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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-09 · Heft 2825 (9.1.1927) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2825 (9.1.1927)
Date
1927-01-09
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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' nt. 282j Wien, Sonntag Wiener Morgen-ettvng 9. Jänner 1927 Seite 11 Bühne und Kunst. „Ae PrakrmlUl' ti ein neuer Lascha-Film, der Freitag zur Presseaufführnng gelangte. Dem Helden der Affäre, einem reichen Baron (natürlich), ergeht es übel, nachdem er ein Wiener süßes Mädel verführt, genossen und sitzen gelassen halte. Er gerät in die Netze eines schünen verruchten Weibes. In diesen Netzen spielen sich allerhand schwüle Szenen ab. Sie ist Tänzerin — ohne es zu sein. Statt ihrer tritt als „Tänzerin mit der Maske" eine Taiizkünstlerin auf, deren Gesicht furchtbar entstellt ist. Der erotisch überhitzte Baron reißt der wirklichen Tänzerin die Maske ab und bezieht ob des Schreckens eine Lähmung der Extremitäten. Jenes schöne böse Weib muß nun dafür sorgen, daß der Baron ihren Trick, eine andere für sich tanzen zu lassen, nicht verrät und schließt ihn in seinem Wiener Palais von der Außenwelt hermetisch ab. Wenn er mir bald drausgingek Er kommt ihren Wünschen entgegen und leistet sich eine Sonderfahrt durch jene Grottenbahn, in der er die ersten seligen Minuten mit der Pratermizzi verlebte. Jetzt will er sich aber während der Reise durch die Grottenwunder mit einer Revolvertügel ins Jenseits schassen. Da er sich dazu anschickt, erblickt er die Pratermizzi. Das süße Mädel wirkt Wunder. Die Lähmung ist fortgewischt, und in den Armen liegen sich beide. Die fragwürdige Angelegenheit wird durch die überragende Kunst der Rita Naldi erträglich. Schade nur, daß die Regie nicht auf der Höhe war und die Naldi allzu oft „in den Schatten stellte." Belichtungsmängel bei Großaufnahmen sind eine fatale Sache. Auch Igo S y m, ein seinnerviger, vornehmer Darsteller wurde durch die technischen (gelegentlich auch kiinft-- Vnfrfie») Mängel dieses Films stark beeinträchtigt. —s Iva Roland «ad Vas Burgtheater. Der Kern, aus welchem die neueste Burgtheaterasfäre enstand, ist — jetzt läßt sich die Angelegenheit Überblicken — eine disziplinäre Maßnahme. Jda Roland, deren ausgezeichnete Wirksamkeit am Burgtheater anerkannt wird, hat bei der Probearbeit „Schwierigkeiten" gemacht. Nach dem Inhalt des an die Künstlerin gerichteten, nunmehr publizierten Brieses der Burgtheaterdirektion wurde es als störend und für die Dauer dem Zusammenwirken der Künstler als abträglich erkannt, daß die temperamentvolle Frau dahin trachtet, „ihr eigener Regisseur, ihr eigener Inszenator und ihr eigener allererster Darsteller zu sein". Es war von Anbeginn nicht zweckmäßig, mit der Künstlerin bloß ein Gastsp elabkoirr m r n zu treffen, ^azu noch für ganz bestimmte, durchaus erste Rollen. Ein Theaterbetrieb, der auf Ensembledisziplin Wert legt, mußte damit rechnen, daß durch das Gastspielengagement diese Disziplin gelockert wird. Nun geben wir gerne zu, die Burgtheaterdirektion habe sich in einer für sie sehr schweren Zeit zu diesem Schritte entschlossen, um eine neue „Zugkraft" zu gewinnen, und wir sind geneigt, anzunehmen, man Habe an kompetenter Stelle gehofft, aus diesem Gnstspielvertrag werde ein ordnungsmäßiger Vertrag erwachsen, man würde das Ensemble durch eine hervorragende Künstlerin bereichern, die dann, wie andere bedeutende Mitglieder des Burgtheaters, auch kleinere Partien, ja Episoden spielen würde. Indessen ergaben sich, wie man schon früher hörte, arge Differenzen, die eine solche Umwandlung des Gastspielvertrages in einen richtigen Burgtheatervertrag so ziemlich ausschlossen. Gleichwohl glauben wir, daß sich die Burgtheute rdirektton in diesem Falle ins Unrecht gesetzt hat. Wenn sich innerhalb des künstlerischen Betriebes einer Bühne solche Differenzen ergeben, daß Disziplinarmittel nötig sind — und es gibt Fälle, wo man sie auch ersten Künstlern gegenüber anwenden muß — dann müssen siesofort erfolgen. Wird aber mit Berufung ans frühere Vorkommnisse in dem Zeitpunkt, da ein neuer Vertragsabschluß zu gewärtigen ist, aus frühere Vorfälle zurückgegriffen, so erhält der „Abbruch der Beziehungen" einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Die Haltung des Burgtheaterdirektors wäre früher, nämlich damals als er sich den zitierten Brief zu schreiben entschloß, oder als die Affäre zwischen Frau Roland und dem Regisseur Brahm vorfiel, am Platze gewesen. Sie ist es j o tz t n i ch t m e h r, da die Künstlerin in