Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2822 (6.1.1927)
- Date
- 1927-01-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 j inf Donnerstag Wiener Morgerrzeitrmg 6. Jänner 1927 * JÜDISCHE WEIT * OEST. PATENT D. R. - PATENT Das elastische fflßkissen, ideale Schuheinlage beseitigt sofor' Fuß-Ermüdungsschmerzen, Sohlen- I Bei Postbestellung; brennen und Plattfußbeschwerden X Schuhnummer angeber APOTHEKE, Wien, li . tnnsfiosse r; zwei Wische gubNSe« in Krakau. Aus Krakau wird uns geschrieben: Die hiesigen Zionisten und mit ihnen die Zionisten Westgaliziens nahmen den Anlatz des 50. Geburtstages zweier ziorüstischer Führer wahr, um ihnen für die großen Verdienste, welche diese um den Zionismus und das Gesamtsudentum erworben haben, den Dank auszusprechen. Es sind dies die Herren Dr. H i l f st e i n und Doktor W.a h r h a f t i g, mit deren Namen alle Errungenschaften des Zionisinns in Westgalizien aufs engste verknüpft sind. Beide Ju-bilare stehen an der Spitze der zionistischen Bewegung und der von ihr ins Leben gerufenen Anstalten. Dr. Hilfstein ist schon seit vielen Jahren Direktor der Nationalfondszentrale für Westgalizien und Schlesien, Präsident der Volks- und Mittelschul' gesellschaft in Krakau und gehört der Exekutive der Zionistischen Organisation für Westgalizien an. Er gilt als der Initiator und das Gewissen der zionistischen Arbeit in Weftgalizien. Nicht minder verdienstvoll wirkt Dr. Wahrhaftig schon seit vielen Jahren in führenden Stellungen der zionistischen Bcwegun-g von Westgallizien. Von besonderer Bedeutung ist seine Tätigkeit als politischer Referent der Krakauer Exekutive; ihm ist auch die Gründung und Existenz des täglich erscheinenden Organs der westgalizischen Zionisten, des „Nowy Dziennik" zu danken. Ier Rückgang des güdische» Lebens in Pose«. Der „C. B.-Zeitung" in Berlin wird geschrieben: „In diesem Monat weilte ich wenige Tage in meiner alten Heimat Posen, um die Gräber meiner Angehörigen zu besuchen. Dabei hatte ich Gelegenheit, verschiedene Erkundigungen einzuziehen, die sicher die Teilnahme aller alten Posener finden werden. Die Verhältnisse in Posen zwischen Polen und Juden sind erträglicher geworden. Zwar flackert hier und da noch der Judenhaß auf — so werden z. B. zu Weihnachten Flugblätter verteilt: Kaust nicht bei Juden! —, aber im ganzen haben sich die Verhältnisse im letzten Jahre gebessert. Tiestraurig stimmte mich der große Rückgang der angesehenen Posener jüdischen Gemeinde. Vor dem politischen Umsturz im Jahre 1918 zählte die Gemeinde 1800 Steuerzahler, jetzt nur 300; die Seelenzahl betrug 1918 5600 Seelen, jetzt 1500. Der verhältnismäßig stärkere Rückgang der Steuerzahler gegenüber der zurückgegangenen Seelenzahl erklärt sich daraus, daß manche Zuzügler sich der Steuerpflicht zu entziehen wissen. In der Synagoge B (liberal) wird nur einmal in der Woche ein kleiner Gottesdienst abgehalten; auch der Besuch der großen Synagoge A (gesetzestreu) ist bei weitem nicht mehr der alte. Neuer Semesterbeginn! bell. gen. Modlstenschule Lampel, I., Rotenturmstraße Nr.31 Lehrzeit l‘/3 Jahre Privatleute Las Wiener Jüdische Museum. Die Generalversammlung. - Der Bericht Hofrat Frankfurters. — Ein Vortrag über das Münzwesen im alten Judäa. Mittwoch, den 29. Dezember 1920 fand in den Lokalitäten der B'nai B'rith Logen (9. Bezirk UniversitätssLraße 4) die Generalversammlung der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und hi sto rischen Denkmälern des Judentums (jüdisches M u s e u m") für 1925/1926 statt. Nach der Begrüßung der Erschienenen, Oberrabbiner Prof. Dr. Z. P. C h a - jes und anderer jüdischer Persönlichkeiten, berichtete zunächst der Vizepräsident Dr. S. Stiatzny