Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2825 (9.1.1927)
- Date
- 1927-01-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sonntag Wiener Morgenzeitung 0. Jänner 1927 Nr. 2825 üs Aadt Ser Aestaurantt ■Jou» St)v»v(v c|‘- tc iuirtjc . wird 'Vu> '.'Ion niv die Sladl der Wviieni'ijflnK’i’.'ti.» doch wäre tv vielleicht richtiger, e-r als . r. rladl der ii e n ,* u v a »! * zu schildern. Die Schwiei fiTcoh,? ii« tr (i n r v?•;,(< fiiib.’ü und 511 erhalteil, lach die mei't.n Bewohner atißerhall' des Hans-.'-? ihre Kost su- -wen. T-'> nun iuv) eigentliche Mit tage sie n in New Bork;.rn: ndeude erfolgt, sind seine Strnßeil in den Abendstunden ebenso belebt wie am Tage, wenn das Gssckläftsvolk ■it endlosen Scharen dnhinströmt. Niriilmid bleibt aber lange beim Essen fitzen, und das Dolce sar niente bei schwarzem Zkaffe und Zigaretten, das ui europäischen Restaurants üblich ist, fehlt hier ganz. Die meisten Lokale sind bereits gegen halb 10 Uhr abends volltau«nten menschenleer, und ein Gast, der um diese Stunde umt Essen erscheint, wird schief angesehen. Das Essen wird säst ausschließlich nach f r a n z ö s ii eh e m Muster bereitet, doch wimmeln die Speisekarten mm ainerikanischeu Namen, die begreiflicherweise das Interesse der Ausländer auf sich lenken und zu gewagten Versuchen verführen- Ratag, Lynnhaven, Smith Islands, Blue Points n. dgl. mehr. Auch Mt die reiche Answahl in Allsterusorten ans. Die Stimmung in jedem dieser Lokale ist ruhig und solide — teilweise wohl wegen des trockenen Systems. Tatsächlich ist es nicht leicht, eine fröhliche Stimmung mit Wasser zu erzeugen, und die schönsten Speisen sind selten imstande, die Gesellschaft bis zu einem gewisssn Grade anznregen. Aus diesem Grunde lassen einige Restaurationsbesitzer das Mitnehmen eigener Getränke — selbstverständlich in streng diskreter Form — zu, während andere selbst Wein an bekannte Stammgäste verkaufen. Dabei steht aber niemand für die Qualität des verabreichten Getränkes ein, und mancher Besucher, der plötzlich den Preis von 4 bis 5 Dollar für eine Flasche sehr minderwertigen Weines in der Rechnung entdeckt, bereut bitter seiner antiprohibitionistischcn Gelüste. Es wäre falsch, über New Port nach seinen großen Restaurants, die einen möglichst internationalen Anstrich anstreben, zu urteilen. Um so recht ins Herz Amerikas zu schauen, muß man seine Kaffehäuser und „Automaten", seine Teestuben und fremdländischen Speisehäuser aufsuchen, in denen es gewöhnlich ziemlich lärmend und ungeniert zugeht, die aber ausnahmslos und für verhältnismäßig bescheidene Preise ausgezeichnete Kost bieten. Und in Nerv York, wo das Leben sehr teuer ist, tut die Kenntnis solcher Dinge not. Außer zahllosen italienischen und französischen Sipeisehäusern gibt es dort eine Menge deutscher, jüdischer, griechischer, rumänischer, russischer, spanischer, ungarischer, japanischer und chinesischer. Jedes, dieser Lokale hält fest und streng an seinem nationalen Menu und jedermann kann sich seine Leibgerichte im Bereiche der Manhattaninsel servieren lassen. Ae Kahenjagd in Domiersllrcherr. Grauenhafte Tiermaffakers im Burgenland. Der Wiener Tierschutzverein besaßt sich jetzt unter rnrderem mit einer ganz unmenschlichen Art der Vertilgung von Tieren, die in einer