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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-13 · Heft 2829 (13.1.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2829 (13.1.1927)
Date
1927-01-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mrn, Dvmmcdk« N. Jkmner mr> M. 3888 nUsWt sitzen. Mr ersten Lbard kroch die Mite bis Mm >knie. Heißes t^e sicht, Mpsschmerzen. Mm?,weiten Mend BerMrKmg der Erscheinmrflen. Am britten (ohne icu&te Ztrümpfe) Frösteln, Mpfschmerzrrr, Mandelschmerzen. Anr vierten Schlnckbeschuierderr, Fieber. Am fünften: Angina. Also der typisckn: Anlauf der Erkältung. Nach seiner Hei jung mochte Enqelmann einen zweien Versuch. An Std aufeinanderfolgenden Abenden machte, er sich einen naßkalten Brnstumschlag und blieb dabei stundenlang ohne Rock bei offenem Fenster in der Zugluft. Es zeigten sich keinerlei Erkältungserscheimmgeu, denn-er hatte während des Versuches seine Füße in heißem Wasser gehalten! Engelmann schließt daraus, daß ErLlttkNgSkmnkheüeu in den iveitaus meisten Füllen durch anhaltende Kälte der Füßa und Unterschenkel hervorgerufen werden. Er macht« dabei die Beobachtung, daß, je weiter ein Organ voll den Füßen entfernt ist, um jo häufiger es erkrankt. Die ReihenßolgN ist also: Kopf, Hals, Brust, Bauch. Eine andere interessante Nachricht vom Schlachtfelds gegen die Grippe berichtet von erfolgreichen Gegenangrifsin gegen die Krankheit mit Hilfe des eigene» Blutes dos Erkrankten. Diese Methode wird jetzt vielfach ausprobiert. Man entnimmt dem Grippcerkrankten etwa 20 Kubikzentimeter Blut und spritzt es dann wick>er in den Muskel ein. So berichtet Dr. Ludewig (Graz), daß nach der Eigrnblutinsektion eine prompte Physische und Psychische Besserung eintrat. Appetitlosigkeit, ^rpsschmerzen schwanden, und das Fieber, das sonst lm^e anhält, war spätestens nach zwei Tagen beseitigt Ser Stielt trat ein r»berkulose-Hell«Mel. Erprofts« im Laboratorium des Genfer BMeriologe« Dr. Spahllugen Aus Gons ivad uns geschrieben: In der Gekehrtentvett macht eine Angelegenheit viel von sich reden, in deren Mittelpunkt der bekannte Bakteriologe Dr. Spahlinger steht, der als einer der bekamrtesten Forscher im Kampfe gegen die Tuberkulose gilt. Die Studien Doktor Spahlingers und die Experimente in seinem Laboratorium in Genf gehen auf 20 Jahre zurück. Schließlich hat er ein Mittä gegen die Rindertnberkulos« gesunden, dessen Wirksamkeit von den Genfer Kantonatsbehörden erprobt wurde. Es wurden ganze Generationen von Rindern mit seinem Serum geimpft, und es zeigte sich an den Versuchstieren deutlich, daß die geimpften Tiere trotz größter Gefährdung immun blieben, während die anderen erkrankten. Dr. Spahlinger ging hierauf vor einiger Zeit zur Behandlung von Menschen über. Bor einigen Wochen brachte die Londoner „Daily Mall" euren ausführlichen Bericht über feine G^olge. Der Behandlung des Schweizer' Arztes hatten sich insbesondere viele Engländer und Engländerinnen anvertraut. Nun kommt aus London die Nachricht, daß eine dortige Aertztegruppe öffenllich die Heilungen als Scheinerfolge bezeichnet, daß Dr. Spahlinger hierauf ihnen die Klage angedroht und daß sie sich erboten hätten, für ihre Behauptungen den Beweis zu erbringen. Sie stützen sich namentlich auch darauf, daß Dr. Spahlinger sein Mittel geheim hält. Den Prozeß darüber, ob der Schweizer Bakteriologe ein „Wohltäter der Menschheit" ist oder ein Scharlatan, bezeichnen die ärztlichen Kreise als eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Sensation. ' Ädtten in diesem Streit har sich nun in dem Laboratorium Dr. Spahlingers eine Explosion ereignet, die denn Forscher ans Leben ging. Er hat