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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-16 · Heft 2832 (16.1.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2832 (16.1.1927)
Date
1927-01-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sekte 2 Men. Svnnrag Wiener Morgen-eitn«- 16. Männer 1927 Lm »in«r Aoel, ctts Ceschka-hute VII., Kalserslrat« 123 WIEN IX., Alserstrafie Nr. 6 Seipels Programm und fein Echo. —y, Wien. 16. Jänner 1927. ric erf(ai'im^cu bei BundeskanZlcrs Doktor Scipcl zu dcm antijüdischen Punkt im Programm der christlichsoziakcn Partei sind hier am Freitag mitgeteilt ioorden. Sie beziehen sich auf die in Oesterreich herrschende Partei,, der der Bundeskanzler mvgehört, imd in der nichts ohne die Zustimmung des Bundeskanzlers geschieht. Die Partei steht ganz unter dem bestimmenden Einflug des Doktor Seipel, ob er mm Bundeskanzler ist oder nicht. DaZ ist eine notorische Tatsache. Das Programm der Partei ist das Programm Doktor Seipels, imd niemand ist zu der Annahme berechtigt, dag auch nur ein Komma gegen die Willensmcinung des Führers niedergeschriebeu wird, geschweige denn die programmatische Abgrenzung des Kampfgebietes. Wenn die Partei erklärt, daß sie die Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet bekämpft, so erklärt dies Doktor Seipel, icz gewiß tu der Sitzung des Parteirates am 29. November 1929 zugegen war, in der das Programm beschlossen wurde. Der antijüdische Wille wurde in sehr feierlicher Weise kundgetan. Er wird am Schlüsse des Programmes ausgesprochen und mit dem nationalen Bekenntnis verbunden. . Es ist nicht so unnötig, diesen Punkt 8 des Programmes in seinem genauen Wortlaut hiehcrzusetzen: „Als national gesinnte Partei fordert die christlichsoziale Partei die Pflege deutscher Art und bekämpft die Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete. Insbesondere verlangt sie auch die Gleichberechtigung des deutschen Volkes in der europäischen Volkerfamilkc und die Ausgestaltung des Verhältnisses zum Deutschen Reich auf Grund LeS SelbstbestimmungSrechteS. Durch . das christliche Skttengesetz dazu verpflichtet, tritt sie" ein für wahre Völkerversöhnung und fite ein aufrichtiges Zusammenarbeiten aller Nationen zur Förderung und Wahrung dcS Friedens und zum Wohle aller." ES ist gewiß ein logischer Gegensatz zwischen dieser Sorte Pflege deutscher Art und der ivahren Völkerversöhnung. Aber dieser Gegensatz läßt sich durch kein Spiel mit Worten Merkleistern. Er ist eben die christlichsoziale Partei! Sie schließt das jüdische Volk aus denk aufrichtigen Zusammenarbeiten aus, beruft sich aber auf die durch das christliche Sittengesetz vorgeschriebene Pflicht. Dieser -Widerspruch, der sich ja nicht bloß auf dem jüdischen Gebiet zeigt, durchzieht die österreichische Politik, die nach innen nationalistisch, reaktionär und aufllärungsseindlich ist, nach außen aber die Solidarität mit der europäischen Kultur betont und in der Völkerbundtoga umhergeht. * Diese Feststellungen sind notwendig angesichts des Rates, der: uns die „Reichspost" gibt, der Interpretation des Parteiführers mehr zu trauen, als unserer eigenen „willkürlichen Auslegung". Es entspreche dem Geist des ganzen Programmes, aus das Wort „zersetzend" einen Akzent zu legen. Wenn sich der Geist gegen zersetzend wehrt, so ist doch die Frage, wozu eigentlich jüdisch dazugesetzt wurde? Ta trauen wir doch wirklich eher dem Parteiführer, der da sagt, daß die Partei eine antisemitische ist, und lehnen. alle scholastische Drehs ab. Das Echo der Seipelschen Erklärungen findet sich natürlich in der „Arbeiter-Zeitung", die sich schon seit langem. und nicht ohne Erfolg, um ihren Anteil am antisemitischen Monopol bemüht. Die jüdischen Bankmagnaten und Jndustrieherren seien vor Seipels Antisemitismus sicher. Die Teilung, die Seipel vornimmt, wird von der „Arbeiter- Zeitung" für ihre Rechnung akzeptiert. Das ist eben das schiefe an der Stellung der Juden. Jeder macht auf ihrem Rücken und auf ihre Kosten sein politisches Geschäft. Seipel ist kein Antisemit! schreit die „Arbeiter-Zeitung", die Sozialdemokraten sind zersetzende Juden —• sagt Doktor Seipel. Ter Jud ist Anfang und Ende ihrer Weisheit. Int „Tag" finden wir in der polittschen Sauce. die keinen