Ortschaft des Burgenlandes vor einiger Zeit borgeuommen wurde. Anfangs November waren in D 0 unerskirchen am NeuMlersee zwei Fälle von Hundswut sestgcstcllt worden. Daraufhin ordnete der Eisenstadter Bezirkshauptmann Karecker die Vertilgung sämtlicher Hunde und Katzen von Donnerskirchen an. Der Bürgermeister des Ortes wurde beauftragt, in deu Häusern von 147 namentlich angeführten Bewohnern 81 Hunde und 170 Katzen vertilgen zu lassen. Bei weiteren 17 Einwohnern wurde eine Hausdurchsuchung nach zu vertilgenden Tieren angeordnet. Unter der Leitung des Amtstierarztes nahmen am Walbesrand in der Nähe des Ortsausganges fünf junge Burschen vor den Augen einer johlenden Menge von SGllkinbern die Massakrierung vor. Die Katzen wurden in Säcken ans den Aasplatz gebracht und dort von den Burschen so lange an die Baumstämme geschlagen, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gaben. Einzelne Säcke zerrissen, und die schwerverletzten Katzen sielen heraus und suchten sich tvegzuschleppen. Sie wurden voll deu Schulkindern cingeholt, die ihnen dann mit St ein würfen und Fußtritten den Garaus machten. Einzelne Tiere entkamen in den Wald und wurden dort noch am nächsten Tage mit zerschlagenen Gliedern und gebrochenem Rückgrat halbverendet aufgesundeil. Die Hunde wurden einzeltveise erschlagen. Der Hund eines OrtSinsassen namens Rudolf Fischer erhielt mindestens 30 Schläge, bis er zusammeubrach. Er wurde. aus den Haufe» zu den toten Hunden geworfen. Nach 15 Minuten schleppte er sich abssr wieder weg und wurde dann erst totgeschlagen. Ein Hund kam nach drei Stunden mit einem heraushängenden Auge und klaffenden Haut- und Fleischwunden blutüberströmt zu feinem Herrn ins Haus zurückgelaufeu, der ihn nochmals auf deu Aasplatz trug, 100 er endlich den tödlichen Schlag erhielt. Mehrere Besitzer versuchte ihre Huntw zu erschießen. Es wurde dabei aber so ungeschickt geschossen, daß einem Hunde zuerst ein Schenkel durchschossen, dann der Maulkorb mit einem Teil des Kopses loeggeschossen wurde. Einein anderen Hunde wurde durch einen Schuß der Bauch anfgerissen, so daß er mit hev ansh>'i u n e nb e „ f b ii rNI pn l i<* Straßen Meierei BaMaur II.. Große Stadtgutgaafle Jft. 94 Dreimal i&gliolt: 5— 7 Uhr früh, 11-12 Uhr mittags. 6— 7 Uhr abends: kuhwarme milch aus den eigenen Stallungen dortselbst. Verkauf den ganzen Tag ftheri durchlief und erst nach geraumer Zeit getötet werden konnte. Der Gemetndcdiener kain mit einem Schubkarren, auf dem drei erschlagene Hunde lagen, vor das Gasthaus Fasching, wo er einkehrte. Den Karren ließ er auf der Straße stehen. Die Wirtin bemerkte, daß einer der Hunde, dem die Schnauze zur Hälfte rveggeschossm war, noch lebte. Aus Erbarmen hat dann ein Häusler den Hund vollends erschlagen. Schulkinder und halbwttchfige Burschen zogen tote uub lebende Katzen an Spagatschm'iren durch den Straßcnkot zum Aasplatz. Zahlreiche Katzen wurden dadurch getötet, daß man ihnen auf den Kopf trat und beim Schwänze anzvg, um ihnen so das Rückgrat zu brechen. Der Geineindecassiec Leeb sah noch am Abend in der Grube, in der die Tierleichen zur Verscharrung bereit lagen, atmende Hunde, die dann lebend mit bett übrigen eingcscharrt wurden. Der Vizcbürgerineister Schratzentaler, der von den unglücklichen Tierbesitzern