Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2824 (8.1.1927)
- Date
- 1927-01-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekts 8 Oken, Gamstag Wiener Mosgenzdtrrris 8. Jänner 1927 N r. S8S4 SerWssml. Las .^i«d foiin dem RettgiMSweKsel des übkidlevenden AaHrrS. Die oberösterrerchische Landes-regicrun-b hatte en-» schieden, daß das nvcki nicht sieDen Jahre alte Kind Luc:e des Herrn Friedrich Wim bürg er in Linz, dessen verstorbene Gattin ebenso wie er dem evangelischen GlanbenWekenntnis angohvrt hatte, nunmehr dem römisch-katholischen Gwu'bcnsüek«nntnisse anzugechören -habe, weil der Vater nach dem Tode seiner Frau vom evangelischen zum katholischen Glau'ben ükergeircten war. Dem dagegen vom evangelischen Pfarramt in Linz eingebrachten Rekurse gab daS Bundesministerium für Unterricht Folge, weü in dem Gesetz üiber die interkonfessionellen Verhältnisse nur den „E l t e r n", daher nicht cine-m Etternicile das Recht zur Religionsbestimmung des Kindes zugesprochen werden könne. DaS Kind werblichen Geschlechtes unter sieben Jahren habe daher bei dem evangelischen Rel'igionWclkemitnis der verstorbenen Mutter zu verbleiben. In der gestern über diesen Fall staitgehalbten Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof wurde der Befchwcr-de des Vaters Folge gegeben und die Ministerialentscheidung als ungesetzlich aüfgehoben, weil der Religionswechsel des überlebenden Vaters ipso iure aus alle Kinder zu wirken habe. Eine EhvenbeleÄigungsklaM d«8 Präsidenten Eldersch. Dem OÄGR. Dr. Sieber, StrafbezrMgericht 1, lug geistern, zur Verhandlung eine Ehrenbeleidigungsrlage vor, die der PrasLent des Nationalrales Matthias Gl der sch gegen den Bäckermeister Andreas Reifs er erhüben hatte. Wie in der Klage auSgeführt wird, Latte der Beschuldigte am 27. November v. I. in seinem Geschäfte in Anwesenheit rri^- rerer Leute ein politisches Gespräch geführt und dabei in abfälliger Weise den Umstand besprochen, daß sich Nationalrat Eldersch anläßlich des Verkaufes der HamMerbrotwerke an das Bauikhaus Basel als Lester dieser friilber der sozialdemokratischen Partei gehörigen Werke, einen Altersversorgungs- und Abfindungsbetrag von über 2 0 0.0 0 0 Schilli Ug Latte bezahlen lagen. Reißer rief nach Erörterung dicsier vor? ihm kritisierten Umstände im Gespräch mii dem Sportlehrer Heinrich Wolsta u m. auS: „W SS fa ge n Sie gu d e M Eldersch. zu dem Obergauner!" Vor Gericht erklärte der Beschuldigte» daß dre Aeutzerung, ':<* et gemacht hübe nickt so arg gemeint gewesen sei, daß es ihm ferne gelegen sei, den Vräiid^nen Eldersch zu beleidigen und daß er lediglich eine Kritik habe anssprechen wollen. Der Beschuldigte gab eine umfassend!: Ehrenerklärung ab, woraus der Mager ^en Straffantrag zurüchzog. Ein Gaittenmörder zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Im Jahre 1921 heiratete in einem Dorfe bei Schärding der Kleinbauer Karl K i t t I die um -fünf Jahre ältere KriegerS« wiÄve Katharina Zamba u er, um in den Besitz ihreS AnwcsenS zu kommen. Die Hälfte des Besitzes hatte er sich sofort bei Eheschlroszunz verschreiben lassen und für den Fall des Ablebens seiner Frau sollte ein wesentlicher Teil ihres Eigentums, oliwchl sie drei Kirtter hatte, an ihn fallen. Die Ehe verlief äußerst unglücklich, weil Kitt! seine Frau, die in dem Doofe als äußerst gutmÄttg bekannt war fast täglich mißhandelte. Die Frau leibete deshalb das Sch e idungsverfahren gegen ihn ein und, da Kittl fürchtete, daß die Ehe aus seinem