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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-22 · Heft 2838 (22.1.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2838 (22.1.1927)
Date
1927-01-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 0 Wien, Samsta-g virtuosen, der seine Kunst seit Jahrzehnten nicht mehr ausübte, öffentlich mit der Aufforderung hermigetretcn, für den Rundfunk und die Graünnophonplatte zu spielen. Barrett hatte indessen alle diese Anträge mit der Begründung abgeiviesen, das; er nicht mehr auf der Höhe seiner Must stehe nno deshalb leinen Wunsch habe, das; sein Spiel für die Nachwelt verewigt werde. Wien 23. Jänner. Das Wetter. Gestern hat es fast in ganz Oesterreich geregnet. Auf den Bergen fiel Schnee. Die Voraussage lautet: Herrschender Wettercharakter anhaltend, zeitweise Niederschlage. Einbruch.in ein Pelzgeschäft. Beim Pelzwarenhündler Ludwig A I t, Obere Donaustraße Nr. 105, wurde ei» Einbruch verübt. Die Täter drangen vom Hoffenster aus in das Lokal und stahlen verschiedene Felle und Mäntel im Werte von 2000 Schilling. Opfer der russischen Volkszählung. Aus Moskau wird uns berichtet: Im Monat Dezember wurde aus Ssmipalatinsk in Russisch-Mittelasien eine Volkszählungskommrsion mit Formularen in turkmenischer Sprache nach Karakaralinsk abgesatldt. Die Kommission sollte die .Volkszählung in deir turkmenischen Dörfern durchführen und dann nach Semipalatinsk zurückkehren, bisher aber fehlt von ihr jede Spur. Man vermutet, daß hie Kommission m't ihrem oesamten Personal zugrunde geganaen sei. lieber die Zahl der Kommllswnsteilnehmer ist nichts Bestimmtes bekannt. Die „Schwimmeirde Universität komrnt auch nach Palästina. Ende dieses Monats wird der Damvser „Rodbam", bekannt als die „Schltü'nmende Universität", der eine große Zahl amerikanischer Professoren und Studenten rund, um die Welt führt, einen Hafen Palästinas anlaufen. Die Professoren und Studenten werden auf Einladung der Zionistischen Exekutive das jüdische Aufbauwerk' in Palästina besichtigen und die jüdischen Kolonien besuchen. Die rumänische Staatsbürgerschaft. Aus Bukarest wird uns bemchtet: Das Jnnendninisterium hat die folgende Verfügung erlassen: Diejenigen Personen, die notariell beglaubigte Verzichtserklärungen auf die rumänische Staatsbürgerschaft abgegeben haben, haben endgültig ihren Amvruch auf die rumänische Staatsbürgerschaft verloren und können zu Militärdienstlerstungen nicht herangezogen werden. Hingegen haben rhren Anspruch auf die Staatsbürgerschaft nicht verloren und können zu Militärdienstleistungen heranoezogen werden dielenigen, welche auf die Staatsbürgerschaft nur verzichtet haben, um einen Emigrantenpaß zu erlangen oder die für eine andere Staots^ürgersch-'st erfolglos optiert haben. Ebenso verlieren nicht ihre Staatsbürgerschaft diejenigen, die irrtümlicherweise, ohne Anwruch darauf zu ba^en, für eine Sukzessionsstaat der österreichisch-ungarischen Monarchie optiert haben. Das große Kinbersterven in Japan. Eine kürzlich von den Woh'fahrt'behördeu in Javan 1.wausgegebene Statistik über die SäuglingssterblicLeit in Tokio und anderen größeren Städten Javans hat alarmierend aus die Oeffentlichkeit gewirkt., Obwohl genaue Zahlen darüber für das gesamte Land nicht vorliegen» wird die Zahl der innerhalb eines Jahres nach der Geburt sterbenden^ Kinder jährlich auf 300.000 geschätzt, eine Zahl, die etwa 25 Prozent der Gewmtsterblichkeit in . Japan pro Jahr beträgt., Untersuchungen über diese beunruhigcndc Tatsache haben