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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-06 · Heft 2822 (6.1.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2822 (6.1.1927)
Date
1927-01-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitrmfl 8. Minner 1827 OM * Derl grossei jüdischeI Erzählerl des Ghettol / H A L 0 M \t tüliit uns mit mächtigen Schilderungen fildischen Lebens u. Leidens, glut- und leidvollen Bildern der jüdischen Geschichte in das osteuropäische Ghetto, In das riesige Judenviertel von New-York und in die vielen Stationen der jüdischen Wanderung t, seinen ergreifenden Romanen. Oer elektrische Stuhl Die Zauberin von Kaitl* lien Ein Glaubemmartyrlum Moitke, der Dieb Onkel Mosel Preis pro Band broschiert..§ 5.— Ganzleinen 8.— Buchhandlung und Verlag R. LQ'WIT, WIEN, I Rotenturmstraße 22 Fieischmarkt 1 VOLKSWIRTSCHAFT gaffe 4 (ClbcrrCtSiner Dr. H. P. Chajes): 2. Vez., Lempelgasse 5 (Mabbiner Dr. M. Grunw-aiL); 16. Bez., Hulbergasse Nr. 8 (Ralbiner Dr. I. M. Bach); 21. Bez., .Ho.Zmeistergasse Nr. 12 (Na'lbiner- Dr. M.- Rosenmann). Samstag beim Morgengottes-', ienste im Gemeindetempel 18 Bez., Schopenhauerstraße 89 (Beginn 8 Uhr 30 Min. vormittags), exegitischer Vortrag des Rabbiner Dr. D. Fe-uchtwang. Das Aörmcher-Theater wird Donnerstag, den 6. Jänner, 8 Uhr abends, mit einem für Wien durchaus neuen Varitee- Programm hervortreten. Professor Dr. Max Sostaric, der berühmte Flügelhornvirluose, hat — wie der Deutschosterreichische Buhnenverein Mitteilt — in der Metten Hälfte des Monates Dezember neuerdings eine'ganze Reihe von. Ko n ze r te n gegeben, deren vollen ErtraaEr.wchltätigen Zwecken. zuwendete. und zwar u. a. je 100 Schilling dem Deuischösterreichi'cheu Bühnenverein und der Internationalen Artistenorganisation, je 50 Schilling einer größeren Zahl von Fürsorgevereinen, u. a. dem Israelitischen Blindeninstitut Hohe Warte, außerdem kleinere Summen einigen Privatpersonen und dem Personal des Etablissement „Mestend", in welchem seine Konzerte stattfanden. Herr Prof. Sostaric behielt Nichts und nahm auch nichts an. -Der Prozeß Fordä verschoben. Wir habeil berichtet, daß für den 10. Jänner der'Beginn, des Prozesses gegen Eugen F o r d a, Weller O'B r i e n und Hugo Schmerz, die leitenden Direktorendes Kronos-Verlages, wegen Erpressung anberaumt worden war. Dieser Termin ist nun gestern auf unbestimmte Zeit verschöben worden,- da die Verteidigung neue Beweisanträge gestellt hat. Die Akten sind an den -Unleriuchungsrichter zurüageleitet worden. Die Dauer des Prozesses war'mit sechs Tagen bemessen worden. ■ ’ Die mutige Halenkreuzpresse. Mitte Juli v. I.' erschienen, in den hakeukreuzlexischen Hetzblättern „Deutsche Arbeiterpresse" und -„Deutsche. Arbeiterzeitung" zwei gleichlautende Artikel unter der Ueberschrist: „Ist ein zweiter Mohapelmord geblaut?" In diesen Artikeln wurde die Wiener Polizei, die als die '„s a u b e r e B ö s e l p o l i z e i" bezeichnet lvurde, vielfach geschmäht.und verspottet.