Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2829 (13.1.1927)
- Date
- 1927-01-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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m. IDSC m Am besten sind dosh «Ile Ceschka-hote Vit« Küfsrtfrat« tI3 WIEN Aberstra«« Nr. 8 Ave BaukevWo«. b. Wien. 1B. Zä«uer. Die acotjc Reittigung oer Politik vom <-2e schüft ist .-ollzogen. Das Unionbankpaket der- 'ßvstsparkasse wird .^ott der Bodenkreditanstatt übernommen, die den Staat <'on einem anscheinend lästigen Besitz und einer noch ästigeren Schuld, die aus den famosen Geschäften mit Basel entstanden ist, befreit. Der Bodenkreditanstalt wird (Gelegenheit geboten, ihren Erparrstonsdrang -zu befriedigen. geivinnt den beherrschenden Einfluß über die Unionbank, mit der sie als MajoritätSbesitzeirnl wird 'iiachen können, was sie will. Es ist die Aufgabe einer Großbank, teilte Geschäfte zu machen, und wenn die llebernahme des UnionbanLpa-kets für die Bodenkredit- 7nstalt ein gutes Geschäft ist, so kann man ihr daraus wahrhaftig keinen Vorwurf machen. Die -Frage ist nur, ob in diesem Falle, in dem es sich um einen staatlichen Besitz handelt, der in Privat lninde übergeht, das Geschäft auch für den Staat gut sei. Es gehört zu der: Eigenuimlickkeften der österreichischen Politik, daß sie imstande ist, schwnrrz für tveih, süß für bitter und umgekehrt auszugeben. und sie hat es hierin w einer besonderen Virtuosität gebracht. In allen Zeitungen, die der Regierung nahestehen, und auch» in denjenigen, die ihr gegenüber angeblich kritisch eingestellt sind, wird die Transaktion als ein großer Erfolg gepriesen werden. Der Reinigungsbesen, der dem PftistdenLen der Nationalbank und vorläufigen Präsidenten der Postsparkasse in die Hand gedrückt wurde, hat seine Arbeit geleistet und das Ergebnis ist. daß der österreichische Staat, der gegenüber dem Comptoir d'-Escompte unter dem Titel seiner Haftung für alle Geschäfte, der Postsparkasse einen Betrag von 6 Millionen Dollar schuldet, durch die Transaktion aus der Haftung entlassen wird. 6 Millionen Dollar wird die Boden-' kreditanstatt dem Staat verschaffen. Konnte er sich diese 6 Millionen Dollar nicht auf anderem Wege besorgen? War die Zahlung so dringend und ist sein Kredit schon derart heruntergewirtschastet, daß er mit Zittern und Bangen dem Tage entgegensehen mutzte, an dem die erste Rate füllig würde? So weit ist der österreichische Staat selbst durch die Spekulationsgeschäfte der ihm nahegestandenen Banken und der Postsparkasse denn doch nicht in seiner Zahlungsfähigkeit beeinträchtigt worden, daß erdie Abstoßung des llnionbauLpaketes in größter Hast harre durchpeitichou inüsser^. Man muß sich nur vergegemvartigen, wie die Transaktion, die eine günstige Verwertung des UnionbanZPaketes zum Ziele hatte, abgewickelt wurde. Der Staat ivar durch Zufall oder surch Verschulden seiner verantwortlichen Minister und Gouverneure urplötzlich Majoritätsbesitzer einer Großbank geworden. Ms diese lange Zeit geheim-gehaltene Tatsache offenbar wurde, meldeten sich für das Unionbankpaket zwei ausländische Bewerber, von denen eine Zeitlang die Grpppe Aschaffenburg die aussichtsreichsten Chancen zu haben. schien. Diese Gruppe, der die Bankfirma Speyer, Missen L Co. in Frankfurt, die Deutsche Bank und der Wiener Bankverein angehörten, bot für die Aktien der Unionbank einen Barbetrag, dessen Höhe niemals bekanntgegoben wurde. Die Geschäftsverhandlungen wurden abgebrochen mit der Begründung, daß das Anbot für den Staat ungünstig sei; die Postsparkasse wurde daraufhin rechtmäßige Besitzerin des