ergeben, daß als Haupturfache für die Säuglingssterblichkeit die sogenannte Beri-Beri- Krankh eit anzusehen ist, an der toiere Mütter verstorbener Kinder leiden. Diese Krankheit wird nach allgemeiner Ansicht durch den Genuß von m i n d e r w e r t i g e m R e i s hervorgerufen. Als Folge davon sind die Mütter selbst unterernährt und könnenihre- Kinder nicht genügend ernähren. Neben . diesen schlechten' Crnälmingsve.h'iltnissen spielen auch die unvollkommenen sanitären Einrichtungen eine wichtige. Rolle. , E sLriest—Palästina. Donnerstag, den 27. Jänner 1927. 18 Uhr abends, Abfahrt des Spezraldampfers „Carnidia" des Lloyd-Triestino von Triest nach Jaffa, Haifa. Der\ grosse jüdische Erzähler\ des Ghetto t | führt uns mit mächtigen Schilderungen jüdischen Lebens u. Leidens, glut- und leidvollen Bildern der jüdischen Geschichte in dos osteuropäische Ghetto, in das riesige Judenviertei von New-York und in die vielen Stationen der jüdischen - Wanderung [m seinen ergreifenden Romanen. Der elektrische Stuhl Die Zauberin von Kastilien Ein Glaubensmartyrlum Mottke» der Dieb Onkel Moses [ Preis pro Band broschiert. . . . . . . § 5.— Ganzleinen ..§ 9- Puchhndung und Verlag R. LQ'WIT, WIEN, I. Retenturmst ße 22 Feisctunrxt Wiener Moksenzeltnng 22. Jänner 1937 Nr. S8SS JÜDISCHE WEIT Sfocoant und Blrrounteß Bratftead gestorben. In London sind Viscount und Viscounteß B eListe a d nacheinander inner halb eines Tages pom Tode ereilt worden. Marcus Samuel (Viscount Bearstead) wurde am 5. November 1853 in London-Whitechapel geboren. Er war ein Pionier der britischen Oelindustrie und begründete 1897 die Shell Transport and Trading Company, eine der bedeutendsten Petroleumhandelsg-sellschaften der Welt. Er hatte wiederholt Reisen nach dem fernen Osten unternommen und stand mit der japanischen Regierung in ständiger Verbindung. Die Firma Samüal Samuel and Co. ist eine der größten Japans. 1898 wurde er mit der Unterbringung der ersten japanischen Goldanleihe betraut. Wegen seiner Verdienste um die Bergung des Kriegsschiffes „Bietorius" wurde er im gleichen Jahre zum Ritter geschlagen. 1891 wurde er zum Ratsherrn vor: London, und zwar .on dirvon, Juden bewohnter: Gemeinde Portsoken Ward, gewählt. 1894 rvurde er.Schiris' und 1902 Lord Mayor von London. Äls Oberbürgermeister von London führte er den Vorsitz im Londoner Hafenkomitee, welches de» Plan des Loiwoner Hafens entwarf. Im Jahre.1903 wurde er Baronet, 1921 Baron mü» 1925 wurde er wegen seiner , großen Verdienste um den Staat in den Viscourü- Rang erhoben. Lord Bearsteads Name ist eng mit vielen jüdischen charitativen und anderen öffentlichen Merlen verbünden. In seiner jüdischen Politik stand er der League, of British Jews (Liga der britischen Juden) nahe, deren Vizepräsident er war. Sein Erbe übernimmt Captain W. H. S am u el, der Präsident der Shell Transport and Trading Company, der einzige Sohn des Verstorbenen. Die ihrem Gatten 24 Stunden im Tode vorangegangene Viscounteß Bearstead hieß Fanny Elisabeth und war die Tochter des verstorbenen Benjamin Benjamin. Seit 1881 war sie mit Viscount Bearstead verheiratet. Ser Jerusalemer khacham BMI unter türkischer Herrschaft. Der Jerusalemer Lokalhistoriker Pinchas G r a j e wski, dem wir bereits manchen wertvollen Beitrag zur älteren Geschichte Jerusalems, verdanken, ve.