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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-08 · Heft 2824 (8.1.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2824 (8.1.1927)
Date
1927-01-08
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Rr. mi Gien, Samstag 8. Farmer 1827 Sette 7 JOIIISCIIE WEIT I > lie Sednrisstadt «l.rahaM. Neue Ausgrabungen. Einer archäologlschen wissenschaftlichen Expedition, die vom britischen Museum und der - amerikanischen Pennsylvaüia-Universttät gemeinsam änsge rüstet wurde, ist es Blättermoldungen zufolge, gelungen, in Mesopotamien sehr erfolgreiche Ausgrabungen an der Stelle der ckaldäischen Stadt U r, der Geburtsstadt Abrahams,' durchzuführen. Die englisch-ametikanischen Archäologen haben zahlreiche, wohl erhaltene Häuser der Stadt Ur ausgeyraben, die schätzungsweise aus dem Jahre 2000 v. Christi Geburt stammen. Die Ausgrabungen haben ergeben, daß die Wohnkultur der Semiten zur Zeit Abrahams außerordentlich entwickelt war. Sie Serufrllmschlchtilug unter de« russischen 3«Dcn. Der Sekretär des Zentralbureaus der „Jewsektia", Lschemerisky, hielt auf dem gegenMrttg in Moskau stattfindenden Kongreß der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei ganz Rußlands ein Referat über die Berufsumschichtungsbewegüng der. russischen Juden, in welchem, er folgende Ziffern vorbrachte: die Zahl, der jüdischen Lohnarbeiter und Angestellten hat sich den - letzten zwei Jahren . auf 100.000 erhöht. Diese Zähl betrifft die den Gewerkschaften angeschlossenen Arbeiter. Alles in allem zählt, man rund .360.000 organisierte jüdische Lohnarbeiter,, sowie etwa 40.000 Nichtorganisierte Lohnarbeiter. Im ganzen gibt es also . 400.000 jüdische Lohnarbeiter in Rußland, oder rund eine Million von Lohnarbeit lebender jüdischer Seelen. Dem Ackerbau 'wandten sich ln den letzten zwei Jahren 11.000 jüdische Familien mit insgesamt'55.000 Seelen zu. Zusammen mit den alten Kolonistew-Familien zählt .man 170.000 jüdische Seelen, die von Ackerbau leben. Man zählt 'ferner 200.000' jüdische Heimarbester- Familien mit insgesamt 800.000 Seelen. Genaue Zahlen wrD. die jetzLdurchWührte Volkszählung -erbringen. Während sich die "Zahl der jüdischen Lohnarbeiter stets erhöht, nimmt die Zähl dev Angestellten b e i d e n R e g i e r u n g sin st i t u t i o ne n /fortdauernd" ab,' dies häügt mit der Ukräinisierung und ' dev Weißrussifizierung der AeMter zusammen/ In-' der S ch.we ri n d'u.st x.re "erhöht.sich.die'.' Zahl - der jüdischen Arbeiter,. während siein der K l e i ui tt d u st r i e, wie Schneiderei usw., a b n i tu m t Im Vergleich zur allgemeinen Ärbeiterzahl' hält das Zunehmen der jüdischen' Arbeiterschaft nicht Schritt. Während in den letzten.zwei. Jahren, die allgemeine Arbeiterzahl, um 49 Prozent 'zunahm, erhöhte sich die . Zahl der jüdischest Är- Leiter um uür.31 Prozent in der Ukraine und um. 37 Prozent ist.-Wxißrußland. Das kömmt davon, ..daß die/ jüdischen Arbeiter in der Bergindustrie Ivenig beschäftigt sind. 95 Prozent'der organisierten jüdischen Arbeiter. sind in Stäatsunwrnehntüttgen beschäftigt. Der .Prozeß der Industrialisierung^ der jüdischen Massen schreitet im allgemeinen. vorwärts. . . . »Sranke-Palestine." In der angesehenen Pariser Monatsschrift' „Le . Monde - Ätoübeau" berichtet der' Senator und gewesene Minister Justin C.o d a r t. über die Gründung der Gesellschaft „France-Palestine",' deren Vorsitzender er ist. Er behandelt vorerst die Schwierigkeiten, die lange Zeit dem zionistischen Gedanken hinderlich wären, in Frankreich Fuß zu fassen und. führt diese darauf zurück, daß' die . französischen Juden trotz, aller gesetzlichen Gleichberechtigung sich von einem