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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-16 · Heft 2832 (16.1.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2832 (16.1.1927)
Date
1927-01-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Sonntag M»rge«zettr,ng 16. Jänner 1W7 Skr. 2832 VVVVSVVVVVVVVVVVVVvoSVVVVVVVVVVVVVVVVV Wer alle mSgllchen KMMMkll omchzemacht hat und trotz großer diätifcher Entbehrungen keine Gewichtsabnahme erzjelen konnte, versuche Dr. YoffbanerS EntfettNAstSlabletten, die vor allem keine Aenderung der gewohnten Lebensweise verlangen und ln kürzester Zeit Gewichtsverminderung bewirken. — Depot r Apotheke Bayer, Wollzoile Rr. IS Fruchtzucker chemisch miteinander verbunden. Traubenzucker allein ist nicht so süß iuic Rohrzucker, aber genau so nahrhaft. Es heißt, daß eine englische Gesellschaft beabsichtige, in der Nähe von Genf eine Fabrik ^.rr Erze'"--' von Zucker nach dem neuen Verfahren zu bauen. Sin InsekteN'Sowjetstaat. Maeterlincks „Leben der Termiten". Seinem schönsten Buch, dem vom Leben der Bienen, hat Maurice Maeterlinck jetzt, nach einem Bicrjeljahrhundert, ein noch schöneres folgen lassen, das uns die Wunder und die Mysterien des Termitenst a a t e s in anschaulicher Weise schildert; das tut des Dichters „Nie des Termites", aus Grund der über diese weißen Ameisen vorliegenden wissenschaftlichen Forschungen, was gleich vorausgeschickt werden mitjj; denn was er darstellt, ist so eigenartig, so spannend, oft geradezu grauenvoll, daß man es für Phantasie halten konnte. Die kleinen weißen Ameisen, welche die 'Tropen bevölkern, sie sind meist nicht größer als drei bis vier Millimeter' — haben eine gesellschaftliche Organisation geschaffen, die beispiellos ist. Sie wohnen in ganzen eigenen Städten, sie bauen Unterkünfte, die Hunderte Meter hoch sind. Ja man kann geradezu von Wolkenkratzern sprechen, die die Termiten errichtet haben. Nicht, als ob dabei ihre Bauten primitiv wären. Ganz im Gegenteil. Sie, kennen den Kuppelbau. Sie verwenden für ihre Bauten Sand und Holz. Sie sorgen auch dafür, daß der Bau haltbar sei, und zwar mittels eines klebrigen StosseS, den ihr Körper ausscheidet. In einer solchen Ternnte-nstadt herrscht musterhafte Ordnung. Auf den Straßen, die sie da angelegt haben, gibt es kleine Nischen, damit man einander ausweichen könne und der Verkehr keine Stockung erleide. Der Verkehr auf den Straßen ist überaus lebhaft und erfolgt nicht ziel- und planlos, denn jeder Weg, den die Termiten zurücklegen, hat einen bestimmten Zweck. Die Termiten müssen das herbeischaffen, dessen die Gemeinschaft zum Leben bedarf. Sie haben das Ernährungsproblem praktisch gelost, indem sie voU Cellulose leben, die überall auf der Welt zu finden ist. Normalerweise ist Cellulose unverdaulich, aber sie verbessern ihre Verdauung entweder durch ejne glänzende Mikrobenknltur oder durch den Genuß von Pilzen, die sie in ihren unterirdischen Gärten kultivieren, wovon sie immer genügend Saat vorrätig halten. Die Gewinnung dieses Nahrungsstofses erfolgt in überaus sinnreicher Weise. Eine ausgesprochene Arbeitsteilung tritt da in Wirksamkeit, indem die einzelnen Kasten der termittschen Gesellschaft eine bestimmte Funktion zwecks Gewinnung dieses Nahrungsstoffes verrichten. Maeterlinck vergleicht diese Organisation der Arbeit im Termitenstadt mit dem Sowjetsystem. Ein Kapitel für sich ist die Fortpflanzung. Nicht weniger als 30 Millionen Eier legt die Königin im Jahr. Ist aber einmal diese ihre Funktion zu Ende gegangen, wird sie