über die aus Anlaß des 70. Geburtstages des Präsidenten Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter veranstaltete Feier des Museums, worauf dieser als Vorsitzender einen Bericht über die Tätigkeit und die Schwierigkeiten des Museums in der abgeilanfenen Periode gab. Aus diesem Berichte sei vor allem derAppellandieJsraelitische Kultusgemeinde hervorgehobm, deren Subventionie-rung des Museums, eines so bedeutenden Kntturinstitutes sowohl des jüdischen Wien wie auch der nichtjüdischen kunstbe-fließenen Kreise, minimal ist (500 Schilling jährlich!) Ist es wirklich notwendig, daß das jüdische Museum auf die Dauer aus privaten Mitteln erhalten werden muß, während doch die Gemeinde, die über eine so sorgsam gehütete Bibliothek und nun auch durch das Verdienst der zionistischen Mandatare über ein geordnetes Archiv verfügt, durch die Uebernahme der Verwaltungskosten des Museums in der Lage wäre, eine Trias von Kulturinstitutionen, Bibliothek, Archiv und Museum zu schaffen, um welche jüdische Großgemeinden sie mit Recht beneiden müßten? Die Redaktion). Trotz aller Schwierig-keiten entwickelte sich das Museum auch in dem abgelaufenen Zeitabschnitte in jeder Weise, besitzt nun seit dem letzten zionistischen Kongreß eine instruikkive Palästina-Abteilung und leistet sehr viel aufklärende imd bildende Arbeit, obwohl es in der Talmud-Thora-Schule (Malsgasse 16) durchaus nicht entsprechend untergebracht ist. Hierauf ergänzte Kustos Prof. Dr. I. B r o n n e r den Tätigkeitsbericht. Nach dem durch ihn vertretungsweise vorgebrachten Kassaberichte und den statutengemäß vorgenonnnenen Ergänzungswahlen in das Kuratorium hielt das Kuratoriumsmitglied Herr Eduard Jonas-Schachtitz, der als Numismatiker einen guten Ruf besitzt, einen Vortrag über das M ü n z w e s e n i m a l t e n I u d ä a. Ausgehend von den fremden Währungen (babylonisch, persisch, mazedonisch, ptoleinäisch, syrisch), die bis auf die Zeit des Hasmonäers Simon I. in Palästina im Umlauf waren, gab der Vortragende eine genaue Uebersicht über die jüdischen Mü'nzen, 'Schekel-, Halbschekelstücke und Kupfermünzen, die vom letzten Drittel des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts zunächst bis auf die römische Epoche und dann wieder bei den Aufständert in den Jahren 66/70 und 132/135 n. in Judäa geprägt wurden. Der einstündige Vortrag, der durch Demonstrationen von Originalstücken sowohl aus der Sammlung des Vortragenden wie auch aus den Stücken des Museums instruktiv ergänzt wurde, fand reichen Beifall. Ein Brles des Generals Averescn an einen-jüdischen Soldaten. Ein gewesener jüdischer Soldat der rumänischen Armee hat kürzlich an den 'Ministervräsidenten General Averescu c7n 'Schrölben gerietet, in'welchem dle folgende Stelle bokkommr: „Ich, mein Vater und meine 'Voreltern waren Soldaten in Ihrer Armee. Wie würde es Ihnen zu Mute sein, wenn Sie an meiner Stelle wären und znsehen müßten, wie Ihre eigenen Volksgenossen die schwersten Ungcre^tigkeiten erdulden müssen, ohne daß Ab Hilfe geschaffen wird?" In dem nunmehr bekanntaewordenen Wortlaut des Antwortschreibens von General AvereSeu ist u. a. zu lesen: „Die Juden genießen in diesem Lande Gastfreundschaft und müssen alles tun, um sich dieser Gastfreundschaft würdig zu erweisen. Sie müssen sich loyal mit dem Lande identifizieren, in dem sie diese Gastfreundschaft genießen. ES bestehe sonst keine Hoffnung, die Gunstderdie Gastfreundschaft gewährenden Nation zu erwerben. Auszeichnung eines jüdischen Primarius in Rnwänien. Aus Clu; (Klausenburg) ivird uns berichtet: Der Chefarzt des hiesigen staatlichen Spitals Dr. Alexander Lör i n c z t wurde die,er Tage vom König mit dem Sanitäts- Verdienstorden 1. Klasse, dem