Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2824 (8.1.1927)
- Date
- 1927-01-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«DlflifF JV(Vrgfll|Vtmig s. Jänner 1927 Seite 5 hielt, an deren Spitze der Rektor der Universität und eine große -Zahl Gelehrter stehen. Der Bortrag wurde von den Pariser Kollegen des Wiener Forschers überaus beifällig ausgenommen. Äö bedeutendsten Internisten und Psychiater von Parkwaren anwesend, die österreichische Gesandtschaft war vertreten. Dozent Deutsch wurde von Prof. Claude, dem Chef der Nervenklinik, cingeladem seine Experimente an der Mini? zu demonstrieren. Mt LedeurmSdev der Meer IM. 2391 Selbstmörder. Jnr Jahre 1926 betrug die Zahl der Lebenscwüüett in Wien 3391, davon 1248 Männer uttd 1143 Frauen und Mädchen, gegenüber 3369 LebSNsnrüden (119 4 Männer und 10 68 Frauen) im Vorjahre. In: Jahre 1916 betrug die Zahl der Lebensmüden 904. Vo,t 766 durchgesÄhrten Selbstmorden entfielen 449 auf Männer und 916 auf Frauen, bei den Selbstmordversuchen 799* öuf Männer und 827 auf Frauen. Die Zahl der ausgsführten Selbstmorde betrug im Jahre 1928 744 (476 bei Männern und 269 bei Frauen). Die meisten Selbstmorde (269) wurden mit Gift, insbesondere mit Leuchtgas begangen. Davon waren 102 Männer und 167 Frauen. Dann folgen: Erhängen 210 (168 Männer und 62 Frauen): Erschießen 109 (98 SRännet mb 11 Frauen); Ertrinken 82 (62 Männer und 30 Frauen); Sturz von Höhen 7 0 (31 Minner und 49 Frauen): Stich- oder Schnittwunden 13 (19 Männer und 2 Frauen); Ueberfahrenlassen 1 1 (8 Männer un'd 3 Frauen); Berb r e n n e n 2 (Frauen). Soweit Mitteilungen über die Ursachen der Flucht aus dem Leben zu erhalten waren, war bei der größten Anzahl der Falle (632) Familienzwist die Ursache der Tat und zwar: Selbstmorde bei Männern 16, bei Fralien 40; Selbstmordversuche bei Männern 166, bei Frauen 280. (Im Jahre 1926 zusammen 627 -Fälle.) Not und Arbeitslosigkeit in 369 Fällen: bei Männern 74, bei Frauen 30; Selbstmordversuche bei Männern 179, bei Frauen 86. Krankheit iu 238 Fällen. Geistesstörung in 208 Fällen. Unglückliche Liebe in 198 Fällen und zwar: Selbstmorde bei Männern 19, bei Frauen 21; Selbstmordversuche bei Männern 62, bei Frauen 92. Mißliche finanzielle Verhältnisse (ohne drückende Not) in 76 Fällen. Furcht vor Stra f e in 14 Fällen. Kränkung Über, den Tod Verwandter in 46 Fällen. Unbekannt blieb der Beweggrund in 65 3 Fällen und zwar: Selbstmorde bei Männern 116. bei Frauen 97; Selbstmordversuche bei Männern 198, bei Frauen 241. Krau Roland und dar AurMenttr. Ein Kampf mit CommUniqNes. Me Affäre, welche durch die Nichterneuerung des Gastspielvertrages der Frau Jda Roland mit dem Burgtheater entstanden ist, entwickelt sich zu einem Krieg von Nachtkommuniques. Zwischen 11 und 12 Uhr nachts langen — nicht gerade rücksichtsvoll — erst die Aussendungen der beiden Vertragslösungspartner ein. Nachdem vorgestern Frau Roland am Züge gewesen war, kam gestern um 11 Uhr nachts die Reihe an den Burgtheaterdivektör, Herrn Hetterich. Dieser führt die wichtigstes Teile des Schreiebens vom 9. Mai 1925 an, auf welches er und Frau Roland sich berufen hatten; es:heißt darin u. a. von Frau Roland:.,,. ...daß es sich gezeigt hat, daß die Proben durch ihre eigene temperamentvolle Art des Probierens, wenn auch in allerbester und durchaus rein künstlerischer Absicht, doch auf die Dauer in unserem rein auf gleichberechtigte Ensemblekunst gestellten Körper zu Aufregungen mib Reibungen geführt haben, die für die Dauer eilt ruhiges, zielvolles und harmonisches Arbeiten sehr schwer erreichen lassen. Es ist gewiß, daß einer so hervorragenden Künstlerin fast alle Mitglieder mit bestem Wollen entgegenkommen, daß es aber nicht immer möglich ist, die angespannten Nerven so im Zaum zu hallen, daß der ruhige Proben verlauf nicht Gefahr läuft, empfindlich gestört zu werden." Sehr offenherzig sagt Herr Herterich in diesem Schreiben weiter: „...In einem so gebundenen Betrieb, wie dem des Burgtheaters, kann sichJhveArtnieund' nimmer so voll und ganz ausleben, wie es Ihnen zukommt, und ich kann Ihnen weder einen Einfluß auf Regie, noch einen Einfluß auf Inszenierung zugestehen, auch wenn ich es gerne wollte. Das würde