Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2837 (21.1.1927)
- Date
- 1927-01-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3837 Men, Freitag 2t, tzkimier T9B7 ker bestand, erklärte der Direktor, er werde sich dem Zwang fügen müssen. Ser LrganWor der Polizei ln Tel Awiw. Wie bereits berichtet, hat der Chef der jüdischen Stadtpolizei von Tel Awiw, Oberst CH. A l p e r i n, wegen eines Konfliktes mit der Regierung seine Demission gegeben und mro 1. Jänner sein Amt verlassen Aus diesem Anlässe wurde, wie uns aus Tel Awiw berichtet wird, ihm zu Ehren eilt Abend gegeben, alt welchem alle Behörden vvlt Tel Awiw vertreten warell. Der Hauptredner, Herr Disei: g o f f und llach ihmlloch mehrere Redner gaben dem Bedauern darüber Ausdruck, daß Polizeichef Al perin von der Leitung' der Polizei der ersten jüdischen Stadt scheide, deren Orgnaisatioit uitd Ausgestaltung zu einer ilMdernen Körperschaft der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ausschließlich seilt Verdienst ist. Heute gilt das Polizeiweselt voll Tel Awiw auch außerhalb des Landes als mustergültiges Organ des öffentlichen Sicherheitsdienstes. In seiner Dallkredr hob Herr Alperin hervor, daß er durch seine Demission nicht seiner persönlichen Kränkung, sonderit dem Protest gegen die Zurücksetzung des jüdischen Polizeikorps Ausdruckve:lihenwollte.Es wurde beschlossen, Herrn Alperin ins Goldene Buch des Nationalfonds eintragen zu lassen. Der hiefür erforderliche Betrag wurde sofort erlegt. Den musikalischen Teil des Abends besorgte das Polizeiorchester, dessen Mitglieder ihrem scheidenden Chef eilt prachtvolles Album überreichten. Auszeichnung. Der Kommerzialrat Leon Wourgaft in Paris wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Herr Wourgaft, ein bedeutender russisch-jüdi'cher Wirtschaftspolitiker, lebt seit der Volschewikenzeit rn Paris. Seine Auszeichnung erfolgte als Anerkennung seiner langjährigen Verdienste um die Entlvicklung der russisch-französischen Handelsbeziehungen. Herr Wougaft war seinerzeit Direktor und Verwaltungsrat der Petersburger Internationalen Kommerzbank . Ein modernes jüdisches Armenasyl in Lemberg. In Leinberg wurde dieser Tage das neue dreistöckige jüdische Armenashl seiner Bestimmung übergeben. Das A:hl " ' ~ nit einer rit ~ ~ ‘ “ eine große Teehalle mi rituellen Küche, einen ( -iequi._ Zig Personen, einen eigenen Saal für Kultürzwecke, ferner eine große Wäscherei und Desinfektionskammern. In btcfent Asyl wird jeder bedürftige Jude für fünf Groschen einen gezuckerten Tee mit Brot und für 20 Groschen ein M ches Mrttagmahl mit Fleischspeise bekommen. Völlig Mitte.lose erha ten sowohl die Mahlzeiten als auch die Unterklmft ganz unentgeltlich. Die Errichtung dieses Asyls ist der Jmttattve der Frau Rune Reichmann zu danken, die mit dem von ihr gebildeten Organisationskomitee das Werk zustande brachte und es der Verwaltung der jüdischen Gemeinde übergab. Bühne und Kunst. „Patrioten". Neue Wetter Bühne. Im Weltkrieg rächte sich die Schuld der Väter an den Kindern. Aber siehe, es geschah bisweilen, daß der Heldentod der Söhne dm: Vätern im Hinterlande Häuser baute, und daß sie sichs gefallet: ließe::. Es ist festzuhalten — rmd wird in dieser bemerkenswerten' fral:zösischen Komödie von Marcel Pagnol rmd Paul Rivoir an einem Exempel festgeh alte:: —, daß bisweilen die Trauer um den gefallener: Sohn, das Vaterherz keineswegs brach, daß es vielmehr unter der: Trauerklei' err: recht lebensfroh und