höchsten Orden für Verdienste aus dem Gebiete der öffentlichen Gesundheit ausgezeichnet. Dr. Lörinczt hat sich auf dem Gebiete der Bekämpfung der Blutkrank beiten große Verdienste erworben. Cr ist gründendes Mitglied des jüdischen Verbandes „Efra" in Siebenbürgen und gehörte während seiner Studentenzeit in Budapest zu den rührigsten Mitgliedern der „Makkabäer". Auch sonst ist Chefarzt Dr. Lörinczi auf jüdisch-sozialem Gebiete verdienstvoll tätig. Eine jüdische Siedlerzeselischaft für die Polesie. Dieser Taao ist, wie die „Prager Presse" meldet, in Warschau eine jüdische Gesellschaft Tor (Gesellschaft für landwirtchaftliche Anjiedlungen) gegründet worden. Die Gesellchaft hat ein Projekt zur Gründung großer Ansiedlungen ür die jüdischen Landwirte ausgearbeitet. Sie gedenkt auptsächlich in der sumpfigen Gegend von Poler e Boden zu erwerben. Der Neubau des Gymnasiums in Jerusalem. Ter Bauplan für das hebräische Gymnasium in Jerusalem wurde dieser Tage von der Regierung und dem Jerusalems Magistrat bestätigt. ES soll demnächst mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ein großer 'Teil der Mittel ist berörts aufgebracht, während für den Rest jetzt Sammlungen b-" - anstaltet werden sollen. Bühne und Kunst. »Irr Feldherrnhügel". RodaRodas und Rößlers unverwüstlicher Militärschwank wurde ins Deutschen Bolkstheater mit durchschlagendem Erfolg wieder in den Spielplan ausgenommen. Neben einigen mrsgezeichneten Leistungen, die den Herren EdtHofer, Kutschern und ganz besonders Lessen zu danken sind, der einen vornehm synrpathischen, echt österreichischen Militär auf die Bühne-'stellte, gibt es insbesondere unter den jüngeren Herren des Husarenregiments leider mehr als einen, der weder als Offizier taugen würde, noch als Schauspieler dem Deutschen Volkstheater zur Zierde gereicht. Eine junge Debütantin, Gisa Gleis, nahnr durch Anmur uno angenehm kultiviertes Spiel sehr für sich ein, so daß man weiteren Probegastspielen der Dame gerne entgegensieht. II., Große Btadtgutgasse Nr. 24 Dreimal täglloh; 5- 7 Uhr früh, 11-12 Uhr mittags, 6— 7 Uhr abends: kuhwarme Milch aus den eigenen Stallungen dortselbst. Verkauf den ganzen Tag über! Sur Errichtung der Helne-Lenkmals iu I Sffeldors. Adolf v. Hatzfeld schreibt in der „Frankfurter Zeitung": „Durch die offizielle Erklärung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Dr. Lehr, daß die Stadt einen Platz für das Heine-Denkmal zur Verfügung stellen werde, ist der jahrzehntelange Streit, der sich um dieses Denkmal erhoben hatte, endlich geschlichtet. Der schöne Sinn der Hamburger Feier — diese Stadt hat bekanntlich dem rheinischen Dichter das erste öffentliche Denkmal zuerkannt — ist also der, daß die Atmosphäre heute entgifteter ist . . . In einer der vielen Episoden des Düsseldorfer Streites hatte man mich gebeten, eine Werbeschrift für das Heine- Denkmal in Düsseldorf herauszugeben. Die Wahl war nicht ungeschickt, denn, da ich keine Jüdin zur Frau habe, war ich nicht „jüdisch abgestenipelt", Ivenn ich auch oft genug den inneren Stoßseufzer zünt Himmel gesandt hatte: „Mein Gott, was sollten wir Dichter ohne die Jltdeu noch tun? Wer würde uns hören?"" Adolf v. Hatzfeld stellt fest, daß der Streit nun zu Ende sei und zitiert aus seiner Werbeschrift Aeußerungen von Thomas Mann, Fritz von Unruh, Hermann Bahr, Rudolf G. Binding über Heine. Bemerkenswert sind folgende Aeußerungen von Thomas Mann: „Heinrich Heine, einer der anmutigsten, freiesten, kühnsten und künstlerischesten Geister, die Deutschland hervorgebracht hat, hätte als Sohn jedes andern Landes längst sein Denkmal. Daß wir' es ihm verweigern, ntuß in der Welt finstere Vorstellungen von unserem Gemütszustand wecken und kann nicht dazu dienen, uns Sympa- :‘Yten zu werben." ERÖFFNUNG Aus den Theatern. Burgtheater. Freitag und Dienstag» 36S Uhr. „Plh äüra" von Racine, übersetzt von Schiller. Akad>e mi etheatev. Freitag, Uihr, „©et Schwa n". Dienstag, 168 Uhr, „S t i e f m a m a". Deutsches V o lk s th e a t e r. Samstag und Sonntag. 