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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-20 · Heft 2836 (20.1.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2836 (20.1.1927)
Date
1927-01-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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N r. SSW Men, Donnerstag 20. Jänner IM Men, 20. Jänner. Diese Joden! Der ungarische christliche Kurs hat entschieden Pech. MS der Krieg au-brach, wurden sämtliche an ungarische Staatsbürger verliehenen Auszeichnungen der französischen Dhrenlegion "für ungültig erklärt; die zwei ersten Ritterkreuze der Ehrenlegion» die jetzt nach dem Kriege an Ungarn verliehen wurden, sind die der zwei jüdischen Dichter Franz Molnar und Eugen Heltai. Beide Dichter» deren Werke in nahezu sämtlich» Kultursprachen übersetzt wurden, stehen in ihrer Heimat auf dem Index. ES dürfte im AuSlande kaum bekannt sein, datz im Budapester Nattonaltheater kein Stück von Franz Molnar gegeben werden darf, weil er Jude ist. DaS Pech des christlichen Kurses besteht nun darin, daß die Pariser Presst diese Auszeichnungen als eine Anerkennung magyarischer Kultur billigte und daß der ungarische Gesandte in Paris Baron Koranhi, nebenbei gesagt auch ein Judenstämnrling, bei einer zu Ehren MolnarS veranstalteten Feier namens der ungarischen Regierung seiner Freude Ausdruck geben mutzte, datz in Franz Molnar magyarischer Geist zu Ehren gelangt sei. Daheim noch immer Boykott jüdischer Talente, Numerus clausuS auf allen Gebieten, in der Fremde jedoch heuchlerischer Liberalismus und Kttlturkämpfcr? Das ist antisemitische Methode nicht nur in Ungarn. AUS dem Haust Nochschiw. Frau Clarissa Rothschild, die Gattin AlfonS Rothschilds hat gestern früh einem gesunden Mädchen daS Leven geschenkt. sitzenden des Waad wurde Herr Dr. David Rothblum, zu dessen Stellvertreter Herr Dr. Chnim Tartakower gewähr Die Organisierung der Vorträge wurde den Herren Prof. M. Chartiner und S. Picker übergeben. Der Klub veranstaltet jeden SamStag, halb 8 Uhr abends, in den Lokalitäten der Zionistischen BezirksMion, S. Bez. ZirkuSgasse 33, hebräische Borträge mir anschließenden Diskussionen. Alle HebrSischstrechenden und Verstehenden herzlich willkommen. Die Vorträge 'der nächsten ' Wochen, me auch noch jeweils in der „Wiener Morgenzeitung" angekündigt werden, sind folgender 22. Jänner, halb 8 Uhr: terr Iochanan Kien: „Die hebräische Musik-. 29. Jänner: r. Ernst Müller: „Die Psychologie der hebräischen Sprache". 5. Februar: Schlomoh Auerb ach: „Die all; mein menschlichen Motive im <*' ~ J bruar: Dr. A. Birnbaum: Volkswirtschaftslehre". chafstn Bialtks". 1% Fe- „Der Werkbegriff 4.r der E Gegen Hartleibigkeit und Hämorrhoiden, Magen- und Darmstörungen, Lever- und Mtlzanschwellung, Rücken- und Kreuzschmerzen ist das natürliche „Franz- Joftf"-Bittevwasser, täglich mehrmals gc-nommen, An herrliches Mittel. Aerztliche Prüfungen bei Erkrankungen der Unterleibsorgane haben festgestellt, daß das Franz« Joses-Wasser sicher lösend und immer gelinde ableitend wirkt. Erhältlich in Apotheken und Drogerien. E Mit kleinen Schönheitsfehlern reizende Modelle zu ver« Mffend biMgen Preisen im Del-AaHtwcnturverikauf. JLSkäJuL Igpau u-charanagiiß ^vaKscULpssssttnal |saitöa^atlaS5£n tp%SÜbe^bPocÄat to^u.: Ile mit Weinßn LebÄDsttsfWsVN. i>ßpbluttend “billigI * {5. Fortsetzung.) <’ Cttpyrigth by Oterg Müller String 4. Q„ München 1927. SHe fremden Jahre. £ine ostfiidiscf&c jfe^ende von £mif t&evnfkmdL tftoftn. Die grotzdeutsche Zeitung in Baden eingegangen. Aus Baden wird uns gemeldet: DaS hiesige Blatt „Badener BezirkSbo re", das Organ der hiesigen Grotzdentschen, hat sein Erscheinen eingestellt. Giftbezugsscheine für den Rattenkampftag beheben! Am 27. und 28. Jänner werden in Wien Großkampftage gegen die Rattenplage durchgeführt. Eine große Zahl von Hauseigentümern hat die Bezugsscheine für daS Rattengift vom magistratischen Bezirksamt noch nicht abgeholt. Der ~~ ‘ daß behördliche Organe die , der Nattsnvertilgung überaufmerkfam gemacht, daö die Giftbezugsscheine spätestens bis W. Jänner behoben werden müssen. Das Rattengift selbst mutz bis längstens 25. Jänner bezogen werden. Die Lebensmüden. Gestern vormittags verspütten die Bewohner deS Hauses» 12. Bez.» Siengrienergasse 11, einen durchdringenden Leuchtgasgeruch, der aus der Wohnung der 86jäh:igen Privaten Leopoldine N o s k o kam. Die Wohnung wurde aufgesprengt und man fand die Nosko bereits tot auf. Nach Abschiedsbriefen hat sie die Tat wegen Familienzwistes verübt. — Aus einem Fenster im dritten Stock des Hauses Hernalser Hauptstraße 148, hat sich gestern vormittags ein im Haufe unbekannter alter Mann in den Hof gestürzt und blieb tot liegen. Der Tote wurde als der 64jährige, nnterstandslose Pfründner Wenzel Worizek agnoszierL — Der Wehrmann Jolmnn Brunner, der in einer Badener Heilanstalt in Pflege stand, hat sich gestern wegen eines unhrilibaren Leidens erschossen. — Der bSjähnge Rechtsanwalt in Ungarisch-Altenburg, Dr. Alexander Schöpf hat sich durch einen Nedolvcrfchuß getötet. Das Motiv der Tat soll in schlechten finanziellen Verhältnissen liegen. Grellfarbige Herrenanzüge in London. Aus London wird gemeldet: Die führenden Londoner Herrenschneider haben eine Revolution auf dem Gebiete der Herrennwde proklamiert. Sie haben erklät, datz sie, entsprechend der bunten Damenmode, grellfarbige Herrenanzüge in die Mode zu bringen beabsichtigen. Tatsächlich sind bereits mehrere tonangebende Herren der Londoner Gesellschaft mit rosaroten und orange gelben Sakkoanzügen an die Riviera abaereist. Zn den buntleuchtenden Herrenanzügen gehören selbstverständlich Schuhe, Socken und Kravatten en entsprechenden Farben-» nüancen. ' Grazer Gedenkfeier für Achad Haam. In Graz findet heute, Mittwoch, imJrrwischsaale eine Gedenkfeier für Achad Haam statt, welche von der zionistischen Ortsgruppe Graz veranstaltet wird. Die Gedenkrede hält Herr Oberlehrer Julius Steiner. Moadou Jwrl. (Hebräischer Sprachklub.j In der Sitzung des Waad dom 15. d. M.» wurde als Name des Klubs „Moadon Jlvri" festgelcgt. Zum Bor- So werden aus den Monden Jahre, und Reb Wje hat mehr als einmal einen Tag lmö -eine Nacht, wo er einen Weheruf vernimmt und weiß dann, daß wieder ein Kind gekommen ist. Fedesnral durchzuckt ihn die höchste Lust, jedesmal das tiefste Weh, als wenn Himmel unk A^rund sich um ihn rissen. Und er zählt die Rufe 'und die Kinder. »Hetzt bekäme sie das zweite, jetzt das dritte", sagt er sich und ermißt -die Schmerzerr