erfolgshungrig schlug. Auf den Lippen die bervegte Klage um den Tonern, Unvergeßlichen, der 'im Schüserrgraben elend verreckte, im Busei: das Behage:: wachsen'.en Wohlstandes und 'gesel schuf sichen Einflu's s. Der Ne irrun-gBeamte Bachelet hat anläßlich der Gedenkfeier für seinen Heldensohn rednerische Gaben an den Tag gelegt, die ihm ein ADgevrdnetenmandat verschaffen. Sein Brustton der Überzeugung imd der Glorienschein, den er als Baler eines ruhmreich gefallmen Unteroffiziers trägt, hat die Aufmerksamkeit eines politischen Klüngels auf ihn gelenkt. Er scheint dm Herren ein tauglicher Vorspann ihrer Aspirationm zu sein und tatsächlich erringen sie, mit Bachrlet als Listenführer, eine runde Zahl von Parlamentssitzen. Rur ist während der heißesten Wahlkampagne, just am Tage vor der StimmenabMe, der tobgeglaubte Heldensohn zurückgekehrt. Papa empfängt ihn mit gemischten Gefühlen. Die Parteiführer sorgm dafür, daß Henri's, des gefallenen Helden, Heimkehr, bis zum Skrutinium verheimlicht wird. Auch weiterhin. Denn Vater Wcheltzt avanciert zum Min:-, ster und der Sohn läßt sich überreden, mit falschen Dokumentm gut und angenehm weiterzuleben. Er entschließt sich, nach Ueberwindung anfänglichen empörten Widerstrebens, auf den Schwindel einzugehcn, dmn er sieht nicht ein, warum er an den: Gewinn, dm seine Sippe aus der Mär von seinem Heldentode schlug, nicht teilnehme:: soll. Die Satire ist kräftig und bitter geformt. Nur einige süßlich-sentimentale Einlagen. wirken störend, insbesondere die des Wiedersehens Henris mit seiner Frau, die inzwischen geheiratet hat. Wo Selbstsucht der Hinterländler und einträgliche Streberei eines „Heldenvaters" so blutig hergenommm werden, ist bewegte Klage über Wiedervevchclichung, vier Jahre nach dem in der Verlustliste verbuchten Tod des Gattm — also über eine dürchaus natürliche und einwandfreie Kriegsfolge — nicht gut angebracht. Der Spielleiter, Rudolf Zeisel, überspitzte die Satire nicht, gab ihr vielmehr einen Zusatz menschlichen Begreifens und Verzeihms. Mit Recht, weil bei dieser Aufführung Karl Goetz dm Hanptpart hat und dm »Beamten Bachelet nach seiner Art als naiom, von gefinkelten Spekulanten klug hinausgestellten, in seiner naiven Freude über fabelhafte Erfolge durchaus liebenswerten Kleinbürger ge- , staltet. Mit der großen Szene, in der er beichtet, wie ihn der Ruhnl, Vater eines helderrhast gefallenen Kriegers zu sein, zum angesehmen, erfolgreichen, ehrgeizigm Positiker machte, rührte er^ nicht nur dm Sohnsondern auch bas' Publikum. (Gleichwohl, mit Vorlaub, keine Rolle für Karl Goetz.) Ausgezeichnet trifft Theo Sh all (Henri) den Uebergang von schmerzlicher Empörung über das Wiedersehm mit einem recht gewandelten Papa zu humorvollen:' Verständnis der Situation. Unter dm Mitwi "lenden ragen der witzige Ernst 'Wurmser und die feine Maria Karsten besonders hervor. Nicht ohne Geist hat Salmhofer die bissig parodievmtde kakophöne Bezlsiunnsik geschrieben. Die Premiere schlug ein. - O. Ä. A»s den Theater«. Operntheater. Morgen, haH 3 Uhr nachmittags, , „Peterchens Mond f-ahr t"; hallb 8 Uhr abends, ,£ urandot". B'Urgth eqter. Morgen, halb.8 Uhr, „Leoni e". Arademietheater. Morgen, hallo 8 Uhr, ,/stiefmama". Bo.l'k s op. e r. Dienstag gelangt zum erstenmal musilkalisch und textlich neulearbe-itet. Offen'bachs komische Oper ,O rph e uS i n ber UnterwelL" zur Aufführung.. Theaoer an der Wien. Ende.dieses Monats findet 'die Premiere der Novität „DieÄönigi n", Buch von Ernst