sich dabei nrie ein Held benommen und trotz schwerer Verwundung, die er dnrch zersplitterte Glasgefäße erlitten hatte, sowie trotz der lebensgefährlichen Infektion der Wunden durch die hrrausspriHenden Gifte zuerst die Türen des gefährdeten Raumes geschlossen und den herbeieilenden Assistenten zugerufen, sie mögen ivarten, bis er die Gefahr«! aus dem Wege geräumt habe. Dann erst ließ «r sie eintreteu, sich desinfizieren und verbind«. Man hofft, ihn vor schiveren Folgen zu retten. Mehr ToSesMe als Sebarteu In Me«. Stadtvat Tandler über d«e GesnndhritSverhültMfse Mens. — Fortsetzung der BnLselve batte im Gamoinbvwt. Gestern fand die erste Sitzung des Wiener Gemeinderates nach den Ferien statt, auf deren Tagesordnung die Fortsetzung der Budgetdebatte stand, die infolge der christlichsvzialen Obstruktion vor Jahresschluß nicht beendet werden konnte. Zu dem Referat des Stadtrates Tandler .über „Wohlfahrtswesen" ließen sich gestern 17 Redner vormerken, von denen gestern nur zwei zürn Worte gelangten. Die Christlr'chsozwlen werden ihre weitere Haltung voraussichtlich von dem Vorgehen der Sozialdemokraten in der Ddrntag stattfindendcn Sitzung des Finanzausschusses abhängig machen, in der die Anträge auf Steuerermäßigung zur Beratung gelangen werden. Sollte» die Anträge abgelehnt werden, so dürfte wieder mit der Obstruktion begonnen werden. , In seinem Referate stellte Stadtvat Tandler fest, daß die Gesundhellsverhältnisse in Wien günstig seien, daß jedoch der Alkoholismus und damit im Zusammenhang der Irrsinn zugenvmmen habe, Die Zahl der Todesfälle übersteigt die Zahl der Geburten. Dagegen ist die Säuglingssterblichkeit von 15 auf 8 Prozent gesunken. Redner verlangte schließlich ein Gesetz zun: Schutze des Quellengebietes. , Gemeinderat Lehninger (christlichjozial) kritisierte die Zustände im Lainzer Bersorgungshaus und sagte, daß die alten Leute in dem wahren Hungerturm, statt Essen Konzerte des Republikanischen Schutzbundes und Vorführungen von Nackttänzerinnen vorgesetzt erhalten. Stadtvat Tandler verwahrte sich gegen eine derartig übertriebene Kritik, die durchaus nicht den Tatsachen entspreche. In der darauffolgenden kurzen Geschastssitzung rvwde über Antrag des Stadtrates Richter ein Kredit von 35.000 Schllling für Vorarbeiten und Richtigstellung der Wählerverzeichnisse bewilligt. ... , soll ♦ eine wertvolle Bücherpramie an Ihre Adresse abgefendet werden? ♦ HABEN Sie schon die Bezugsgebühr für 9hr Abonnement überwiesen? Eines Nachts hörte er sie laut rreben sich im Bett« Muchzen. Er rüttelte sie auf und sah erstaunt in ihr von Tränen und Verzweiflung aufgerissenes Gesicht. „Ich wollte dir gerade heute eine Freude machen. Ich will meinen roten Ball Else, nach dir, nennen. So wird dein Name immerzu auf dem Podium klingen und eine Berühmtheit werden. Kannst du noch behaupten, daß ich dir keine Aeöe zeige?" Ihr Weinen verdorrte Mötzttch vor diesem Atem der Selbstsucht. Eine gelbe Blässe legte sich auf ihre erstarrten Züge. Seit dieser Nacht sann sie nur noch auf Rache, und immer zäher und gieriger setzte sich ein teuflischer Plcm irr ihren Gedanken fest. Mit vieler Mühe hatte sie eins der Gläser, die er zu seinem Meisterstück gebrauchte, durch einen Sprung verletzt, den haarfeinen Mß künstlich übermalt und das Instrument seiner Krmst so zugerichtet, daß es beim ersten Wurf in Stücke zerbrechen mußte. Es sollte den spielerischen Barr der Dinge, diese wahnwitzigen Lustkreise eines Besessenen unter sich reißen und ihn selber zerschmettern. „Das singende Gläserspiel" nämlich war das Schlußstück, das hinreißende Finale des Jongleurs. Er hatte einen vom Trunk Berauschten nachzuahmen und :nit torkelnden, nachtwandlerischen Schritten die Gläser hintereinander in die Höhe zu werfen, um sie zu einer wunderbaren kristallen«: Pyvamide in der Luft aufzubauen. „Gieß mir ein, mein süßes Kind/' stammelte er und stieß in dem hüpfenden Spiel des Betrunkenen nrit der Stirn, gegen das Gesicht der Kellnerin. Sie schenkte ihm ein und zog vorsichtig das unheilvolle Glas an decl Rand des Tabletts zurück, um es bis zum Ende auMsparen. Er stürzte dm Sekt hinunter, schleuderte das Glas in die Luft. Ein Schrei von Bewunderung und Angst stieg aus den: Publikum auf, sah nian es doch schon zerschellt am Bodm. Aber schon hatte er den Kelch mit zwei Fingern ^fangen, eine gläserne Hyazinthe, au der er wie trännvmo nach. Nun griff er drei andere Glaser vom Tablett und warf sie mit der linken Hand in drei fischenden gnvf'kn hoch. Dann gab itzn seine Frau selber das letzte, tückische GlaS. Sein. *'•;'«»> taumelten noch wie im Rausch, aber fniii' Hand war •: * :■ i Mer, mtb er ttqß do>s Gkre Mgen low Schymn, toie große durchsichtige Seifenblase. Da, — ein helles, höhnisches Splittern — der gläserne Turm klirrte zu Boden, gräßlich knirschten die Scharben, wie am letzten Tage dev Welt. Der Jongleur stand betäubt. Eine Scherbe hatte seine Wange getroffen, er blutete heftig, die roten Tropfen sickerten auf seine Hand. Plötzlich sah er seine Frau an, und in den geschminkten 'Augen erblickte er "sinnlosen Haß und erkannte den Feind. Scherben prasselten vor seinem Blick, ihm auf Haut und Brust, Hagel von Scherben — er stürzte schreiend, die Hände gegen die Schläfen gepreßt, aus dem, in Schreck erstarrten totenstülen Saal. Man fand ihn in der Garderobe, wie er versuchte, sich mll einer Scherbe die Pulsader aufzuschneiden; man rang mit dem Tobsüchtigen, bis er wie ein Lappen zusammenfieh imd in eine Nervenheilanstalt gebracht wurde. Monate später wurde er als gehellt aus dem Sanatorium entlasten. Aber er hatte kein Verträum mehr zu seiner Kunst. Das Gleichgewicht der Welt, das er auf dm Fingerspitzen balanciert hatte, war irgendwie zerstört. Die Häßlichkeit der menschlich«: Leidenschaft ließ es nicht zu, daß die großartige Pyramide der beseelten Dinge in der Lust schwebte. Was Mj> alle Meisterschaft und höchstes Spiel, wenn die Tücke des Lebms den himmlischen Turm herunterriß, in Haß, in Liebe, in der Ungerechtigkeit nrenschlichen Gefühls. Er grübelte nach Schuld, er farcd sie nicht bei sich unb auch nicht bei der Zerstörerin, dem Weibe. Ms seine Frau ihn voll Reue anflchte, ihr zu verzeihen, nahm er sie ruhig wieder auf. Sie traten zusamnlen in kleinen Lokalen auf, wo der Zigarrenqualm mit braunem Nebel die Lust verdüsterte. Er rief dm rotm Ball Else in> seine Hände, das Stichtvort, auf das die Frau eintrat in dem Metten Häubchen der Kellnerin und ihm das Tablett reichte. Mit drei Gläsern führte er sogar das Äläserfftiel auf. Mer feine Laufbahn war gebrochen, und er konnte nicht mehr in guten Theatern austret«:. Denn nie änderte rr fein Programm, niemals erfand er neue Künste. %am er wagte nicht mehr, das Spiel des allmächtigen Schöpfers, der die Sterne in den Weltenraum wirst und wieder Msi fängt, mit feinen eigenen frevelhaften Fingen Nachnahmen Der grosse jüdische Erzähler des Ghetto / H A L 0 M ASCH I fährt uns mit mächtigen Schilderungen iUd/scheu Lehens u. Leidens, gint- und ieidvoilen Bildern der indischen Geschichte in dos osteuropäische Ghetto, in dss riesige Jaden viertel von New-York und in die vielen Stationen der indischen Wanderung m seinen ergreifenden Romanen: Der elektrische Stuhl Die Zauberin von Kartllien Ein Glaubemmartyrium Mottke, der Dieb Onkel Motet Preis pro Band broschiert S.