7 Uhr abends, „DerGartenEde n". Morgen (Freitag) gelangt, neu einstudiert, Hermann Bahrs „Wie ncr itutc n" zur Auffülhmng. Bürgertheater. Montag. 75. Aufführung der Operette „Der Mitternacht sw alz er". — Samstag nachmittag im Rahmen der klassischen Schülervorstellungen Schillers „Rauhe r" bei volkstümlichen Preisen mrt Ferdinand Onno, Fr. und Max Holler als Gäste. Modernes Theater. Täglich, 8 Uhr abends, „Albsteigquartier". — Sonntag, nachmittags 3 Uhr, „Alles für die Mama". Neue Wiener Bühne. Hans Müllers „Mensch en ohne Erde" bleillt vis auf weiteres täglich auf dem Spielplan. Sonntag, 3 Uhr nachmittag, „Max und Moritz". Das Mionsprogramm des Burgtheaters. Im Burgtheater findet die erste Aufführung des Lustspieles „Leonie" (nach Scrtbe) von Leo Lenz, Freitag, den 14. Jänner, statt. Für den 28. Jänner ist „Der Diktator" von Jules Romains, deutsch von Hans Feist angesetzt. Die nächsten Neuheiten sind hierauf „Trieschübel" von Franz Naol, „Das Genie und sein Bruder" von Sil-Bara und „Narziße", Drama nach Brachvogel, frei gestaltet von Gustav Davis. Gleichzeitig wird Nestrohs „Zu ebener Erde und erster Stock" (Musik mit teilweiser Benützung Mols Müller'scher Motive von Julius Bittner), zum ersten Make im Burgtheater erscheinen. — Im Akademietheater ist als nächste Neuheit das Lustspiel „Harika" von Stefan Zagon in Vorbereitung. Die nächste Neuheit wird hierauf „Liebe" von Anton Wilogans sein. Emma Gramatlca, seit dem Tode der Düse die bedeutendste Schauspielettn Italiens wird mit ihrer Truppe in Wien gastieren. Zu ihren bedeutendsten Rollen Mlt Shaws „Heilige Johanna", ferner die weibliche Hauptrolle in den Molnarhchen Stücken „Blau-Fuchs" und „Der gläserne Pantoffel" und Schönherrs „Weibsteufel." Hakoah-Orchester. Die Mitglieder werden ersucht, zu der Sonntag, den 9. d. M., um halb 10 Uhr vormittags, stattfindenden Probe, im Interesse eines guten Gelingens des in Kürze geplanten Konzertes, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Vereine, Bortriige trab Versammlungen. Zionistisch« BeMkSsekttlM Währing. — Zionistisch? FrvarenbezirkSsettion 18. Houte, K9 Uhr abends, int Cafe Jullikäum, 0. Betz., Währingerstraße 104 a (Gtadtlbahnbiabufft), Vortrag Dr. Otto Alleles: .Historische Wanderungen durch Wiener Judengassen". Gaste herzlickst willkommen. — Landesverband der ZLmtsten-Revistonistcit. Heute, 1A9 Uhr, im Cafe Müller, 1. Bez., Schottenring 13, Ausschußsitzung. Tagesordnung: Bericht der österreichischen Delegierten über die zweite Welttonferenz in Paris. Koanrett-UnterstützungSveeein Iesästas Achim „Brüderliche Hilfe". Bei der am 26. Dezember 1926 stattgefundenen Generallversamm'lung wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Alex. Apter, -Obmann; Jakoll Hirschhorn, erster Obmannstellvectreter; Rachurn Neumann, zweiter Oll- Mannstellvertreter; M. Schmetterling. Schriftführer; Otto Koretz, Buchhalter; Moritz Liellling^ Kassier; Schohan, Sanitätscllniann; J-urmann, Sanitütsollmannstellvertr-eter; ferner die Herren: Leopovd Söbel; Herzet Adler; Elias Blaser; Nuß; M. Tannenzapf; S. Rindner; Nofenkr-anz; Periner; Kardemann und Gottlieb. Zu Revisoren wurden llsstellt die Herren Edm. Kohn und Gh. Rose nllerig. Prüdigten in den isr^rlllischen GemplndeLewpeln. Freitag finden bei dem um 4 Uhr 60 Min. beginnenden Menlrnotteßdienlste Predigten statt und zwar: 1. Bez.. SeitenGetttn* 4823914823532348235348