Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2823 (7.1.1927)
- Date
- 1927-01-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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>.cn, Zreitog Msrgerr-ettrms 7. JSnmr 1927 srr. BSS lÜPIHBl Will Das Synagogenzenttum in Ferusalem. Die Vereririgte Synagoge von Amerika, die sich, be- .amrtlich zum Ziel setzte, in Jerusalem ein allweltliches Synagogeuzentrum zu errichten, hat, wie der Präsident der Bereinigten Synagoge. Dr. A b r a m o w i tz, heute mUteilt, von dem griechisch-orthodoxen Patrinchat in Jerusalem ein weitläufiges Bode unreal zwecks Errichtung dcs Synagogenzentrums käuflich erworben. Die Urkunde ist vorn Pntrrachen Damiano S und vom Dekan der Jerusalemer Universität Dr. I. L. Magnos unterzeichnet. Bei den Verhandlungen fungierte auch Oberrichter F r u m k i n vom Palästinensischen Obersten Gerichtshof als Vertreter der United Synagogue of America. Der Platz liegt im Milte/pnntt der Stadt und der King George 5. Avenue, angrenzend an den Jaffa-Weg und bietet Ausblick nach allen Seiten hin. Es wurden für ihn 59.000 Dollar bezahlt. Um zu verhüten, daß in der Nähe des zu errichtenden Prachtbaues unerwünschte Gebaudetypen (Handelshäuser usw.) Platz finden, wurde das gesamte angrenzende Terrain von der United Synagogue käuflich erworben. Zwecks Aufbringung der für den Synagogenbau nötigen Summe wurde bekanntlich eine Kampagne emgeleitet. die 500.000 Dollar erbringen soll. Diese Kampagne wird van Dr. Herbert I. Levinthal geführt. Sine Me lauWKMastliche Schule in PaMina. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Die Geloec der K a d o o r i e - S t i f t u n g sollten bekanntlich zu gleichen Hälften für arabische und jüdische Schulzwecke Verwendung finden. Während die Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule in Tel Kerem für die Araber bereits längst beschlossen war, fanden wegen der jüdischen Schule andauernd Verhandlungen mit der Palästina-Regierung statt, da der ursprüngliche Plan der Regierung, diese Gelder für die Errichtung einer jüdischen Mittelschule (Gymnasium) zu verwenden, von dem Großteil der palästinensischen Juden abgelehnt wurde, weil diese es vorzogen, daß auch für die Juden eine landwirtschaftliche Schule von der Regierung errichtet werde. Wie nunmehr berichtet wird, soll die Regierung jetzt den Vorschlag der Errichtung auch einer jüdische» landwirtschaftlichen Schule ernstlich erwägen. Ein« und Auswanderung in Palästina. Ms Jemsakern meldet I. T. A.: Soeben ist die Statistik über die Eiu- und Auswanderung inr Monat November erschienen. Es wandertcu in diesem Monat 521 Personen ein. Dagegen zählte man 923 Auswanderer. 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Auch für die Neuerwerbung von Abonnenten haben wir Bücherprämien ausgesetzt Teilen Sie uns umgehend mit, wer von Ihnen geworben wurde. Die »Wiener Morgenzeitung« kann auch in jeder Trafik bezogen werden. Sar Nikolaus n. und der jüdische Schwarz, küuftler. Der CHicagoer Richter Henry Horner veröffentlicht soeben eine Serie interessanter Gespräche, die er mit dem jüngst verstorbenen jüdischen Zauberkönig H u d i n i kurze Zeit vor seinem Tode geführt hatte. Unter anderem erzählte Hudini dem Richter, datz der letzte russische Zar, Nikolaus der Zweite, ihm allen Ernstes den Vorschlag niachtc, nach Rußland zu kommen und sein Berater zu werden. Im Namen des Kaisers wurden dem Schwarzkünstler große Geldsummen und eine Machtstellung zugesichert, wie sie dann später Rasputin übertragen wurde. Auf dieses verlockende Anbot habe Hudini, so erzählte er, schriftlich geantwortet:. „Ich bin Jude, mein wirklicher Name ist nicht Hudini, sondern Weiß. Mein Vater ist Rabbiner. In Petersburg und Moskau ist den Juden der Aufenchalt verboten, und das ist der Grund, weshalb ich das Anerbieten zurückweise." Zar Nikolaus, der bekanntlich an Wunder und Magie glaubte, ließ jedoch nicht locker und ließ Hudini einloden, wenigstens für einige Vorstellungen seiner Kunst an den Zarenhof nach Petersburg zu kommen. Auch der Tag