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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-06 · Heft 2822 (6.1.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2822 (6.1.1927)
Date
1927-01-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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5 orte *1 Men. Donnerstag Wiener Morgenzettnng 6. Jänner 1937 c!-e.r > e m -? R n d) t \v> ö rf> i o v liiajdji'H konnten, die regelui ästig aftr itorfwcrto de> Gebäudes durchgingen. Bor ollem'batten es die Diebe aus die Bijouterieabteilung ab gesehen, wo sie sämtliche Vitrinen ausbrachen und ausplünderten. Der Wert der gestohlenen Schmucksachen allein beträgt 2000 bis :;000;>hute. Bevor sie das Oiebäu de verliefen, hatten die Diebe noch die Kühnheit, sich im Tcesalon von ihrer Arbeit zu erholen. Man hat Anhaltspunkte dafür, daß sie erst gegen Morgen fünf Uhr das Warenhaus verließen und ihre Beute, die sie in Koffern verbackt hatten, einem Mietauto beiseite brachten. Ne üuzaßxzefse. Gondertagung deS Amerikantfch jSdtfchen Kongreßes. Rew Aork, b. Jänner. (I. T. A.) Der Präsident des Amerikanisch-Indischen Kongresses, Dr. Stephan S. W i s c, hat eine Sondertagung des Kongresses anberanmt, in der über die antijüdischen Ausschreitungen in Rumänien und über antijüdische Anschläge in anderen Ländern Osteuropas beraten werden soll. Der Tagung werden die jüdischen Mitglieder des Kongresses der Bereinigten Staaten Bacha r a ch, Sabbat h, G o l d e r, I n c o b st e i n, Celle r, Blo m m, P er lman, Dickste in, Frau Florence Kahn, S k r o w i t ch und Cohen beiwohnen. - Etn Schritt der Völkerbundligen. Jerusalem, 5. Jänner. (I. T. A.) Die Palästinensische Liga für Völkerbund hatte, wie berichtet, an das Bureau der I n t e r n a t i o n a l e n Union für Völkerbundligen einen Protest gegen die Verfolgung der Juden in Rumänien gerichtet. Daraufhin erhielt die Liga vom Bureau der Internationalen Union die Mitteilung, daß die Union daran geht, Maßnahmen zu ergreifen, die wohl eine Besserung der Lage der rumänischen Juden herberführcn werden. Eine rnmäursche RegiernugSerklärung. Bukarest, 5. Jänner. (I.' T. A.) Das Presseamt der rumänischen Regierung versendet das folgende Kommunique: „Die. Jüdische Telegraphen-Agentur meldete aus New York, daß das Amerikanisch-Jüdische Komitee unter dem Vorsitz von Louis M a r s h a l l die Aufmerksamkeit der Oessentlichkeit darauf hinlenkt, daß die rumänische Regierung eine Bewegung, die den freiwilligen Verzicht der Juden aus ihre Minderheitsrechte erstrebt, unterstützt. In der Wirklichkeit unterstützt die rumänische Regierung eine »olche Bewegung nicht." I« Kalarasch wird untersucht. Kijchinew, 5. Jänner. (I. T. A.) Im Zusammenhang J.ÜL der Forderung der jüdischen Gemeinde von Kalarasch, eine Unterfuchungskommission in diese'Stadt zu entsenden, um festzustellen, wie weit die Behauptungen der Minister Goga und Petrovici, daß die Juden von Kalarasch die Studenten provoziert hätten, zutreffen, entsandte die Regierung eine Untersuchungskommisston nach Kalarasch, an deren Spitze der Oberstaatsanwalt von Klschinew M a r o n d i c i und Untersuchungsrichter Dardan stehen. Zunächst wurde die rumänische Beamtenschaft der Stadt vernommen. Ueber das Resultat verlautet noch nichts. „Dimineatza" meldet aus Kischinew: Eine Abordnung der Kischinewer Kaufmannschaft erschien beim Gouverneur General Seerischorianu und führte Klage darüber, daß die jüdischen Reisenden unablässig in den Zügen belästigt werden und schweren Insulten ausgesetzt sind. Die Kaufmannschaft beschloß, bis zum 15. Jänner Eisenbahnen nicht