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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-21 · Heft 2837 (21.1.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2837 (21.1.1927)
Date
1927-01-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nk. 2837 Wien, Freitag Wisner Morgrnzertung 21. Jänner 1927 HSchftpreise für Frauen. Der russische Stamm der P c e m j al e n ist ein wahres Paradies für heiratslustige Frauen» denn es gibt hier bei weitem mehr Männer als Frauen. Dieser große Frauennangel in Verbindung mit unglaublicher Dummheit hat zu einem Prozeß geführt, der sich wie ein Märchen aus 1001 Aacht anhört. Die jungen Leute bei den PermMn können nur sehr schwer Frauen finden, da bei diesem Stamm bei inertem mehr Knaben als Mädchen geboren tverden. Schon Nor einiger Zeit wurde berichtet, das; die Führer rm>d Häuptlinge deS Stammes einen Beschluß gefaßt haben, die Höhe )eö Hausgeldes für eine Frau feftgusetzen, da von habgierigen Vätern unglaublich hohe Kaufgelder gefordert wurden und die jungen Leute sich aus diesem Grunde ruf Wegelagerer undNaub verlegten, um die u nr fch w i n g l i ch h oh e n K a u hg eld e r für eine Frau .-ruf diese Weise zu erlangen. Cs wurden vor dem Kriege t'iS zu 5 0 0 0 9tübel für ein junges Mädchen ituu bcn Eltern gefordert, ehe sie in die Heirat willigten. Eine betriebsame Kartenlegerin hatte sich diesen Frcutenmangel zunutze gemacht und mit Htlfe ihrer Wahrsagekunst und „anderer schwarzer Künste" ein HeiratSdurcaa eröffnet, das mit weniger ehrlichen als drastischen Mitteln arbeitete, Lezlchungsiveisö die jungen Leute an der Nase herurnführte. Wenn ein junger, heiratslustiger Mann sich in ihr Geheimkabinett begab, um mit Hilfe der Wahrsagerei und der HeimtSvermittluniMlnst zu erfahren» ob ec in absehbarer Zeit zu einer Frau kommen würde, dam: mußte er erst vorher ein bedeutendes Lösegeld erlegen» Mn dom Geiste die Zunge zu lösen» der über die bevorstehende Hoirat Auskunft gab. Die Gelder waren aber alle umsonst gezahlt. Ganz besonders betrogen wurde aber ein junger reicher Permjake, dem die wahrsagende Frau sein ganzes Geld herauSzulocken verstand. Sie erklärte ihm, daß er eine ftl'öne und junge Frau bekommen würde, wenn er das Geld dazu gäbe, um sie aus ihrer verzauberten Gestalt zu befreien. Die Braut säße nämlich gefangen in einem kleinen Glase und hätte die etwas lächerliche Gestalt eines Flohes angenommen Der Floh wuvde dem NebeSbedürftigen Jüngling tatsächlich vorgezetgt und bildete nun auch vor Gericht das Corpus delicti. Angeblich sollte die Braut nach ihrer Befreiung auS ihrer häßlichen Gestalt auch über viel Geld und Kühe verfügen. Als der Bräutigam dem Geiste immer mehr Geld opferte, der die Braut erlösen sollte, ohne daß der Floh sich in die Braut verlvandelt hätte, klagte der Bräutigam die Wahrsagerin wegen BerugeS. Dieser Vorfall hat nun die Führer des Stammes veranlaßt, eine Konferenz für die nächste Zeit einzubevufen» die neue Höchstpreise für die Krauen festsetzen soll. Ter Man«, der Tote lebendig mache« wallte. Aus Moskau wird gemeldet: Eine Gruppe russischer Gelehrter hat vor einiger Zeit einen elektrischen Apparat konstruiert, der das menschliche oder tierische Herz in seiner Fnuktkon als Blntpumpe ersetzen sollte. Eine Anzahl von Versuchen soll hervorragend gelungen sein. Tiere, die man getötet hatte, erwachten wieder zum Leben, wenn man ihr Herz durch den Apparat ersetzte und reagierten auf jeglichen Sinnenreiz. Die Gelehrten konnten schließlich bekannt geben, daß sie imstande wären, einen toten Menschen wenigstens für einige Zeit wieder zum Leben zu erwecken. Da erlitt derjenige unter ihnen, der das wichtigste Organ des ApparteS als sein KonstruktkonSgeheimniS bewahrte, einen Unfall und starb, ohne wieder zum Bewußtsein zu kommen. Alle Versuche der Kollegen, ihn für Augenblicke inS Leben zurückzurufen, um daS Geheimnis zu erfahren, waren erfolglos. Er hat das Geheimnis mit sich ins Grab genommen, und die Welt wird wieder ein Weilchen warten müssen, bevor sie den Kampf mit dem Tode aufzunohmen vermag. Ile Dlamanlen wandern ans. Europa wird immer ärmer an Diamanten, und damit hängt cs zusammen, daß die Diamantenmode überhaupt dahinschwindet und hauptsächlich Perlen getragen werden. „Diamanten kommen ln Europa aus der Mode," erklärte einer der bedeutendsten Londoner Juwelenhändler; „sie wandern alle nach Amerika, wo sie für das Dreifache ihres Wertes von amerikanischen Millionären erstanden werden. Die meisten wertvollen Diamanten der Welt kommen durch London, bleiben aber nicht hier, sondern gehen nach der Neuen Welt, wo die fabelhaftesten Preise erzielt werden. Wenigstens 70 Prozent aller Diamanten der Welt sind jetzt in Amerika; 15 Prozent gehen nach dem Orient, und nur 15 Prozent werden in Europa verkauft. In den Bereinigten Staaten gilt der Besitz von Diamanten als der beste Beweis von Reichtum, und deshalb kaufen auch Leute Diamanten, die vielleicht eigentlich gar nicht das nötige Geld dafür haben. Jede Dollarmillionärin muß über einen kostbaren Diamantenschmuck verfügen, und so bleiben denn für die europäischen Damen in der Hauptsache nur Perlen übrig." Irr Arlerparagkaph kn der bratschen Studeatenschait. Breslau, 30. Jänner. Eine Vollversammlung der Studentenschaft der hiesigen Universität hcschloß gestern, sich zu Verhandlungen Wer die vom Kultusminister Becker gefordert« Ausschaltung des Arier- Paragraphen bereit zu erklären. Der Rektor Korne mann nahm sehr scharf Stellung gegen den Terrorismus der österreichischen und sudetendeutschen Hetzer. Die sozialistischen und christlich-nationalen Sprecher sowie der Vertreter der Gruppe der Kriegs- ( teUnchmer erklärten sich gegen das Rasjetrprinzip. nas ist der Ruf des Hasses, der durch die ganze Welt gellt. / B _n In einem grandiosen Zeitroman mmwamw des Dichters Kurl NOnzer ist dieser Schicksalsruf eingefangen. Blutrausch des Krieges, Entartung der Nachkriegszeit, Pogromgeheul in der Weltstadt, Schrei der Verblendeten und Verführten tönt aus einem Werk von unerhörter Spannung. Flammende Anklage, dumpfe Ergebung, Blut und Schmutz, Tränen u. Reinheit vereinigen sich zu einem Gemälde von mächtigem Format. „Jude UlftS KfCUZ** ist der judenroman unserer Zeit. erschütternd und wahrhaft. „Jude Uns Mrciiz' der große sensationelle Roman von Kurt Münzer erscheint ab Samstag, den 29. Jänner I. J. zum erstenmal in der „Wiener Morgenzeitung".

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