der gewünschten Vorstellung wurde angegeben. Aber auch darauf ließ sich Hudini nicht ein. Wie ein echter Zauberlönig mit demokratischem Anstrich antwortete er nach Petersburg: „Ich ziehe es immer vor, meine Wunder einem großen Publikum vorzuführen, als einem einzelnen oder einem Häuflein Aristokraten." Wieviel an dieser Erzählung Hudinis historisch ist und wieviel Reklame dabei war,, läßt sich natürlich nicht mehr feststellen. Glaubwürdig erscheint sie jedenfalls, denn Zar Nikolaus der Zweite — und das ist historisch sestgestellt — konnte ohne Hofzauber überhaupt nicht leben. Hie «ngarische Akademie der Wissenschaften Mt einen hedMchen Skatet. Eine hebräische Nachdichtung der ».Tragödie des Menschen". — Eine Bücherspende der ungarischen Akademie der Wissenschaften für die hebräische Nationalbibliothek. Der in Jerusalem wohnende bekannte hebräische Dichter A v i g d o r tz a m c i r t hat das berühmte klassische Werk der ungarischen Literatur, Madachs „Die Tragödie des Menschen" ins Hebräische übersetzt. Die ungarische Akademie der Wissenschaften hat die Uebersehung, welche den Titel „Chascn tzaadam" führt, erhalten. Der Präsident der Akademie, Geheimrat Albert Berz e v i c z y, hat einen Brief an Avigdor Hameiri gerichtet, in welchem er feiner Freude darüber Ausdruck gibt, dgß dieses ungarische Kunstwerk nun auch in die neubelebte hebräische Sprache übersetzt wurde. Von den Herren Bernhard Heller, Professor am Rabbinerseminar in Budapest, und Bela Szekely, dem Delegierten des Jüdischen Natiönalsonds, aufgefordert, beschloß die ungarische Akademie der Wissenschaften eine wertvolle aus nr e h r als 600 W e rke n bestehende B i ö l i o l h e k, die hauptsächlich die Ausgaben der Akademie enthält und sich mit den orientalischen Wissenschaften beschäftigt, der hebräischen National- und Universitätsbibliothek Jerusalem zu schenken. Diese Bücher werden schon dieser Tage zum Versand kommen. Die Frachtkosten wurden von der Gemeinde Ofen übernommen. Die jüdischen Arbeiter in den jüdischen Kolonien Palästinas. Aus Jerusalem schreibt man unS: Eine immer stärker werdende Abwanderung aus den Städten in die alten Kolonien ist festzustellen. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in den alten Kolonien ist von 800 im Jahre 1984 auf 2500 inr Jahre 1925 urrd auf 4500 inr Jahre 1936 gestiegen. Das Arbeits-Departement der Zionistischen Exekutive hat aus den Mitteln des Keren Hajesiod diese Bewegung unterstützt, indem sie es durch Kredite den Arbeitern ermöglicht hat, Grundstücke für ihre Wohnungen und Gemüsegarten ^r erwerben und sich die notwendige Ausrüstung anzir- «eine Kündigungen der österreichischen HonbeittteritSae. Für Montag nachmittags hat der Bundeskanzler die Füh«r des Reichsbauernbmwes aus allen Bundesländer:- zu sich geladen, um im Vereine mit den Ministern für LanduE> Forstwirtschaft und für Finanzen neuerdings die Mittel uttb Wege zur Behebung der Absatzkrise in der Landwirtschaft zu erörtern. Der Reichsbauernbund ist die agrarische Organisation der Christlichsozialen, die manchmal auch ihre eigenen Wege geht. Der Krach der N. ö. Bauernbank und der Agrarbatlk in Tirol hat unter den christlichsozialen Bauern viel böses Blut gemacht und, da die landbündlerische Konkurrenzorgauisation die erwähntest Vorfälle agitatorisch ausbeutet, sah sich der Reichsbauernbund veranlaßt, die Aufmerksamkeit -seiner Anhänger aus andere Dinge abzulenken. Die österreichische Landwirtschaft leidet tatsächlich unter der Senkung der Preise der Agrarprodukte und an zunehmender Verschuldung. Hier setzt nun die Gegenaktion des ReichsbauernbundeS gegen den Landbund ein, indem er die agrarischen Forderungen der Lattdbüudler hinauflizitierk Mehr oder minder deutlich wird die Kündigung der Handelsverträge mit Ungarn und Jugoslawien, Erschwerungen der Vieheinfuhr und Novellierung des Zolltarifs im Sinne der Hinaufsetzung aller agrarischen Zollpositionen verlangt. Da die Kündigung des Handelsvertrages mit Jugoslawien vor August und des Vertrages mit Ungarn auch nicht so ohne weiteres