öf,':ntllcht jetzt im „Haarez" den Text des kaiserlichen Firmans, durch welchen der gegenwärtige Oberrabbiner Jacob M e i r seln:r- ,zeit zum, Chacham Baschi von Jerusalem ernannt wurde. . Wir geben. hier chieses^ interessante-'küÜurhistorische Dölus ment in deutscher Übersetzung wieder: . „Auf Grund der mir ünterbreiieten Bitte des Mittlers für Justiz urw die Konfessionen, betreffend die Mitte ung des Oberrabbinates üben-die'erfolg-t Wahl des ehemaligen Chacham Baschi von Saloniki, Rabbi Jacob Meir, zum l Chacham Baschi von Jerusalem, befehle ich Hinnit, die Bestellung-des Rabbiners Jacob Meir unter den weiter angeführten Bedingungen zum Amte des ^hachcrm Baschi in Jerusalem. Alle Chachamim, und Häupter der zu Jerusalem gehörenden jüdischen Geme'nden sind verpflichtet, den genannten -Rabbiner.-Miheeir.M-cham Baschi - anzuerkennen, sich in allendem Oberrabbinat in Jerusalem zustehenden Angelegenheiten an ihn zu welchen und sie dürfen sich seinen Anordnungen nicht widersetzen, müssen vielmehr seinen Befehlest gehorchen und Folge leisten. Den Juden ist gestattet, ist: Hause des genannten Rabbiners oder in anderen Häusern Gottesdienste abzuhalten' und die Thora zu lesen und die Polizei hat nicht das Recht, sich einzumengen oder sie zu stören. Auch Halen weder dir Polizei noch die behördlichen Beamten das Recht, unter dem Vorwaiwe der Hausdurchsuchung in jene Satten einzudringen, die von jeher als Be. Häuser und Schulen bestimmt sind. Auch darf gegen eine Adaptierungdieser Stätten nicht ein geschritten werden. Die diesen G älten angehörenden Gegenstände dürfen nicht angetastet-werden u-.ü> sollte irge.lde'was als Pfand entfernt werden, so ist es an seinen Platz zurückzustellen." Das Dekret bekräftigt die Kompetenz des Chachan: Baschi in-Eheangelegenheiten mü» sagt weiter: „Hat sich jemand Lei Lebzeiten nicht entsprechend aufgeführt, so daß es nach den Gesetzen vorgeschrieben, ist, | ihn nach - seinem Ableben nicht von der Erde aufz u h e b e n, so hat weder die Polizei noch die sonstigen Vertreter der Macht das Recht, die Chachamim zu? einem Abweichcn von diesem ihrem Gesetze zu zwingen. Auch.in die Angelegenheiten der Speisegesetze hat keiner das Recht, sich elnzum engen. Sollte der genannte Rabbiner von. Seiner- Majestät zur Audienz befohlen werden, so soll er selbst seinen Vertreter bestellen und niemand darf sich, dareinmengen. Die Polizei und die Beamten sind verpflichtet, die Männer, die der genannte Rabbiner zur Eintrag b u n g d e r Steuern bestellt, zu beschützen, ihr Vermögen vor R ä u b e r n zu bewahren, von ihnen keinerlei Geschenk oder Geld zu fordern. Sollte gegen den genannten Rabbiner oder die von ihm bestellten Rabbiner ein Protest anhängig sein, so mnß der Prozeß vor Seine Majestät gebrächt werden mü» sollte e'n Chacham verhaftet werden, so kann das nur nach Kenntnisnahme durch Seine Majestät erfolgen.'Kein Jude darf gezwungen werden, von 'seinem Glauben zum islamitischen Glauben ohne seinen vollen freien Willen zu übertreten. Verstößt e'n Jude gegen das jüdische Gesetz, so kann er im Sinne des Gesetzes bestraft werden und kein Mensch hat das Recht, sich dareinzumengen. Von Seite des Heeres darf kein Eiirspruch dagegen erhoben werden, wenn d-r obengenannte Chacham Baschi uiü» sein Geleite auf Pferden oder Maultieren durch die Straßen reitet. Die Häuser, in welchen der obengenannte Chacham Baschi und die Häupter der Gemeinde wohnen, werden a*s Amtsgebäude anges hen und niemand darf in sie eindringen. Ebensowenig darf sich jeniand in die Art, wie sie ihre Toten bestatten und ihre Gebete in ihren Synagogen verrichten, mengen. Nach Ueberreichung dieses Dekrets an den Rabbiner hat niemand mhr das Recht, aus welchem G.unde immer, sich