-Da der Verfasser der Artikel nicht fest-' gestellt werden könnte, wurde lediglich gegen den verantwortlichen Redakteur der beiden Zeitschriften, Hans Backe, wegen Beleidigung der Wiener Polizei als Behörde beim Strafbezirksgerichte 1 die Anklage wegen Vernachlässigung der p f l i ch t g e m ä ß e n Obsorge erhoben. Zu der gestrigen Verhandlung' war der Beschuldigte trotz ausgewiesener Zustellung-der Vorladung nicht erschienen. Nach Verlesung der inkriminiorten Artikel verurteilte der Richter, Hofrat Dr. Höflmaher, den Beschuldigten zu einer Geldstrafe von 50 Schilling, eventuell zu 48 S t imi d e n A r r e st. Unterschleife Im Arbeitslosenamt. Vor einem Schöfsensenat unter Vorsitz de3'Höfrates Dr. Czerny hatte sich gestern der abgebaute Beamte- Paul Seist wegen des Verbrechens des Mißb rauches der Amtsgewalt zu verantworten, weil er als Angestellter der Industriellen Bezirkskommission bei der Auszahlung von Arbeitslosenunterstützungen Unterschleifo gemacht hatte. Seine Tätigkeit'wurde wenig kontrolliert, und so . gelang es ihm in einem Falle, für t§I°tcn' ^ssen Karte er vordatiert hatte, ungefähr 150 -Schilling zu erschwindeln. Diese Methode wendete er auch m anderen Fällen an und zahlte mit dem Gelbe leine Schulden, die er als führendes Mitglied des „Fußballklubs der Angestellten der Industriellen Bezirkskommission" gemacht hatte. Der Angeklagte wurde - zu e i it e m Jahr schweren Kerkers verurteilt. - Ml wirken vorbeugend und lindernd die ärztlich erpiobten und empfohlenen . Knoblauchtropfen. Vorzüglich bei Frauen in den Wechselfahren. Preis S 3.50. Erhältlich in allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien. I. StephanspJatz. 3 AillegunS Oer öfterreichischrn Kohlenbergwerke? Die östeireichischen Kohlengruben sind in den letzten Wochen nur schwach beschäftigt gewesen. Insbesondere die G r n z - K ö f l a ch c r Kohlemveoks A.-G. Hai sich bemüßigt gesehen, etwa -15 0 Arbeiter zu entlasse n, da bereits allzuviel geförderte Kohle auf den Halden liegt, deren Abverkauf sich nur mit Schwierigkeiten bewerkstelligen läßt. Einer «der Hauiptabnehm-er der steirischen Kohlenwerke, die B u n d e s b a h n v e r - Walt u n g, ist nicht zu bewegen, ein größeres Qucmtnnl abguschHießen. Sollten die Absatzschwierigkeiten andamrn, so wären die Graz-Ko flach er, aber auch die A l p i n e M o >n t a n -Ges e l l s ch a f t und die Mayr-M«! In Hof-Gruben genötigt, weitere A r b e i t e r e n t l a s s u n g e n vorznn:hmen oder — wie hie ,,Ban'k- und Börsenzeitung" meldet — sogar für einige Zeit die Kohlengruben überhaupt st i l l z u l e g e n. Eine Deputation der steirischen Kohlenbergwerke, wird sich demnächst zum Bundeskanzler Dr. Seipel und zum Handelsminrster Dr. S ch ü r f f begeben, um eine Intervention der Rcgierung zugunsten des notleidenden heimischen Kohlenbergbaues bei der Bundesbahnverwnllung herbeizufiihren. Lesterceichs Zwavgsanleihe. Mit der Zentralbankanleihe scheint es nun ernst zu werden. Bekanntlich hat der Bund zur vorläufigen Beftiedigung der Einlage- und Kontokorrentgläubiger der Zentralbank deutscher Sparkassen rund 60 -Millionen Schilling vorgestreckt. Die Liquidation des Instituts tvird noch weitere 20 Millionen Schilling, erfordern. Der Bund ist heute Hauptgläubiger der Zentralbank. Für die Beftiedigung seiner Forderungen und der der übrigen Gläubiger hastet. ein G a r a n t i e f o n d s. Durch . das dritte Zentralbankgesetz erhält dieser Fonds die Berechtigung, Obligationen bis zum Gesamtbetrag von Ln alle Abonnenten, die uns die Ganzjahrgebühr für dieses Jahr 15. Jänner 1927 überweisen, senden wir nach Wahl Josephus Flavius, Sven Hedin oder Graetr öu M i i l i o n e u Schilling auszugeveu, wovon z unächst 60 Millionen Schilling begeben werden. Die erste. Emission und vielleicht auch die späteren werden mit einem Prämienversprechen ausgestattet. Der Garantichonds wird schon demnächst errichtet werden.' Der Finanzminister hat die Verwaltungskommission bereits ernannt. Präsident ist Minister a. D. Emil H o m a n, Vizepräsident, Sektionschef