möglich ist, hätte eilte Aenderung des autonomen österreichischen Zolltarifes zunächst überhaupt keine Auswirkung auf die Preise der Agrarprodukt-e. Uebrigens soll auch Bundeskanzler Dr. Seipel bisreits den agrarischen Führern zu verstehen gegeben haben, daß er als verantwortlicher Leiter der österreichischen Außenpolitik einen vertragslosen Zustand mit den Nach-! barstaaten, der gleichbedeutend mit einem Zollkrieg nach mehreren Fronten wäre, nicht gutheißen, könne. Diese Haltung der Zentralregierung fand nun ein dieser sehr unerwünschtes Echo in den Ländern. Aus Tirol kamen sogar Stimmen, in denen die Bauern der Wiener Regierung und ihrem System die Gefolgschaft kündigen, falls von Wien aus nichts zur Linderung der Agrarkrise geschieht. Dr. Seipel will nun die Dinge wieder ins richtige Geleise Längen. Ackerbauminifter Thaler hat einige positive Vorschläge zur Behebung der Absatzkrise in der Landwirtschaft ausgearbeitet. Ueber diese wird wohl in der Konferenz mit den Führern des Reichsbauernbundes verhandelt werde», während es die Aufgabe Dr. Seipels sein wird, es diesen Führern klar zu machen, daß eine Kündigung der Handelsverträge jetzt unmöglich ist. Die .WIENER MORGENZEITUF,“ — das einzloe jüdische Weltblatt! Die flauen Weftdevisen. Die Stimmung für Lira und französische Frattc ist in den lebten Togen nicht allzu günstig. Der Reportsatz für Devise Mailand Tfi nach wie vor sehr hoch, mit ein Symptom dafür, daß die wirtschaftlichen Grundlagen der italienischen Währung nicht besonders günstig beurteilt werdet Auf den gestrigen Devisenmärkten Neigte der Lirakurs weiöer zur Schwache; in Zürich ging die Lira von 73.075 auf 73.0625 zurück und lag auch in Berlin schwächer. Der von Poincare konstruierte Stabilisierungskurs des französischen Franc (20.50) läßt sich schwer aufrechterhalten. Wohl war gestern der Franc in Zürich etwas besser als Mittwoch (er stieg von 20.4($ auf 20.4625), doch ist ein Durchgreifen einer festen Stimmung nicht zu erwarten. Die französischen Staatssinanzen sind noch immer in recht labilem Gleichgewicht, die Vorschüsse der Bank von Frankreich an den Staat vergrößern sich immer mehr und zu der gegenwärtig gesetzlich festgesetzten Höchstgrenze dieser Vorschüsse (38.500 Millionen Francs) fehlten laut den amtlichen Mitteilungen des französischen Finanzministeriums bei Jahresschluß nur noch 1500 Millionen. Es wird also bald wieder ein Geldbedarf des Staates nötig sein, den Wohl wieder die Notenpresse decken muß. Von den übrigen Devisen waren auf den wenigen gestern in Betracht kommenden Plätzen, die stillen Verkehr austmeseu, der Leu schwächer (2.725 Parität Zürich) und auch die Haussekurse der Valuten von Spanien und Norwegen bröckelten etwas ab. Der Schilling ging von 73.025 auf 72.95 zurück. JasFimmrminifterinm gegen dieMfrevage». Den woiterbewilligteu Zollfreilagern wurde die Zollsichetstelluug erhöht. Wie wir gestern berichtet haben, soll, verbürgten Nachrichten zufolge, das Finanzministerium beabsichtigen, in Wien allein 101 Zollfreilager aufzulassen. Dazu erfahren wir nun vom Transit-Verband, Vereinigung der Zollfreilagerbesitzer, daß er, unterstützt von der Handelskammer und vom Gremium der Wiener Kaufmannschaft, schon seit Wochen mit bm Finanzministerium über die Bedingungen der Weiterbewilligu n g enöer Z o l! f r e i 1 a g e r für 1927 verhandelt. Wenn auch die überwiegende MehrzaW der Zollsreilager für das kommende Jahr bewilligt wurde, so werden die Unterhandlungen wegen der Werterbe w i 1110 u n ß e n f ii l* öle Firmen mit v erring e r t e m Exporte weitergeführt. da die Exportziffer der Krisenjahre 1925 und 1926 keilt richtiges Bild über die Exportmöglichkeiten einer Firma geben kann. Wo die Wnterbewilliguug aus triftigen Gründen nicht mehr in Betracht gezogen werden kann, muß wenigstrns eine ausreichende Liquidationsfrist zugestanden werden. Gelegentlich der Weiterbewilligtmg sind übrigens viele Firmen durch eine wesentliche Erhöhung der Z o l l s i ch e r ft e l l u n g überrascht worden, was für sie eine neue Erschwerung bedeutet.