der Zwischenzeit neue Rollen erhalten und sehr erfolgreich durchgeführt hat. Deshalb ist zu wünschen, daß ein Modus gefunden wird, der die Angelegenheit rechtzeitig aus der Welt schafft Md Frtm Jda Roland dem Burgtheater erhält. Am de« Zfteaten*. Opernthelläer. Morgen, 7 Uhr, „D i e tote Stadt" (Theabergomeinde Serie F); Dienstag gelangt „Die Macht doS Schicksals" mit Frau Margit An-> gerev und Erik Wstlnhagen von der Staats oper in München als Gast zur Aufführung. Kammer spiele. Da Ludwig Stärk anderweitige Verpflichtungen eingegangei, rst, kommt „D e r Ä ö n i g der Schnorrer" nur mehr Sonntag, Montag und Dienstag zur Aufführung. Bürgtheater. Vtorgen, halb 8 Uhr, „Pyädra" (Theatergemernde Serie E, gelb). Akademietheater. Morgen, halb 8 Ahr, ,-Spiel im Schloß". Volksoper. Morgen „Der Z i geun er'baron". Deutsches Bolkstheater. Donnerstag gelangt aus Anlaß des 125. Geburtstages Bauernfelds dessen Lust¬ Auch für fte haben wir einige unserer BUcherprümlen reserviert. — Haben Sie schon Ihr Abonnement überwiesen IWWff spiel „G roßjährig" zur erste,> Aufführ,uug. Dura» schließt sich sie Erstaufführung be-i einaktigen i! ui Hü tele v- „D a S ältere Fach" von Raoul Auernheimer. Theater in der Joseifstadt. Mittwoch nachmittags gelangt als Kindervorstellung das Märchen mit Gesang und Tanz Larifari" von Franz Pocci zur Aufführung. Sonntag, den 26. b„ vormittags, findet eine Rille-Feier statt. Debütanten im Vottsthoaler — „Egmont". Die Aufführung .res Deutschen Vovsstheaters, in ihrer Gesamtheit arg verunglückt, wurde in einer Nachmittagsvorstellung dazu benützt, zwei Debütanten zu Wort kommen zu lassen. Mit dom Grafen Egmont sind schon große Darsteller, sogar Bassermann in Not gekommen und es spricht nicht gerade für die Umsicht einer Theaterleitung, wenn sie einen debütierenden Schauspieler als Egmont herausstelbt. Herr Paul Becker, der diese schivierige Aufgabe hatte, zeigte sich als gut gewachsener Schauspieler mit Höbling-Manieren, eie ein bißchen ins Berlinerische übersetzt sind. Wa§ er gab, war auch nicht annähernd ein Egmont. Das Klärchen von Charlotte Noa k hatte einige innige Töne; mchr läßt sich beim besten Willen nicht sagen; andere Nöllen könnten vielleicht mehr Aufschluß Wer die Qualitäten dieser blonden Schauspielerin geben. Das andere ist bekannt und es erübrigt sich darüber jedes Wort. Nur des wirklichen Genusses sei gedacht, den die Margarethe von Parma der Frau Maria Mayer bot; in Haltung und Auffassung vielleicht etwas zu bürgerlich,brachte Wer Frau Mayer wirkliche Theatevkultur, die in dieser Aufführung sonst Überall fehlt. S. S. Kunstpreise der Stadt Wien. Der Wiener Gemeinderat har auch im Jahre 1927 für hervorragende Werke der Dichtkunst, der Mustk und der bildenden Kunst (Malerei. Bildhauerei und Architektur) Kunstpreise gewidmet. Die Preise wurden so wie in den früheren Jahren mit je dreitausend Schilling für jedes der drei Kunstgebiete festgesetzt. Diese Summe wird nach den Vorschlägen eines Preisrlcht.'rküüegiurns und den Beschlüssen des Wiener Stadlsenates am 1. Mai 1927 verteilt werden. Die Bewerbung um riese Kunstpreise steht allen in Wien lebenden und wirkenden Künstlern offen. Sie muß bis zum 28. Februar 1927 schriftlich bei der Direktion der Städtischen Sammlungen im Neuen RachauZ erfolgen. Abschiedsabend. Der jüdische Schauspielerverein in Wien hat gestern aus Anlaß des Scheidens seines Ausschußmitglietzes, Herrn Jakob R e l l e s, ein Äbschiedsfest gefeiert. Herr Relles, der nach Lemberg abreist, war Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Unter anderen sprach der Nestor der jüdischen Bühnenkünstler Herr Jona Reißmann, einen Toast. BOCHER Wir bieten Ihnen für JL Schilling 1 Maupassant: Der schöne Georg. / Stark wie der Tod. / Anheimliche Geschichten. / Das Laus Teltter. Oriolshöhe. Wilde; Bildnis d. Dorian Gray. Max Brod; Weiberwirtschast.. O. P. Höcker: Das glückliche Eiland. Nützen Sie diese einzige Gelesen heit! lind wieder Wir bieten Ihnen für 2 Schilling Strindberg: Leute auf Kemsö. / Das gotische Zimmer./Sohn einer Magv. / heiraten. / Schwarze Fahnen. Madelunq: Die Gezeichneten. / Zirkus Mensch. D’Annunzio: Der Anschuldige. Meyrink. Walpurgisnacht. Tolstoi: Kindheit. / Nachlaß (3 Vde.) BUCHHANDLUNG R. LOWIT, WIEN, I. ROTENTURMSTR. 22 BILLIG! Wir bieten Ihnen für 9 Schilling (GanzleinenbLnde.) 1 Dostojewski: Arme Leute. / Der lebenslängliche Ehemann. / Die Teufel (3 Bde.) Zola: Germinal. / Nana. / Das Werk. Zusammenbruch. Jacobsen; Niels Lyhne, Balzac: Vater Goriot. / Die Ehouans. Scheffel: Ekkehardt.

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