Unionbankpaketos auf Gpund eines Vertrages mit dem früheren Besitzer, derg Bankprüsidenten Bosel. Es hieß, für die Postsparkasse, d. h. also für dm österreichischen Staat, sei es vorteilhafter, mit dem Verkauf zuzmvarlen, bis bessere Zeiten eintre-tm^ die Unionüank durch Zuführung neuer Geschäfte gekräftigt und ihre Aktien im Werte gestiegen sein imirden. Sfuvm Zeit verging und das Geschäft mit der Bodemreditanstalt ist perfekt geworden. Was bekommt der Staat dafür? Von Bargeld, von einer günstigen Pettvertinny des Unianbankbesitzes ist gar keine Rehe lgehr. Viellelcht wird er zur Wahrung des ArsichteS auch noch irgendeinen Barhetrag von der Bodenkredit^ anstatt erhallen. Da aber die Bodenkreditanstatt die Uchernahme der Unranbank?u,u Anlaß nehmen wird, eine KapitalLvermehrung durchzuführen und die Unionbankaktren im Verhältnis von 3:1 gegen Bodenkreditaktjen unrgeiarrscht werden, so ist es klar, daß der Waat, der vorher Majoxitätsbssiher einer Großbank gMosen ist und es in der Hand hatte, diese seine Großbank 3« einem Mhenden J-nstitnt auszugestatten, m einem Minoritätsbesttzer einer anderen Großbank herabsinken w'vrd. Seine Anteilssen verquicken sich also immer mehr mit einer anderen Bank, in der er als Mluorstätsbssitzer wohl nicht viel dreinzureden haben Wird. Gr begibt sich freiwillig um das Lim'engericht eurer Befreiung von einer Schuldverpflichking an das Eopvp' toir d'Gseomlhte in eine Ahhängigksit von einem Institut, das ihm an Welle von Unionbankaktien Boden-- krodftaktwn geben wird. Gewiß, ein gutes Geschält für die Boiv u fvcdiftmstaH. gewiß aber auch eine sonderbare Reinigung ver Politik und der höheren staatlichen Inter« .isen von dem Geschäft. Aber eine Reinigung eben von guten Geschäften, die im Falle eines Ausbaues -er Urnonb.mk mit dein ttnionbankaktiensxuei ntöglick gewesen uHircn. Wie dieses Geschäft iiunnit'nv in Wirtlich icit auSsielst, lehri nm besten ein Blick auf den Kurs der Unionbankattio nach der inehr oder minder offiziellen Berlautbavrmg der Motzen Transaktion. Die UnionbankMie ist gestern sofort unter den Kurs von 8 Schilling gesunken, der selbst nach dem Entfallen der Baselscheu Stützung des Unionbankkurses längere Zeit behauptet werden konnte. Das ist die Antwort der Börse ans das schöne Goschäst, das der Staat gemacht bat, das ist aber auch das Urteil der seriösen Finanzkreist über den großen Erfolg des Losschlagens eines scheinbar lästigen Besitzes durch den Staat. Die Unionbankaktie wird im Verhättnis von 3 : 1 gegen die Bodenkredit' aktie umgetauscht werden. Zlr der Zeit, als Herr Aschassenburg sich um die Majorität der Unlonbank bewarb, notierte die Unionbankaktie noch 10 Schilling. Nach dem Abbruch der Verhandlungen begann die Bodenkreditaktie in demselben Matze zu steigen, als die UirionbankMie sank. .Heute ist das Rätsel dieser Kursbewegungen bereits aufgeklärt. Die Bodeukreditaktie wurde auf Käufe österreichischer Agenten in Paris hinansgetrieben, uhi§ der Pariser Arbitrage Sen Anlaß gab. itt Wien Bodenkreditakticn ait§ dem Diarkte zu nehmen, wodurch eine Anpassung an den höheren Pariser Kurs bewerkstelligt, zugleich aber auch langsam jenes Verhältnis herbeigeführt wurde, das dem Tausch von Unionbankaktien gegen Bodenkreditaktien zugrunde gelegt werden wird. Die Unionbankaktte fiel, weil die eingestandenen Bestrebungen, die Bank auf der' Trommel loszuschlagen, den ungünstigsten Eindruck im In- und Auslande hervorrief und alte Kommittenten der Bank sich zu verlaufen begannen. Das geschah in der Aera, in der der zur Sanierung der Postsparkasse berufene Präsident der