-^~ Ganzleinen.. 5 S — Buchhandlung und Verlag R. LOWIT, WIEN, I. Rotenturmstraße 22 Fleischmarkt 1 Ae »offen «hbros. Es ist eine wenig bekannte Tatsache, daß innerhalb des grvßm Rahmens der gelben Rasse, welcher die Chinesen umspannt, recht erhebliche Unterschiede im Aussehen, Charaktereigenschaften und geistiger AuffassungsmSglichkell bestehen, Berschiedenheiden, die auch bei Betrachtimg der m China tobenden inneren .Kampfe nicht außer acht gelassen werden sollten. Die Ur einwvIner'des' heutigen'China waren die indoaustralischen Stämme der Miautse, Lai, Loliv, Schau und Pai, welche durch bi» crflc 38:1c der aus Junerasien im 3. Jahrtausend vor Christus eindringenden Mongolen angegriffen wurden. Bor diesem Stoß wich die alte Bevölkerung zum Teil in die unzugängliche» Gebirge im- Südwesten des heutigen China aus, wo spärliche Ueberroste sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Der größte» Teil dieser Stämme ging in den siegveichen Mongolen auf, und bildete mit ihnen die Rasse der „Penti" oder „Einheimischen". Jahrtausmde später kamen neue Wellen von Einwanderern, ebenfalls Mvngolm, doch scheint diese Einwanderung nur in kleinerm Trupps erfolgt zu sein, denn, diese Neueinwanderer, die „H a k ka" oder „Fremdling e" genannt wurde», vermochtm nicht die Pmti in ihrer: Besitzrechten ernstlich zu gefährden. Sie siedelten sich auf1 noch freiem Lande an, vor allem in Nord- und Mittelchina, wo sie als selbständische Bauern oder als Arbeiter bei der: Penti ihr Auskommm fände::. AuS ihnen mtwickelte sich vor allem der chinesische Bauernstarw, fleißig, genügsam! imd sparsam, dabei aber argwöhnisch und abergläubisch und starr am Althergebrachten sesthaltend. Während diese beiden Einwanderungen von Norder: her erfolgter:, drangen von Süden her rnalaiische Stämme vor. Sie besetzten einer: großen Tell des heutigen'Südchina, unter anderem auch die Provinz Füllen, die in den MuGsern zwischen Nordchinesen imd Kcn:tonesen eine so große Rolle spielte und jetzt von den Truppen Dchiarrg Kai-scheks bescht ist. Diese malaiischen Einwanderer vernüschten sich sehr bald mit de:: Mongolen und bildete:: eine Rassenmischung, die als „Hoklo" bezeichnet wird. Diese „HMo" sind in der Farbe erheblich dunkler als die Nvrdchinesen. Sie weise:: dbev auch hinsichtlich ihrer Beschäftigung verschieden Disfermzen auf, die auf ihre Abstammung zurückzuführm sind. Während die Mongolen sich mit Vorliebe tewt Ackerbau/ zuwmden, bevorzugen die Hollo Berufe wie Fischer, Bootsleute, Matrosen und sonstige mit dem Wasser zusammenhängende Beschäftigungen. Aus ihrer malaiischen Heimat brachten sie auch dm Turban mit, eine Kopfbedeckungi, die sich auch heute :wch in großen Teilm Südchinas erhalten hat. Auch in Charaktereigenschastm und geistiger Veranlagung sind die Nvrdchinesen von ihren südlichen Bevwandten sehr verschieden. Der Drirchschnists-Nordchlnese ist bedächtig in: Denken und Handel::; Neuerung«: aller Art, auch politischer Natur, steht er ablehnend oder gleichgültig gegenüber. Anders ist der Südchincse. Er hat aus feilt«! Heimat eine schnellere Auffassungsgabe und lebhaftes Tem^ perament nntgebracht, die es ihm möglich machen, Politische Ziele und Vorgänge schneller zu begreifen und sich auch dafE zu begeistern. Aus dies«:: Grunde war auch Südchina stets der Ausgangspunkt aller politischen Bewegungen. Dafür teilt der Südchinese die Mängsl seiner imlaiischen Urväter. Es fehlt ihm die nachhaltig L-rast und Zähigkeit, die dem Mvdchinesm llmewvhnt, dev auch körperlich dem Südchinesen Aberlegen ist. Der Süd* rWyse ist spynneM WSsMick«: StrmmrnMN imMtlMß«.

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