Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2828 (12.1.1927)
- Date
- 1927-01-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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re. sgtixiiift iwsri Wi« MttwoA m.sm Sk Srstzmvtter Mrs«I«. kCii hat mit nnglaublich.-t Roheit ein 19jährigcr KmqHe seine 7bjShrige Großmutter überfallen, gefesselt bmauht. Der Dreherlehrling Franz Dostal, der derzeit arbeitslos ist, kam öfter zu seinem gleichnamigen Onkel, der mit seiner Frau nitb deren Mutter, der 7ojähtigeu verwitweten Frau Franziska P a w l o w s k i im Hause Schönbrunuerstraße 79 wohnt, zu Besuch und bekmn immer etwas zu essen. Einmal stahl er seinem Onkel ZchmuckgegenstLnde im Werte von 500 Schilling, iveshalb dieser chm das Haus verbot, ohne jedoch die Anzeige zu tiwdjt'Tt. Trotzdem kam Franz Dostal, der wußte, daß der Onkel um diese Zeit nicht zu Hause sei und daß. die Tante sich derzeit ans der Klinik befindet, gestern vormittag in die Wohnung, in der nur die Großmutter anwesend war. Tie Frau gab ihm, wie immer, zu essen. Plötzlich verlangte er von der Greisin den Schlüssel zu dem Koffer des Onkels, was diese ablehnte. Daraufhin stürzte sich der Bursche aus die alte Frau, b and ihr mit einer Rebjchnnr die Hände auf den Rücken' und schnürte sic an einen Diwan fest. Er entwand ihr den Schlüssel, sperrte den Koffer aas und entnahm ihm Wertgegenstände. In dem.Ringen mit dem Burschen fiel die alte Frau nieder und erlitt einen O h nmacht s a n f a l l, so daß sie nicht um Hilfe rufen konnte. Als Dostal mit seiner Arbeit fertig war, befreite er die Großmitter von den Fesseln, versicherte ihr, daß er ihr nichts, mehr zuleide tun werde, und verließ ftuchtartitz die Wohnung. Der Arzt stellte bei der Greisin. Blutunterlaufungen au beiden Handgelenken und einen Bruch des rechten Augenbrauen b-ogens fest. Der Bursche konnte noch nicht Wien, 12. Jänner 1927. Asnchttzastwrgn cu nge «. .Der 48jührigc Expcdirvr Ferdinand Zillinger und seine 45jährige Gattin Viktoria wurden gestern in ihxer Wohnung, 20. Bez., Adalbert Stistergasse, in der mit' Leuchtgas erfüllten Küche bewußtlos, aufgefunden. Das Ehe- . paar, das Selbstmord geplant hatte, würde in das Spital gebracht. — Gestern mittags wurde die 64jährige Private Helene B o d n a r, in ihrer mit Leuchtgas erfüllten Wohnung leblos aufgesunden. Es dürste sich um einenUm glücksfalt handeln. — Dar 23jährige Hilfsarbeiter Johann Pfeif se r.und seine Lebensgefährtin, die 18jährige Hilfsarbeiterin Justine Kacovskh wurden gestern abends in ihrem mit Leuchtgas erfüllten Zimmer leblos aufgesnndon. Bei Eintreffen der Rettungsgesellschaft. war Pfeifer bereits to tl während die Wiederbelebungsversuche bei dem Mädchen Erfolg, hatten. Das Motiv, des Doppelselbstmordes.. durste aussichtslose..Liehe sein. —„Die 78jährige PriVate.Lannh^ Haushans, wurde gestern abends von ihrer heimkchrenden Tochter bei. offenem Gashahn bewußtlos im Bette-aufgesnndon. Nach den Erhebungen liegt ein Unfall vor. .. Trauerandacht für Prosessor Jofts Sulger. Aus Aülaß der ersten Wiederkehr des Todestages Professor Josef Snlzers, veranstaltet der österreichische Kan- ' torenverein am Donnerstag, den 13. d. M., um halb 6 Uhr abends, im Tempel, 1. Bez., Seitenstettengasse eine Trauerandacht., ^, ... Die Wirtschaftspolizei gegen die Losratenagenten. Tie Wirffchaftspolizei führt schon seit längerer Zeit eine Untersuchung gegen eine Anzahl Losagenten, da sich in letzter-Zeit die Anzeigen aus dem Publikum über