Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2836 (20.1.1927)
- Date
- 1927-01-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2981924--28818-3016889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Men, Donnerstag 3Bieittt Morg«n^ett«ng SD. JSimer 1927 «Äfe-x Sie Mütter für den Frieden- Der Wiener Schwefternbrmd. Die Gründung , der Wiener Gruppe des von. der englischen Delegierten Mrs. W ebbs kürzlich angeregten „Schwesterbundes für die Völkerbundgedanken" hat gestern abends im Konzerthalls in einer Berfamnüung stattgesunden. die säst durchwegs von Frauen besucht roar. Es befanden sich unter ihnen die- Führerinnen der Wiener Frauenbewegung und eine ansehnliche Zahl von Schriftstellerinnen und Künstlerinnen. Das Hauptreferat erstattete Frau Helene Granit s ch, die an die Kriegsnachrichten anknüpfte, die aus Mitlelaincrika und aus China zu uns herüberdringen. Kanin jemals wurde es so deutlich wie jetzt, das; das Blut von jungen Menschen nicht wegen idealer Ziele van „Freiheit" und Patriotismus aufs Spiel gesetzt werden soll, sondern wegen rein wirtschaftlichen Fragen — in Amerika wegen Petroleum — an denen nur ein ganz bestimmter und enger Kreis wirklich interessiert, die aber der übrigen Menschheit die Opfer der Söhne und Väter nicht wert sind. Die Mütter der ganzen Welt, und vornehmlich die in den z u n ä ch st b e t? i l i g t e n Land e r n, lehnen sich daher auf gegen das Blutvergießen. Die Frauen werden sich einander über die Köpfe der Männer hinweg die Hände reichen, und dies hoffentlich, c h e e s z u s p ä t i st. Frau G r n n i t s ch ging, dann auf die Durchs ü hr u n g der Idee über, die ihren Mittelpunkt beim V ö lk c r b u n d i n Genf haben werde, dessen Frauenkomitee namentlich auch die Vermehrung des weiblichen Elementes unter den Delegierten der Nationen bezweckt. An der Diskussion beteiligten sich namentlich eine Anzahl von O f f i z i e r s f r a n e n unter Hinweis auf die Folgen des Krieges. Frau Rittmeister Glaser trat namentlich für eine stärkere Beteiligung der Frauen an der Politik edn; sie sollten ihre politischen Rechte etwas energischer als es die Männer tun zur Durchsetzung der Friedensprinzipien verwenden. — Ein anderes, als Schauspielerin bekanntes Mitglied, wies auf das Mittel der W a f f e n v e r w e i g e r u n g hin, und eine Rednerin empfahl als eines der Mittel zur Durchsetzung der Meinung der Frauen die Propaganda für einen Frauensteik im Sinne der „Lysistrata". Nach mehreren weiteren Reden wurde dann ein wmitee zur Erledigung der Werbungsarbeiten eingesetzt. klnsturrkataftrophe in einem Zirkus. Stuttgart, 19. Jänner. Heute abends gegen 7 Uhr stürzte vor einer Galavorstellung des Zirkus Sarra - sani in der Stadthalle ein als Tribüne aufgestellt-es Gerüst infolge der starken Belastung ein. Hiebei wurden, wie bisher festgestellt, 15 b i s 20 P e r s o n e n verletzt. Die Vorstellung wurde sofort abgesagt. Nach einer anderen Version verschob sich -infolge einer evnsetzenden Schwankung des Bodens auf der rechten Seite der Sitzplätze in der Höhe von etwa drei Metern eine Sitzreihe, die sich ineinander schob, wobei die Leute, meist ältere Personen, nach vorne stürzten und in die Manege fielen. ES handelt sich meist um leichte Verletzungen. Rauferei im Nürnberger Stadtrat. Nürnberg, 19. Jänner. Im- Stadtrat lourde ipite bei Beratung eines nationalsozialistischen Antrages auf Einführung eitler Lichtreklame-Steuer ein Stadtrat, der diesen Antrag begründete und hiebei den Sozialdenwkrateu Verrat an der Arbeiterschaft vorwarf, von sozialdemokratischen