zu benutzen. Der General gab Befehl, daß aus den Linie Kischinew-Jassy ein Gendarmerie- Posten jeden Zug begleitet. Set König von Rumänien. Paris, 6. Jänner. Nach einer aus Bukarest mite» genden Nachricht hat sich der Z u st a n d d e s K ö n i g s sehr verschlimmert, so daß man in Regierungskrisen auf ws Schlimmste gefaßt sei. Fra» gda Roland «nd dar »argtheater. Die Direktion des Buvgtheaters will den bisher bestehenden Gastspielvertrag mit Frau Jda Roland nicht erneuern. Darüber fanden eine Reihe von Erörterungen in der Oeffenölichkeit statt, zu denen nun Burgtheaterdirektor Herterick in einer Mitteiüvng folgenbe Stellung ltimmt: ,ßo sehr ich das berechtigte Interesse der Ociffentlichkeit im Prinzip anerkenne, die Gründe zu erfahren, aus welchen die Erneuerung des Vertrages mit einem so hervorragenden, wenn auch nur als Gast verpflichteten Mitglied des Burgtheaters Schwierigkeiten begegnet, so sehe ich mich doch im vorliegenden Falle veranlagt, jene Gründe der O« ff e n t l i ch ke i t nicht b e k a n n t z u g e b e n, die eine Fortsetzung des Vertragsverhältnisses mit Frau Roland sowohl für die Interessen der Künstlerin wie -die des Burgkheaters kau m vorteilhaft erscheinen lassen. Ich habe diese Gründe der von mir sehr geschätzten Künstlerin bereits in eurem Schreiben vom 9. Mai 1925 eingehend bekanntgegeben und erinnere die Künstlerin in einen» gleichzeitig an sie gerichteten Schreiben daran, daß die sott 'diesem Zeitpunkt gemachten 0) r s a h r u n ° gen die Nichtigkeit meiner damaligen Beurteilung bestätigt haben, >0ld stelle es ihr anheim, davon v'lch üaen-m Ermessen Gebrauch zu machen K Der Mord in der Liechtenfteinftrabe. Belastende zeuaenau,sagen gegen die -ndisch. Gcsi-sv voruntUtg fiuo boi der Polizei zioeiZeugenaussagen gemacht worden, denen größere Bedeutung zukommt, obznmr sie trotz ihrer Bestimmtheit doch »roch keine endgültige Durchbrechung des AlibibelveiseS bringen Eilw Bedienerin aus dem neunte,» Bezirke hat am Donnerstag abend um ein Viertel 8 Uhr bei der erlnordeten Lustig Milch geholt »ute im Laden die Frau im Gespräch mit einer anderen Frau angetrosfen. Die Schilderung, die die Zeugin von der Kleidung dieser ihr unbekannten Frau gibt, stimmt ans die Kubisch, könnte aber ebensogut auf jede andere Frau passen: dunkler Mantel, Hut, Schneeschuhe und ein kleines rundes Handtäschchcn. Eine genaue Beschreibung des Hutes gibt die Bedienerin nicht. Sie sagte auch nichts von dem weißen Pelzbesatz, der ihr unbedingt hätte auffallen müsse»». Sie wurde der Kndisch gegcnübergestellt und erklärte dann, sie glaube, kn ihr dte Frau vom 30. Dezember zu erkennen. Dte Kubisch blieb bet ihrem Leugnen. Größeres Gewicht besitzt die Aussage eines Straßenbahnschaffners, der sich, gestern bei der Polizei gemeldet hat. Er ist am Donnerstag abends mit einem 40er-Zug durch die Liechtensteinstraße gefahren und erinnert sich ganz genau, daß zwischen halb 8 nnd 8 Uhr bei der Haltestelle beim Fliegerkino am Bauernfeldplatz eine Frau in den Zug gestiegen ist. Sie hatte die rechte Hand verbnnd e n. MS sie den Fahrschein bezahlen wollte, mußte sie länger herumkrümen, da sie nur mit einer Hand das Geld herausnehmen konnte. Der Schaffner beschreibt dte Frau, mte dte Kudisch aussieht. Er wurde ebenfalls mit der Kudisch konfrontiert. Diese Gegenüberstellung blieb jedoch insofern erfolglos, als der Schaffner erklärte, die Frau nach Gestalt und Kleidung, jedoch nicht nach ttelrt Gesicht agnoszieren zu könne»». Es wurde gestern ferner festgestellt, daß Karolrne Kudisch noch am Freitag in einem Wirkwarengeschäfte im 18. Bezirke Ankäufe