bestürmt wurde, doch beim Amtstierarzt wegen Einstellung dieser entschlichen Metzelei zu intervenieren, wurde vom Tierarzt Dr. König bei der Bezirkshauptmannschast wegen ungehörigen Benehmens gegen eine Amtsperson angezeigt und zu zehn Schilling Geldstrafe verurteilt. Der Wiener Tierschutzverein, der seine Organe nach Donnerskirchen entsendet hat, die bei ihren Erhebungen die erwähnten Grcuelszenen vollkommen bestätigen, wird sich sowohl an die burgenländische Landesregierung als auch an das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft wenden, unr die sofortige Suspendierung und disziplinäre Amtsentsetzung der schuld tragenden Beamten verlangen. Sie völkischen Anschlagkasten. Wie wir erfahren, hat der akademische Senat der Wiener Universität bisher keinen Beschluß in Angelegenheit der Anschlagkasten gefaßt. Die Hakenkreuz- Pöbeleien prangen noch immer in den Kasten und man kann von außen auch noch den Genchmigungsstempel des Rektorates deutlich erkennen. Jfmfi für fie haben wir einige unserer BUcherpramien reserviert. — Haben Sie schon Ihr Abonnement überwiesen 9999999 lahresaboimenten erhalten nach Wahl: JosepAus STfovius ■ SÄMTLICHE WERKE, in drei eleganten Prachtleinenbanden. Mehr als 2000 Selten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, odor Weinridk Sheoetx ■ GESCHICHTE DER JUDEN. Drei vornehme Geschenkbände. 2200 Seiten stark, oder 'Sven. 3f€edin ■ PALÄSTINA. Ein herrl.Lexikonband m.bOO neuen Bildern ausErezlsrael in meisterhalter Reproduktion. Text v. d. berühmten Forschungsreisenden. Halbjahresabomienteu erhalten nach Wahl: üT/keotVor üferxl ■ FEUILLETONS. Zwei geschmackvolle Geschenk* bände. 700 Seiten stark Mott ttöfirn ■ DIE ZIONISTISCHE BEWEGUNG. Zwei Bände in einem hocheleganten Großoktavband. 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M. abends in der Straßenbahn mit verbundener Hand und d e r n n g i e r t e r T 0 i l e t I e gesehen und sie mit Bestimmtheit erkannt hm, überwiesen er« scheint, Scharrt sie in den Verhören dabei, „nicht dort g -e wese n z n sei n." Die Zahl der Austnnftspersonen, die Frau Lustig knapp vor dein Morde rroch gesehen haben, erfährt noch immer Vermehrung. Gestern haben sich wieder zwei Zeugen gemeldet. Die eine Zeugin ist eine Geschäftsfrau, die in der Sechsschimmolgasse ihren Laden hat. Sic ist am 30. v. M., nach V*8 Uhr abends vor die Filiale der Ber cinsmolkerei gekommen. Sic gibt an, daß zil der Zeit der Rollbalken noch hochgezogm war. Das Geschäft aber war geschlossen. Sie sah, da sie Frau Lustig kennt, hinein und bemerkte die alte Frau ohne Kopftuch. Frau Lustig war hinter dem Pult und schien in ihre Markttasche, die aus dem Pulte stand, zu greifen. Ob -noch eine Person im Laden war, hat die Frau nicht gesehen; allerdings ist es ihr vorgekommen, als ob sie seitlich von der alten Frau einen Schatten gesehen hätte. Der zweite Zeuge ist der Geschäftsmamr Uhlik, der im Hause Liechtensteinstraße 36 wohnt. Er traf Frau Lustig zwischen V*8 Uhr und spätestens %8 Uhr auf der Straße. Bei der Begegnung trug Frau Lustig das Kopftuch nicht. Wenn auch die Aussagen der zwei Zeugen nicht von ausschlaggebender Bedeutung sind, bilden sie doch ein wertvolles Glied in der Kette, da auch sie. bezüglich der wahrscheinlichen Zeit der Ausführung