de i Emir, und grollend zog er ab. Er wandte sich an die Konkurrenz. an die „Ufa". Tags darauf wollte er in der Deutsche» I