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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-22 · Heft 2838 (22.1.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2838 (22.1.1927)
Date
1927-01-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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i)ir. 2838 Wien, Samstag Wiener M-rgen-ettmrs 22. Jänner 1927 (7, jjottfc^un^.) ' Copyngth by Oeorg Müller Verlag A. Q., München 1927. SHe fremden Jahre. fifxe osijiidiscika Seiende van £mif jSetnfhiivil €atkn. Er T)3rt auf zu scheiden zimschen Tag und' Nacht, quält sich nicht mehr mit sich selber, wird ruhig, wird still und Mise. Ja, er. lebt mm das Leben Chane Mirels, abea er fühlt sich reich, das; er zu seinen Gedanken auch ihre denkeil darf, und vom eigenen festen Lebensufer schauen darf auf ihren buvegken Strom. Er wird ein anderer, und auch die Welt 'wird anders vor ihm. Wieder vergehen Jahre, und dann und wann hört er Stimmen. Eine Braut wird an feinem Haufe vorübergeführt, hei, wie tönen die Geigen und wie klatschen die Juden in die Hände! „Jetzt hätte sie ihre Tochter unter den Baldachin geführt," denkt Reb Eilje, sitzt mit schmerzlich geschlossenen Augen und lauscht den davonziehenden Tönen unter seinem Feilster. Der Bocher Schmelke schrumpft immer mehr zusammen. Seine Sch üfen werden grau, sein Rücken krümmt sich, und die Jünglinge, die Reb Eilje an feinem Tische hat, spotten über ihn: Wenn es so weiter geht, wird bald gar nichts mehr von ihm übrig sein. Und so kommt es auch: eines Morgens findet man ihn tot über den-Büchern liegen. Sein armes Gesicht sieht so kummervoll aus, als hätte er das ganze Leben versäumt. Wie sie ihn aber hinausgeleiten auf den guten Ort, tritt Reb Eilje vor und hält ihm die Toteilkkage. „Was wird er von dem armen, alten Bocher sagen?" denken die Leute, wie er beginnt. Aber, siehe da, Reb Eilje spricht nicht von Schmelke j und nicht vom Bocher, sondern von Rabbi Schrnuel, dem Sterile des Exils, dem Lichte der Thauro, das erloschen vor der Zeit. Die Leute wissen nicht, ob sie träumen oder wachen. Mer sie wissen auch nicht, was Reb Eilje weiß. Da sie aber sehen, wie ihm die Tränen rinnen, so schweigen sie und blicken sich nur verwundert an. Weil aber, Schmelke nur ein Bocher war, wenn auch ein alter, kommt er zwischen die Junggesellen und Jungfrauen zu liegen, und es trifft sich, daß er neben der kleinen Chane Mirel 'begraben wird, mit der er nun Vareint unter dem grünen Rasen ruhen wird. Reb Eilje geht nach Haus. Wie er so geht, allein gelassen^ von den andern, die ihm kopfschüttelnd nachschauen: fühlt er, daß eines' neben ihm geht, und weint. Er tvcvzt, nicht, sich umzusehen, hört aber deutsch, wie bi terlich es schluchzt. Es sch int. sich auf seine rechte Schifter zu lehnen, sein Atem streicht warm seine Wange und dabei Mint es in einem fort. Da überkommt es Reb. Eilje noch einmal mit aller Gewalt, was alles er ihr und ihrem Schwelle genommen und wie er nach Hause kommt und unter seine Schüler tritt, stöhnt er auf und ruft: - „Oh, wie ist die Welt fo finster geworden! Euer Vater, meine Söhne, ist gestorben! Laßt uns Kad/rsch sagen für dem Vater!" Damit sch'ägt er von Sinnen zur Erde hin, daß die Jünglinge sich entsetzen. Als sie. ihn mit vieler Mühe ins Leben zurückgerufen, steht er auf, .wäscht