Menschen interessieren kann, weil sie höchst gleichgültig ist. eine Bemerkimg, die wir nicht übergehen wollen. Dort steht: „Gewissermaßen als schwerstes Geschütz marschiert der Herr Bundeskanzler Dr. Seipel in höchst eigener Person auf, 2er ausgerechnet den Wiener Vertreter der jüdischen Telearaphen-Agentur kommen ließ und ihm höchst eigenmündig den Judenpnnkt deö Herrn Bundeskanzlers erklärte, worauf diese Erklärung getreulich in der jüdisch-nationalen „Morgenzxiiung". als dem ersten der Wiener Blätter publiziert wurde." Ter Sinn dieser Bemerkung ist klar. Die jüdischnationale ..Morgenzeitung" hat getreulich die Erklärung des Bundeskanzlers publiziert. Sie hat sich gewissermaßen dazu hergogeben, den Ehcistlichsoziälen Dienste zu leisten. Wir haben es nicht notwendig, diese Unterstellung zu widerlegen, am wenigsten, wenn sie in dem Blatt zu lesen ist. das Herr BoseL im parlamentarischen Untersuchungsausschuß als »meine Zeitung" bezeichnet hat. Diese Tatsache enthobt uns der Mühe, dem Blatt des Herrn Bösel zu antworten und Uns um feine Verdäckitigimgen weiter zu kümmern. Regierungsumbildung in -er Mel choslowalei. Die Slowaken geben die Abstinenz ans. — Zwei Minister. — Autonomie für bte Glowaket. Prag, 11. Jänner. Die slcwakische Frage, dw neben der deutschen das brennendste innerpolitischc Problem unir, hat ibre vorläufige Lösung gefunden. Nach drei Monate andauernden Verhandlungen faßte die slowakische V o l k s p a r t e i heute den Beschluß, in die Regkevung einziitretün und zwei Mimsterkandidalen namhaft zu machen. Die Regierung Svchla, die Mitte Oktober mit Einbeziehung der Deutschen gebildet wurde, findet erst durch diesen Beschluß der slowakischen Volkspartei ihre feste parlamentarische Basis. Die von Hlinka und Inriga geführte -slowakische Volkspartei, die Jahre hindurch in der schärfsten Opposition gegen den Prager Zentralismus stand, Ijot beschlossen, dein Ministerpräsidenten Svehla für die ihr zugesagten zwei Ministerien Ternavorschläge zu erstatten. Einen-der Kardinalpunkte der Verhandlungen mit der Regierung bildete die Besetzung des Ministeriums für die Slowakei, COSOLKH IM, TRIEST Herrliche Emolnniisreiseii i.n Mittclmeers mit dem Doppelechtanbendampf« STELLA D’ITALIA fthrplan der n&chaten Helsen : vom 1. bis 21. Febfuar 1927 nach ffca<efin«aslCMMi .... 21. Fcbr. bis u. Mitra nach Aegypten n. Griechenland vom lß. bis 28 Man Früblingsl&hrt ntch Sizilien, vom 8. bis 2r>. April Ottern ln Bpftnten, vom *'9. April bis 13. Mti za den klassischen Spiele» iS Syrakus. Unter Anlaufen zahlreicher Zwlsohenh&fen. Kostenlose Auskäufto, Prospekte and Platsbestellangen COSULICH LINE Wien, I. Parkring 20. Tel. 74-1-43 and Beisebnreaut. Rücktritt Des Leiters Det Tel Awiwer Polizei Tel Awlw, 15. Jänner. Der Leiter der Tel Awiwer Polizei, Halp-ern, hat laut dem „Haaretz" sein De. missionsgesnch überreicht. die durch oin Kompromiß erledigt wurde. Der Minister Kal Iah tritt zurück'', und das Ministerium für die Slowakei wird aufgehoben. Die slowakischen Angelegenheiten werden von einem Direktorium I geführt werden, das aus dem Schulminister Hob za und den Fwei Ministern der slowakischen Volkspartei f bestehen wird. Die Verhandlungen über die Reform der Vertvaltung werden im Sinne einer slowakischen Landesautonomie nach Art der a l t ö st e r r e i ch i s ch e n L ä n d e r a n t o n a m t c weitergesührl werden. Damit haben die Sloivaken ihre programmatische Forderung nach einer weitgehenden Autonomie aufgegeben oder zurückgestellt. Ein bedeutsames Zeichen für die Versöhnung zwischen Tschechen und Slowaken ist die Gewährung der Amnestie seitens des Präsidenten an 600 politische slowakische Emigranten. , Die Nationalb t m o f r a t e n sind nunmehr die einzige Mehrheitspartei. die in der Negierung nicht vertreten ist. Die slowakischen Minister. Präsident Masaryk hat den Abgeordneten Doktor Mare'k-Gazik zum Unifizievungsminister und den Abgeordneten' Dechant Tiso zum Minister für Vol-ksgesundheit ernannt. ' Politische Massenverhosttmsen in Polen. Wegen staatsfeindlicher Propaganda. Warschau, 15. Jänner. Gestern abends wurden in Wilna drei weiß russische Sejm»Abgeordnete verhaftet. Wie vom Innenministerium mitgeteilt wird, handelt es sich um kommunistische Elemente, deren Festnahme deshalb erfolgt sei, weil die drei Abgeordneten angeblich mit Geldmitteln, die ihnen von einem Nachbarstaat zur Verfügung gestellt wurden, eine ausgedehnte staatsfeindliche Propaganda in Polen betrieben haben sollen, lleberdies wurden Massenverhastungen m Warschau, Bialystok, ln der Polcsie und in Posen vorgenommen. Eine Anfrage des SejmmarfchaUS. Warschau. 