Antif entitismus utngeben fühlten, der ihnen ZurückhyltMg iit dieser Frage geboten erscheinen ließ. Erst die Durchführung des. Aufbauwerkes ist Palästina schuf dicht zionistischen, Gedanken einen günstigen Boden in. der jüdischen, wie m der nichtjüdischen öffentlichen Meinung. Frankreichs. Die latenten ' Sympathien wurden organisatorisch verwertet und zusammengefaßt durch Dr.'Jakobfohn, dessen'Klugheit und Beharrlichkeit es gelungen ist, dem zionistischen' Gedanken auf einem Boden Eingang zu verschaffen, wo vorher so viele Zionisten jede Hoffnung aufgegehen hatten. — Der: neue Verein stellt es sich zur'Aufgäbe, die jüdische Bewegung, die in ungefähr hundert.Bereisten zersplittert ist, in einenr eigenen Hei.;n. zlk zentrarifrerett, jüdische.Interessen - den Behächyn gegenüber wahrzunchmen, Chaluzim im Südeu Frankreichs, wo ähnliche klimatische Verhältnisse wie in Palästina, - mit den französischen landwirtschaftlichen Methoden vertraut zu machen, die Sammeltätigkeit der zionistischen? Fotws zu fördern, eine Lehrkanzel für neuhebräische - Sprache an der Orientalischen Sprachschule zu schaffen ustv.—Als Beweis für das große Verständnis,' das der zionistische .Gedanke in den politischen- Kreisen Frankreichs findet, weist Codart darauf hin, daß der Prä-' sident der Republik und fünf int Atnte befindliche, beziehungsweise, gewesene Ministerpräsident i. und Minister - für Auslväriiges ihm angehören. ar. Ae g«»e««W»« Die., evangelische Judenmisskon ist mit den Ergebnissen ihres kostspieligen Jüdenbekehrungsapvarates offenbar nicht zufrieden. Das geht wenigstens aus einer der letzten Nummern ihrer Zeitschrift „Der Evangelist" hervor. Das Blatt stellt zunächst fest, daß die bisherigen Methoden der Lösung des Judenproblems unter den christlichen Völkern, die sich in Unterdrückung, Berfolgung und Versagung der politischen und sozialen Rechte ausdrückten, sich nicht bewährt haben. Die Christen müssen sich demnach von alten Vorurteilen losmachen und an das Gewissen der christlichen Kirche appellieren. „Int Austrage des internationalen Missionsrates" — heißt es im „Evangelist" — „sind deshalb im Frühjahr 1927 in Budapest und Warschau Konferenzen .ins .Auge gefaßt, um Gedanken, Gebet und Erfahrung der Christenheit auf diese überaus wichtigen Missionsunternehmungen zu richten. Das praktische Ziel dieser, Konferenzen ist, JudeilknissionZtp zusammenzubringen, eine bessere Arbeitsteilung anzubahnen und das Missionsinteresse neu zu beleben." Wir machen das jüdische Publikum und ganz besonders die jüdische Presse und die jüdischen Führer in Ungarn, und in Polen auf diese geplante Attacke der jüdischen Renegaten auf die Seelen der jüdischen Bolksmaffen aufmerksam. 1 DIE RUHMVOLLEN EPOCHEN der jüdischen Geschichte in unseren Prämienwerken Josephus Flaviua leinrich Graetz Sott Hea&ing — Herr «o« Deal Castle Wie. aus. London berichtet wird, ist der gewesene Vizekönig von Indien,. Rufus Jsaacs Marquis von Reg ding, zum „Herrn. des ’ Schlosses Deal Castle". ernannt, worden Die Verleihung dieses von Heinrich VIII. im Jahre . 1539 erbauten Schlosses am Meer zum Wohnsitz, gilt in: England als eine der höchsten Auszeichnungen Die Vorgänger. Marquis, Readings hierin waren Lord Allenby und Marschall. French.; Sie SBeltorganIfatlim zionMcher Staue«. Frau Vera Wcizmauu in Zürich. Aus Zürich wird uns berichtet: Auf Einladung des hiesigen Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina wird die Gattin des Präsidenten der zionistischen Weltorganisation, Frau Dr. Vera Wetz mann, am 15. Jänner in Zürich eintreffen, wo. sie, ausführliche Referate über die Aufgaben und bisherigen Ergebnisse der Frauenarbeit in Palästina sowie über die