sich, ißt und trinkt und ist ruhig. So ruhig, une an diesem Tage, ist Reb Eilje noch nie gewesen. Eine stille Hoheit umgibt ihn, die Schüler merken es nwhl. Micheu vor ihm zurück und blicken ihn doch mit Augen voll Liebe an. Und wie er hinausgeht, merken es auch - die Leute auf der Gasse. Die Kinder, die noch vor kurzem lärmend ihn umsprangen, lächeln ihm nur von ferne zu. Die Frauen, mit denen er zu plaudern pflegte, schlagen die Augen nieder. Die Mämrer, die hinter seinem Rücken grollten, sehen ihn ernst und ruhig an. So wandelt Reb Eilje durch seine. Gasse, und Furcht und Liebe folgen seiner. Spür. * Reb Eilje ist ein alter Mann geworden. Me seines Alters sind hingegangen, er hat alle überlebt. Aus seinen Schülern sind Lehrer in Israel geworden, ringsumher wohnen sie im Lande und sind auch schon alte Leute. Reb Eilje aber ist volle hundert Jahre alt geworden, seine Augen wurden nicht trübe, und seine Kraft ist nicht von ihm gewichen, und der Rühm des Hundertjährigen, der ein 'Weiser ist unter der: Weisen und ein Kind unter , den Kindern, streng liegen sich selbst und nachsichtig gegen die andern, anmutig im Leben und ernst im Gesetze bringt durch alle Zonen. Sv ist auch die Kunde von dem - verwunderlichen Alter Reb Eiljes mit mancherlei Gerede zu den Ohren des großen, weitberühmten Rabbi Elijahu, des Gaons von Wilna, gekommen.' Der hat gerade damals seinen'schweren Bann gegen den Unfug des Israel von Mesbetsch geschleudert, der sich Baalschein, d. i der Meister des göttlichen Namens, genannt, und reist nun im Lande umher, um die Wankenden zu stützen und die Knie der Strauchelnden sestzumächen. Wie ihm nun erzählt wird, auf welche Weise der Hundertjährige sein Wesen treibt, wie ihm das Größte nicht zu groß , ist, daß er sich seiner nicht freute wir ein Kindi, und das Kleinste nicht zu klein, daß er seine Heiligkrt nicht sähe, und wie er ferner hört, daß einzelne Schüler Reb- Eiljes, jetzt angesehene Lehrer in Israel, jener neuen Lchrc huldigten, dieser mit Todeshaß verfolgt—. was Wunder, daß er sich"eines Tages sagt: „Ich muß doch sehen, 'was es mit dem. Dobrzaner für eine Bewandtnis hat!" und sich auf dm. Wagen-setzt -und stracks , gen Dobrze fährt. An einem schönen Abend langt er mr,' und. ,die ganze 'Stadt erbraust, als sie hört, welch ein höherMast in ihren Mauern weilt'. \ . , Reb Eilje sitzt vor seiner Tür und genießt,die schöne•; Mendluft, ^md alle Schüler; die Sprößlinge seiner Pflanzung, um ihn herum. Sie' plaudern und er.schnitzt daber. ein Pfeifchen, aus einem Holunderzweig, das ein kleines Jüngel bekommen soll, das schwarzlockig an seinem Knie lehnt, als der Rabbi von Wilrm großmächtig von.seinem Wagen steigt: . „Ich habe ein Wort an dich/ Dobrzaner^, sagt der Gaon, und der Hundertjährige erhebt sich und führt,den Gaon in seiw Haus.';; * . 'Fortsetzung fblgt.) Bühne und Kunst. Tanzabend Maar Tordlr.