Stadträten ge ohrfeigt. und mit den Fäusten geihr... Cha-cha... Und die dritte Tugend, die leichtsinnige Magda, wohnt in der Katschalna-Gk ffc. Schande!" „Er kennt sie sogar dein Namen nach", dachte Posudiit und verfärbte sich. „Und wer weiß es? Ein grober Mensch, ein Kutscher, der fast niemals in die Stadt kommt . . . Wie abscheulich , . . häßlich . . . gemein!" „Woher ist dir denn dies alles bekannt?" fragte er mit erbitterte« Stimme. „Die Leute erzählen es . . . Selbst habe ich es ja nicht gesehen, aber von beit Leuten habe ich es gehört. Ist es> denn so schwer zu erfahren? Dem Leibdiener oder dem Kutscher fauu man die Zunge nicht ausschneiden . . . Ja, ja, Nastasja Jivanotona selbst läuft in allen Häusern herum und prahlt mit ihrcnt Weiberglück . . . Bor dein menschlichen Auge kann man sich nicht verstecken . . . Das ist auch so eine Manier von diesem Posudin: auf Untersuchungen fährt er geheim . . . Sein Vorgänger pflegte, sobald er irgendwohin fahren wollte, einen Monat früher zu benachrichtigen, und wenn er schon gefahren ist, dann hat er einen Lärm, Geräusch, ein Durcheinander und Getue gemacht, daß sich Gott erbarme! Bon vorne, hinten und zu beiden Seiten, sprangen die Leute nur so herum . . . An Ort und Stelle artgelangt, hat er sich ausgeschlafen, sattgegessen, vollgesoffen, urrd dann heran an die Dienstangelegenheit . . . Den Schlund ausgerissen, mit den Beinen gestampft, die Lerlte beschimpft, Ivieder tüchtig gesoffen und geschlafen, nnd damit war die Ordnung wieder l-ergestellt ... Posudin dagegen, sobald ihm irgeudelloas zu Ohrerr foirnut, kommt er in aller Stille herangefahren, streng, geheim, damit ihn rriemand hört oder steht . .. Eine Ueberraschurrg! Er schleicht heimlich vom Hause lveg, damit seine Untergebenen cs nicht bemerken, urrd — direkt in den Zug . . . Werru er eine Station erreicht, benützt er nicht derr Postwagen, oder sonst ein besseres Gespann, sondern mietet einen gewöhnliche^ Bauernwagen, hüllt UEBERNAHMSAN ZEIGE Jch beehre mich, dem P. T. ‘Publikum höii anzuzeigen, daß ich das Restaurant PAUL DE/ERL vorm. LEBER Wien, /., Bäbenbcrgerstraße 5 als Pächter übernommen habe. Ss wird als langjähriger Fachmann mein Bestreben sein* die P. T. Qäsle in jeder Hinsicht bestens suftiedemusieUen und wird besondere Sorgfalt für Küche und Keller und aufmerksamste Bedienung auigewendel werden. Um recht zahlreichen Zuspruch bittet f(A%L MA YBR Pächter. schlagen. Ihre Absicht, den Stadtrat aus dem Saal zu werfen, würde durch das Dazwischentreteu einiger anderer Stadträte vereitelt. Die öffentliche Sitzung wurde rrnter großer Erregung des Hauses und der Tribüne geschlossen. Ser Arlerparagravh ln der deutschen Studentenschaft. Berlin, 19. Jänner. Auf Einladung des Vorstandes der deutschen Studentenschaft findet am 29. und 30. Jänner in Magdeburg eine Besprechung der Vertreter der Stlideutenschasteil der preußischen Hochschulen mit den Rektoren der Hochschulen statt. Gegenstand der Besprechllng wird die Stellungnahme der deutschen Studentenschaft zu den Forderungen des Nntcrrichtsnnnisters Dr. Becker sein, der, ivie bekannt, die Streichung des Ärierpnragraphrtt bis;,mu 1. März verlangt. eine Million Dollar für die Assanierung der Rewtzorler Mette. Aus Newhork wird uns geschrieben: Als Antiport auf den Ausruf des Gouverneurs Smith im Interesse der Assanierung der East Side durch Bau von modernen billigen Strohhauseru an Stelle der gegenwärtigen „Slums" hat der jüdische Industrielle Fred L. Lewenberg, ein Schwager des verstorbeiren jüdischen Diplomaten Oscar S. Straus, eine