Lvsratenschwindeleien vermehrt haben. Diamantenschmuggel nach Amerika. AuS Nawhvrk wird uns gemeldet: Durch Zufall ist man einem großzügigen Diamantenschmuggel auf: die &pux gekommen. In den Klerdunasstücken eines See-' mannes, der aus Grund einer Anzeige hin verhaftet Worden war, fand die Polizei Diamanten im Werte von etwa 5000 Pfund Sterling. Wie von Zollbeamten erklärt wird, besteht Grund zu der Annahme, daß inan es mit einer gut organisierten Schmugglcrban.de zu tun hat, dessen Z e n t ra l e i n Europa liegt und die Juwelen durch Seeleute von aus belgischen Häfen aus- Dufcnden Schiffen cinschmuggelt. . . Lträflinsh«wu«.rei <Mf einvr ruf fischen Insel. Nach Messungen aus Leningrad ist es auf den Ta-.. ' owetzrh - Ius ein zu Zusammenstößen zwischen der .Di-. rektion der Strafkolonie und verschickten Rotarmisten und. Matrosen gekommen. Dre meuternden Adatrosen und Solda--. ten drangen' ln.die Büroräume .der.Berüvaltmrg eui un!> er^° klärten diese für abgesetzt. Die Wache wurde entwaffnet. Ans. der Gonvernementsstadt sind Verstärkungen unterwegs. Der hypnotisch/ende ttnherkuchuuggnich.^'r. Aus Kiew wird, uns berichrei: Der höchste Gerichtshof, der Sowjctutraine verhandelt gegenwärtig gegen einen Untersuchungsrichter, der beschuldigt wird, bei der Führung citicr' Ärafuntersuchuna den Angeklagten g e w a l t s a m durch ei u en A r.z't hypnotisiert und dabei körperlich, geschädigt zu. hüben. Der Richter har die ZwangShypnoie eigenmMtig. als Experiment angewandt, wobei der Hypnotisierte einen schweren Nervenzusammonbruch erlitten hah In. zwei Instanzen wurde der Untersuchungsrichter wegen Ge-' waltanmexbimg bereits zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der ganze.Prozeß wird jetzt nochmals vor dem obersten Gerichtshof in Istzter Instanz behandelt werde. Der Sokvachsbecher als Ssrafmethode. / - Das alle russische Strafgesetz, das in Estland noch jetzt in Wirksamkeit ist. soll durch ein neues ersetzt werLen. In der Beratung de.'r Kommission äußerten sich die verschiedensten Ansichten-über die Art der Todesstrafe. Unter anderein wuvde beantragt, did Todesstrafe durch Erhängen — wie es das russische Strafgesetz verschreibt — lbeizicheHalten. doch dom zum Tode-Verurteilten zu gewähre», sich durch Gift selb st zu rö'tem Gegen diese Gcsetzesvorlage sprach mit Entschiedenheit der deutsche Beauftragte; er meinte, daß nicht alle zum Tode Verurteilten die Charakterstärke eines Schrates ausbringelt könnten, um den Giftbecher zu trinken. Eingehend wurde über die Frage gesprochen, in welcher Form -der aufge, drängte GiftseMmord eines zum Tode Verurteilten vor sich gehen sollte, ob -durch Gisi-puwer. Einspritzung oder Gas- DOS Banttorrto des Bettlers. In Liverpool kam ein 61jährigcr Irländer namens Patrick King wegen Bettelns vor das Polizeigericht. Es wurde feftgestellt, daß der Mann ohne ei ne sest e Wohnung in den Straßen der Stadt vagabundierte. Der Angeklagte erklärte, daß er betteln müsse, da er keine Erwerbslosenuirtechtttzung erhalte. DieX Polizei zog über die Person des Bettlers nähere Erkundigungen ein und stellte dabet fest, daß King auf.' der Rank ein Konto in der föhe von 1043 Pfundbesaß. Als dem Bettler die uskunst der Bank vorqelelen wurde, stellte er seine Beteuerungen sofort ein. Er wurde zueiuemMonat Gefängnis verurteilt, da er wiederholt wegen BettelnS vorbestraft war. Das neue Berbandsheim »er Judäa. Der Gesamtverband der jüdischen Hochschüler „Judäa" eröffnet heute unr> 8 Uhr abends in den KlubloralitSten