Nationalbank und Vizepräsident der Bodenkreditanstalt als Präsident der Postsparkasse fungierte. Der vielseitige Präsident Dr. Reisch hat das letzte Geschäft abgeschlossen, ohne daß gang klar iväre, in welcher Eigenschaft er das Union- LanVpaket der Bodenkreditanstatt zuführte; es ist nicht klar, ob er der Postsparkasse oder der Bodenkreditanstatt diente; das eine ist aber Aar, daß er als Präsident der Nationalbank den gewichtigsten Einfluß in die Wagschale .werfen konnte, von dem es abhing, ob die Unionbank ^sich erholen kann oder nicht. Denn als Nätionalbankpräsident verfügt er souverän über jeden Kredit, den eine Mnk anstrebt; diesen Einfluß zugunsten der Unwnbänk anKUwenden, hat ihn aber der Präsident der Postsparkasse gehindert oder, was wohl richtiger ist, der Vizepräsident der Bodenkreditanstalt, denn diese wird als Preis ftir das Unionbankpaket ihre eigenen Aktien liefern, also Aktien, die ihr Vizepräsident Dr. Reisch drucken lasten wird. Es ist siirwahr eine seltsame Fügung, daß sich alle diese Funktionen in einer Person vereinigten und daß alle diese Funktionen dahin geführt haben, daß die Bank des Präsidenten Reisch die Unionüank bekommt. Frei-lich, das alles mußte noch durch den Finanzminister genehmigt werden;, ohne seine Bestätigung konnten selbst die schönsten Konzeptionen eines vielseitigen Präsidenten nicht verwirklicht werden. So wie es aber ein Zufall war, daß der vorläufige Präsident der. .Postsparkasse Vizepräsident hex. Bodenkreditanstatt ist, so ist es offenbar auch ein Zufall, daß der Finanzminister, der sein Plaeet unter die Transaktion gesetzt hat, früher Rechtsanwalt der Bodenkreditanstatt gewesen ist. Das nennt man in Oesterreich ein gutes Geschäft und Reinigung der Politik von allen Schäden, die das Geschäft angerichtet hat. Fast könnte man versucht sein, zu sagen, daß die Konz^ticm Ahrers, der die Großbank des Staates durch Zuführung von staatlichen Geschäften ausbaum wollte, die öffentlichen Interessen besser wahrgenommen hätte. Lttaueus »ntiomttw Stolz. Absetzung eines Generalkonsuls, weil er Nutze ist. Kvwuo, 11. Jänner. (I. %■ A.) Der Ministerpräsident und Außenminister Prof. Woldemaras teilte den Pressevertretern mit, die Regierung habe beschlossen, dre Gesandtschaft in Amerika auszubauen und den ge^nwärtigw Generalkonfu«! Dr. Rabinowicz feines Amtes zu entheben. Die Amtsenthebung von Pr. Rabinowicz, sagte der Premier Woldemaras weiter, geschieht nicht etwa wegen mangelnder Qualifikation, sondern deshalb, Weiler I u d e ist ruch die amerikanischen Litauer sich in ihr>em Stolze verletzt fühlen, daß ihr Land nicht durch «inen echten Litauer vertreten ist. WARUM __II haben Sie un« 3hr AahrstzahormemM «»m nicht üv-rwie* sen / Auch in Ährer Bibltythek dürste eines od. da» andere unserer ^Prämirnwerke noch fohlen UJMGOH VoaügHcheft Präparat gegen alle durch Gallenstein« aeschwerden. Bestens bewährt auch gegen Magendruck, Aufstoßen u. Uebelkeiten Infolge Magenüberladung. Aerztllch erprobt und begutachtet Erhältlich In allen Apotheken! Preic pro Flasche 8 4.80. — 7 Erzeugung: Alte Foldepotbeke, Wien, I, _3iophanaplatx 8 ■HHGHliMnMMHnHHBBMHHHnHnHV Ser Lemberner Woiwode 36er äinenm» uns Staatsbürgerschaft. Lenlpeetz,. \2. .Jänner. Bei dem vorn DaputirrkLn Dr. Reich zu Ehrest des Y^enerals De-eds irr .Lemberg' veranstalteten Entpfültg svar, wie bereits kurz gemeldet, untneiuder Regierung auch der Lemberger Woiwode Ga ra g ick nebst anderen städtischen Würdenträgern er,schienen. In einer längeren Rede kennzeickMte d e r W 0 i in 0 d e die Beziehungen der poltnschen Regierung^ zuii> Zionisnms. Er