Million Dollar für den Bail von hygienischen Volkshäufern in der zumeist von Juden bewohnten Ostseite von Newyork gewidmet. Die Leioeubcrg-Stiftung wird durch ein demnächst durch das Parlament deS Staates Nelvyork zu schassendes Gesetz als gemeinnützige „Fomtdatiön" inkorporiert Vierden, Nach den vorgelegten Plänen lvird das erste Siedlungshaus Wohnungen für 120 Familien mit allen modernen Einrichtungen haben. Der Mietzins für ein Zimmer lvird sechs Dollar für den Monat betragen. Da die „Foundation" nicht auf Gewinn berechnet ist, werden alle Einnahmen — auch das investierte Kapital soll nicht verzinst werden — für den Bail unter Stiftungshäuser M 8^8 ==4in der East Side, später auch in Brooklyn, sowie zur Schaffung anderer Wohlfahrt-- und Kultmanftalten ft* wendet werden. Si» neuer Fing um die Welt. Wie die italienischen Blätter Melden, soll der Flieger de Pinedo bei ebnem Empfange durch den Ministerpräsidenten Mussolini diesem erklärt haben, daß er zu seinem neuen Fluge über fünf Weltteile starten werde, sobald es die atmosphärischen Verhältnisse gestatten würden. Das Flugzeug, dessen sich de Pinedo be' diesem Fluge bedienen wird, steht bereits in Sesto Galen d t bereit. Bin vereitelter Mordplau. Aus Baden wird uns gemeldet: Die hiesige Polizei hat die gefährlichen Villm-Einbrecher Franz Malin a und Franz Za gier, sowie den 18jährigen Richard Franke verhaftet. Franke legte bei seiner Einvernahme das Geständnis ab, daß seine Komplizen auch einen Mord geplant Hütten. Nachdem sie bei dein beabsichtigten Einbruchsversuch in der Billa des Privaten Schreyer in der Rainergasse 11 verscheucht worden waren, soll Malina, ein bereits mehrmals vorbestrafter Verbrecher, vorgeschlagen haben, den Besitzer der Villa Rainergasse 7, den Privaten Nathan Goldhammcr, zu ermorde n und sodann die Kasse auszuraubcn. Franke erzählte bei der Polizei, daß folgender Plan ausgearbeitet worden war: Einer von ihnen sollte als Bettler auftreten, während ein zweiter durch das Fenster einsteigen sollte. Goldhammer sollte sodann geknebelt in das Badezimmer befördert und dort ermordet werden. Hierauf sollte die Leiche in die Badewanne gebracht und der Gashahn geöffnet werden, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Durch die rechtzeitige Verhaftung Malinas wurde dieser Mordplan vereitelt. Grobe ervlofion in Mariahilf. Ju einem großen Geschäftshaus in der Mariahilfer» strahe 45 hat sich gestern eine aufsehenerregende EZplosion ereignet. In dem großen Arbeitssaal der Kassetten- und Etuierzeugung Stadler ist ein Exhaustor angebracht, der die Holzspäne und den Staub aufsaugt und ins Freie leitet. Der Exhaustor mündet in einen Kamin, der gestern geputzt werden sollte. Der Rauchfangkehrer Jakubeh kroch in den Kamin und zündete dort eine Kerze an. Im nächsten Augenblick erfolgte eine Explosion, die das g a n z e HauZ erzittern machte. Der Kamin blieb mecktvürdigevweise unbeschädigt, dagegen wurden zahlreiche Fenster zertrümmert. Der Rauchfangkehrer und der Geschäftsinhaber erlitten schwere Brandwunden und mußten Volt der Nettungsgesellschaft in das Spital gebracht werden. In einem M o d i st e n g e sch äst iin Hause wurden aus Schreck über die Explosion fünf Frauen u n b M ä d ch c n ohnmächtig und mußten von der Rettungsgesellischasi gelabt iverden. ■rkeinjüd!schesHaiK ohne Standardwerke der jüdischen Geschichte! Beacltton Sio unsere Gratispr&mienaktion fär unsere Abonnent»* sich ejn, wie ein Weib, den ganzen Weg knurrt ec wie ein alter Hund, damit man ihn an der Stimme nicht erkennt. Wenn es die Leute