um 46 Schilling besorgt Und bar gezahlt hat. Schon vorher nmrdr ihr nachgetviesen. daß sic seit Donnerstag über zusammen 317 Schilling verfügt haben muß. Nun erhöht sich die Summe mit verschiedenen anderen Ausgaben aus 400 Schilling. Den« gegenüber steht die Behauptung der Kndisch, daß ihr Geldbesitz bloß ans dem Verkaufe alter Kleider mw Schuhe M 24, Dezember, bei chm sie 200 Schilling erhalten Hab' stammt In den sehr detaillierte»» Berichte.,», dte von der Polizei ansgcgeber» »verdcn, fehlt ein Detail, das als sehr wichtig angesehen werden muß. Es ist von verschiedene,> Zeugen am Donnerstag abeitb ein junget Mann beobachttt worden, der zur mutmaßlichen Zeit der Tat auf dem der Mo>. kerei gegenüberliegenden Trottoir auf und ab ging. Ö£ ist nichts darüber mitgcteilt »vorbei», ob diese Spur, die znwifellos von der Polizei verfolgt wurde, sich als irrig erwiesen hat. Es ist auch jede genau Angabe darüber ausgeblieben, wann der Laden der Frau Lustig gesperrt zu rverder» pflegte. Ueber die Person der Kubisch ist gestcru ein Bericht der Polizeidirektion in Salzburg ciugetrofftn. Gemäß dieser Relation ist die Kubisch im September 1916 aus dem Flüchtlingslager in Mattje? nach Salzburg gekommen urrd seither in der Stadt oder in Nomrdorf geblieben, wo sie sich in verschiedenen Stete lungen, so als Hausgehilfin, als Wirtschafterin und als Kellnerin, sortbrachte. Sie blieb in Salzburg bis zum 7. November 1981, zu welcher Zeit sie sich nach Wien abmeldete. Die Kudisch ist im Laufe der Jahre dreimal beanstandet worden. Im März 1918 wurde sie wegen Verdachtes der geheimen Prostitution am gehalten. Im September 1918 ist sie unter drm Verdachte der Brandlegung und des Einbruchsdiebstahls angehalten, vom Gericht jedoch freigesprochen worden, und im September 1920 ist sie »vieder unter dem Verdachte der geheimen Prostitution beanstandet worden. Aus Czernowitz, ihrer angeblichen GcburtSstadt, steht dte Antwort noch immer aus. Kontrolle Der Wählerlisten. In diesen Tagen findet durch Maglstratsorgane die Ueberprüsung der Wähleranlageblätter und der tzauslistön >statk Der Besuch der Hontrolleure wird in jedem Haus durch Anschlag kundgemacht. Es ist notwendig, daß zur Zeit der Ueberprüsung in jeder Wohnung wenigstens eine zur Auskünfterteilung befähigte Person anwesend und daß vor allem die Dokumente (Geburts-, Heimatschein, Optionsurkunde, Reisepaß, Meldezettel des Untermieters) zur Einsichtnahme vorbereitet werden. Keiner gefährde sein Wahlrecht durch Lässigkeit! Sie blinden Aattnre« foikaidemokratifcher Konsnmgenoffenschajten. Der sogialdemo.ratifche Parteivorstand hatte vor einigen Tagen ein Ehrengericht eingesetzt, am die Beschuldigungen Al untersuchen, dte gegen mehrere in der Tiroler Konsumgenossenschaft und in der „Göc" tätige Parteimitglieder erhüben worden sind. Dieses Ehrengericht hat nunmehr folgenden Beschluß gefaßt: „Die vor einigen Tagen von der -Staatsanüvaltschast eingeleiteten Bor e rheib u nge n in der Angelegenheit der „blinden Fakturen" der Tiroler Konsumgenossenschaft veranlassen das Ehrengericht zu dem Entschluß, sein Verfahren vorläufig ruhen gu lassen. DaS Ehrengericht wird sich durch das im Gange befindliche Gerichtsverfahren in seinem Urteil nicht beirren lassen; es »vill anderseits nach keiner Richtung hin den Anschein erwecken. als ob es durch seine Tätigkeit den staatlichen Gerichten vorgreifen wollte. Cs wird deshalb zunächst daS Ergebnis des gstrichtlichen Verfahrens alüwarten, bevor es seine Untersuchung fortsetzt." Wie wir erfahren, hat sich ein Vertreter der Wiener WirtschaftApolizei nach Innsbruck begaben, um