• Dieser Abend 'bestätigte die formende Kraft und Phantasie Ellinor T 0 r d i s, die heute schön eine große Gemeinde besitzt. Ihre Bach-Interpretationen bezeugen dies weltumfassende Gebiet der Tanzkunst. Ueberraschend ausdrucksfählg die junge SchülerinMa-ru Kosjera, von der viel zu erwarten ist. Ein stimmungsvoller Abend, ehrenvoll für Ellinor Tordis als Meisterin und Pädagogin. Die Begleitung («Klavier Richard R o ß - mayr, Violine Willy Drahozal) musterhaft und stricht. ' % r, Lie ßMnung der Ausstellung SlterrelchWe» Kunftgewerbes iu tzffen. Das Festkonzert unter Schalks Leitung. Aus Essen wird, unter dem 20. d. M. telegraphiert: Aus Anlaß'der'Eröffnung der Ausstellung des österreichischen Kunstgewerbes fand im Saal des städtischen Saalbaues. ein Symphonie koi^z ert des Essener städtischen Orchesters unter der Leitung des Direktors der Wiener Over Prof. Franz Schalk* patt. Es wurden Franz Schuberts Symphonie E-Dur, Rechard Strauß' „Don Juan", Johann Strauß' „G'schichten aus dem Wienerwald" und die Ouverture zur „Fledermaus" aufgeführt und mit Begeisterung ausgenommen. Der Beifall steigerte sich am Schlüsse des Konzerts zu einer derartigen Ovation, daß sich Franz Schalk entschließen mußte, die „Flede,rmaus"-Ouverture zu .wiederholen. Am de« Theater«. Gperntheat.er. Morgen, halb 8 Utzr.,.,PelerchenS Mond fahrt"; halb 8 Uhr. abends, „3ntermezzo". B u.r g th e a :e r. - Morgen, 3 ..ilfljtr nachmittags. „Das Wintermärchen?; halb 8 Uhr abends, „Leon.io". . A.kad.e m'. e lh.e a te r. Morgen,. ,3 U3jr nachmittags, „D a S. Prinz: p"; halb 8 Uhr äbettds, ',JS t i e f tn <x m Deutsches VolkStheater. Dienslag findet vre Erstaufführung - des unter Leitung Paul M e d e r o w s neu- . inszenierten Tvauerfpi-eles „Ein Bruderzwist in Ha bSb.u rg" von Franz Grillparzer statt. Sonntag nachmittags „Der bläue DogeI\ Theater in der Josefstadt. Morgen, halb 4 Uhr nachmittags, Märchenvarstellung «Larisari". „Ein Walzertraum" Im Johan« Strautzcheated». Bon neuem bewies der „Walzertraum" von Oskar Straus seine unverwüstliche Lebenskraft. Die Vorstellung, in der sich die Damen Gisa Ko lb e, Trude K o l l i n, Marie G r i e b l und die Herren Rüste l b e r g e r, Max Brod und St ratzberg auszeichnete«, glich einer Premiere. Das Publikum nef mit den Hauptdarsteklern Oskar Straus unzählige Make vor die Rampe. Die Aufführung haben wir bereits anläßlich der jüngsten Sonnll.iS-Nachmiltagsvorstellung gawürdigt. Lustiger jüdischer Abeud im Konzerthaus. Dr. Präger Nest am 6. Februar im.mittleren Konzerthaussaal 1 ü d i sch e Schwanke. Karten von 70 Groschen bis 5 Schilling bei R. Länhi, 1. Bez., Kärntnersträtze 44, Buchhandlung R. Löwit. 1. Bez., Rotenturmstraße 22, und Bücherstube Rath. 3. Bez., Taborstratze 2Vä. Em gewagtes Abenteuer der Isidora Duuean. Die große Tänzerin hat jüngst in Nizza durch eine merkwürdige Affäre von sich reden gemacht. In ihrem purpurfarbenen klastischen Gewände schritt sie um Mitternacht bei Mondenfchein i« die kalte brandende See, toie sich nachher herauSstellte. auf Grund einer bei einem Atelierfest abgeschlossenen Wette. Sie war sthon bis an den Hals im Master und in Lebensgefahr, als sie ein englischer Offizier rettete. Er brachte sie ohnmächtig ans Festland. — Die Zeittzn find schlecht, die Kunst geht nach Brot und auch die Berühmten müssen für Reklame sorgen. Die Berliner Dichter-Akademie fwdert die Berläin» ' . “ “ * neuder ükrist von 30 auf üO'Jahre. Sie beruft sich darauf.' datz diese erstreckte Schutzfrist durch das revidierte Berner Uebereinlömmen vorgesehen fei und die Rechtssicherheit im geistigen Austausch der Völker gewährleiste. — Da eine solche Verlängerung den Erb e n der Schaffenden zugute kommt hingegen' eine Popularisierung der- Werke durch Ver° bllligung