Marischla und Bruno Granichsiaedten, Musik von Oskar Straus, statt. Th e a t e r i n d e r Josef st a d t. Sonntag, haW 12 Uhr vormittags, Nivke-Gedächtnisfeier. L u st spiel th ea t e r. Heute, .wird „Charleys Tante", BurloÄe Braudon.Thomas, neu in Szene geletzt, geglLen. ' . . . M o d e r n e s'Th ea her. Die für heute ails .Nach:vor». stellung geplante Aufführung von Kämenskh's satanistischem Spiel „Die schwarze Masse" mußte auf nächste Woche verlegt werden. Neue Wiener Bühne. Zur öst-erreichischen Uraufführung wurde der Schwank „Hochzeitsreisen b e" von A. Nichols uno A. Mathews, deutsch'bon Dr. Herbert Furregg erworben. ‘ - Rola.ndbüh n e. Sonntag, 4 Uhr nachmittags, gelangt , mit Sigi Hofer und Adolf Glinger als Gästen die ,K l abriaspartie" und die „Unh eilige Johanna" zur Aufführung. - . - ■; ■ Die Opernwoche. In der nächsten Woche werden folgende! Werke aufgeführt: Sonntage abends: Intermezzo". Montag: „Zauberflöte" Mittwoch und Freitag: Intermezzo". Donnerstag: „Cavalleria rusticana" und „Der Bajazzo". Samstag:' ^annhäuser". Sonntag, den 30.: Margarethe". Dienstag eatergemstnde, Serie B, blau): „Andre Chenier". WIR HABEN,, UNSERE PRÄMIEN AKTION VERB Jahres - Abonnenten Halbjahres - Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahresbezugsgebühr nach Wahl: Josepbus ZTtavius SÄMTLICHE WERKE. In drei eleganten Prachtleinenbänden Mehr als 2000 Selten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder üfeimidi &eaeix GESCHICHTE DER JUDEN. Drei vornehme Geschenkbände. 2200 Seiten staik, oder Sven 3£edltn PALÄSTINA. Ein hetrl.Lexikonband m 300neuen Bildern ausErezIsrael ln meisterhaiterRepruduktlon. 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Nachher SAifh der Darga BeLH und Gimel; Sonntag, 10 Ahr vorm„ Fortsetzung der Büchsenleerung; halb 7 Uhr abends, interne n: i s chah - A ss a r - F e i e r. Festredner Pros. I. Gelernter. — Zion. Jugendorganisation Prater. lSamstag, 7 Uhr abends, in unserem Heim, „Ch a m ischa-A ssa r -F eier" mit reichhaltigem Progranun. — Zionistische Sektion, 20. Bezirk, Jägerstraße 28. Heute Vortrag Dr. Goldstein Mer Midrasch. jüdischer Kindergarten im 20. Bezirk. Die EinschreiHnn» gen finden 'bis ans weiteres in der Tempelkanzlei, 20. Bez., Kluükygasse 11, in der Zeit von 4—6 Uhr nachmittiags statt. Die Wohltätigkeitsakademie, die die ^Frauenhi^lfsa k t i .o it für Kranke und Wöchnerinnen" Mittwoch, ven 19. d. M., in den Olhmpiasälen Veranstalter', war ein großer Erfolg in künstlerischem un'> materiellen: Sinne. Von den Kunstkräften sind Fritz Blum (Wurgttheater), Leopold I w a ld (iVolkstheater), Rezitator Hans Kirchner, Gertrud Krauß mit ihrem Tanzensemble zu nennen. Jüdischen Charakter trugen die Darbietungen des LDerikantors G. Ma r, g ulie s, Sam. Schwagers und Prof. Simi trofskyS Eine Ueberraschung bDete das Gesck^wi'fterpaar Haftel (Geige und Klavier). Meisterhaft begleltete die Konzertpianistin Vally Bernhard. Die Fefta>kademie währte bis Mit ternacht. Serichtssaal. Lar Slsenbahnttnglkck aus dem Simmeringer Bahnhof. Wie erinnerlich, ereignete sich mn Pf:ngsti::onta.g vorigen Jahres in der Station Simmering der Ostbahi: ein folgenschweres -Unglück, bei dem zwei Pasisag i e r >2 getötet und eine große Zahl von Fahrgästen' teils »schwer, teils leicht verletzt wurden. Als schuldtragend an dem Unglück wurde der 36jährige Bahnangestellte Jo'hann Kling er festgestellt, der sich gestern vor einem Schöfsensenat unter Vorsitz des Hof-, rates Dr. Ra m sauer wegen Vergehens gegen .die Sicherheit des Lebens zu verantworten hatte. Klinger/ der für einen beurlaubten Kollegen den Weichen stelldienst ausnahmsiweife versah, Wartrotz feiner guten Qualifikation dem gesteigerten Feiertags-verkehr nichts gewachsen. Als ein Personenzug nicht fahrplanmäßig einlief, vergaß Klinger, die Weichen gu verstellen, und - so konnte sich' -das Unglück ’ ereignen. Ein' Waggon »des i' aus 16 Wagen bestehenden' Zuges sprang aus den' Schiemn und kam fast auf die Soitenwand zu liegen.'