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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-05 · Heft 2821 (5.1.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2821 (5.1.1927)
Date
1927-01-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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45e#t'? Wien, Mirtwvm Wiener ^»»v.r,...zeilung 5. Zauner 1927 Skr. S8S1 i<L ü Ü RADIKALER 2 i O N I SIE N Heute, den 5. Jänner 1927, um halb 9 Uhr /bencs im Cafe Atlashof. Aspcrnplatz (Klublokal: Eingang Wiesingerstraße um die Ecket Trauerkundaebung aus Anlaß des Ablebens Achad Haams. Die Gedenkrede hält Herr Dr. N. M. Gelber. /Der Vortrag des Herrn Kandl über „Zionismus und Hochschulen“ entfällt.) TrauerkunSgebung der Wische« Studentenschaft sür Achad -aam. Eine Versammlung des Gesamtverbandes jüdischer Hochschnler Oesterreichs „Judaen". Am Sonntag, dort!>. Jänner sindet tun 10 Uhr uormirLni* im Festsaal des Höfels Continental (2. Bezirk, Taborstraße 2) ei »de dvm Andenken Achad Haams gewidmete Kundge-bimg des Gesamtvcrban-des jüdisü'-er Hochschüler Oesterreichs ,^Ju'daea" statt. Die Öbknf* reden halten Oberrabbiner Pros. Dr. Z. P. Cbajes, Dir. Dr. Viktor Kellner und Dr. N. M. Gelder. Sem Richter in Israel. -y, Wien, 5. Jänner 1927. Was STdjait Haam dem siiidischen Volke gewesen ist, was er ihm bleibe das ist gestern hier von berufenen Federn dargostellt worden. Im Land des Volkes ist Achad Haam, einer aus dent Volk, gestorben. Ein ganzes langes Leben hindurch war er dem.jüdischen Stamme Mahner, Künder und Erzieher gewesen. Wie einer aus der Richterzeii, stand er als Wegweiser ist der neuert Geschichte seines Volkes. Irr kindlicher Verehrung sah ein oon ihm erzogenes Geschlecht zu ihm ans, voll Vertrauens in den nie irrenden Rat des Weisen. Aus den: Leid des Ostens war er -gekommen, batte die Länder und Zentren der europäischen .Ziviilisalion durchwandert, immer von Eifer und Liebe erfüllt, immer bemüht, mit wachen Augen die Lage seines Volkes 51t erkennen, es zum Willen der Bejahung, ,;u den altert Quellen seines Gentes zu führen, arts der tödlichen Umstrickung des Exils zrt losen und ztt den: kristallklaren Geist des Mutterlandes zu leiten. Ist unser Volk nicht trotz altern voll hoffnungssröher Jugend, rverrirt es in der Wirrnis der Diaspora Männer von solcher Energie des Streüens hervorbringt? Ekrt Richter und Weiser in Israel ist er gewesen. Als ein Richter und. Weiser wird er immer in der dankbaren Erinnerung der Nation steher:. Aber auch die uns feindliche Welt hat seinen Narriert gekannt und sie hat Achad Haam als einen jener Weisen von Zion genannt, von üenert die Augsiphantaste der internationalen arrtisü/dlscheu Camorra beherrscht wird. Diese Weifen von Zion sollet: eine geheim beratende Körperschaft bildend die Tag und Nacht nur darüber nachsinnt, wie sie die indische Weltherrschaft-erreicht und sichert. Eine di-esec Beratungen, und zwar der erste Ziom'stenkongreß, ist von einem bislang noch uMtännten Zuhörer ausgezeichnet und in allen Details der Menschheit vorgelegt worden. Es (sind dies die bekannten Protokolle, deren Inhalt so ziemllich das ungereimteste Zeug ist, das je cmjtzeschrieLen" werden konnte. Es ist erstaunlich, an rvelche großen und kleinen Dinge diese Weisen gedacht haben, und da in dett Atlfzeichttnngen dort d?tn Einfluß auf alle Gebiete gesellschaftlichen Lebens, auf-die Presse, die Politik, das Finanzwesen, die Kunst ttnd so weiter Bedacht genominen wird, so gilt dies als Beweis für das allumfassende Sinnert und Trachten der Weisen von Zion. Dieser Unsinn ist aber tatsächlich in die Politik eingedrrmgen, er ist eiti Mittel zur Erzeugung von Massenstkmmnngen geworden. Tie Begierigkelt,"miL der