Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-01-01 · Heft 2818 (1.1.1927) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2818 (1.1.1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2981906--28630-3016683
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

scrtc t Bieter Viorgettzeitung 1. Immer 1927 Nr. 2818 Wien, Samslag UM' Element des Patzi'tina eiufbaues, rer E l> a I u m biem "'lOttfiioi'. 'um Nachieii des fioninischen ''iusoauiverles und nun Na:!;: ei! l>irn’C' aiiv^t^ciami’u':! opsereollen l.'iuuierum!0Ttctl‘> \\i liihli'it bv'iomnu'n wiime. Es iuäco twitrifl, nnmu die Arbeiterpivniere PaKininas das Teifickial der ,/FeW- .-lauen" keilen joiiu'k, die in cum e:me:: mriegsiuhrei! vvl> den Menichen ee- Himeriawees einmal kembclt, (regiere und gefördert wurden und die mau dann schmählich verlies;, i: Sporüari t'aui dann Ernn 5oller ans Jäboiinsky und Enueiri'eiiner cm sr-rechen -und c,eiche sicil über die jüngsten Phasen fioui'tiich po’ttrü'hc*. mH> ln-'n-reher c-srbeik rvvhl im rovnricrt. „Wenn mich auav nun 's aboi in j k u nauirlid- Svenen ♦mmeit, U' ihü;'; nt '-mn seine eimitü' an dem Per!)allen her Pi a n d a i a r m. a er, Engtands Pa ästina gegenüber, so-- ai-.c an der chs'u.u'.e',' 'ieninischeu Politik gegenüber England als durchaus ei-.-.nig tezeickmen. Was Ovpemheimer de trifft, den;•*!> a'.s So'.iologen Iiochschätze, so ums; ich sagen, daß seine .g r i r i' r n: E!>al uztum ungcrecht isr. v\c!) bedanre er. s - .n der zionistischen Publizistik, die lechen nie den Ovpenlre:mers nicht eingehender und schärfer l'rilisiert wurden." Toller lam ganz znm Schluß und mir über unser Befragen auch aus sein Tichterwert zu sprechen. Er betonte, daß er aio aktiver Mensch dieser Gegenwart auch Politiker sei, aber in dem Zinne, daß alle Kulturmenschen der Gegenwart in die Politik einereten müßten, um sic ) u überwinde n. Er lwbe eine M onographieüber d i e I u st i z vollendet und demnächst werde eine neue Zamm-, >ung von Erzählungen sowi>- ein Drama erscheinen, ressen Titel noch nicht sesnteht. Raubmord an einer Greisin. Das rätselethafte Kuvert. In den früher: Morgenstunden luurb.' gestern eine gräßliche Bluttat an einer Greisin entdeckt. Das Opfer ist die Geschäftsführerin der Filiale der Vereinsmvt'crei in der Liechtensteinstraßc 31, Frau Marie Lustig. Bon dem Täter des verwegenen Raubmordes — denn darum handelt es sich zweifellos — ist rwch keine Zpur. vorhanden, lieber die näheren Umstände der Tat erfahren wir folgendes: Frau Marie Lustig, die Witwe nach einen: Tischlermsister, eine 72jährige Frün mh schnecnwrßrm Haar, trotz ihres hoher: Alters äußerst rüstig, in die alleinige eie schäftsführerin des Milchveririebes. An der: Berranfsladen schließt sich ein kleiner Neberrraum, iu dem Frau Lustig die Zeit, in der sie nicht im Geschäfte Zn tun hatte, zuzubringei: pflegte. Nur drrrch eine dünne Wand vor: diesem Nebenrauw. getrenrit, befindet sich die Wohnung des Bezirksinspekiors der Sicherheitswache, .Herr M a n nsdo r s e r, ntri dessen Familie die ängstliche und verschlossene Frau verkehrte. Der Wacheinspektor hatte der Frau wiederholt eiugeschärst, sic solle nur an der Wand klopfen, wenn sie irgend etwas Verdächtiges zu bemerken glaube uitb man werde ihr sofort zu Hilfe eilen. Donirerstag abends kehrte .Herr Mannsdorser erst um 10 Uhr nach .Hause zurück und bemerkte in dein Lokal der Frau Lustig noch Licht, was ihm aber rückt sonderlich auffiel, weil die Frau, die in der allernächsten Nähe in der Dietrichsteingasse wohnte, öfter bis in die späten Abendstunden im Geschäfte verblieb, um Inventur gu maden Füße:: Sandalen: in de:: Händen tragen die $uc«n einen Stock nach Art der Pilger. 