a. D. Friedrich Gärtner. Mitglieder sind: Sektionschef a. D. Dr. Adolf H l a v a c, Ministerialrat a. D. Direktor Dr. Franz Bartsch, Ministerialrat Dr. Hans R i z z i und Ministerialrat Ernst S ch a f f r a n e k (sämtlich vom Finanzministerium ernannt), ferner , als Vertreter des Bankenverbandes die Direktoren Lazar W e i s z, Adolf Stern und Julius N e u st a d t, als Sparkassenvertreter die. Herren Kommerzialrat Dr. Edmund B o u s e k und Alfred Broczyner (Zentralsparkasse der Gemeinde Wien), von den Kreditgenossenschaften Hofrat Dr. Rudolf W i nt e r. Mit der Begebung der Anleche selbst wird die Regierung kaum längere Zeit zuwarten können, da der Finanzminister dringend die Refundierung der für die Zentralbank ausgegebenen Beträge verlangt. Die Banken und Sparkassen sind verhalten, drei Prozent ihres Einlagekapitals in Obligationen der Refundierungsanleihe anzulegen. Gleichzeitig müssen sie aber auch zur Verzinsung beitragen, da sie nach dem dritten ZentralbankgefH auch die Verpflichtung übernommen haben, von allen ihren Einlegern vergüteten Zinsenbeträgen 6.4 Prozent an - den Garantiefonds abzusührcn. Die Abfertigungen der Zentraldank-AngefteÜre« Da das Gesetz über üte Schaffung des Refundierungsfonds erst mit 1. Jänner l. I. in Kraft getreten ist, so besitzt die Liquidierungsstelle noch nicht die notwendigen Mittel, um den verschiedenen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die dringendste Verpflichtung ist die Abfertigung der Angestellten. Zur Beschaffung der hiezu nötigen finanziellen Mittel führt die Liquidierungsstelle Verhandlungen mit den Großbanken einerseits und mit der Zentralsparkasfa der Gemeinde Wien andererseits. Die prinzipiellen Verhandlungen werden mit Stadtrat Breitner geführt, während die Festsetzung der geschäftlichen Bedingungen Sache der Direktion der Zentralsparkasfa der Gemeinde Wien ist. Es handelt sich hier um einen Betrag von fünf bis acht Millionen Schilling. Aoitireiiazer m Wien ansgeiasiea? Eine verkehrte Mrtschastsmaßnahme. Aus -rachmän>lsta:e,r Kreuen kommt die verdürM. Nachricht, daß das Finanzministerium mit Gültigkeit vom 1. Jänner l. I. oaraugegangen ist, 101 Zollfr c 11 a ö o r i n W i e n a it f u l a j s e n. Die Vedeutnr.g der Zollfrei'lager liegt 'darin, daß Waren aus dem Auslande bezogen werden zu den, Zwecke, um sie ohne allzugroße Umständlichkeiten ins Ausland zu transitieren od-'-r sie im Inland zu belassen. DH Institution hat sich während der Zeit ihres Bestandes bestens bewährt, nicht nur für den österreichischen Transithandcl, sondern sü-r die gesamte Not-kswirtschaft. B-.'weis dafür ist, daß andere Staaten diese Einrichtung-nach-zuahmen beginnen. Die Kündigung ist. umso bemerkenswerter, als unter -den g-Äündigten Firmen sich außerordentlich große und angesehene Häuser des Wiener Platzes befinden. Das Finangntbknstermm begründet diese Kündigung hauptsächlich damit, daß einzAne Firmen im abgelaufenen Jahve die vovgeschriebenc Ex Port meng e n t ch t erreich t haben. Die Maßnahrne «des Finanzministerimns, die äußerst einschneidend für unser gesamtes Wirtschaftsleben' ist und o h n e A n h ö r u n g der wirtschaftlichen Spitze nkörpersch aste n und der K a m m e r n erfolgte, wird natürlich die verschiedensten Folgen nach sich ziehen. In wirtschaftlicher Hinsicht erklären jetzt schön einzelne Firmen, daß sie in der gegenwärtigen schweren und krisenhaften Zeit ohne die Wohltat des Zollfre'ilagerZ nicht imstande sind, ihren Betrieb voll oder im gegenwärtigen Umfange aufrecht zu erhalten. Es