Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-01-20 · Heft 2836 (20.1.1927) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2836 (20.1.1927)
Date
1927-01-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2981924--28820-3016891
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 6 Men. Donnerstag Wiener M-rgrn-ettmrg 20. Jänner 1927 JÜDISCHE WEH Präsident Weizmami Mer Achad -aam. Präsident Dr. Weizmann äußerte sich unter dem Eindruck der Nachricht über das Mieden Achad Haams im Newyorker „Morning Journal": „Es ist einer von uns gegangen, der keinen Nachfolger haben wird, der durch fein Schreiben und Denken mehr als irgend jemand seiner Zeit die zionistische Beroegung in ihrer Palästina-Arbeit beeinflußt hat. Er kann in dieser Beziehung mit Tolstoj in seinen Glanzjahren verglichen tverden. Seine moralische Persönlichkeit übte auf uns allq eine mächtige Wirkung aus. Sein scharfer, logischer Verstand und seine bedingungslose Ergebenheit für das Judentum und Erez Israel beeinflußten die Arbeit sowohl derjenigen, die in Palästina leben, wie auch der außerhalb Palästinas Lebenden und Wirkenden. Er war ein Denker großen europäischen Stils, und obwohl seine philosophischen Anschauungen von der englischen Schule beeinflußt waren, hat er mchr als viele andere die Orientierung der zionistischen Politik vor und nach dem Krieg mitempfunden und verstanden. Ich hatte das Glück, mit ihm in der Periode vor der Balfour-Deklarationund nachher zusammenzuarbeitcn. Er war ein Meister des hebräischen Stils, und die ganze Schule der modernen jüdisch«» Literatur stand unter dem Einfluß nicht nur seiner Gedanken, sondern auch seines Stils. Ein großer Denker, eine große ethische Persönlichkeit, ein großer Jude und ein großer Freund Zions ist von uns gegangen, sein Platz wird nie ausgefüllt werden." Sludringliche Warnung vor einer Sinwandernng nach Frankreich. Das Pariser Komitee für jüdisches Auswanderungs- Wesen „Hias-Emigdirek" macht in einer neuerlichen Aussendung nachdrücllichst darauf aufmerksam, daß die materielle und'rechtliche Lage der jüdischen Emigranten in Frankreich in den letzten Wochen sich wieder verschlechtert hat. Trotz alledem wandern noch immer jüdische Emigranten, insbesondere Rückwanderer aus Palästina, nach Frankreich aus. Mer kein neuankommender Emigrant hat in Paris auch die geringste Aussicht, das Ausenthaltsrecht zu erlangen oder in irgendeinem Fach nnterzukomrnen, Die Arbeitslosigkeit ist gerade in jenen Arbeitsfächern überaus groß, die bis jetzt jüdischen Ein- Wanderern zugänglich gewesen find. Das vom „Hias- Emigdirek" subventionierte Pariser Bureau „Hilfe durch Arbeit" ist täglich immer mehr mit Arbeitslosen überfüllt, während die Zahl freier Arbeitsplätze täglich geringer wird. Es ergeht daher die dringende Warnung vor weiterem Zuzug in diesem Augenblick nach Frankreich. Das französische Ministerium des Aeußern, das sich dem Pariser „Hias-Emigdirek" gegenüber wiederholt sehr entgegenkommend zeigte, erllärt jetzt kategorisch, daß von nun an sämtliche Gesuche um Verlängerung der Transitvisa für Einwanderer oder Erlangung des Wohnvitb Arbeitsrechtes ausnahmslos abgewiesen werden. Salomon Reinach — Präsident der Akademie de» Fusrrlptiovr et Belles-Lettter. Der hervorragende französische Philologe und Archäologe Pros. Salonvon Reinach rvurde, wie I. T. A. meldet, zum Präsidenten der Aeademie Jnscriptions et Belles-Lettres in Paris für das Jahr 1927 gewählt. 