erzählen, können die Därme platzen vor lauter Lachen . . . Der Dummkopf fährt und denkt, daß man ihlt unmöglich erkennen kann. Und itremt ein Mensch mib Verstand ihn erkennen will, dann fällt es ihm federleicht „Wie erkennt man ihn also?" „Gailz einfach. Früher mal, als dieser Ehochrjukow geheim zit fahren pflegte, erkannte man ihn an seinen schweren Händen. Wenn der Fahrgast über die Zähne haut, dann heißt cs, es ist Ehochrjukow... Und den Posudin erkennt man sogar im ersten Augenblick . . . Der alltägliche Passagier. hat auch alltägliche Manieren, toährend Posudin nicht von dem Schlage ist, um sich unauffällig zu benehmen. Wenn er, sagen wir, in eilte gewöhnliche Posthalte stelle einkehrt, geht es gleich los! Es riecht ilym zu viel, es ist zui dümmst. rüer gu tetft . . . Gleich verlangt er Brathähnchen, Früchte ltnd allerhand Eingemachtes ... In den Wirtschaften weiß man schm: wemt jemand im Winter Brathähnchen oder Früchte verlangt, dann ist es ganz bestimmt Posudin. Wemt jemand den Aufseher mit „mein Lieber" altspricht, ulld das Volk wegen verschiedener Dummheiten hernmjagt, dann kann man einen Eid ablegen, daß eS Posudin sei. . . Eilten Geruch gibt er von sich nicht wie andere Leute ... und schlafen legt er sich nach einer besonderen Manie - . . Wenn er sich im Hotel auf den Divan hinlegt, spritzt er ufn sich herum mit Parfüm und läßt sich um'S Kopfkiffen drei Keinen hinstellen ... Er liegt und liest in seinen Papieren. Da ist kein Beobachter mehr nötig, sondern jede Katze weiß, was für ein Mensch ..." „Stimmt, stimmt . . dachte Posudin. „Und wie kommt es nur, daß ich es bis jetzt nicht schon gewußt habe?" „Und wer es wissen muß", sagte der Kutscher fortfahrelld, .Her erfährt es auch ohne Früchte und ohne r . . Ir „ -f 1.14«; wiu» altes o faunt . - . Er kanit die Schnauze verhütten, sich ve stc-ckeit, soviel ec will, und trotzdem wissen die Leute, daß . kommt. Sie erwarten . . . Posudin hat sich noch nie cinnral von zu Hause entfernt, während hier schon alb pflichtgemäß bereit ist! Er kommt, um die Leute zu übe raschen, vor's Gericht zu stellen, oder vom Posten abzi letzeir, während sie sich über ihn nur lustig machen. ,O! wohl Euer Durchlaucht' - sagen sie ,geheim und ul verhasst gekonomen sind, finden Sie, daß bei uns' all, in Ordnung ist!' ... Er windet sich und dreht sich, dan willdet er sich nochmals und fährt mit dem weg, wom er gekonnnen ist . . Er ist sogar gezwungen, zu lobet drückt allen die Hände und bittet um Entschuldigung si die verursachte Störung ... So ist es! Und was dacht« Sie? Cha-cha . . . Euer Gnaden! Das Volk ist hi, durchtrieben, durch llnd durch! . . . Ergötzend ist es ai Mehen, was für schlaue Teufel es sind.. Nehmen wir zm Beispiel den heutigen Fall .. . Ich fahre heute morg« leer zur Station, da fährt inir der Büfettier von ft Bahnhofswirtschaft entgegen. .Wohin fährst du?' frage i ihn und er sagt: 'Ich führe Schnaps und Imbisse m< N - « . hin. Dort wird heute Posudilr erwartet . .Jlin was? Posudin ,nacht möglicherweise erst Vorbevritunge zur Reise, oder vermummt das Gesicht, damit nian th nicht erkennt. Vielleicht fährt er schon und denkt, da niemand von seiner Reise Kenntnis hat und da sinh ft ihn schon Schnaps, Käse und andere Imbisse vorbereite Ah? Er fährt und' denkt: ,Wehe Euch, Kinderchen!' währen die Kinderchen sich wenig Sorge machen! Cr soll nn kommen! Sie habeit längst alles beiseite geschafft . . .! „Zurück!" knurrte Posudin. „Fahre zurück, du Rin! Vieh!" Und. der verdutzte Kutscher fuhr zurück. (Aus bm. Russischen übersetzt von Simeon Silbermau«