Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2818 (1.1.1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2818 Ären, ScunStag Wiener Morgenzetttmg 1. Jänner 1927 Jede il hoben wohl auch recht böse, zum Wachen abgerichlet- Hunde zu verkaufen?" „O, güviß! Ich habe so böse Hunde in meinem Besitz, daß ich nicht einmal mit ihrer Photographie dimen kann, da sie den Photographen beinahe zerfleischt Hütten. Ich habe Hunde auf meinem Lager, welche bereits Diebe in Stücke zerrissen haben." „Gerade einen solchen wünsche ich mir!" sagte der Käufer. „Ich habe nämlich ein großes Holzlager und brauche jetzt im Winter einen guten Wächterhund. Wenn Sie mir ihn bis morgen nachmittag aus Ihrem Hund? stall beschaffen könnten, käme ich mir ihn anschen." „O, bitte! Sehr gern! Ich will gleich meinen Diener darum schicken. Schimek!" Der Diener erschien mit lieblichem Lächeln und sprach sogleich die Vermutung mt$, diesen Herrn bereits irgendwo gesehen zu haben. „Schimek," sagte ich zu iijm, indem ich ihm zuMukette, „Sie werden unseren bösesten Hund aus den: Stall ab-- holen und hierher bringen. Wie heißt er denn nur gleich?" „Fabian," antwortete Schimek mit Eiseskälte. „Seine Mutter ist die Hexa, und er selbst ist ein furchtbarer Hund. Er zerriß und fraß bereits zwei .Archer, weil man ihn irrtümlicherweise den Kirrdcrn als Spielzewg gegeben hat und diese ans ihn hiuaufksettcru wollte»!. WaL die Anzahlung anbelaugt..." „W ja, richtig!" sagte der Käufer. „Hier sind fünfzehn Mark als Anzahlung. Was ltrirb er denn kosten?" „Vierzig Mark!" sagte Schimek. „Und eine Mark Schwanzgeld. Wir haben auch einen billigeren auf Lager, zu 25 Mark, aber der hat einem Herrn, luctrf" »v ihn äreicheln wollte, nur drei Finger abgebissen." „Ich will also den Böseren haben." Und Schimek machte sich mit der Anzahlung auf den Weg. um einen Wächterhund aufzutreiben. Am Abend brachte er ein melancholisches armes Tier, das frtum kriechen konnte, nach Hause. „Das ist doch ein halbkrepiertes Bich!" rief ich erstaunt. ,/Aber billig!" entgegnet« Schimek. „Ich begegnete eincnr Fleischer, der ihn gerade zum Schinder führte, roeil der Hund ihm angeblich nicht mehr seinen Wagen ziehen wollte und zu beißen anfing. Da kam mir der Gedanke, daß aus ihm . doch gewiß ein guter Wächterhund werden würde. Im übrigen: Wenn ein ordentlicher Dieb kommt, wird er ihn vergiften, und der. Herr wird sich einen anderen bei mt§ kaufen." Eine Weile debattierten wir darüber. Daun fing Schimek an den Hund durchzukämmen, imd wir kochten Beachten Sie in unserer Montagnummer die Uebersidkt über das Internationale Radioprogramm der Woehe für ihn Reis mit sehnigem Fleisch. Er fraß ztvei Töpfe voll und sah doch immer passiv und bedauernswert aus. Er leckte uns die Schuhe, ging interesselos im Zimmer herum, und man sah ihm seinen Aerger darüber an, daß sein Herr mit ihm nicht doch bis znm Schinder gekommen war. Schimek stellte noch einen Versuch an, um ihn bösartiger erscheinen zu lassen. Da dieser Hund gelb iurd weiß . vielmehr grau — war, malte erihm mit Tusche schwarze Streifen auf, so daß er das Aussehen einer Hyäne bekam. Der Käufer, welcher sich ihn am nächsten. Tage abholen kam, wich, als er ihn erblickte-, entsetzt znritck: „Das ist ja ein furchtbarer Hund!" rief er aus. „Den Hausbewohnern tut er nichts. Versuchen Sie ihn nur zu streicheln. Er heißt Fox." Der' Käufer mehrte sich ängstlich, als wir ihn, im wahrsten Sinne des Wortes, gewaltsam zu dieser Mißgeburt hinzogeu und ihn zwangen, sie zu streicheln. Der Wächterhund leckte ihm die Finger ttttöging, wie ein Schaf hinter ihm her. Und bis zum nächsten Morgen hatte mau diesen Herrn vollständig ausgeraubt. Weihnachten kan: heran.. Unterdessen hatten nnc den schwarzen Spitz mit Hilfe von Wasserstoffsuperoxyd gelb gefärbt, und aus dem weißen Spitz machten wir einen schwarzen, indem wir ihn mit flüssigem Silbernitrat übergossen. Beide Hunde heulten entsetzlich bei dieser Prozedur, als ob das kynologische Institut mindestens über sechzig Hunde verfüge. Doch hatten, wir eine Menge junger .Hunde. Schimek litt, allem Anscheine nach unter der. krankhaften Vorstellung, daß junge Hund.