diese freche Fälschung ausgenommen wurde, ist mit ein Zeichen des Wohlwollens, mit dein der mchtjüdische Mensch uns üetmchtet, zugleich freilich auch ein Zeichen seiner Kritiklosigkeit. Das jüdische Volk lebt seit Jahrhunderten unter den Nationen; seine Literatur liegt offen zutage. Trotzdent wird jede Lüge geglaubt, und daß sie gerne geglaubt wird, ist mit ein Symptom der abnormalen Lage, m her wir uns befinden, jener niederträchtigen Gastfreundschaft, die uns immer vorgehalten wird. Was für andere Völker naütr,gegebene Selbstverständlichkeit ist, zu wohnen und zu leben, wo und iuie sie wollen, das müssen wir uns erkaufen: mit unserem Blut, unserem Gehirn, unserer Würde leisten wir Steuern an die Galnth. Der Zionismus ist die Bewegung, welche uns wieder das normale Dasein erringen will. Die individuelle Emanzipation, die aus den Frethekskätnpfen der Völker als notwendigste Folge resultierte, Hai zum Abfall und'zum Kraftverlust geführt. Wir müßten deshalb zur nationalen Emanzipation schreiten, siie die Würdelosigkeit beendet und uns die Möglichkeit zur freien Existenz schafft, zur Gründung der Politischen 'und Mtitfefteit Freiheit. Der Haß ist die Grundlage der Politik jener Völker, die sich als geschichtsbildend ausgeben. Sie bekämpfen einander bis aufs Messer und sie haben' auch für uns, obzwar oder weil sie ''ihren ethischen Kodex unserem geistigen Besitz entnommen haben, nichts übrig als Haß und Mißgunst. Der Zionismus zieht die -Konsequenz so, wie sie die Ehre eines Volkes, seine Geschichte und seine Seele verlangen. Dent politischen Zionismus geht es um dett neuen Ausbatt der nationalen Existeng, dem kulturellen Zionismus handelt es sich um die Erhaltung der geistigen Triebkräfte. Beide Strömungen haben sich zu einer adeligen Synthese vereinigt, in der die eine die andere bedingt, ergänzt mtd beschwingt. Dieses Werk der Befreiung, so schön, wie nur irgendeines vott Freiheitssvhnen geborenes, stellen mir dem Haß entgegen, dem.Haß, der mordet und raubt, dem Haß, der eine Persönlichkeit vom. Rang.- ttnd von der Reinheit Achad Krams zu sich auf das Niveau seiner schmutzigen Phantasie 'Hembziehsn will. Es wird ihm nimmer gelingen, und La fl Denkmal, das wir in unserem Herzen Achad. Haam, unserem Weisen vott Zion, errichten, wird auch, diese Welle der europäischen Entartung überdauern. Jüdische TisckfteseUschaft Landstraße. Heute. MNUvow. 149 tt’f)r aocii-:.?, in den Souterrain-Lo'kalitätett veS East' Lovvana: Trauerkmüdgcpu-ng für Achad Haam. Hierauf Vortag bei» Herrn Dir. Dr. Viktor Kellner. Tboma: Ackms Ser ttaltenxche PalMIna-Fond». Rom, . l. Jänner. Der berühmte Forscher ttnd Geograph Dr. D>e P h i l ipp i hielt in der Koinmnu-albibl'iothek vott B 0 l 0 g n a eilten beifälligst attfgcnotnmenen Vortrag, in dem er dett Zweck des ttengegrüudetett italienischen Komitees für eilten Palästina' Fonds darlegte. Derselbe bezweckt die Unterstützung der Erforschung d e S T 0 t e n. Meeres sowie die Gründung eines mit Büchern, Landkarten und Jnstrimtenten nusgestatteteit I tt st i t u t e s i n J e r tt - sale rn, das auch ausländischen Forschern zugänglich seiti soll. güvi'che »nt) arabische Sozialisten. Jerusalem, 3. Jänner. In Tel Atvitv hat am 17. Dezember die Tagung des „Jchud"-Klubs stattgesunden, einer Bereinigung jüdischer und arabischer Sozialiftetk. Man beschäftigte sich mit der Frage der Bereinig un g der beiden Internationalen und der Umwandlung der Histadruth in eine internationale Organisation, ferner mit dem Vorschlag der Wiedereingliederung der „Frakzia" in die Histadruth. Bei der Eröffnung gab es einen Zwischenfall dadurch, daß die a r a S'i s ch § n D e l e g i e r t e n forderten, daß ihnen die Mehrheit der Sitze des - Präsidiums eingeräumt werde, da sie B 0 r t r e t e r der Mehrheit im Lande seien. Die jüdischen Delegierten gaben dieser Forderung nach, womit der Zwischenfall beigelegt wurde. Der sozialdemokratische „Dawar" bemerkt hiezu: „Dieser Zwischenfall lehrt vielerlei: Während die jüdischen Mit- , glieder der Jchud energisch jeden Nationalismus von sich weisen und als palästi n e nsischeArbeiter zu : sprechen sich bemühen, für die es keine jüdische und arabische Nation gibt, find die Araber nicht bereit, so leichten Herzens auf ihr Arabertum zu verzichten. Sie fühlen . : sich als Vertreter einer großen Nation... Der Verzicht der Juden, der den Zwischenfall beilegte, geschah aus der Erkenntnis der Lage heraus;’benn d ieAr ab er, die sich an der Tagung beteiligten, sind der Stolz der „Jchud" und die Rechtfertigung ihrer ganzen Existenz nach innen und außen. Die Leute der „Jchud" sind bereit, dafür jeden geforderten Preis zu bezahlen." Wie der arabische.„Felestin" meldet, ist auf der Konferenz beschlossen worden, sich zu bemühen, eine Einigung der ArHeiterorganifationen in Aegypten, Pal äst i n.a, dem L i b.a n 0 n und S yrien zu erreichen. (Die Ausführung eines solchen Beschlusses würde die jüdische Arbeiterschaft für immer in die rettungslose Minorität versetzen. r- Red.) Znlavd. Kette SAiOittfi'Kofett. Kleineres Format. — Bessere Notenbilder. — Die neuen Zehn-Schilling-Nvten werden im März ausgegeben. Die ersten Schilling-Noten der Oesterreichi scheu NationakbaiE mußten über Drängen des Unangministertums ziemlich rasch m Umlauf gefetzt werden, so daß man der künistlerischen Ausstattmtg tticht bie entsprechende Aufmerksamkeit zu-wenden konnte. Nun sollen im Laufe des heurigen Jahres neue Not e n ausgegeben werdett, welche sowohl in künstlerischer Hinsicht besser ausgestattet sein, als auch ein den Bedürfnissen des Geldpövkehres entspvschenderes Format erhalten sollen. Die tteuen Banknoten werden kleiner sein als die jetzigen. An der Herstellung dor n euen Ze hn-Schilli ng- Noten arbeitet bereits die Notendruckerei der Nationalbauk. Sie sollen bereits i m M ä r z in Umlauf gesetzt werden. Der Druck der übrigen Banknoten, deren Entwürfe bereits genehmigt sind, wird derart gefördert werden, daß die Ausgabe der H u tt d e r t - S ch i l - I in g -S cheine i m J.ul.i und die ' der F ü n f° haben Sie uns Ihr Jahresabonnement noch nicht übrnvie- Un / Auck in Ihrer Bibliothek dürfte eines od. das andere unserer Prämtenwerke noch fehlen Ztoniitiseha Bezirksssidien Mining — ZianiiHtcin FraurtKtHritMdrtiw M Donnerstag, den 6. J&nner um Uhr abends findet im Caf6 Jubiläum, IX., Wöhringerstraßc 104 a (Stadtbahn- .viadnkt), ein Vortrag des Herrn vr. Otto Abelea statt. — Thema: „Historische Wanderungen durch Wiener Jadengassen“ Gäste her2lichst willkommen. S chilI 'i n ä Scheine i nt Herb st erfolgen kamt Die Entziehnttg der bisherigen Noten wird sukzessive nach Maßgabe ' der Sättigung >des Verkehres mit dem neuen Papie-rgeld geschehen. . Es wäre itttt: zu wüttschen, daß zum Druck des neuen Papiergeldes auch wirkliches Banknotendruckpapier dertreudet wird, datnit das Geld nicht binnen kurzem wieder so abgenützt und mtappetitlich! aussieht wie das gegenwärtige. Ter Münzgcwinn, der bei dein Bartknotenumtausch sicherlich insolge des Umstandes erzielt wird, daß ungezählte Nvteit verloreit gehen oder wegen des schlechten Papiercs wertlos werden, darf nicht dazu verleiten,. ihn absichtlich durch häufigett Wechsel der Geldzeichen herbei zuführen. Man entwertet dadurch pk Währung und steigt gleichzeitig auf das Niveau jener Exotenstaatcn herunter, die jeden Augettblick neue Briefmarken und beabsichtigte Fehldrn.cke ansgeben. Telephonverkehr Wien-Lonüo«. Eröffnung des