2. Aus dem 14. Jahrhundert ist uns eilte iiticreffanle Glasmalerei in der Kathedrale von Wloclawer erhalten, die Szenen und Bilder ans dem neuen Testamente Varstcllt. Uns interessieren vor allem zwei Bilder: eines, das die Flucht der heiligen Mutter mit Joses und dem Christuskind darftellt und das zweite, ivelches die Propheten Daniel und Jesaias wiedergibt. Gleich dem vorher erwähnten Miniaturbild sind r\-\Q} diese Bilder nach Modellen aus der Epoche des Künstlers angefertigt. Wir sehe», daß Josef eine Tunika trägt, die Lenden umgürtet hat und auf dem Kops einen Hut, der oben spitz, unten breit ist, Daniel trägt eine runde Mütze und einen langen schwarzen Mantel; zwischen Mantel und Mütze kann man eine Verbindung beobachten. Es scheint, daß beide aus einem Stücke angefertigt waren, so daß wir es mit einem Mantel zu tu:: haben, ocr ein „Mitrom" hat, das an den: Mantel angeheftet war. Jesaias im in einen Gebetmantel gehüllt; vorne kann man feinen langen Mantel und einen Teil des Aermels beobachten. 3. Aus den: 15. Jahrhundert sind zwei polnische. Bilder mit jüdischen Modellen vorhanden. Das eine stellt die Vertreibung der Wucherer aus den: Tempel durch Jesus dar, das andere Jesus "und Pilatus uird einer: Juden als Ankläger. Beide Bilder befinden sich irr der Katharinen-Kirche in Krakau. Der erste Wucherer, mit langem Bart,' trägt einer: schwarzen Mantel, offenbar aus Seide, mit breiten und kurzer: Aermeln, an deren unterstem Rande sich Gold¬ oder Silberstickereien befinden; aus dem linker: Mantelärmel sieht:nar: einen schmalen Aerrnel des Wamses hervorschauen; auf dem Kopfe trägt er einen schön geformten, oben ein wenig eingedrückten Hut. Der zweite Wucherer ist ohne Mantel dargestellt, nur im Wams mit langen und engen Mrmeln: auf dem Kopfe trägt er eine runde gefütterte Mütze. Am interessantesten ist die Kleidung des jüdischen Anklägers auf dem zweiter: Bilde; er trägt auf dem Kopfe rät Mitroi: i oben. spitz, unten breit), fein Mantel ist ganz antik, ohne Aermel, der vordere Teil ist mit einer breiten Spange in Gold oder Silber au oen AB'ein befestigt, offensichtlich au einem Velzirageiu chen, ein Umstand, der bei dem bevorstehenden Jahresschtuß den Waa;einspet'tor jeden Zrveisel unterdrücken ließ. Bis Uhr blieb es im Haufe voUkounuen ruhig. Um diese Zeit läutete ein Wachcbeaimer bei Herrn Ntaiuisdorser au und meldete ihm, daß im Geschäfte noch Licht keime. Auch der Kutscher der Vereinsmolkerei, der die Milch ablieferr: wollte, machte diese Walirnehmung und die drei begaben sich gemeinsam in das Geschäftstofal. Dort gewahrten sie in dem engen Raum hinter dem Lokal die Weiche der Frau L listig iu entsetzlich zugerichteiem Zustand. Ter Uopf wies furchtbare Wunden auf und war vollkommen mit Blut bedeckt. Ar: dem Tatort erschien bald darauf die Mordkommis sinn und stellte fest, daß der Tod durch Schläge mit einem Birrglas. deften Trümmer sich noch in den: Geschäfte vorsauüen, erfolgt sei. Die Polizeikommiffion ist der Ansicht, daß dem Morde ein verzweifelter Kampf voranging und daß die Frau schon in der: erster: Stunden nach Geschäftsschluß erschlagen worden ist. Von dem in der Lade befindlichen Geld scheint nichts zu. fehlen, doch pflegte Frau Lustig größere. Geldbeträge in einer Pappschachtel, die sie immer in ihrer Einkaufstasche nach Hause nahm, auszubewahren. Diese Pappschachtel, die lrahrscheinlich 200 bis 300 Schilling enthalten hat,dürfte der Mörder an sich genommen haben. Aus der Umgebung der ErinorLeten rvirrde derer: Bedienerin Frau Spiegel vernommen, die ebenso wie die 17jährige Hausgehilfin Josefine Gussel nichts Wesentliches aussagen konnte. Frau Spiegel will nur, als sie das Geschäftslokal aufwusch, auf der gegenüberliegenden Straßenseite