unbarmherzig ausgehungert. Sie hat für den Staat keine Bedeutung mehr, sie bringt ihm keinen Nutzen, also mag sie sterben. Zeit ihres Lebens hat sie oewiffe Ehren genossen, vor allenl aber einen besonderen Schutz, der ihr von einer speziellen Kaste der Termiten geliehen wird. Daß ihr Mann nichts zu sagen hat, ist wohl nicht verwunderlich. Er ist der richtige P r i n z r e g e n t, der träge unter ihrem Bauche liegen und schweigen muß. Es gibt Arbeiter und Soldaten, selbstverständlich mit einer besonderen Funktion. Daß sie dieselbe gewissenhaft erfüllen, wird überwacht. Sie sind geschlechtslos gemacht. Es gibt weiters Nymphen. Die Termiten erzeugen nach Belieben eine Variation von Individuen und es steht ihnen ftei, entweder eine Königin zu züchten oder einen Soldaten oder einen Aristokraten oder einen Arbeiter. Sie brin/en dies fertig, trotzdem alle Eier, aus denen verschiedene Individualitäten geboren werden, allem Anschein nach identisch sind, während wir dummen Menschen nicht einmal das Geschlecht unserer Kinder voraus zu bestimmen vermögen. Eine unheimlich große, unheimlich organisierte Gesellschaft, die abwechselnd Staunen und Entsetzen Hervorrufen muß. Nicht nur, daß der Mensch es geradezu unfaßbar findet, eine Organisation vor sich zu haben, die in mancher Beziehung seine eigene mühsam erkämpste übertrlfst, er fleht sich oft von den Termiten in seiner Existenz schwer bedroht. Lassen wir Maeterlinck selbst darüber sprechen; er erzählt: „Die Termiten könnten für das ganze Menschengeschlecht eine schwere Gefahr werden, hätte nicht die Natur in ihrer Laune oder Milde die Fügung getroffen, daß das Infekt gegen Kälte sehr empfindlich ist. Unter 36 Grad geht das Tier zugrunde. Wo es aber hinkommt, richtet es furchtbare Verwüstungen an. Es gibt in den tropischen Gegenden der Erdoberfläche kein Insekt, das einen so unaufhörlichen Kampf gegen das Werk des Menschen fährt, wie die Termiten. Oft geschieht es, daß ein Haus Plötzlich von der Spitze bis zum Grunde z us a m m e m st ü r z t nnd sich fast wie Pulver auflöst. Wie ist das nur möglich? Die Termiten haben es von innen zerfressen. Möbel, Wäsche, Kleider, Schuhe, Lebens-' mittel, Bäume> Pflanzen, alles verschwindet. Nichts entgeht ihnen, so daß ihre Tätigkeit geradezu übernatürlich erscheint. Denn darin liegt das Wunderbare, daß, erst bis ihr Zerstörungswerk vollendet ist, der Mensch etwas davon zu merken beginnt. Wie sie das anstellen, ist ihr unerforfchliches Geheimnis... In Cambridge, in Australien, fallen ihnen die Waren in sämtlichen Delikatessengeschäften zum Opfer. Schinken, Speck, Feigen, Nüsse, Seife verschwinden wie von unsichtbarer Hand. Das Wachs aus den Weinflaschen wird durchgestoßen, dann der Kork. Dev ganze Wein fließt aus. Die Konservenschächte ln werden geradezu w i s s e n s ch a f t l i ch a u f g e m a ch t. Zuerst schaben sie die dünne Zinnschichte ab, dann spritzen sie einen eigenartigen Saft auf die zweite stärkere Metallschichte der Schachtel. Diese Schichte bekommt Rost und verliert die bisherige Stärke. Jetzt können sie die Schachtel durchstoßen. Wie sie es anstellen, daß man von außen nichts merkt? Sie scheiden, während sie innen arbeiten, eine glasurartige Flüssigkeit aus, deren Aufgabe cs ist, die äußere Hülle ganz unversehrt erscheinen zu lassen nnd zusammenzuhalten. Ein englischer Reisender namens F o r b e s erzählt in den Orientales Memoires, wie er, als er im Orient lebte, nach einer kurzen Reise in seiner Wohnung alle Bilder und ihre Rahmen vollständig vernichtet fand. Nur das Glas, das die Bilder deckte, war an Ort und Stelle geblieben. Mit unerhörter Sorgfalt war es an die 5—? Limm«v, Dingstraße oder gleichwertig« Lag«, Lift Dedingung oder IDezzauin, gegen Nb löse zu mieten gesucht. Nuch TauschrLume zuv Vev.