Ferntabets Wien-Passau-Nürnderg. Heute wird die Ferttkabelstrecke Wie tt—P a s sä u— Nürnberg dem Verkehr übergeben. Dadurch erhalt Oesterreich, feinen ersten Telephmrattschluß an das deutsche und durch dieses die Voraussetzung für dett Anschluß an das westeuropäische Fernkabel netz. Boi, heute au werden in diesem Kabel zunächst vier Lei tnnöcn Wien—SBcrIitt, drei Leitungen Wien — Frankfurt ant Main, zwei Lcitungett Wien—München, eine Leitttng Wien—Leipzig und eine Leitung Wien - Nürnberg dem Betrieb übergeben. Es ist dadurch die Möglichkeit eines Fernsprechverkchres von Wien mit allen größeren Orten in Deutschland g.cgeben. Gleichzeitig tvird eine wesetüliche Brrbesserung des Sprechverlehrrs hinsichtlich der Martezeitetr und der' Berständigungsmöglichkeit erreicht tverden. Mit dem gleichen Tage wird der bisher beschränk, gewesene Fernsprechverlchr mit D ä ttettut rknndSchw e den ganztätig zugelassen. Endlich lvird mit5.Jänner auch der Verkehr mit den Niederlarchen (und zluar vor erst mit Haag, Amsterdam und Rotterdam) ganztägig ausgenommen. Die durch die neue Fernkabellinie ermöglichte weitere Ausgestaltung bestehender Sprechbezichungen und. die Einführung neuer Sprechverkehre (Belgien, England) steht für die nächste Zeit bevor. Die Eröffnung des Fernkabels war durch einen Konflikt mit den Telephon- und technischen Arheitertr und Attgestellten, die die Sireckenärbeit leisteten mtd deren dkebengebühren in die Besteuerung einbezogen wurden, im letzten Momente in Frage gestellt, zumal auch die Sontltagsentschädigungen' citigestellt tmttben. Abgeordneter Zelenka beschwichtigte die Telephonangestellten durch Hinweise aufdie große volkswirtschaftliche Be-- deutung des. neuen Kabels. Die Feier der. Eröffnung des Fernkabels gitlg in besoitders festlicher. Weise vor. sich. Zur Feier tvareit mit dem Bundespräsidenten an der Spitze das Präsidimn des. Nationalrates, die Mitglieder der Regierung und des diplomatischen Korps, der deutsche Reichspostminister mit dett übrigen Herren der deutschen Abordnung und Me hohe Beamte und Vertreter aus den Kreisen des Handels und der Industrie sowie hervorragende Vertrete^: drx inttnd ausländischen. Presse erschienett. Bundcsprästdettt Dr. H a i n i s ch führte mit beut deutschen Reichspräsidentett H in de n b u r g eitt Ferngespräch über die neue Telephonleitung, in welchem die bei solchen Anlässen üblichen Höflichkeitsphrasm gewechselt wurdim. Bundeskanzler Dr. S e i p e l und Reichskanzler Doktor Marx taten ein Gleiches., . - Das Fernkabel Nürnberg—Wien ist ein 98paarigeS Normalkabel. Tie Trassenlänge beträgt 272.b Kilonreter auf österreichischem urtd 233.1 Kilometer auf deutschem Gebiete. Die. Baukostett, die aus der Völkerbund-- anleihe bestrittetl wurden, betrugen, für die österreichische Linie 19,610.000 Schilling. Mit dem neuen Fernkabel tvird auch eine Verbesserung des innerösterreichischert Sprechverkehvcs «rzielt, übgrdies werden alle österreichischen Orte mit allen Orten Deutschlands Telcpyongespräche führett können. Die Fexttkabellinie Wien—Budapest, die bereits im Bau begriffett ist, wird Mitte dieses Jahres eröffnet werden. Die Weiterführung des Kabels von B ir d a p e st nach Belgrad wird ernstlich erwogen. Jas Lawlnenuaglüik am Artberg Die Bergungsarbeiten eingestellt. Innsbruck, 4. Jänner. Wie der „Neuesten Zeitung" tuu> Zürs berichtet wird, wurden die Bergungsarbeiten nach den drei noch nicht geborgenen verunglückten Skifahrern heute früh wieder ausgenommen, geger Mittag jedoch wegen des starken Schnees alles eudgülttg 0iu9.eftcIIt.. Weitere Nachforschungen werden nun kaum mehr vvr d-.'m F r ü h s 0 m nt e r -unternommen werden können.

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