- die Grundlage zum .Wohlstand seien, und deshalb trug er vor" den Feiertagen die Taschen seines Winterrockes voll mit solchen Jungen. Schickte ich ihn um eine Dogge, so brachte er mir die Jungen eines Dachshundes, schicke ich ihn um einen Stallpintscher, so brachte, er die Jungen eines Foxterriers. Wir hatten schließlich im ganzen dreißig juM Hunde und ungefähr den Betrag von 50 Mark als An Zahlungen gegeben. Da kamen wir auf den Gedanken, uns vor den Feier tagen in der Ferdinandstraße einen Laden zu mieten, dort ein Bäumchen nufznstellen uttb die Jungen, mit bunten Schleifen geschmückt, mit dem Motto: „Die größt? Weihnachtsfreude bereitet ihr eueren Kindern mit einen: gesunden jungen Hündchen" zu verkaufen. Ich «riete den Laden. Es war dies Ungefähr eim Woche vor den Feiertagen. „Schimek," sagte ich, „tra gen Sie die jungen Hunde in unseren Loden. Dann kaufen Sic einen recht großen Weihnachtsbaum und etwas Moos und arrangieren Sie die Auslage recht schön mit den jungen ' Hunde». Kurz und gut: ich verlasse wirf, ganz auf Ihren Geschmack. Verstehen Sie?" „Gewiß: Sie. sollen auch Ihre Freude haben." Crtransportierte die jungen Hunde, in Kisten derpackt, auf einem Handwagen in den Laden, und nach einer halben Stunde ging ich hin, um mich zu überzeuge, 'was er mir für eine freudige Ueberraschung bereitet und wie hübsch er die Auslage arrangiert habe. Der Menschenauflauf vor dem Geschäft ließ sofort darauf schließen, daß für junge Hunde ein kolossales Interesse bestehe. Ms ich jedoch näherkam, hörte ich wütende Rufe aus der Menge: „Das ist aber eine unerhörte Roheit! Wo ist denn die Polizei? Es ist erstaunlich, daß sie so etwas duldet!" Und was erblickte ich, als ich mich endlich'zu» Auslage durchgedrängt hatte?! Ein Wunder, daß meine Füße nicht beit Dienst versagten! Schimek hatte, um die Auslage hübsch zu arrangieren, zwei Dutzend junge Hunde, so wie Zuckerwerk, m die Reste deS Weihnachtsbaumes gehängt. Die armen Viecher hingen hier, mit geblecken Zungen, gleich Räubern des Mittelalters. Und darunter standen die folgen den Worte: Züie größte Weihnachtsfreude bereitet ihr euren Sündern mit einem . B gesunden jungen Ständchen . Ms war; das.' Ende des kynologischen Instituts Bücher als Geschenke Wer bis zum 15. Jänner 1927 das Abonnement für ein Jahr einzahlt, erhält als Prämie je nach Wahl ein Exemplar der folgenden Werke: 1. Josephus Flavius: Sämtliche Werke; Der jüdische Krieg und Jüdische Altertümer, zusammen in drei eleg. Prachtbänden (2000 Seiten holzfreies Papier, . schöner, klarer Druck). 2. Heinrich Graetz: Volkstümliche Geschichte der Juden. In drei schmucken Prachtbänden von mehr als 9200 Seiten.!I. Wer bis zura 15. Jänner ein Halbjahrasabonnement einzahlt, erhält als Prämie je nach Wahl ein Exemplar folgender Werke: 1. Theodor Herzl: Feuilletons. In zwei vornehmen Geschenkbänden. 2. Adolf Böhm: Oie zionistische Bewegung,* das Standardwerk der neuen jüdischen Bewegung in zwei Großoktavbänden. In wertvollem Ganzleinenband. 6. Herrn. Struck u. A. Zweig: Das ostfüdUche Antlitz: 52 Zeichnungen des großen jüdischen Künstlers, Text des berühmten jüdischen Dichters. 3. Sven Hedin: Palästina; Ein herrlicher Lexikonband, 300 Bilder aus Erez Israel, Text von dem berühmten Forscbungsreisenden Sven Hedin. ui» WerbeprSmicn. 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