in dieser Angelegenheit mit den dort die Untersuchung.führenden Behörden Fühlung nehmen. Rose, und Steiftet. Et»»r gestörte Gkwrrpetreibrnden-Versammlung. Gestern abends fand in der Mariahilferstraße eine Versammlung von Gewerbetreibenden und Geschäftsleuten statt, in welcher Dr. Ludwig Redlich ein Referat über die derzeitige wirtschaftliche Lage erstattete. Schon nach den ersten Sätzen des Berichterstatters »nachte sich eine Gruppe von Sozialdemokraten durch Ztmscheuruse bemerkbar. Als dann der Redner auf die Enteignungspolitik des Stadtrates Breitner »uib auf dte Beziehungen der Sozialdemokraten zu Bvsel zu sprechen kam, steigerte sich der Lärm und einige der Sozialdemokraten st ü r tu t e it gegen die Tribüne nnd belegten den Redner mit groben Sch»mPfworten. Die Auseinandersetzung ge»» zwischen den beiden Parteien wurden immer heftiger, schließlich wurden dte Sozialdemokraten Von den übrigen Verjüiiimiuttgsteilnehmern aus den» Saale hinaus ged rängt. Hiebei kam es noch zu sehr stürmischen Szenen, »vobei Tische und Sessel u»»»-- geworfen tvurde»». Schließlich erschien Wache im Saale und entfernte die Ruhestörer, die eine Zeitlang in den Zugangsräumen Lum Bersa»»»mlungslokal weiterlärntten. Die Versanrmlung Fonntc hieraus ohne tveiteve Störung fortgesetzt werden. Re Kousereor Dev giouiften'Revlsiouifte«. Soskins Refernt. — Presse- und Kulturfrage. K. Paris, 4. Jänner. Am vorletzten Tags der Konferenz, am Freitag, traf dis palästinensische Delegation ein. Ueber die Ursache der Verspätung gab Herr Dr. S o s k i n eilte für jeden Zionisten lehrreiche Aufklärung. Die Mitgllioder der Abordnung, Dr. S o s k»n und B e d e r, sind ehemalige russische Staatsangehörige, deren Einbürgernng in Palästina den bekannten Schwierigkeiten des merkwürdigen Stnatsbürgerschaftsgesetzes begegnet. Daher waren ihnen die Pforten des üghp tischen und italienischen Konsulates (selbst für Durch reisevisa) verschlossen. Sie waren also ge»»öt'igt, v o«t Haifa nach Beirut zu reisen, u>n» von dort aus einem französischen Dampfer in zehntägiger Fahrt Mar teilte zu erreichen. Dr. S o s k i»», oer sich der revisionistischen Organisation angeschlossen hat, gehörte auch dem Präsidium der KonferenZ an. Sein Referat war mit Spannung erwartet worden. Die palästinensische Landeskonfereng der Nevisionisten hatte, wie bekannt, beschlossen, dahin zu wirken, daß die Soskinschen Thesen die Grundlage der zionistischen 5dolonisationsarbeit bilden. In seiirem Referat erklärte Dr. Soskin, daß er von der Staatlichkeit als Voraussetzung der Kolonisation ausgehei Ohne Nationalisierung des Bodens gibt es keilte Kolonisation. Wichtig für mtsere Arbeit sind Sonne- und Wasser. Zu fordern ist die Errichtung eines Wasseramtes, ferner dte Anlage einer Karte über die Wasservorkommen und die- Schaffung eines modernen Wasiertrchtes. Redner führt weiters aus, daß nur eine inte»»sive Wirte schaft gleichzeitig eine rentable sein kann. Die Berichte der c i it g e I n e n Landesverbände wurden mit großer Aufmerksamkeit entgegengenommen. Es röferievten für Amerika Frau Landa u (die nlitteilte, daß der Orden „Bnei Zion" mlt 8000 Mitgliedern sich dem Revisionismus angeschlossen habe), ferner Richard Lichtheim (Deutschland), Dr. Jakob Kahr» (Polen), Benno Sternberg (Bukowina), B o n f e l d (Bessarabim), Dr. F i g g -e t (M-Rumci° men), Dr. Max 5r»we (Oesterreich), Hans Löw (Tschechoslowakei), Dr. Ho ff mann (Riga). Reka^ n a t i (Saloni-ki), Dr. G i n s b u r g (Frankreich), A r d i t t i (Bulgarien) und Mejer Groß,m a n n über England.

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