des Cäfe Schlösselhof, Alserstraße 13, sein neues Verbandsheim mit. einer kleinen Feier. Das Helm ist täglich von 4 bis 9 Uhr nachmittags, am Montag, Dienstag und Freitag bis 12 Uhr abends geöffnet. . . E Das Musikhnus Metrophon, 1. Bcz.. Graben 20, Ragrergaffe 1, mit seiner großen Auswahl an Sprechapparaten. und Platten, bietet jedem Kau-ftr das Beste und Billigste. Der Kontzertsalon ist einzigartig; für wenig Geld kann man Die 1 berühmtesten Künstler Horen. Der Verkaufsraum ist vis 6 Uhr, der Konzertsalon vis 12 Uhr nachts geöffnet. IIIDISCIIC WEIT fiin Such Mer Max Rordau. Bon der Tochter heraut-zegetzen. Aus Paris wird uns geschrieben: In den nächsten Tagen -erscheint hier ein ülberairs interessantes Werk in französischer Sprache unter dem Titel: „Max Norbau, erzählt von ihm 1' e l b st und von der G-e f ä h r t i n s e i n e s ,8 e fi c n s." Das Werk ist ungefähr 300 Seiten stark imd enthält zahlreiche Briefe, die Max NorLau mit Freunden in Deutschland und Ungarn wechselte und die zumeist in deutscher Sprache geschrieben, jetzt aber ins Französische übersetzt, dem Publikum zugänglich, gemacht werden. Aus dem reichen Inhalt des'Buches heben wir hervor die Schilderung, seiner Jugend, feinen ersten Aufenthalt in Paris und London, die Entstehmrgsgeschichte seines Buches „Die konventionellen Lügen ‘ der Kulturmenschheit", ferner die ersten Bestrebungen im Interesse des Zionismus, worin die Beziehungen zwischen N o r d a u und H e r.z l klargel-egt werden/ die Tätigkeit Nordaus in der.Dreysus-Affare,' seine Erlebnisse in der Kriegszeit und schließlich die. letzten Tage seines Lebens. Eine deutsche Uebersetzung -'dos Buches wirg zweifellos in kürzester Ztzit ebe'nfallI "erscheinen- Die' Verfasserin des- Werkes' ' ist Die Tüchtev dös 4>eruhmten 'Schriftstellers, Anna. M-axg.Noröau.''.'. . - " " ' ..... Der grofie Menschheits-Erlöser i - Noch ist die Zeit ffir ihn nicht gekommen, aber seine Ideen werden die . künftigen Jahrhunderte beherrschen! Helfen Sie nns, die Werke, dieses genialen Geistes dnrch^nsetzen und zu verbreiten! Voltaire broschiert 8 12 — gebunden S 15 — Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben broschiert S 5 40 gebunden S 7 20 Fürst Bismarck und der Antisemitismus broschiert S 5*40 gebunden S 7/20 Philosophie des Strafrechts broschiert S 3>~ gebunden S 4 50 Ueber Religion broschiert 8 7 2Y . gebunden S 9'— Gespräche ' gebunden. 3.6-— . .•'! Krieg, Wehrpflicht und Staatsverfassung broschiert 8 12— gebunden S 15'— Die allgemeine Nährpflicht broschiert S 12 — .. gebunden S 15— Von einigen Werken Sind auch äntiquartsche Exemplare zu halben Preisen ' Vprrälig Mg» Sä mtts nsm Ww „Der nann und sein Werk“ Buchhandlung und Verlag « tOWII / WIEN 1. Rotenturmstraße '22 Fleiscjimarkt 1 vor Dem Schwarzbarth-Prozetz. Die Verwandten von -Scholom Schwarzbarth in der U kra'i ne haben an den Verteidiger Schwarzbarths in Paris 35 offiziell beglaubigte Dokumente geschickt, aus denen hervorgeht, daß Mitglieder der Familie Schwarzbarth in Balta. Savran, -Golvwkow, Kriwucziero und ' Tschechelnrk — i m ganzen zehn — Opfer der Pogrome geworden sind, die von den Soldaten P e t l >j u r a s veranstaltet worden waren. «tte Wische laudwiet choslilche Schule in Lodz. Es dürfte nur sehr wenigen bekannt -sein, daß in der Nähe von Lodz schon seit einigen Jahren die einzige große Mische landivirtschaftliche Lehranstalt im gewesenen Kongreßpolen besteht. Dieses Institut, dem auch ein Internat für Waisenkinder