/. Zwei Fahrgäste, die in dem Wagen eingeguetscht wurden, namens Franz Weiß und Anna L o r e n erlitte:: . S ch ä d e l z e r t-r ü m m e r u n g e n- und . st a r b e n bald darauf. Etwa 20 Pevsonen wurden verletzt. Im. .. Laufe der Untersuchung wurde festgestellt, daß Klinger/" ■ bereits früher eine EntgllLisung eines Laftzuges verschuldet hatte. . Zu seiner Verantwortung gab der Angeklagte an, er habe infolge des starken Verkehres momentan den Kopf verloren und in der Verwirrung unglücklicherweise einen falschen Hebel betätigt. Im nächsten Moment sei die Entgleisung geschehen. Der als Zeuge , vernommene Vorstand des Bahnhofes Simmering, Otto S t e u e r, stellte Minger das «beste.Zeugnis aus- Das Unglück sei hauptsächlich auf die schar-f:i„ K reu 3 u n-g zurückzuführen, eine Ausn-ahmAweiche,. weil ein Zug um 16 Uhr ankommt und ein zweiter. Zug um: 15 Uhr abgeht. Bei anderen. scharfen Kreuzungengibt es zumindesteine- Minute Intervall. Außerdem.' habe Klinger bereits seit 7 Uhr ununterbrochen Dienst-' machen müssen. Nach Einvernahme einiger weiterer Zeugen erkannte der. Gerichtshof den Angeklagten des Vergehens gegen, die -körperliche Sicherheit s chuldig und verurteilte ihn bedingt mit dreijährig>er Bewährungsfrist zu drei Monaten strengen . Arrests. Friedensschlutz zwischen Advokaten und Finanzjuristen. Ueber Anregung des Finanzministers Dr. Kienböck fand eine. Aussprache zwischen dem Rechtsanwälte Dr. Walter Rode und dem Obmanne der Organisation der Finanzjuristen Oberfinanzrat Dr. Melkus statt, welche zu dem Ergebnisse führte, daß Dr. Rode die schriftliche Erklärung abgab, er habe mtt seinen: Pamphlet „Die Ausrott.u::g bet Beamten" nicht ge»' gen den einzelnen österreichischen Beamten zu Felde ■ ziehen wollen, und es liege ihm ferne, den einzelnen Beamten kränken zu wollen. Durch diese Erklärung Dr/ R o d e s erscheint der . Konflikt zwischen ihm und den Finanzjuristen beige legt. Verurteilung wegen eines Verbrechens schließt nicht von der GeweroeLerechtimtng ans. Das magistratische Bezirksamt fiir den 16. Bezirk in Wien hatte eine Annwldung der gewerbsmäßigen Uebernahme von Ankündigungen, sowie der.aewer s.rä i ea Mitteilung von Adre.sen an Jnt'res. senten nicht zur Kenntnis genommen und die ^lusfertigung des Gewerbescheines verweigert, weil der Gesuchsteller im rs des Vetr:/-:eS zu Jahre 1923 wegen Verbrechens einer einjährigen Kerkerstrafe verurteilt worden war. Gegen diese vom Bundesministerium für Handel und Verkchr bestätigte Entscheidung wurde die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof eingebracht, wel» cher ihr Folge gab und die angefochtene Entscheidung tveaen mangelhaften Verfahrens aushob. In der Begründung wird herdvrgehoben, daß die Verurteilung wegen eines Verbrechens an sich noch nicht vom Antritt eines Gelverbeißt. Es müssen vielmehr noch Umstände hinzutreten. welche die Behörde nach dev Eigentü: """ " anae- _ _ besorgen Umstände nicht echoben wurden^ iei aas.! hast.