zu einer Auflösung der bei uns üblichen und auf die Nebeneinanderarbeit erster Kräfte gestellte Ensemblekunst eingestellten Ordnung führen, die ich nicht verantworten könnte. Wenn ich das sage, so sage ich es nicht als Ihr Feind, sondern als Ihr Freund. Hätte ich Sie und Ihre Art früher gekannt, so hätte ich Ihnen und mir diese Erfahrung ersparen können." Divektor Herterich beteuert dann, daß nicht die mit dem Rostandschen Stück „L'Aiglyn" verknüpften Mutmaßungen zu seiner jetzigen Stellungnahme Frau Roland gegenüber führten, sucht darzutün, daß Frau Roland kein nusschließlichvr Kassenmagnet für das Burgtheater sei und schließt: „Ich verstehe vollkommen, daß die Oefsentlichkeit ein Wort mitspricht, wenn es sich um das Ausscheiden langjähriger und beliebter Burgtheatermitglieder handelt, aber sicherlich must doch dem Direktor des Äurgtheaters Vorbehalten bleiben, unbeeinflußt d n r ch! i r g e n d w e l ch e a n d e r t als künstlerlsche und finanzielle Motive darüber zu entscheiden, ob nach einer zwei- oder dreijährigen Gasttätigkeit eines Künstlers eine nuerliche oder gar tmi/vmte Verbindung mit dem Burgtheater im Interesse des Künstlers oder des Burgtheaters liegt." ftn f-recheate Ztiettm. Im Laufe der letzten Jahre sind tviedeyhalt Versuche gemacht worden, einen Telephonapparat zu kow struieren, der in Abwesenheit des Telephoninhabers automatisch Gespräche endgegenttimmt und nach dessen Rückkehr tviedergillt. Ein wirklich boauchbarer Apparat ist jedoch bisher bei diesen Versuchen nicht zustande gekommen. Wie aus Stockholm berichtet wird, hat die Frage jetzt eine Lösung gefunden, die nach den mehrmonatigen Proben, die mit dem von dem Karlskronaer Konsul Karl Vogel und dem Werkmeister I. G. Larson erfundenen Apparate angestellt worden sind, als vollkommen bezeichnet werden kann. In einer Vorführung vor der Karllskronaer Presse gewannen alle Anwesenden den Eindruck, -atz man es bei der neuen Konstruktion mit einer epochemachenden Erfindung zu tun hat. Der von den beiden Genannte» erfundene Apparat, der ungefähr die Größe einer Schreibmaschine hat, wird in der Nähe des gewöhnlichen Telephonapparates aufgestellt und ist ivährend der Anwesenheit des Abonnenten außer Tätigkeit. Beim Verlassen der Wohnung braucht der Abonnent bloß einen Hebel niederzudrücken und der Apparat ist an das Telephon augeschlossen und steht damit in direkter Verbindung mit der nächsten Telophonstation. Wird der abwesende Abonnent von dritter Seite ängeruifen, so teilt der Apparat automatisch durch mehrere Klingelzeichen mit, daß der Angerufene nicht anwesend ist. Der Anrufende kann jedoch ohne weiteres initteiilett, was er dem Angerufenen telephonieren wollte. Jedes in den anrufenden Apparat gesprochene Wort wird in dem L a u t m a g a z i n des Dogel-Larsonschen Apparats sestgehalten, der bis zu 40 Gespräche ausnchmen kann, bevor es „gestillt" ist und ausgewechselt werden mutz, was durch einen einfachen Handgriff geschehen kattn. Bei der Heimkehr hat der Abonnent nur nötig, seinen Apparat auf „Wiedergabe" einsustellen, um zu hören, was man während seiner Abwesenheit „seinem Apparat telephoniert hat".. Die Wiedergabe ist rein und vollständig klar, auch wenn auf große Entfernungen telephoniert wird. Die ganze Konstruktion des Apparats ist derart, daß dieser durch eine einfache Anordnung in einen gewöhnlichen Telep ho nappa rat verwandelt werden kann, so daß also dieser selbst bei Verwendung des neuen Apparats überflüssig wird. Audi für fie haben wir einige unserer Bilcherprämien reserviert — Haben Sie schon Ihr Abonnement überwiesen - fahresabonnenien erhalten nach Wahl: JoaepAus 9Ximpius ■ SÄMTLICHE WERKE. In drei eleganten Prachtleinenbänden. Mehr als 2000 Seiten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, öder KeinrkA fhcaetx ■ GESCHICHTE DER JUDEN, Drei vornehme Geschenkbände. 2200 Seiten stark, oder tfnetiKedin MM PALÄSTINA. 