der Buchausgaben verhindert, läßt Hd* gegen diese erste Tat des Berliner Dichter-Areopags mawhes Stichhältige einwenden. »Völlerbund und Kunst. Der SachverständigenauSschvtz des Völkerbundes für Museumsfragen hat in Genf eine erste Beratung über das Arbeitsprogramm de- Jnter nationalen Mnseumsamtes vvvge^ nommen und ferner beschlossen, nächsten Frühling drei Ausstellungen von Kup ferstichsammlungen zu veranstalten in Ronk, Paris und Madrid. Artistenprüfung. Die von der Jnternattonalen Artisten- Organisation veranstaltete nächste Artistenprüfung findet am 6. Februar 1f>27 um «3 Uhr nachm, int Johann-S>tr«U^ Theater statt. Vereine. Dottrilge und Bersammlunge«. Hitachduth-Jugend, 2. Beg., Glockengasse 30. Heute, unt halb 5 Uhr nachm., Vorlesung JehEa Meilen über Gustav Landauers Ausruf zunr Sozialismus. Um 6 Uhr Schachturnier mit Preisverteilung. Morgen, halb 8 Uhr a«bends,^ größer Perez-Abend. Montag, havb 8 Uhr a>bends, zionistisches Seminar, geleitet von Herrn Dr. N. M. Gelber. — Maimonides-Jnstitut, 3. Bez., Hetzgasse 40. Samstag, 3—4 Uhr, Vortrag Dr. A. Kaminka: „Das Prinzip der Gnade und der Vergeltung im Deka log." — Brith-ha»Zoflm. Heute, 6—8 Uhr, Hebräisch-Kurse, nachher Sichoth der Dargoth Deth unld Gimel: Morgen, 10 Uhr vorm., Fortsetzung der Büchsenleerung; haw 7 Uhr abends, interne Chamrschah-iAssar-Feier. Festredner Prof.. Jona Gelernter. — Volkshochschule Leopoldstadt (Vovkshetm), 2. Bsz., Zirkusgasse 48. Heute, 7 Uhr, Dr. Friedrich Fischl: Karl Hans Strobl: Zu seinem 50. Geburtstage. Rezitation: Magdalene Berall. Eint.rut frei! — Wiener Bet-Hamidrasch, 2. Bez. Tempelgaste 3. Heute,. 3 Uhr Loktor Dr. S. Rubin: Moses, seine Metaphysik und seine Ethik. — Elternbund „Menorah". Dieser Verein veranstaltet aus Anlaß der Hochzeit der Tochter seines Vizepräsidenten, Herrn Bezirksrat M. K o h n, am 22. Jänner im Cafe Palace. einen Familie nabend. — Zionistische Jugendgruppe Leopoldstadt, 2. Bez., Zirlnsgasse 36. Heute, 3 Uhr nachm., Sichah; halb 7 Uhr abends. Hebräisch für Anfänger. — Toynbeehalle, 20. Bez., Denisgasse 36. Heute, 7 Uhr abends, Konzert/Mitwivkenlde: Do>do Stein, Trude Neumann, Pauline Steiner. - Zion. Jugendorganisation Prater, 2. B., Jungstr. 8. Heute, 7 Uhr a'bends, Ghamischa-Assar-'Feier. Jngendl. Gäste wiWommenl — HebrLisch-Club. Heute, halb 8 Uhr abends, Vortrag Jochanan Kien über hebräische Musik (2. Dez., Zirkusg. 33). — Zion. Kulturgruppe, 20. Bez., Karl Meißl-Straße 6. Heute, *A8 Uhr abends, Vortrag; Sonntag, 9 Uhr vorm., Büchsenlccrung; 7 Uhr abends, im Heim, 20. Bez., Jägersträße 80, Ch' mischa-Astar-Feier. Del-Ka-Akabemiv, veranstaltet vom UnterstußungS- und Geselligkeitsverein der Angestellten des Hauses-Del-Ka, findet heute» den 22. d., 8 Uhr abends, in den prachtvoll renovierten Sälen des,Hotel Münchnerhof, 6. Bez., Mariahilferstraße 83,- statt. Midwirkende: Charlotte Waldow, Richard Waldemar- Elise Altmann und Fritz Steiner, Hermann Leopoldi, . Ernst Arnold. Nach den Vorträgen Tanz. Tanzmusik: Kapelle Drescher und die American Jazzband. VorverkaufNkarten in allen Del-Ka-Vevkaufshäusern zu S, 4.—, an der AbendTasta S. 6.—. Schone Damenspende. Jüdisches Zentrum der Sozialetr Hrlssgemeinschast Anitta Müller, 2. Bez., Untere Augartenstvatze 35. Samskig den 22. d„ 7 Uhr abends, im Rahmen des Hebräischen JugendAubs: Vortrag über Sabatai Zwi mit anschlteßender Disküslsion; Vorlesung aus den Schriften Agnons. Eintritt frei! Sonntag, den 28. Id., halb 6 Uhr nachm. 