'Es ist dies --ine der fünf Akademien des Institute de France; sie setzt sich aus 40 Historikern und Archäologen zusammen. Salomon Reinach wurde an» 19. August 1858 in St. Germain-en-Laye geboren. Sein Ruf wurde durch überaus wertvolle archäologische Entdeckungen begründet. 1886 wurde er an das Nationalmuseum für Antiquitäten berufen. 1902 wurde er Verwalter des Nationalmuseums in Frankreich. 1903 übernahm er die Redaktion der „Revue Archaeologigue", in dem gleichen Jahre tvurde er zum» Offizier der Ehrenlegion ernannt. Die von ihm 1902 bis 1903 an der Ecole du Louvre gehaltenen Vorlesungen über Kunst erschienen gesammelt unter dem Titel „Apollo" und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Professor Salomon Reinach ist Vizepräsident der Alliance Jsraelite Universelle und Mitglied des Komitees der Jewish Colonisation Association. Er war auch Präsideut der Societes des Etudes Juives. Berühmte jüdische Künstler schenken ihre Werke dem jüdischen NattoualfondS. Eine Anzahl der bekannten jüdischen Künstler in Frankreich spendeten ihren Beitrag an den Keren Kajemeth anläßlich oer Feier seines 25jährigen Jubtläurns in Paris; sie gaben ihre Bilder den» Fonds znm Gescherik und diese werden zu dessen Gunsten verkauft:! Unter den Spendern befinden sich: Rover mann (eine Landschaft), Marc Chagall (Porträt von Nachum Solo- IM), Feder (Juden von Tibertas), Hosiassohrr (Zwei Juden). L a k h o w s k h (Straße' in Jerusalem), Jane L e v h (Polnische Juden), Maxa N o r d a u (Eine jüdische Ladh). Chana Orloff (Jüdische Kostüme), Gottlieb (Ter verschwenderische Sohn). Nathan Stranr spendet 280.000 Kollar für dar Seluadheiirieairum in Ferufalrm. Aus Newyork berichtet I. T. A.: Die Organisation zionistischer Frauen Amerikas „Hadasfah" hielt in diesen Tagen in Netvyork ihre Jahresversammlung ab. Die Präsidentin, Frau Irma L. Lind he im, teilte mit, daß Nathan Straus 250.000 Dollar zwecks Schaffung eines Gefundheitszcntrums in Jerusalem zum Wähle aller palästinensischen Einwohner ohne Unterschied der Rasse und der Religion gespendet hat. Es wird den Namen „Nathan und Lina Gesundheitszentrum" führen und unter anderem ein Laboratorium für Milchpasteuri sicrung haben. Frau Lindheim gab Bericht über weitere größere Spenden und erwähnte, daß das Komitee für ^Schaffung eines Hospitals der hebräischen Universität die Aufbringung von einer Million Dollar sich zum Ziele gesetzt hat. Drei jüdische Senatoren in Frankreich wledttgeMhilt. Drei jüdische Senatoren wurden bei den letzten französischen Senatswahlen wieder in den Senat der französischen Republik entsendet. ES sind dies Paul Strauß (Seine- Departement), Lazare W e i l l e r (Departement Niederrhein), und Klotz (Somme-Departement). Das deutsche Palästina-Komitee. Ten» „Deutschen Komitee Pro-Palästina" zur Förderung der jüdischen Palästinasiedlung sind eine Reihe von Mitgliedern neu beigetreten, darunter GrafArco, Direktor der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie, Oberbürgermeister M. Brauer- Altona, Pfarrer Adolf Körell - Niederingelhekm, Bürgermeister Tr. Petersen - Hamburg, Ministerialdirektor Doktor S ch ä f f e vom Reichswirtschaftsministerium, Professor