15. Jänner. (Wolfs.) Im Zusammenhang i.ut der Verhaftung wrißrussischer Sejmabgeordneter wurden heute in Warschau 32 Personen ststgenommen. Keiner der Verhafteten leistete während der Festnahme Widerstand. Sejm inarschall Natay, der von der'Verhaftung der Abgeordneten nur aus privatem Weg Kenntnis erhalten hatte, richtete heute vormittag an den Justizminister einen Brief, worin er um rascheste Mitteilung bittet, ans welchen Gründen die Verhaftung der Abgc» . ordneten erfolgt ist. Ae Minderheiten in der Maine. Moskau, 15. Jänner. (I. T. A.) In der Koiijerciiz der Minoritätsvertreter in Charkow wurde mitgeteilt, daß als nationale Minderheiten in der Ukraine 2.300.000 Großrussen, 1,400.000 Juden, 400.000 Deutsche, 375.000 Moldauer und 270.000 Bulgaren leben. — Gegenwärtig zählt man in der Ukraine 108.000 jüdische Bauern, die insgesamt 117.000 Desjatin Boden bearbeiten. OOOOOO^OOOOOOOOOOOOOOOOOQOOC ZIONISTISCHE SEKTION INNERE STADT _1., Kärqtneratrafie 28_ Dienstag, den 18. Jänner, 8 Uhr abends, im Cafe Europe, l.» JasomirgQttstraße 2 (Mezzanin) Die zweite Konferenz der Zionisten- Revisionisten ln Paris Referent: Dr* Norbert Hoffmann Freie Aussprache. — GSÄe willkommen. ' DAS PRÄSIDIUM. 9er neue öberfontmiflär für die Sttfotolno- Bukarest, 14. Jänner. Vor einigen Tagen Ivurde eine Delegation des Bukotviner parlamentarischen Klubs vom Ministerpräsidenten General Averescu empfangen. Senatsvizepräsident Tarnavschi und Deputietter Dr. fp» o p o ö i c t legten dem Ministerpräsidenten die durch die Ernennung des neuen Ob er ko m miss« rs geschaffene Situation dar und präzisierten den Standpunkt des Bukotviner parlamentarischen Klubs in dieser Frage. Der Ministerpräsident erklärte, General Rascanu sei als Kommissär der Regierung unterstellt, somit auch dem Minister für die Bukowina. Für die Bukowina werde keine Maßnahme ohne vorheriges Einvernehmetn. mit dem Minister Popovici getroffen werden. Bis die Situation nicht restlos geklärt sei, luerde General Rascanu nicht in die Bukowina kommen. O> ade ans Mreuz? DER NEUE ROMAN DER •WIENER MORGENZEITUNG" Ser Konsul Rabknowkez. Konmo, 14. Jänner. Wie bereits gemeldet, hat die Regierung Waldemaras den von der vorigen Regierung zum Konsul in Amerika ernannten Juden Rabinowicz mit der" Begründung abberufen, daß die Litauer in Anrerlka einen Juden als Konsul ablehnteii. Unter dein Eindruck der durch diesen Schritt der Negierung hervorgernfenen Mißstimniung bei den Juden und den übrigen Minderheiten soll , nun die Regierung Rabinowicf vorgeschlagen haben, als litauischer Konsul nach Reval zu gehen. Rabinvwicz, dessen hervorragende. Qualifikation allgemein anerkannt wird, hat jedoch vorläufig diesen Vorschlag nicht angenommen. Woldemaras dementiert. Kowno, 15.,Jänner. (I. T. A.) Im Gespräch mll einem jüdischen Journalisten erwiderte Ministerpräsident Wolde maras auf die Frage, ob er den Vertreter^ der litauischen Presse gesagt habe, der Generalkonsul Dr. Rabinowitsch sei abgesetzt worden, weil er>Jude ist, wie folgt: „Ich habe überhaupt ein Interview nicht gegebcn". In jüdischen Kreisen verhält man sich zu dieser Antwort sehr skeptisch. Woldemaras sagle im weiteren Verlauf des Gespräches, das Minderheitsproblem müsse auf gesetzgeberischem Woge geregelt werden. Ueber die vorzubereitenden Gesetze könne er sich aber noch nicht äußern, er werde sich jedenfalls mit den Vertretern bei Pud^^iten in Verbindung se««cn. Dad litauische Innenministerium iubeurei«. Kowno, 12. Jänner. (I. T. T-ie einzige jüdische Angestellte im litauischen Innenministerium, Frau Genia Epelüaum, Absolventin der juridischen Fakultät der Rigaer Universität, wurde ihres Postens enthoben. ^^^n'alle Abonnenten, die uns die Ganzjahrgebuhr für dieses Jahr bis 15. Jänner 1927 überweisen, senden wir nach Wahl Josephus Flavius, Sven Hedin oder Graetr

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