mtb Wonnen, um die .er das Mädchen gebracht, an den eigenere Wonnen und Schmerzen. ' < Dabei ist ihm alles rätselhaft, Und er weiß sich nicht zu helfen, als indem er weiter zwischen Tagen und MGten scheidet. > „Ihr den Tcy und mir die Nacht!" stöhnt er oft. Allsabbatlich aber, werrn der hxilige Tag zur Rüste geht, und er die Hawdole, die große Tagesscheidx singt, weint Reb Eilje. t Er singt: „Der da' scheidet zwischen Weihe und Unweihe, unsere Sünden er verzeihe!" und weint. Denn er trägt schweren Kummer, daß er die Nacht nicht zum Tage bringen kann und den Tag nicht zur Nacht. „Die Nacht ist zum Lernen da", trösten ihn die Weisen, und so lernt er bei Nacht, läßt die Männer kommen bei Nacht, schlichtet bei der Kerze ihren Streit, entscheidet mit Strenge wie zuvor, nur alles bei Nacht. ( Dann schläft er eine Stunde, steht wieder auf und verläßt die Welt des Lernens, um mit Kindern zu singen, oder mit Frauen zu sorgen, allein im Walde zu gehen und in seinem Brausen die Stimme Gottes zu hören.'KonrmL er aber wieder nach Hause, so quält er sich doch, daß er die Nacht nicht zum Tage bringen kann. Der alte Schulklopser ist inzwischen noch älter geworden, er sieht ganz herabgekvmmen aus und riecht auf zehn Schritte nach Branntwein. Die Leute machen Reb Eilje auf das Aergernis ausinerksam: Soll der Row mit ihm reden! - | Reb Eilje schnürt es aber die Kehle zü, rvemr er den Alten sieht. Er schweigt.! '! - .; ’ r Eines Tages erfährt Reb Eilje seinen dritten großen Ruf. Kommt da ein Wagen von Zamoez gefahren, undlber Bauer, der ihn fährt, nberbringt dein Rabbi einen Brief, über den: geschrieben steht: WIR HABEN, UNSERE PRÄMIENAKTION VERB Jahres-Abonnenten Halbjahres-Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahresbezugsgebühr nach Wahl: Joseoftus 9To0<us SÄMTLICHE WERKE. In drei eleganten Prachtleinenbänden. Mehr als 2000 Seiten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder Ifeincdcfi 9i'«iet* GESCHICHTE DER JUDEN. Drei vornehme Geschenkbände. 2200 Selten stark, oder tfoev* Jfedtn PALÄSTINA. Ein herrl,Lexikonband m 800tieuen Bildern aus ErezIsrael ln meisterhatter Reproduktion. Text v. d. berühmten Porschungsreisenden. erhalten bei s__ . gebühr folgende Gratisprämien nach > (TVteacfo* JVevzt FEUILLETONS. Zwei geschmackvolle Geschenk* bände. 700 Seiten stark ' Molf (ßöftwn DIB ZIONISTISCHE BEWEGUNG. Zwei Bände in eitlem hocheleganten Großoktavband. Gebd. ca. 400 Seiten Xefmama ffenift DAS OSTIÜD1SCHE ANTLITZ. 52MeIsterzeichnungen. Text von Arnold Zweig. ßijthjßuviwn DAS SCHÖNSTE JÜDISCHE SAGENBUCH. 400 Seiten in modernem Leinenband. - Das Jahresabonnement der »Wiener Morgenzeitung* kostet für Oesterreich 8 60.*— und S ISO Porto- Spesen ** S 61.50, #Ör alle übrigen Länder das Zwölffache des am Kopfe des Blattes angegebenen igspreises, zuzüglich Portopesen von 8 2.50 im Gegenwerte der betreffenden Landesvaluta. Die „Wiener Morgenleitung* kann ln Wien In jeder Trafik bezogen werden. 