einer: Burschen bemerkt haben, der sich krampfhaft bemühte, über den Laden zu blicken.! Einen wichtigeren Anhaltspunkt zur Erttdecknng des Tä--! ters dürsten die! Fingerabdrürke Acirztllch empfohlen. — Ist unerreüchier Wirkungswelsc — in allen Apotheken -ER0FFNUN6 Käserei BaMaof II., Große Stadtgutgasso Nr. 24- Dreimal täglich: 5— 7 Uhr früh, 11—12 Uhr mittags, 6— 7 Uhr abends: kuhwarme Milch aus den eigenen Stallungen dortselbs! Verhau" don ganzen Tag über; bildert, die an den: Henkel des Krügefistases, das m Mordinstrument gedient hät, gesunden wurde!'.. Die von Pros. Haberda durchgeführte Unter suichnng der Leiche ergab, daß die Frau durch zwölf Hiebwunden getötet wurde. In einigen Wunden fern ■ den sich abgesplittertc Stücke vor: bla.u e.m Email. Die von einem „Häserl" hercühren, mit dem der Tä ter sein Opfer bearbeitet hatte, nachdem das Kriiqelgiäs gebrochen lvar. Seltsam und ganz unausgetlärt ist Kn Fund, den man in der (.steldlade machte. Dort lag nämlich ein lichtgraues, leeres Kuwert, auf dem in Maschinenschrift bloß die rätselhaften Worte: „Sic werden beobachet" (statt „beobachtet") standen. Niemand von den Verwandten ititö Bekannten der Ermordeten kann die Herkunft dieses Knwcrts anfklären. Wie es zur Sffensive gegen AWina kam. Bon Lr. Artur Ro enberg. Vor einiger: Wochen find die Erimrernngcr: des Feld - marfchalls Sir William Robertson („Soldstrs and Statesmen", London, Cassell) erschienen, der von Dezember 1915 bis Februar 1918 Chef des britischen General stabes -.rar. Sic zeigen die interessante Tatsache, nhe um die Frage der. für das jüdische Volk so schicksalsschweren Offensive gegen Palästina eil: jahrelanger, nervenzcrmürbender Kamps unter den Führern des britischen Reichesausgelämpft wurde, bis schließlich die Offensive beinahe ausschließlich durch die unentwegte Energie eines Mannes, Lloyd Georges, zustarrde kam, und zwar nicht nur gegen der: Willen des oberster: militärische!: Führers, sondern von diesem geradezu sabotiert: Der Mangel an einer umfassender: Friedensorgarrisation des britischen Heeres brachte cs mit sich, daß zu Beginn des Krieges und noch lange darüber hirmus die Befehlskompetenzen weder einheitlich zusammengefaß-, rwch überhaupt scharf rrmgrenzt warerr. Die konstitutionelle Verantwortlichkeit der britischen Minister verursachte eine iveit größere Einnrengnng von Politikern in rein militärische Fragen als in irgend einem arrderen Lande. Nicht allein, daß der oberste 5rriegsrat aus Politikern bestand; er war überdies (bis Ende 1916) dem Ministerium mit seinen 23 Mitgliedern untergeordnet, von denen manche aus die Kriegsleitung Einfluß zu nehmen suchten. „Eirter: kläglicheren Zustand bei der Leitung ciucs .Krieges hatte es uiemals gegeben," sagt Robertson. Das Streben der obersten militärischen Führer, hier Warkel zu schassen, ist wohl begreiflich. So tritt der Gegensatz, der zwischen den zwei Begriffen — Soldat und Politiker („Soldier and Statesman") — liegt, immer stärker hervor; zwei Welten stehen hier einander gegenüber, voll Abneigung und Verachtung, gesteigert schließlich bis zu nnauslöschlichem Haß. Und jede dieser beiden Welten hatte ih« Verkörperung in ganz besonders extremen Vertretern gefunden. Die soldatische in Robertson, dem nicht rmr in Willen, sondern auch in Einsicht bis zur absoluten Sprödheit Unbiegsamen, der es vom Infanteristen bis zum Feldmarschall gebracht, die politische in Lloyd George,. der sich mit seiner uneMich seinen Witterung für das Kommende schon umgestellt hatte, ehe noch seine Umgebung die Anzeichen des Kurswechsels wahrnahm.. Lloyd George, bisher Vertreter jeder Friedens- und Verständigungspolitik, wird plötzlich in dem Augenblick, wo Deutschland die