Verschulden geschieden werden könnte, überredete er seine Frau, die eheliche Gemeinschaft wieder aufgunehmen, was diese auch tat. ohne daß sie den Scheidungsprozeß einstellen ließ. Am Morgen vor der Verhandlung lief Kivtl gang bestürzt aus die Straße, und riefseine Frau habe sich erhängt. Tatsächlich fand man dl» Frau an einem Fensterkreuz hangend to>d auf. Als verdächtig wurde jedoch sofort erkannt, daß an einer anderen Stelle des Zimmers eine Blutlache zu sehen war um eine gerichtliche Obduktion der Leiche ergab, daß die Frau unmöglich Seöbstmord begangen haben könne, sondern Kwe-fellos o rmordet wurde. Kittel wurde auch von den Diüc'cr Geschworenen einstimmig des Mordes schuldig erkannt und vom Gerichtshof zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteilt. Geistern verwarf der Oberste Gerichtshof die gegen dieses Urteil eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde. TeiM8W«T8CBAfn vom englischen 8almftrle> «ud Geldmarkt. (Von unserem Londoner Berichterstatter.) Die Beendigung des englischen Bergarbeiterstreiks Hat in industriellen Kreisen Englands im allgemeinen einer ziemlich optimistischen Aufifassüng Raum gegeben, allerdings erfolgt der Fortschritt nur in langsamem Tempo. Die optimistische Stimmung hat keine Einbuße dadurch erlitten, daß das Arbeiterblatt „Daily Herald" berichtet; es sei in den Kohlenrev i«ren eine neue Streraktion geplant. Ueber die Lage und Aussichten der wichtigsten englischen Industrien schreibt das Fachblatt der Federation of British Industries: „Die Zahl der Arbeitslosen ist in allen Industrien stark zurück gegangen. Soweit die Wollindustrie von Bradford in Betracht kommt, kann all-Umein eine bessere Beschäftigung konstatiert werden, doch ist die Besserung nicht überall gleich stark. Im ganzen bestehen für das neue Jahr günstigere Aussichtrn. Im Sitiden Schottlands sind die Tweed-Erzeuger eifrig bemüht, neue und anziehende. Nuancen und Muster hervorgubringen, um durch erstklassige Qualitätsware verlorene Positionen wieder zu gewinnen. Im Großhandel ist gleichfalls bereits eine Besserung Zu verzeichnen. Hingegen sind in der chemischen Industrie nur langsame Fortschritte zu konstatieren, namentlich in jenen Artikeln, in welchen mit einer sinkenden Preistendeny gerechnet wird. Die Importe sind im Dezember noch um 26.3 Prozent gestiegen, während die Exporte um 8.7 Prozent geringer waren als im Vorjahr. Die höhen Importe von Kunstseide deuten darauf hin, daß für die britische Industrie noch bedeutende Exparvsionsmöglichkeiten bestehen. Die Se if e n i n d u str i e befindet sich bereits in einer ziemlich befriedigenden Situation, worauf die letzten Exportziffern hindeuten und im November war eine fünfprozentige Steigerung des Exportes gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen. In der E i s e n- und S t a h l i n d u st r i e wurden zwei weitere Hochöfen gegen Ende November angeblasen, so daß sich die Zahl der Ende November arbeitenden Hochöfen auf sieben erhöht«. Die Roheiservpro-vktion im November betrug 12.700 tons gegen 13.100 tons im Oktober und 539.100 tons im April. Die- Stahlproduktion belief sich auf 97.600, verglichen mit 94.200 im Oktober und 661.000 tons im April. Die Eisen- und Stahlimporte beliefen sich auf 422.700 tons. Die M o t o r i n d u st r i e verfügt nicht über die erforderlichen Rohmaterialien, um die Modell«, welche dem Publikum in Olympia gezeigt wurden, herzustellen. Die Exporte waren im zweiten Semester 1926 wenig befriedigend, gewisse