üguug. Gv. Miete durch Hausherrn bei entsprechendem Lins. Anträge unter „Ruhiger Dauer- Mieter" an Heinrich Schaled, Wien, 1., *Do(ls«Ut V Mauern geklebt worden, und' zwar mit jenem Klebstoff, den die Termiten ausfcheiden. Denn dieses ganze Zerstörungswerk war von den Termiten ausgegangen ... Am Kongo ist cs eine regelmäßige Erscheinung, daß die Eisenbahnschwellen immer wieder von Termiten zerfressen und jedes Jahr ausgetauscht werden. Nicht anders steht es mit den Telegraphenstangen und mit den Holzteilen der Brücken. Manchmal arbeiten die Ternriteu im Großen und dehnen ihre Raubzüge auf eine ganze Stadt, ja auf eine ganze Gssgend aus. Im Jahre 1840 war durch ein Negerboot eine Schar Termiten nach Jamestown eingeschleppt worden. Wie groß war das Entsetzen der Eingeborenen, als sich nach längerer Zeit zeigte, daß fast die halbe Stadt von den Termiten unterhöhlt sei. Wie bei einem Erdbeben stürzten die Häuser zusammen. Im Hafen von Ferol wurde im Jahre 1879 ein spanisches Kriegsschiff zerstört. Die Termiten haben einmal die Entscheidung in einem Kolonialkriege herbeigesührt. Die Annalen der entomologischen Gesellschaft zitieren den Bericht des Generals Leckere, worin dieser berichtet: Die französischen Antillen konnten gegen die Engländer nicht verteidigt werden, weil die Termiten die Magazine verwüstet und Batterien und Munition unbrauchbar gemacht haben. Es ist durch Forscher einwandfrei festgestellt, daß gewisse Teile von Australien, Ceylon und Formosa von den Termiten unfruchtbar für alle Zeiten gemacht wurden." Diese Schilderung — Maeterlinck weiß die unheimlich stille Arbeit des Termitenvolkes meisterhaft darzustellen — evivecken oft das Grauen und zaubern uns ein geradezu unfaßbares Mysterium der Tierwelt vor. Bisher ist es nur in fernen Ländern ausgetreten; wie aber, wenn die Termiten sich an das europäische Klima gewöhnen würden?. Inden, Zionisten T Möbelfabrik J. SPIRA Feine '» Willi, VII., SltlttflSleiiiy. I~2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl-Sehweighofergasse) S» Rabbi als krzieher. Bon Raoul H. France. Verlag YMred Kröner, Leipzig, erschien ^oellen üer erste Teil der Autobiographie „'Der Weg zu mir" des Naturforschers Raoul H. France, der wir mit Erlaubnis des Berlages die nachstehende Anekdote entnehmen: Eine Besonderheit von Hradisch war der Rabbi M. Neben unserem Garten stand groß und ernst die Synagoge. Auf ihrem Giebel leuchteten die Gesetzestafeln des Mvfts gar oft bleich rmd fast drohend in unsere Mondnächte nieder. Neben dem Tempel aber wohnte der alte und würdige Rabbiner.' Auch er hatte ein Gärtchen und ganz von selbst spannen sich Nachbarbeziehnngen hinüber. Er hatte Freude an dem Knaben; sein Haus war einsam, sein, wie ich glaube, einziger Sohn war damals Privatdozent in Wien und ist heute eine der Leuchten: jener Universität. Viele Nachmittagsstunden habe ich im Hause des Rabbi verbracht, oft schickte er, der schwache Augen hatte, mich. gegen Abend hinaus: „Geh', ntci Sohn, schau, ob ma schon den Abendstern sieht." Dann brachte man den siebenarmigen Sabbathleuchter, und das war immer ein sehr feierlicher Anblick. An ganz heißen Sommernachmittagen sah ich in der Synagoge mit ihm. Da war es kühl nnd ein angenehmes grünes Licht floß von den Garten durch den stillen Raum. Er laS murmelnd hebräische