4. Famiuen- Nachmittag, Saul ^schernichowsky gewidmet, unter.Mitwirkung von Dr. Mar /1 Hofmann, Dr. Hugo Knöpsmacher, Csii Fraud-Drucker, Prof. Simitroffiy. Gerichtssaal. >,,Der Rationalrat ist ein Affentheater." Bor dem Bezirksgericht Margareten (Bezirksrichter Dr. Bernard) hatte sich gestern der prattische- Arzt Dr. Rpbert Wo»W s» Wolssenberg, ein Führer der monarchistisch-konservativen Volkspartei, wegen Beleidigung des Nationalrates zu verantworten, weil er einer vertraulichen Mitteilung der Polizei zufolge am 3. Juni 1935 in einer BersanrmlunL stiner Partei Lesagt 'Haben /soll: ^,'D er 1 ationa^trat fül ^tit ALfen.ttzeater!" Außerdem Hat er Ibereits rn erner früheren'Berlamni?unL"im 'RaHaus die Aeußeruu^ getan: „Der Nationalrat gehört in dieWürst'!" Dr. Wolfs wurde bei der Polizeidirektion einvernommeu und gab die Aeußerung „Der Nätionalrat ist ein Affentheater" zu, weshalv gegen ihn die Anklage rvegen Beleidigung des Nationalrates erheben wurde. Bei der gestrigen Verhandlung stellte der von dem bekannten Monarchisten Dr. Albin Schager-Eckartsau verteidigte Beschuldigte in Mrede, die Aeutzerung in der inkriminierten Forin getan zu haben. Er will lediglich gesagt haben, daß sÄi die sozialdemokratische Opposition im Mietenausschnß wie iu einem Affentheater aufsühre. Der Mchter sprach den Angeklagten mit der Begründung frei, daß für die inkrimimerto Aeußerung kein genügender Beweis erbracht iverden konnte, da auch im polizeilichen Protokoll ein Irrtum vor- Uegen könne. Die Verantwortung des Beschuldigten, daß er ntdjt den Nationalrat als solchen, sondern leoiglick, eine Fraktion desselben gemeint hlwe, könne nicht widerlegt werden. Der staatsanwaltschastliche Funktionär meldete me Berufung an. Für verpfändete Waren ist kein Lagenzins zu zahlen. Der Spediteur Max K. hatte der Frau G. H. ein Darlehen gewährt, welches mit 2 bis 2,5 Prozent per Woche verzinslich war, und ließ sich Waren als Pfand geben. Nacl) Rückzahlung, des Darleh^nsbetrages begehrte der Spediteur von der Schuldnerin noch die -Gebühren f ür d i e Assekuranzprämien und Lagerzins für das eingelagerte Pfand und behauptete, daß bei der Ausnahme des Darlehens diese Beträge vereinbart Ivurden. ttebriaens K'"hre dem Spediteur durch das Gesetz für die Amijhrung von Gegenständen Lagerzins und Bei ' horungsvergütung. Das Bezirksgericht lehnte diese For! ' -tng mit der Begnindüng ab, datz die behauptete nusdrük.-iiche Vereinbarung auf Zahlung von Lagerzins nicht ertviesen sei. Das Zivillandesgericht als Berufungsiustauz stellte sich auf densewen Standpunkt und bestätigte das erstrichterliche Urteil. In der Begründung wird hervvrgehoben, daß bet den verhältnismäßig hohen Zinsen, zu denen das Darlehen u währt wurde .,der Standpunkt der Darlektzns»- nehmerut tvatzrschetnlich erscheine., haß nicht auch außerdem eine Bereinbärung auf Zahlung des Lagerzinses zustande gekommen sei. Ueberdies gebühren nach dem Gesetze dem Spediteur Lagerzins nur in dem Falle, wenn er beruttich Ware in Aufbewahrung nimmt. Von einer solchen Tätigkeil könne aber im gegebenen Falle nicht die Rede sei«.

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