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Browning ist in Chicago gbücklichci Multimillionär und Philautrop auf seine Weise. Me amerikanischen Nabolbs sind ja für Wohltätigkeit zu haben; an Originalität übertrisst sie Mr. Browning um Haupteslänge. Er betreibt als Spezialität vas „Adoptieren" junger Mädchen, und da er nicht nur Kinderfreund lst, sondern die Menschenliebe im allgemeine u als Ideal pflegt, sind die Grenzen zwischen väterlichemahlwollender Zuneigung uns besagter allgemeiner Liebe bei Mr. Browning nicht ganz deutlich zu erkennen. Berühmt ist der Mann durch die Adoption einer sechzehnjährigen jungen Dame geworden, dre er nachher heiratete; das häusliche Glück dauerte aber , nicht lange, Frau Browning ließ sich scheiden und bezieht seitdem eine gan.n respektable R-ente, Mr. Browning verwand diese Enttäuschung rasch: i adoptierte umgehend von neuem, diesmal gleich zwei junge Mädchen, offenbar, um über Reserven zu üetfügett. Die eine, Fräulein Dorothy Sunshine, man denke: Sonnenschein, wälch ein poetischer Name! ist noch zu jung, um der väterlichen Fürsorge Mr. Brownings sofort übergeben zu werden; sie erhält zurzeit auf Koste,: des Millionärs eins sorgfältige Erziehung. , Die andere, Mary L. Spa 6, hat das häusliche Glück be. Mr. Browning bereits genossen, und sie scheint nicht entzückt davon zu sein. Nachdem sie mit ihrem Wohltäter einige Zeit zusammengelebt hatte, verließ sie ihn kurzerhand, um wieder zu ihren Eltern zuvü^uSehren. Sie hat jedoch nicht vergessen, Mr. Browning mit einer gesalzenen Schadenersatzklage zu überraschen. Sie verlangt nicht'weniger als e i n>< halbe Million Dollar Schmerzensgeld. Fm Detail sieht diese Rechnung so aus: 100.000 Dollar für die „Entführung". Me „nervösen Erschütterungen", durch die Drohungen des alten Herrn, der ihr häufig, wenn sie ungchorsam war, Prügel in -ausgiebigen Mengen zu versprechen pflegte, sind Fräulein Spas weitere 100.000 Dollar wert. Dagegen veranschlagt sie die Angst, die sie während der ganzen Zeit ihres Zusammenlebens aus Lang Island empfunden haben will, mit 280.000 Dollar. Als sie ihrem Adoptivvater erklärt habe, sie werde ihn verlassen, habe Mr. Browning sie zur Unterzeichnung eines Verzichtes aus alle werteren Ansprüche gezwungen. Für diese Nötigung verlangt sie weitere 50.000 Dollar, zusammen also 500.000 Dollar. Mister Browning dürfte bis auf weiteres, von der „Mdoipttvleiidenschuft" geheilt sein. . . 6i» ruell zwischen zwei Schwrfter». .Eine Liebestragödie ungewöhnlicher Art spielte sich in Pittsburg zwischen den beiden Schwestern Mttleh ab, zwei junge,: schönen Mädchen, die bis dahin ein Vorbild zärtlicher Geschwisterliebe bildeten. Beide waren Beamtinnen einer Telephvngesellschaft, wo sie sich in den Direktor verliebtere Dieser war mit beiden gleich gut befreundet und er hatte sich bis dahin nicht geäußertdaß er eine der Schivestern heiraten wolle, obwohl diese Grund zir der Annahme hatten, daß er die ältere von ihnen zu ehelichen beabsichtigte. Die beiden! Schwestern, die nicht von ihrer Liebe lassen wollten, fameu schließlich überein, die Entscheidung einer Art von Gottesgericht zu überlassen. Sie einigten sich auf einen Zweikamps mit Schußwaffen, der ausgekämpft werden sollte, bis die eine von ihnen tot rväre. Dieser Plan wurde auch ausgeführt. Beide Schwester:: schlossen sich in ein großes Zimmer des Hauses ein, das sie vollständig verdunkelten und verschlossen und dann begann der Zweikanrpf. Jede hatte einen größeren Patronenvorrat. Sie nahmen an zwei gegenüberliegenden Wänden des Zinnners Aufstellung, ohne einander zu sehen und gaben in d§r Richtung, in der sie die Gegnerin vermuteten, Schüsse ab. Dann richteten sie sich nach dem Aufblitzen der Schüsse. Zuerst verfehlten, sie einander, dann aber gelang es beiden, die andere zu ven letzen. Trotzdem tvurde weitergekämpst, da der Schmerz der Wunden die Wut der Gegnerinnen erhöhte. Ms man, durch das Knallen der Schüsse und die Schrnerzens schreie der Verwundeten herbeigerufen schließlich die Türen eim schlug, fand man die eine Schwester sterbend am Boiwt liegen, während die andere ohnmächtig in einen Sessel gesunken war. Boir dieser erfuhr man später mit Mühe und Not den tragischen Sachverhalt. Für den Fall, daß es gelingen sollte, die schwer Verletzte am Leben zu erhalten, wird sie ihr Ziel ivahrscheinlich erreichen, denn dev Mann, der den Gegenstand des Kampfes bildete, hat erklär daß er die Ueberlebende nach Verbüßung der zu erwartenden Strafe heiraten wolle.