Organisation der Fräüenhilfe in den europäischen Ländern erstatten wird. Frau Dr. Vera Weizmann ist die Präsidentin des internationalen Verbandes der zionistischen Frauen (Wizo), dessen Zentrale sich in London befindet. Furchtbare Tragödie iu einem jüdische» Greisenasyl. -us S o roki in Beffarabien meldet die I. T. A.: Das dortige jüdische Greijenheim blieb infolge der Armut der jüdischen Gemeinde ohne Aufsicht, die greisen Einwohner inußten sewst alle Arbeiten verrichten. An einem. der letzten Monde wurden die Oefen von den alten'Leuten nicht ganz sachgemäß geheizt, sie strömten Kohlengäs aus. Am nächsten Morgen fand man fünf Greife tot in ihren Betten, auf. Ernennungen sranzüsischjüdischer Gelehrter. Aus Paris wird gemeldet: Herr Lev h-Brühl wurde zum Vizepräsidenten der Akademie für die moralischen und politischen Wissenschaften für das Jahr 1937 gewählt. Herr Eugen Bloch erhielt den; Lehrstuhl. für theorettfthe und ^tronomisühe Physik it» der. Universität Paris und den tz-hr-Slonf-renz der hqUSudische« Zionifte«. Die holländische zionistische Organisation hielt in Dord recht ihre 27.. Jahresversammlung ab. Der Präsident,Dr. A. van Ra alte, der den Vorsitz führte, stellte fest, daß nach einer Rückgangsperiode.die. zionistische Arbeit im Lande einen neuen Impuls bekommen bat. Dr. “ " blüht, Mitglied der Weltexekuttve, ber genWrtige^ Lage. der. zionistischen Pewe, , daß-für die jüdische Arbeit in Palästi_; einer freien Entwicklung besteht unter der tätigen Unterstützung - der! Mastdätsmacht. Während aber, das Augenmerk < der Mandätsregierung auf den allgemeinen Fortschritt im Lande gerichtet ist, tnüssen die Zionisten fordern, Hatz dem. jüdischen Werk eine stärkere Unterstützung.zuteil-werde. Die Konferenz wählte Herrn Dr. A. van Walte wieder pum Präsidenten der Landesorganisation. Ueberfahrtsennäßigungen für Chaluzivu Aus Triest wird uns geschrieben: Wahrend der allgemeinePreis füv die 3. Klasse von Tttest nach Jaffa auf 5 Pfund Sterling' erhöht Mrd, 'wird für Chaluzun, die Zerttfikate von der ZiMMckön „ Organisation besitzen, der Preis weitechin- 4 Pfund'Sterling'bleiben. - i . Rosentete über die ,^tg unbtftente;na die Möglich- Bühne und Kunst. Seifett’Scitt. Der lpetlgegrnndete jüdische Kultunkreis in Wien, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die jüdische Kulturarbeit zu fördern,, trat zunr ersten Male mit einer Feier anläßlich des 60. Geburtstages des jüdischen Dichters Abraham Reisen an die 'Oeffeutlichkeit. Diese Veranstaltuttg war ein voller Erfolg. Der Abend wurde durch ein treffliches Referat von Dr. Feiwel St e r n b e r g eingeleitet, der den Dichter Abraham Reisen als den Schöpfer des Volkstümlichkeitsmotivs ln' der Mischen Literatur charakterisierte; die verschiedensten Typen und Gestalten, die Reifen geschaffen hat, repräsentieren ein lebendiges Monument des jüdischen Lebens. Die künftlerkschen Darbietungen des Abends wurden durch Fräulein Betty F i s che r eingeleitet, ivelche die Pharaphrasen jüdischer Volkslieder von Julius Wolffsohn mit vorzüglicher Technik und mtOkalischer Empfindung wiedergab. Fräulein Berta Hamm erlas überaus eindrucksvoll Skizzen und Lieder von Abraham Reisen, Fräulein S. Seiden brachte sehr innig Mische Volkslieder von Reisen und Raskin zuni : Vorträg. Einen Kunstgenuß von besonderem Reiz bildeten die rhythmischen Tänze von Gertrud Kraus, welche mit einem expressionistischen Orienttang - be- , sonderen Beifall weckte; ebenso gefielen ein Tanz ' ,,Ghettojunge" und ein russischer Volkstanz.. Sodann brachten die Herren S a l z m a n n,, 'B r a n d m a n n und Fräulein Ent in ein Trio von S. Rosowski vollendet zu Gehör. Den Schluß des in allen Teilen überaus