belgische Neutralität verlcht, der Vorkämpfer für den Krieg bis zum Aeußersten. Sein unermüdlicher Wille schlagt Brücken über den Gegensatz von Klassen und Rassen, er gestaltet die brüische Jrürustrie in eine Kriegsindustrie um. Er ist die Seele des Krieges. Für ihn 1 WA 1 1 RUM :H haben Sie uns Ihr Jahres« abonnement noch.rncht. üb erwie- M sen / Auch in Ihrer Bibliothek A dürfte eines od. das andere unse- BH rer Prämienwerke noch fehlen 8 1 wird (1915) das. Munitionsministerlun: neu geschaffen, im Juni 1916 übernimmt er das Kriegsministerium und am Errde des Jahres den Vorsitz im Kabinett nnrer Beibehaltung seiner Stelle als Kriegsminister. Diese beiden Männer stehen einander gegenüber. Nicht muß zwei Menschen — zwei Welten, umlauern sie einander und wissen gegenseitig . um ihre letzten Schwächen. Sie kennen einander, nie nur Menschen einankr kennen, die äußerer Zn-ang zusammenschmiedet, während die Ohnmacht des Verlangens nach Trennung ihr Auge zu sonst nie gelärmter Feinheit der Beobachtung schärst. Es' ist ein Ringen, eberrso hartnäckig rvie wortkarg, aber die lvenigen Worte lassen keinen Zlveifel über die Gefühle; sie wissen genai: den Gegner an der empfindlichsten Stelle zu treffen. Es ging ums Garize; Lloyd George machte Robert-- son die Ideenlosigkeit seines .Kriegsplarres zum Borlvurs, den Mangel au geistiger Beweglichkeit, mit dem er an dem einmal gefaßten Plan sesthielt, an der Westsront die Entscheidung herbeiznführen, obwohl die jahrelangen, verlustreichen Kämpfe die offenbare Aussichtslosigkeit des Beginnens genugsam vor Augen führten. Robertson yimviederum sieht in den Msichten Lloyd Georges die Ausgeburt der Phantasie eines unbeständigerr Abenteurers und beschwört in Memorandum aus Memorandum den Kriegsrat gegen die Gefahren von Lloyd Georges Kriegsplänen. In Wahrheit baute sich Robertsons Kriegsplan auf einem alter: Erfahrungssatz der Strategie aus, der den Sieg von der Vernichtung der stärksten Position des Gegners abhängig macht, roiihrend Lloyd George als Alaximc seines gesunden Menscher:- Verstandes zuerst die schwächeren Positionen beseitigen will, um den Hauptgegner zu isolieren. So tritt Lloyd George seit Kriegsbeginn für einen Angriff aus den Nebenkriegsschauplätzen ein, in Jtalicu, am Balkan, bei Alexandrette, im Hinterlande von Ader: und imnrer wieder in Palästina. Zum ersten Male verlangt Lloyd George Erwe 19.U einen entscheidenden Angriff gegen Syrien. Damals konnte er sich nicht Gehör verschaffen. Als er jedoch Ende 1916 Ministerpräsident rvurde, forderte er sogleich vom Generalstab die Ausarbeitung eines Angriffsplanes ge gen Palästina. Robertsor: lehnte m seinem Gutachten vom 29. Dezember 1916 die Möglichkeit, eines solchen Unternehmens ab. Mit Befriedigung stellt er iu seinen Memoiren fest, daß „die Minister, die Palästina von heut auf morgen besetzt zu sehen wünschter:", nur: selbst (am 11. Jänner 1917) dem Oberkommandierenden in Aegypten, Sir Archibald Murray, die Beibehaltung einer Defensivstellung auftragcn mußten. Aber Lloyd George gab seinen Plan nicht ans; das Ausbleiben der immer nieder versprochene,: Erfolge an der Westfront bestärkte ihn in seinem Vorhaben. In: Frühjahr 1917 schien die Lage für seine Plärre günstig. Die Russen waren an der Kautäsusfroiit vorgcdruugcn, die arabische Wsällsberoegung bot 'der Vorstellungskraft einen, weiten Spielramn. Am 11. März war schließlicl) Bagdad in die Hände der Briten gefallen. Wie rvei! Ueberlegunger: irn Zusammenhang mit der: ziorristischen Grdänkengängen die Erwägungen Lloyd Georges üerän flußt haben, ist rncht bekannt. Sicher aber ist, daß Sie Herbert S m u r l zuerst im Frühjahr 1915 h

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.