sprach seine lieber zeugmtg uns, daß jeder einzeln-? der Anwesenden, um abhängig voit seiner mtücMmlm imb politischen GestnmNtg, ein nerlüßlicher und guter Bürger des Staates im volleit Sinne der Bedeutung des .Wortes ist. „Ick habe daher als Vertreter der Regioritng der Einladung' gerne Folge geleistet. Die Tatsache, daß die Jrrden. in ihre alte Heimat zurückkehren tvollen, bietet unsere? Erachtens durchaus kein Hindernis, daß sie auch gute B ü r g e r d e s Staates sind. Diese Ueberzeugnug hat sich bei der Regierung und in der polnischen Bevölkerung bereits so gefestigt,. daß die Juden, sofern sie nur hiebei der Hilfe bedürftig werden, der Unterstützung der polnischen Bevölkerung und der Regierung sicher sein können." Me Polnischen ShrMichSemokrnte« argen den Völkerbund. , Eine Demonstration im Budgetausschnß des Sejm. Warschau, IS. Jänner. Im Budgeiausschuß des Polnischen Sejm wuvde die dritte Lesung des Budgets beendet. Bon tveiteren, den Regierungsentwurf abändernden Beschlüssen ist zu erwähnen, daß ans einen christlichdemokratischen Antrag die Kredite für die Bestreitung der ständigen Vertretung Polens beim Volker- Hund gestr i ch en wurden. Der Vertreter des Außenministeriums nahm diesen Beschluß schweigend ml SeHas’»rnöcr l[t liberal. Budapest, 12. Jänner. Bei den letzten Parlaments- und Oberhauswahlen haben verschiedene einst bewährte R a s s e n s ch ü tz l e r es für gut befunden, unbemerkt n a ch links einzuschwenken. Wie viel von diesem Gesinnuugswechsel zu hatten ist, beweist die vor einig-en Tagen durchgeführte Wahl in den Zentralausschuß der Stadt Keesk e m e t, bei welcher u. a. auch der Bruder des berüchtigten Massenmörders Ivan tzejjas, Aurel Hejjas, aus der liberal'N Liste der Achtundvierziger Unabhänglgkeitspartei gewählt wurde. Auvet H e j j a s hat noch bei den Wahlen im Dezember in Szabadszallas mit raffenschützlerischem Programm kandidiert und ist durchgefallen. Inland. MSermlsmihme der pkrlg«e»t«Web Arvettrn. Die Besprechungen der Regierung mit den BertretMl der politischen Parteien über das parlamentarische Ar-. beitZprogramm fanden gestern ihre Fortsetzung in einer Konferenz, an der namens der Regierung BunpeskanzlM Dr. Seipel, Vizekanzler Dr. Dinghofer und die Minister Dr. Kienböck und Schmitz, für den sozialdemokratischen Verband die Abgeordneten Eldersch, Seitz und Dr. Bauer teilnahmen. Der Bundeskanzler berichtete über die Regierungsvorlagen, die im Nationalrat oder seinen Ausschüssen in Verhandlung stehe,;', oder demnächst eingebracht werden sollen. Einige dieser Vorlagen, die durch spätere. Gesetzesbcschlüsse oder Vorlagen überholt worden sind, werden zurückgezogen tvvchen. Das Ergebnis der Besprechwlgen ist, daß der Na tionalrat Kr Donnerstag, den 20. Jänner, S Uhr nachmittag, einberuferr wird. In dieser Sitzung wird unter anderem die Gosetzesvorlago üb« die Versicherung der Landarbeiter dem Msfchusse Kr soziale Verwaltung zugxtviefeu werden. In den nächsten Tagen, noch vor der Sitzung des Rätioiralmtes, vnrd der Ausschuß für Handel uitb Gewerbe eintzerufm, um einige ihm bereits zugetviesene Geschesvorlagen zu erledigen. Der Proßrefarmausschuß wich zum Zwecke der Neu fortstituiMlUg urWittelbar nach der Pitztlng des National-- rates zusammmtreten. Die Sozialdemokraten nrgivrten die Vorlegung von Regierungsvovschlägen Letreffmrd Uabergangsb«--- stimmungen zur Altersversicherung der Arbeiter. Sie machten ferner neuerlich auf di« ornstßN Gefahren aufmerksam, die durch, gesetzeswidrigr W. Müsse von Ä 0 n d e si m i e t.-e n?» w,in i f f in är», beschulen Wochen könnten. /