dagegen zu verwahren oder sich in die Angelegenheit cinzurnengen. Geschrieben und gezeichnet am 25. des Monates' Alachar im Jahre 1323. Gezeichnet Sultan Risch ad. Dir Few'ekzie verbietet die indische Nation % Unter den soeben veröffentlichten Beschlüssen der allrussischen Jewsekzie-Konfe renz befindet sich auch der folgende Beschluß, der bezeichnend ist für der: Geist, vor: dem diese aus Juden zusammengesetzte ober st e Stelle für jüdische Angelegenheiten in Sowjetrußland beherrscht Ivird. Der Beschluß lautet: „Die Konferenz anerkennt die Notwendigkeit, daß die jüdische, landwirtschaftlich: Siedlung auf, kompakten,, zusammenhängender: Vodenflächen durchgesührt we.de, doch dürfe die B.strebüng zur Schaffung eines jüdischen autonomen Territoriums nicht zu einem Losungswort gemacht ' werden. Die Konferenz beschloß ferner, jeder: Versuch, einer Propan ganda zum Zwecks der Erhaltung des jüdischer: Volkes als solchen, zu unterdrücken. Die Arbeit für die Existenz der jüdischen Nation und der Kommunismus stchsn zueinander in unüberbrückbarem Widerspruch. Die Konferenz hat festgestellt, daß außer dem Zionismus, der in der jüdischen Gasse in der letzten Zeit an Stärke zu ge nommen hat, eine neue Art jüdischen Nationalismus mit sowjetischer Färbung entstand, der die : Parole der Jewsekzle zur „Erhaltung der Nation" zugunsten des „nationalen Ideals" u. dgl. m. auszünützen trachtet. Der Kampf gegen dies: Versuche muß i n d e r E r z i e h u n g der neuen jüdischen G eneratio n einen wichtigen Platz einnehmen." , Dir kaukasische« BerMbeu i« Not. Dem Moskauer „Emes" 'enti::hmen wir die folgenden iüngsten Daten über die, Lage d:r kaukasischen Bergjudeu. Bis zum Jahre 1902 trieben die Bergjuden ausschließlich Landwirtschaft und erfreuten sich eines bürgern chen Wohlstandes. In diesem Jahre wurde ihnen durch die zaristische Regierung der Bodenbesitz einfach konsilgi'.rt, und von jener Zeit an verschlechterte sich die Lage dieses alten jüdischen Bauernstammes. Laut den letzten offiziellen Feststellungen ' leben in der autonomen Kolonie der Bergsübcln gegenwärtig 326 Familien mit 1887 Köpfen, die insgesamt über. 340 Desjatin Boden versügen. Fqstisch besassen'sich 153 Familitzn mit Feldarbeit, so daß ans ein: Person acht Li) zehir Klafter Boden entfällt,-während die nichtjüdi'che Bevöllerung der Umgebung durchsck'nittlich ein bi) zw.'i Desjatin per Kopf besitzt. Außer den: Häuflein Feldarbeiter gibt es' unter den Bwgjuden etwa 700 Häusler, deren Sore ebenso wie die der sogenannten Händler eutc• trol'tIofe ist. Das ganze Ka ntal cines so'chen Händlers beträi'L 5 L i) 15 Rubel und der Handel besteht im Hansierm mit Galanteriewaren in den Dörfern. Die sani^ar-n R-rbäftnis'e der B'rg'uden sind schrecklich. Am meistm leidet die jüdische Bevöl e.-ung hier an Lungenlrankheiten, B.utacnmt und Malaria. Der Beschluß des „Zil", die Sanitätsverhältnisse zu verbessern, bleibt bloß ein papieren:r Beschluß. Erst in jüngster Zeit tvurden Schritte zur Verbesserung der La^e dneser Brrg'uden unternommen. Es wurden 8000 Dessalin Boden verteilt und die erste jüdische autonome Kownie der Bergjude:: geschaffen. TAUSENDE un'erer Abonnenten haben bereits Prämien erhalten TAUSENDE haben Ihre Anwrüche geltend gemacht und erhalten in den ntchyen Tagen ihre Prämien. Wo ist Ihre Anmeldung? eines Wiener israoWschen Fünfzigjähriges Jubiläum ranUätsoereineS m U» .:ners:ag. den 27. Jänner um ha."b 8 Uhr abends seniälLn «ine FeMduna statt.

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