der Tat Bedeutung haben. Gestern ist auch der Gerichtsakt bezüglich der Strafsache aus dem Jahre 1918 aus Salzburg an das Sicherheitsbureau gelaugt. Er ist sehr umfangreich und umfaßt das Resultat der polizeilichen und gerichtlichen Erhebungen und das Protokoll der Gerichtsverhandlung, die am 11. Dezember 1918 mit dem Freispruch d e r A n g eklagten endete. Der Akt ist für die Mordaffäre ganz belanglos. Me BrotpreiscrljShvng. Ein Laib Brot ab Montag 89 Groschen. Die mit dem Verbrauch der billigen Mehlvorräte begründete Forderung der Brotfabriken nach einer neuerlichen Erhöhung des Brotpreises hat die Zustimmung des Bundeskanzleramtes erhalten. Demnach tritt ab Montag eine Brotpreiserhöhung um 4 Groschen, das ist auf 80 G r 0 s ch e n in Kraft. An die Konzedierung dieser Preiserhöhung wurde die Bedingung geknüpft, daß das Brotgewicht nicht mehr wie bisher 126 Dekagramm, sondern 128 D e k a g r a m m zu betragen habe. Die eben durchgeführtc Brotpreiserhöhung ist die dritte innerhalb sieben Woche n. Ler Streit «m Sen Znftandhaltnngszlor. Da sich der Vorsitzende der steirischen Landeskammission für die Festsetzung des Jnstandhaltungszinses. Ob^'landesgerichtsrat Dr. B a u e r, weigert, den Beschluß der Kommission, der den Jnstnndhaltungszins aus d i e v i e r t a u s e n d f a ch e F r t e b e n 3 m t e t* (in Papierkronen) hinaussetzt, kundzumachen, haben die Hausherrenverbände gegen ihn beim BundLskanzleramt (Justiz) eine D i s z i p l i n a r a n z e i g e oingebracht. Wie mm aus Graz gemeldet wird, erhielt Dr. B a u e r gestern die Verständigung, daß das Vundes-kanzleramt feinen Anlaß finde, ihn von seinem Amte als Vorsitzender der Landeskommission zu entheben. Oberlandesgerichtsrat Dr. Bane r hat daraufhin die Fortsetzung der am 30. Dezember v. I. abgebrochenen Sitzung der Landeskommissiou für Freitag, den M. d. M., zur Erledigung der Anträge auf U n g ü ltig k e its e rk l ä r u u g des Beschlusses über den viertausendfacheir Friedenszius und allenfalls zur Wiederaufnahme des Ueberprüfungsverfahrens anberamnt. Als neuer Hausherrenvertret'er wurde der Rechtsanwalt Dr. Ferdinand Non in a n n vom steirischen Landeshauptmann ernannt. E Morgen beginnt der sensationelle Inventur- und Ränmungs-verkaus im Warenhaus Brüder Schiffinann, 2. Bez., Taborstraße 48. Der Name „Schisfmann" ist speziell im abge.ausenen Jahre ln weitrn Kreisen der Bevölkerung sehr populär geworden. Die ilnerreichte Leistungsfähigkeit dieses großzügigen Leopvldstädter Kaufhauses ist bereits allgemein bekannte und anerkannte Tatsache. Jlt dem Bestreben, ihr Renvmmep als billigste und verläßlichste Bezugsquelle zu erhalten uub zu stärken, haben Brüder Schisfmann für die Dauer des Jnventur-Berkauses ihre bekannt billigen Preise noch wesentlich reduziert. Niemand versäume daher diese einzigartige Gelegenheit, seinen Bedarf an Seiden waren, Samten, Stoffen, Leinen, Chiffons, Gradl, Bor hängen, Teppichen, Bettvorlegern. Damen- und Herrenwäsche, Strick- und Wirkwaren, Modeartikeln, Schneider und Modistenzugehör ustv. usw. während der Zeit vom 10. bis 16. Jänner bet Brüder Schisfmann zu decken. Eine Besichtigung der 36 Schchaufenster wird Sie von der reichya.tlgen Auswahl, verläßlichen Qualität und br Konknrrenzlostgkelt der Preise überzengen.