MaxSlevogt, Admiral a. D. v. T r u p p e l. Palästina a's Tourlstenlaud. In Berlin ist ein Palestine Touring Club gegründet worden, der sich zur Aufgabe setzt, alle Touristen nach Palästina und den Nachbarländern zwecks gegenseitiger Information und Hilfe zu organisieren, alle Reisevedinaungen nach Palästina und in Palästina, wie Schlffahrtsverbindungen, Bahnan'ch üs e, Ge'e. schastsreisen Führungen, Hotelwesen usw., zu verbessern. Es besteht der Plan, diesen Klub* Mer Deutschland hinaus auch auf andere Länder auszudehnen. Adresse vorerst Berlin W 15, Meineckestrahe 10. . Jitürefken der Weltliteratur!Die fctassisefke tfogimafMiag» aus dem Verlag Eugen Diederichs, Jena für Invatfksene und Minder (20 »Onde) zum Teil mit reichem Bildermaterial jjjf versehen, in entzückender Ausstattung von Prof. Ehmke Jeder ÜSand i f finig Varr&tiit stna: Französische Märchen, 2 Bände Finnisch-estnische Märchen Malaische Märchen Indianermärdien aus Südamerika ^Kaukasische Märchen > Afrikanische Märchen Neugriechische Märchen Südseemärcheri . Nordische Volksmärchen, 2 Bände Plattdeutsche Volksmärchen Musäus, Volksmärchen der Deutschen, 2 Bände Chinesische Volksmärchen Buddhistische Märchen Deutsche Märchen seit Grimm Russische Volksmärchen Kinder» und Hausmärchen von Grimm, 2 Bände BUCHHANDLUNG K Xöntt, Wien. 1. ROTENTUBMSTBASSE n J Bühne und Kunst. „S!i»den!enNebe." Modernes Theater. Ein bürgerliches Nachtasyl, in eine romantisch austapezierte Gartenlaube hineingestellt, so daß diese Studentensiebe, recte Tage des Lebens, die Moskauer Auflage von Alt-Heidelberg geworden sind. Man trinkt, raucht, singt, liebt, wird sentimental, und wenn der Rausch am größten, ist die Frage nach Gott am nächsten. Me'Szenen bis zum Hals hinauf in Stimmung getaucht: in jedem russischen Stück mutz man warten, bis der Mond aüsgcht. Manchmal gibt es atmosphärische Störungen und das dauert dann lange.' Ludwig Körners Regie — bis auf die realistisch sicheren Bühnenbilder — zerdehnte die Szenen, machte ans Blauer Vogel-Poesie Götterdämmerungen. Und im übrigen: die Mittel! uroipäer können keine Nüssen spielen. (Das ist kein Dogma von mir.) Schauspielerisch geschliffen, von nicht immer angenehmem Pointillismus Frau N o s a r, allzuleicht zerslatternd Benito S m y t t, sagen wir ,.brav" Achat, Friedrich, Hardtmuth, Berstl. Der Leutnant H e i n l i n g e r gut studierte Charge, Herr v. Ranken wedekindisch. In Kamilla Webers Olga kennt man sich nicht aus; eine Henny Porten, die in das Büchschen der Pandora geraten ist. Die Kulisse war anfangs sch, bröckelte aber später ab. Die „Tage des Lebens" zogen sich bis spät in die Nacht. Aber man ließ sich von der weiten russischen Seide einfangen, nahm Banalität für Tiefe und applaudierte gerührt. Textstriche und Tempobeschleunigung können dem Spiel des Leonid Andreje-w zu Erfolg verhelfen. o. r. ÄUS den Theatern. Burgt.heaier. Morgen, 7 Uhr, „Peer. Gynt". (Abonnement 1. Gruppe.) Operntheater. Morgen, A8 Uhr, ,Jnter- Älkademietheater. Morgen, A8 Uhr, „D i e Welt, in Der man sich langweilt". (Abonnement 3. Gruppe.) Deutsches V o lk s th ea te r. Neben der Neuinszenierung des Trauerspieles „Ein Bruderzwist im Hause H a b s b >u r g" von Grillparzer, wird GalsworchyS Komödie „F l u ch t" (Escape), in der deutschen Uebersebung von Leon Schallt, vorbereitet. Sonntag, 3 Uhr nachm^ „Der vlaue Vogel". Neue Wiener Bühne. Sonntag nachmlttag Renalssance»DMme. Im Rahmen eines literarischen Abends gelangte ein tieftrauriges Drama „Richterin Mutter" von Anton Dörfler zur Uraufführung. Was die Darstellerin der Titelrolle, Hansi Niese, betrifft, braucht man deinen Richter nicht. Sie spielt eine'schwevgeprüfte Mutter und spielt sie außerordentlich. 