Bücher, später unterrichtete er mich selbst, und ich lernte die Thora kennen mrd bekam allnrählich eine tiefe Achtung vor der Besonnenheit und inneren Festigung dieses patriarchalischen Judenlebens. Ost kamen welche aus der zahlreichen Gemeinde und die „Seelsorge" bestand hauptsächlich darin, daß sie dein weißbärtigen Rabbi ihre Geschastssorgen vortrugen und ihre Streitigkeiten.' Wie einer der alten Propheten. entschied er dann und riet rmd sie fügten sich. \ 1 Der junge M. war zum außerordentlichen Professor ernannt worden imd der Vater ging völlig verklärt umher. Die ganze Judengemeinde war stolz darauf. „Weit hat Gott Ihren Sohn gebracht," sagte zu ihm darüber einer der Besucher. Der Mte lächelte, strich den langen Bart, dann wiegte er bedächtig den Kopf. „Nein," sagte er hierauf leise, „weit gebracht hat rs nrei Sohn rrnd Gott hat es nur zugelassen." \ Das uxtr eine der feinsten theologischen Unterscheidungen, die ich je gehört habe. .; Kinderheiraten In Shina. Kinderheiraten kommen nirgends so häufig vor wie in den östlichen Ländern. Vor allem in China grürchet sich die ganze Existenz eines Mannes auf der Gründung einer Familie. Die Familie stellt hje Pflicht dar, die er gegenüber seinen Ahnen und Göttern auf sich genommen hat. Nach einer uralten Tradition muß der Mann etwa in der Mitte der Dreißiger-Jahre stehen, und die Frau 20 Jahre alt sein, damit sie das Alter für das Eingehen einer Ehe erreicht haben. Im Laufe der Zeit ist man aber von dieser Auffassung mehr und mehr abgekonnnen. Schon vor Jahrhunderten tourden Kinderheiraten im Reiche der Mitte häufig und es kam sogar so weit, daß die Ettern für den Sohn des Hauses die zukünftige Gattin wählten, als die Leiden Kinder noch in der Wiege lagen. Wenn sie darin 14 oder 15 Jahre alt waren (die Braut tvar noch jünger), wurde die Hochzeit gefeiert. Auch in unserer Zeit gehören chinesische Vater, die kaum 16 Jahre zählen, keineswegs zu den Seltenheiten. Besonders irr den ivohlhabenden Klassen. Und es kommt in den besten chinesischen Familien vor, daß die Urgroßeltern noch leben. Das sind dann fünf Geschlechter nebeneinander. Die Alten sirch der Meinung, daß man die Jugend am besten durch eine Heirat in Ordnung hält. In den großen Städten, wie z. B. Peking, Hankau und Kanton wurden etwa im Jahre 1905 die ersten Vereine gegründet, die das Ziel hatten, die Ehegefetze zu ändern. Unter dem! Volk wurde dafür agitiert, mit imnrer «euen Mitteln wurde das Gewissen geiveckt, nrit dem Erfolge, daß unter der Stadtjügend selbst eine Biegung ins Leben gerufen wurde, die das freiwillige Eingehen von späteren Heiraten zum Ziel! hatte, selbst auf die Gefahr eines Zerwürfnisses nrit den Eltern hin. Vor allem wurde die studierende Jugend'nicht müde, gegen den bestehenden Zustand anziMnPfen. Wie eS scheint, haben diese Bestrebungen großen Erfolg zu verzeichnen. Aus Peking kommt nämlich jetzt die Nachricht, daß der Minister für innere Angelegenheiten, ein Heiratsverbot angekündigt hat, in beut festgelegt wird, daß diejenigen, die ihre Kinder im Alter von weniger als achtzehn Jahren trauen lassen, sich strafbar machen. Diese Vorschrift soll so streng als möglich durchgeführt werden. mtssssssm uuBWBasmsmmsmuBmm Gebet uns Hochzeiten, Brith Milah, Bar Mizwoth und andere Feierlichkeiten bekannt! — Die Sammlungen für den Keren Kajemeth ermöglichen den Selbstkontingentlern die Aufbringung ihres Selbstkontingentes und tragen den Gedanken des Keren Kajemeth in die weitesten Kreise.

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