werden sich natübli-ch mit dieser Angelegenheit die verschiedensten wirtschaftlichen Körperschaften, .voraussichtlich aber auch der Nationalrat beschäftigen, da ja durch die Auslassung der Lager und der Nerring''- rnng der Betriebe eine große Anzahl von Rügest e Ute n e xistenzlo s werden und der Arbeit^- .'losenfürsorge anheimfallen. Ar Labbat km polnischen Wech^lveriehr. Aus Warschau wird uns berichtet: Infolge Inter- . vention der, jüdischen Sejmdeputierten erließ die Generaldirektioir der Post- und Telegraphenverwaltung an die Postämter einen Erlaß, in welchem diesen bei Zustellung von eingeschriebenen Postsendungen oder Mitteilung von W e ch s e l p r o t e st e n an jüdische Adressaten strenge Rücksichtnahme auf die Sabbatruhe der Juden ausgetragen wird. Verweigert eine jüdischir Partei die schriftliche Bestätigung einer am Sabbat zugestellten Sendung, muß die Zustellung am nächsten Zustellung s t a g übermittelt werden. Von besonderer Wichtigkeit ist eine Bestimmung des Erlasses, daß bei Ueberbringung von Meldungen über fällige Wechsel, deren erster Zahlungstag auf den Sabbat fällt, der Wechsel unter den bezeichneten Voraussetzungen dem jüdischen. Schuldner erst am Montag, imd wenn dieser auf einen christlichen oder Staatsseiertag fällt, am Dienstag präsentiert werden kann. Erst wenn bis Dienstag Mittag keine Deckung geleistet wird, kann me dem Protest vorgegangen werden. Abschwächung der Westdevisen. Nicht nur Die Lira, deren 'Reportsatz wns den internationalen Märkten nach wie vor hoch ist, sondern auch der französische Franc geigte geistern Neigung zur Nachgiebigkeit. Deviise Mailand ging in Zürich von 28.22^ auf 23.07zurück und das Pfund erhöhte sich gegen Mailand bis 109. Paris fchiwächte sich von 20.47 aus 20.40)4 Parität Zürich ab und das Pfund stieg in Paris dis zirka 123. Der Kurs der in den letzten Tagen haussierenden Devisen Madrid und Oslo blielb i-m wesentlichen a-uif dern hohen Niveau. Der Leu zeigte urit einem Züricher Schlußkurs von 2.74% einige Nachgiebigkeit. Der Züricher Schillingskurs war mit 73.02^4 unverändert. -- Aus der Wieivr Börsekammer. In der gesiern abgehaltenen Sitzung des NotierungMomitees gelangten die Goldbilangen von 16 Gesellschaften zur Beratung. Es wurde beschlossen bei der nächsten Plenarsitzung die Lieserbarkeilserklärung der neuen Aktien zu beantragen. Ferner wird die Streichung der Aktien der „Agrumaria" Jmport-Aktieugesellschaft in Wien wegen Ausicsung der Gesellschaft und der Ungarilschcn Hagel- und b7näverstcherungs-!Mriengesellschaft iu Budapest wegen zu geringen MtienEapiials nach der Umstellung beantragt werden. Der östevreächischr Notenumlauf hat sich la,u dem Uttimvausweis der Nationallbank um 96 Millionen Schilling auf 947.3 Millionen Schilling erhöht, dagegen een sich die Glroverbindlichkeiten der Bank -u>rn 59.8 Millionen Schilling vermindert. Ter Erhöhung des Natenninlalifes stellt ferner eine schwache Erhöhung des Barschatze-: nur 316.000 Schilling sowie eine Vermehrung des W.-ch»'e>'.'ort-r-.>«illes u»r 84.2 Millionen Schilling gegenüb.'e. Die Kamfmnllnische Bank zahlt wieder etwas. Die Kautmänmsche Bank erhält in den nächsten Tagen erwa 3g.000 S-. von der „Gokawe" bar ansbezahlt. An Einleger, welche die 1. bis 3. Quote nicht behobelt haben, schuldet die Bank etwa 32.000 S. Diese 1. bis 3. Quote muß laut richterlicher Entscheidung sofort atisbezahli tverden. Es ergeht somit an alle Gläubiger der Bank die Aufforderung, ihre 1. bis 3. Quote

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