'Auch eine Debütantin, Else B a u l o, die über die nicht gewöhnliche Qualität seelischer Anmut verfügt, machte uns Freude. Da sich gleiches von dem Stück des jungen Autors keineswegs sagen läßt, wollen wir nicht weiter die offensichtlichen Mängel seines Werkes aufzeigen und hoffen, daß sein nächstes Drama besser ausfällt. Hakoah-Orchester. Dienstag, den 25. d. M., findet int Olympia-Saale eine vom Zionistischen Landeskomitee veranstaltete Trauerfeier statt, bei welcher das Orchester mit- . wirken wird. In Anbetracht des Umstandes, daß uns fürdiese Veranstaltung nur eine Probe zur Verfügung steht, werden die Mitglieder um unbedingt pünkliches und vollzähliges Erscheinen zur nächsten Sonntagsprobe ersucht. Heute, Donnerstag, um halb 9 Uhr abends, Ausschußsitzung im Klubheim. Vorige Woche fand die Promotion unseres langjährigen Mitgliedes, Dr. Weitz, zum Doktor der Rechte statt. Das Hakoah-Orchester gratuliert herzlichst! Lustiger jüdischer Abend im KonzerthauS. Dr. Pr 2e r liest am 6. Februar im Mittleren Konzerthaussaal üdische Schwänke. Karten von 70 Groschen bis . Schilling bei R. Lanhi, 1. Bez., Kärntnerstraße 44, Buchhandlung R. Löwit, 1. Bez., Rotenturmstratze 23 und Bücherstube Rath, 2. Bez., Taborstraße 20a. „Dybuk"-Premiere in Zagreb. Das Nationaltheater in Zagreb (Jugoslawien), wird am Samstag, den 23. d. M., zum ersten Male An-skis „Dhbuk" spielen. Die Regie fühtt Direktor Joo N a i c, Musik von Prof. Ziga Hirschl er. Die kroatische Übersetzung stammt von Frau Nina V a v r a. Nosenstock geht nach Wiesbaden. Der Generaldirektor Joseph R o s e n st o ck am hessischen Landestheater in D a r w» stadt hat einen Ruf als Nachfolger Klemperers an das StaatStheater in Wiesbaden erhalten. Die Verwaltungs- »ion des hessischen Landeschraters hat sich bereit ev* ett bis zun» Herbst 1928 laufenden Vertrag RosenstockS mit Ende dieser Sp»elzeit zu lösen, um dem Künstler die Annahme der Berufung nach Wiesbaden zu ermöglichen. Gegen die Ernennung Rosenstocks zum Generalmusikdirektoin Darmstadt hatten seinerzeit die Rechtspartei^ im hessischen Landtag protestiert. Vereine, Borträge und Versammlungen. Zionistische Bezirkssektion Loopoldstadt, 2. Bez., Zirkus« gaste 33. Heute, Donnerstag, 8 . Uhr a'bends, Vortrag D r. K r ist i a no pol l e r über „Das zweite M'ische Neiich — Wiener Bet-Hamidrasch, 3. TempÄgasse 3. Heute, 6 Uhr, LÄtor Dr. S. Gelb haus: „Historische Psalmen". — Zionistische BozLrkssektion Währing—Zionistische FvauenbezlrkSsettion 18. Heute. K9 Uhr abends, im Cafe Jubiläum, S. Beg., Währingerstraße 104a (Stadtbahnviadukt), Vortrag Dr. N. M. Gelber: „Die österreichische Polizei und das napoleomsche Shnhedrion". Gäste wMommen! Landesverband der Ztonisten-RevistonMn. Heute, AlO tWjr abends im Cafe Colosseum (Nußdörferstrabe) wichtige Exelutive-Sitzung. 7ns tttdistfie Maus das iüdisdie matt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.