Anzeichen, deuten jedoch darauf hin, daß das Exportgeschäft im Jahre 1627 sehr günstig sein und einen großen Vorsprung gegenüber den Vorjahren bringen wird. Die Motorindustrie wird eine kleine Delegation van repräsentativen Persönlichkeiten nach den wichtigsten Auslandsmärkten entsendrn, um die Absatzmöglichkeiten zu studieren." In der City hat es überrascht, daß hw Bank von England den Diskontsatz nicht herabgesetzt Hai. Der P r i v a i d i so u t f a ist seit einigen Tagen um % Prozent niedriger als die Bankrate, so daß die Bank von England den Markt nicht mehr kontrolliert. Ferner hat sich der Sterlingkurs erholt und neigt zu werteren Steigerungen. Die deutschen Goldkäufe haben aufgehört und,es sind sogar Zuflüsse der Bank von England zu verzeichnen. Endlich hat auch die neue vierprozentige englische Staatsanleihe einen unerwarteten Erfolg gehabt. Die Barsubskrvpkionen zu 86 Prozent mußden Freitag gesperrt werden, nachdem angeblich über 100 Millionen Pfund gezeichnet worden sind. Wenn trotzdem die Bank von England den Zeitpunkt für eine DiAkontermätzigung noch nicht für gekommen erachtet, so scheint dies darauf zurückzuführen zu sein, daß sie abrvarten will, ob der gegenwärtige Geld-Überfluß eine Nachwirkung des Ultimos und der g r o ß e n Dividendenzahlungen sei oder ob die Verflüssigung dauerhaft sein werde. Die Ermäßigung des Diskontsatzes der Bank von England wird für die n ä ch st e Woche erwartet. Wettere Herabsetzung des Banken-ginsfuber in Pole». AuS Warschau w-ird uns geschrieben: Als einen Schritt ^auf dem Wege zur Verbilligung der Produktionskosten und damit zur Erzielung größerer. Leistungsfähigkeit der Industrie erblickt die polnische Regierung den allmählichen Abbau der noch immer außergewöhnlich hohen Zinssätze im Privatverkehr und bei den Bankern Mit Wirkung vom 2. Jänner wurde deshalb auf Grund einer neuen Verordnung des Finanzmjnisters eine weitere Herabsetzung des Zinsfußes für Privatkredite dekretiert. Dadurch wird der Zinsfuß auf 15 Prozent jährlich herabgesetzt. Vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung vereinbarte höhere Sätze dürfen nur bis längstens I. Februar erhöben werden. Stenwahl der MrfrnvrWlnm». In der gestern unter dem Vorsitze des Präsidenten Julius Stern und in Anwesenheit des Börsekommissärs Ministerialrat Dr. Reissenberger abgehaltenen Plenarsitzung der Wiener Börsekammer wurde zur Kenntnis gebracht, daß sowohl der 1. Vizepräsident Samuel.St e i ritz übl als auch Börserat Robert Beck ihre Mandate zurückgelegt haben. Die Versammlung nahm mit Bedauern von diesen Erklärungen Kenntnis. Bei der Neuwahl des Präsidiums für das Jahr 1927 wurde Herr Julius S t e r tt zum Präsidenten wiedergewählt, zum 1. Vizepräsidenten wurde Direktor Felix Stransky, zum 2. Vizepräsidenten Herr Robert W o r t m a n n gewählt. Hieriuf wurden die ständigen Komitees und Ausschüsse gewählt und der Bericht über die Tätigkeit der Kammer im ausgelaufenen Jahre zur Kenntnis genommen, Ueber Antrag des NotierungSkomitees würde Beschlossen, die Kotierung der 7prozentigen Schilling- Pfandbriefe der Allgemeinen österreichischen Boden Erebit Anstalt beim Bundesministerkum für Finanzen zu befürworten und bet nachfolgenden Gesellschaften die U m st e l l u n g auf Grund des Goldbilanzengesetzes im Kursblatt« durchzuführen: Kleinmünchner Baumwollspinnerei und Weberei; Schrauben und Schmiedewaren Fabriks-Aktiengesellschaft Brevillier u. Co. und A. Urban u. Söhne; Wiener Gironnd Cassen-Berekn: Oesterreichl-sche Oaschinenbyu-Äktiengesettschaft Körting; Oberungarische Berg- und Hüttenwerks Aktiengesellschaft; Rimamurauy Salgo Tarjaner Ser große Meturhheitg-Erlöser Noch Ist die Zeit für ihn nicht gekommen, aber seine Ideen werden die künftigen Jahrhunderte beherrschen! Helfen Sie ans, die Werke dieses genialen Geistes dnrehznsetzen und ztt verbreiten l Voltaire broschiert 8 12 - gebunden 8 IS — Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben broschiert S 540 gebunden S 720 Fürst Bismarck und der Antisemitismus broschiert S 510 gebunden 8 7*20 Philosophie des Strafrechts broschiert S 3 — gebunden 8 4 S0 Ueber Religion broschiert 5 7-20 gebunden S 9 — Gespräche gebunden 8 6 — Krieg, Wehrpflicht und Staatsverfassung broschiert 8 12 — gebunden S 15 — Die allgemeine Nährpflicht broschiert S 12 — gebunden S 15‘— Von einigen Werken sind auch antiquarische Exemplare zu halben Preisen vorrätig MW PUB sM-WM „Der Mann and sein Werk“ Buchhandlung und Verlag R LOWIT / WIEN I. Rotenturmstraße 22 Fleischmarkt 1 Bl Eisenwerks Aktiengesellschaft; Ungarische Allgemeine Kohlenbergbau Aktiengesellschaft; Ungarische Allgemeine Creditbank; Ungarische Eisenbahn-BerkHrs-AktiengeseNschaft; Salgo-Tarjaner Steinkohlen-BevSau-Aktiengesellschaft; Budapests Telephonsabriks Aktieügosellschäft; Pester Ungarische Commerzialbank; Ungarische Zuckerindustrie Aktiengesellschaft; Ungarische Landes Central Sparkasia; Vaterländische Bank Aktiengesellschaft in Budapest und Urikany-Szilthaler Ungarische Kohlenbergwerks Aktiengesellschaft. Ferner wurde beschlossen, beinl Bundesminlsterium für Finanzen die S t r e i ch u n g der Notiz für diö Aktien der Ungarischen Hagel- und Nück^Versich'er u n g s A k t i e n g e s e l l s ch a f t in Budapest wegen unzureichender Höhe des Aktienkapitales nach der Umstellung, sowie der „Agrumaria" Import Aktiengesellschaft in Wien wegen Auflösung der Gesellschaft zu beantragen und den bisher zugelassenen Handel der Aktien der Ap o ll o - F i l m - Aktiengesellschaft im Börsesaale (Exotenverkehr) wegen Verhängung des Ausgleichsverfahrens Über diese Gesellschaft etnzustellen. L!e öchwierlnketten der Werreichlschen MWenlndnftrie. , . Dr. S.cM verspricht Abhilfe. teilte Deputation des Oesterreichischen Mühileu- Verbandes erschien gestern beim Bundeskanzler^ um die Schwierigkeiten zu besprechen, in die die österreichische Mühlenindustrie dadurch geraten ist, daß der leinerzeit eingeführte gleitende Getreidesoll sich in keiner Weife bewährt hat und daß die inzwischen abgeschlossenen Handelsverträge, namentlich der ungarische, keinen genügenden Mehlzoll enthalten. Die für die Mühlen so ungünstigen Verhältnisse führen dazu, daß einerseits vi-ele Mühlen ihre Betriebe einstellen müssen, 'während andererseits infolge ungeniügein der Aufnahmsfähigkeit der österreichischen Mühlen inländischer Roggen ins Ausland exportiert wird. Der Bundeskanzler anerkannte die große Tragweite der vorgebrachten Beschwerden und ihre Auswirkung auf die Gesanttheit des Wirtschaftslebens. Er verwies darauf, daß die Regierung eben im Begriffe steht, im Einvernehmen mit den Vertretern der wirtschaftlichen Körperschaften die Maßnahmen zUr U e b e r w i n d u n g der Wirtschaftskrise nicht nur zu studieren, sondern mög'lichst sofort zu ergreifen. Im Rahmen dieser Aktion werde sicher auch auf die Bedürfnisse der Mihlenindustrie, die mit denen der Landwirtschaft im engsten Zusammenhänge stehen, entsprechend Rücksicht genommen werden.