beifällig aufgenommenen Abends bildete die Aufführung, von Abraham Reifens einaktiger Komödie „Gute. Brüder", die ^rr Jwald (Deutsches Volkstheater) -charakteristisch inszeniert hatte. I. H.. Sie Berliner Wische 8e«ei«de für die jüdische flnnft. Aus Berlin meldet I. T. A. Auf Antrag der Ist-;> i sch en Volkspartei hat der Vorstand der . Bcrlinär Mischen Gemeinde beschlossen, zur Vervollständigung der Kunstsammlungen eine Reihe von jüdischen Kunstwerken anzukaufen. Die der Bibliothekskommission angegliL-.. derte Kunstkommission hat zu diesem Zweck eine besonder^ Kommission ertvählt, der die Herren Dr. Sandler Vorsitzender, weitdr die Herren Adolf Donath, Dr. Feilsch e n f e l d vom Hause Cassirer, - der Oberbibliothekär. Doktor Stern und Herr Eugen Caspary cmgehören. Diä Kommission hat eine . Reihe von Gemälden,, Graphiketr und! Skulpturen ausgewählt', die zum Teil zur Komplettierung der Kunstsammlung der Gemeinde dienen sollen, zum audeoenj Teil in den verschiedenen Gebäuden der.Gemeinde, m Schulen mtb anderen Räumlichkeiten als Schmuck Verwenduügs fmden sollen. Es sind darunter Werke von Plessneu, Steinhardt, Julius Rosenbaum, Rcchel Szali't^ Eine, entsprechende Sunrme soll auch'"in den neueir Etat für 19^7 eingesetzt werdet:. (Und was tut die Wimer Kultusgemeinde auf diesem Gebiet? Siehe den gestern veröffentlichten Bericht vvn dtti Generalversammlung des Vereines „Jüdisches Müseum."-t Die Red.) fhts de« Aenty«. Lustspl e l.t.Ih e a ta r.. .Sonntag' gastiert- Hansi Mese .ist-, i dem. Schwank „Der Autowildling"; Montag gelangt als einmaliges Gastspiel des Freien Theaters „Masse Me n s ch" von Ernst Toller zur Aufführung; Dienstag, den 11' d., wird als Sondervorstellung das' Flüchll-ingsdvama „Der Profit" von Mbin Mundru gegeben. Volksoper. Morgen nachmittags „W i l he l m- Tel-l", albendS „Die schöne Helena" mit Bürgschauspreler Walter Hu>ber als' Menelaus. . Theater in der Iofefstadt.' Sonntag, halb4Uhr nachmittags, Gogols Komödie „Der Rebis.or". . B u r g t h e a t e r. Morgen; 8 Uhr ^nachmittags, e n- "ste r7, .7 Uhr abends „Egan o n t" (Abonnement 1. Gruppe). Aka d e m ie th e a te r. Morgen. 3 Uhr. nachmittags, „Die Lokalbahn", 348 Uhr abends „Das Prinzip". Staatsoper. Morgen,. hal>b 7 Uhr, ',Kohen.grin". „Die Trommel." Diese neue Schauspielervereinig-uttg er-- äffnett ihre Mnstlerische Tätigkeit unt der Urauffithruug des Schauspiels „Das Schi fr von-Heinrich Mch e f fe r.- Diese Vorstellungfindet Sonntag, den 9. Jänner, 11 Uhr vormittags, im Modernen Theater statt. ' Ein Morris Rosenfeld-Abend in Kaschau. Mau schreibt uns,.aus Kaschau: Der Uefige jüdische Kulturvereitt veranstaltete am 1. Jänner einen eindrucksvollen Mvrris Rosen selb »Abend. Herr Dr.. Josef Löwi las einen Estay Über die Persönlichkeit, das Schaffen und Micken des Dichters. Es folgte eine musikalisch-deklamatorische Akademie, an der sich die Datnen Ber g nt a n n mtb I a nt ab.! c S und Lipsk er, sowie Herr B.e r n ein beteiligten. Es war ein Kulturabend, der Niveau - t te. ' Webers „Freischütz" in Mailand. Aus Mailand wird berichtet: Mit großem Erfolg wurde am Donnerstag abends zum-ersten Male seit 22 Jahren wieder Webers „Freischütz" an der Scala unter der Leitung des jungen Kapell- «meisters Gabriele Samttn aufgeführt. Die Aufführung der. Oper, die für einen großen Teil.des italienischen Publikums eine Neuheit barsteMe, fand eine sehr günstige Aufnahme. Die Ausführung erfolgte nicht wie in Deutschla« mit Prosaeinlagen, sondern mit de» von Berlins vertonter Rezitativen, wie lemes Jahr in Paris. Der Auffü" wohnten auch der Präfekt von Mailand und zahlreiche i größett bei. '

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