angegliedert ist, erweitert jetzt fein Tätigkeitsgebiet, indem dank der Opferbereitschaft einer Anzahl Lodzw jüdischnationalcr Kaufteute der- Anstalt ein neuer Bau hinzugesügt wird, in welchem L e h rwerkstätten für Handwerker eingerichtet werden sollen. Besonders soll eine große Tischler- und Schlosserwerfftätte geschaffen werden, und überdies wurde der Bodenbesitz der Lehranstalt bis auf 30 Morgen vergrößert.' Wie der Lodzer Korrespondent des „Hajnt" berichtet, würde diese Erweiterung infolge einer Spende des Ehepaares Pinkas Gerschiovfly möglich, das anläßlich seiner/silbernen ' höchztzit,/pie' auf der Lehrfärin gefeiert' lvurde, der /länd-' .'ivlrtschaMch^n'''''^'Schüleeine ---SpeMe - von - 1'0W /Dvllar 'widmete. Im übrigen wendet auch der Joint'dieser vorzüglichen Lehranstalt sein Interesse zu. ' Me Wische kluwauderung in Kanada. Aus Monrreal wird'uns geMieoen: Bor uwzenr fmrd irn Regierungsdepartenrent für Eimvauderm^swesen in Ottawa eine Beratung mit einer Delegation der Juden von Kanada unter Führmrg des' Herrn Lion Ctzhesr statt. An der Beratung nahmen auch jüdische Parlamentarier teil. Die jüdischen Delegierten trugen beit Wunsch vor, daß die jetzt ablaufenden Abmachungen hinsichtlich der Gewahrnng von Einwanderungskonzessionen für Juden, die unter' dem Namen „kanadische Quote" bekannt sind, auch für das neue Jahr erneuert weiden mögen. Durch' diese Abmachungen wurde der jüdischen Einwanderungs-Hllfsgesell-- ■ schuft die Konzession zur Hereinbringung von einer Bestimmten Anzahl Juden nach Kanada bewilligt. Die Gesellschaft übernahm die Garantie für die neuen Einwanderer. Der Vertreter des Eimvanderulrgsdepartements erklärte, daß die bisher gewährten Konzessionen eine Ausnahme bildetenda das kanadische Einwanderungsgesotz, keinerlei Quotensystenr kennt und die den Juden gewährleisteten 'Erleichterungen nur mit Rücksicht auf die große Zahl von Flüchtlingen aus Osteuropa mehr aus humanitären.Gründen gegeben wurde. Im allgemeinen jedoch wich kein Unterschied zwischen den einzelnen Nationalitäten gemacht werden. Hingegen erklärte sich jedoch das Ernwanderungsdepartenient Here it, das Gesetz, welches unverheirateten Kindern, Brüdern und Schwestern von in Kanadaleheirden Einwanderern ins Land zu kommen, dahm zu ettveitem, daß auch verheiratete Verwandte der angeführten Kategorie mtt ihren Familien zur Eimvanderung zugelassen werden. Es wurde hiebei im Sinne der Ausführungen der jüdischen Delegierten anerkannt, daß eine solche Erleichterung' tut Interesse des Landes gelegen , sei. Die jüdischen Delegierten bttonterr selbstverständlich, ,, daß diese Ausdehnung der Einwanderungsrechte - für.hie Einwanderer aller Nationen gelten mögen. Gehr wichtig für die jüdische Einwanderung ist das. Ergebnis dieser Konferenz in der Richtung, daß die jüdische Einwanderer-Hilfsgesellschaft in Kanada von der Regierung als Stelle zur Prüfung der Einwanderungsgesuche von Juden anerkannt wird und die Garantieleistung der Gesellschaft für den jüdischen Eimvanderer nunmehr genügen wird, während bisher persönliche Sicherstellungen von. in Kanada lebenden Juden gefordert ivnrden, daß der betreffende Gin Wanderer der Oesfentlichkeit nicht zur Last falten tverdc. Das Budget von Lei Awlv. Die Budgetkommifsiou des Stadtrates von Tel Awiw hat soeben das Budget für 1927 fertiggestellt. Dke Einnahmen sind auf 97.650 ägyptische Pfund veranschlagt und setzen sich wie folgt u. a. zusammen: Gemevrdo? steuern 24.000, Bodensteuerrr 8400, HMdeMuzKzen 6800,