2 s 3 „Rabbi Schmues, Sohn Nathans, an Rabbi Elisäh^ Sußmann, das Licht von Dobrze, die Leuchte des Exlls, der die schwachen Hände stärkt, strauchelnde Knie kräftigt, sehend macht die Minden und die Tauben hörend." < In dem Briese wird Reb Eilje mit vielen feinen Worte» der heiligen Sprache aufgefordert, mit dem' Wagen ohne Verzug nach Zamoez zu fahren, um als Gast an der 2km* mizwoh im Haufe des weisen Rabbi Schmuel teilzunehmen. Reb Eilje verwundert 'sich, hat er doch nie von jenen? Rabbi Schmuel gehört, aber, "da ihn die Thora ruft, was> soll er tun? r , , Setzt er' sich als» den'Wagen und fahrt. Und der Wagen "fliegt nur so durch den'Döbrzaner Wald, denn es' ist der Rüsttag 'des Sabbakh, und Reb Citje hat nur .-eine Sorge, vor Sabbath nach Zamoez zu kommen. Das verlassene Waldhaus fliegt vorüber und, wie er es sohalb im Traume erblickt, wird ihm ganz seltsam! zmnut, und er fragt sich, warum er denn eigentlich gefahren ist. Mer da sieht man schon die Türme jvon Zarnvez liegen, und im Nu sind sie am Rande der Stadt ange-, langt und halten kurz vor Sabbath vor einem hohen Hause. Der Hausherr, stattlich in Pelz und Seide, erwartet den Gast vor der Tür und bewillkommt ihn mit/dem Gruße des Frizens und siehe da, wer ist es? — Schwelle, der einstige Bocher in seinem Hause, nun die Leuchte von Zmnoez. Und wie herrlich er aus sieht: ein hoher Mann mit leuchtender Stirn und hellen, starken. Augm, so tritt er Reb Eilje entgegen und führt ihn,iq sein Haus. Da sind viele Juden versammelt, die beten und den Sabbath begrüßen, und danach kommen sie alle in die lStube des Hausherrn. Viele Kinder sitzen dort wie Oelbaumschöß^ linge um seinen Tisch, und, als der Vater eintrttt, fangen sie an zu singen: „Friede sei mit euch. Ihr Engel des Dienstes, Ihr Engel des Höchsten,", i Vom Heiligen, gelobt sei er!"- Äuf ec'ttmat Den sie -alle, Männer und Weiber, Und sieh, da steht der Barmrzwoh auf, ein feiner Knabe mit lieben, weichen Augen, und fängt zu reden an. Reb Eilje erstaunt, wie schön das Kind von der-Thova zu reden weiß, und alle wiegen den Kopf Und lächeln still?, Männer, Weiber und die Ander auch. Wie sich Reb Eiljj nun so im Herzen über die Klugheit des Kindes verwundert, hört er ein leises Weinen neben sich und sieht, ,böff eS die Mutter ist, die so weint. „Muß sie denn inpner iveinen, wenn ich koMnw?^ denkt Reb Eilje, aber da sieht er,'daß es diesmal glückliches Tränen "sind, die sie weint, und hört sie fragen: „Was sagt "Ihr, Row, wie ich mein Jüngel ha-',lernen lassen?" Und das fragt sie so, wie nur eine 'jüdische Mutter fragen Tann, und auch nur der ihrem erstgeborenen BarmlZwoh. „Oh, oh, vh!" macht Reb Eilje, aber da steht, schon Schmelke auf, Schnielke, der Bocher. „Nun, was wird er bringen?" denkt sich Reh Ellje, „ein grober Kopf war er nicht, nur müde, müde, rmnwv müde." i Wie nun aber Rabbi Schmuel zu reden änhe-t, wer> den Reb Eilje die Ohren gewaltig weit, ja, es ist. als wenn einer auS dem Wuirkeln ins Helle tritt, die Stube wivd ganz glänzrg, und alle schließen die Augen und lauschen ^verzückt den weisen und tiefen Worten aus des Hausherrn! Mmde. Reb Eilje sitzt ganz ergriffen *bcr, und wieder hört er die innige Stinrme neben 'sich fragen: „Was sagt Ihr, Row, zu meinem 'Schmelke^ Kr, das Beste, was Reb Eilje je gedacht hatte, wurde übertroffen von der Rede dieser erhobenen Leuchte, RE Schmuel, dem Großen von Zamoez, wie der in der Bav' mizwohnacht seines Erstgeborenen zu seinen Leuten redete. ^Fortsetzung folgt.)

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