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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-31 · Heft 2817 (31.12.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2817 (31.12.1926)
Date
1926-12-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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M, S8t 7 Mim, As eMg 31. Dezember WM CttTtitfet by R. Ptpef A Co., G. Fof tsetamg.) München,. }8?« Die (ßeidftte eines Juden, ‘Von JCeomid Graaamann. tHcramsfrgcben von Rene 8ülöp~£MHlcr und 8nedridi Eckstein. Wrr 0cttdfe SieshRL hatte ich mich ja a» solche Leute (besonders an Arsenjeff) gewendet, die über den Vorurteilen stehen sollten, die begreifen tnüfjten, daß ich ja kein eichgültig verkommener Mensch Rn, und die in ihrer Stellung (als sozial wirkende Männer) verpflichtet wären, auch noch lstmdertmal schlinuneren Verbrechern eim hilfreiche Hand zu bieten... Wo bleibt da ihre vielgepriesene Menschlichkeit und Zivilisation, wo bleiben Re christlichen Tugenden, wo die Duldsamkeit und alles andere? Fügen Sie hinzu, daß diese Leute einst selbst Not gelitten haben, daß sie ein für sie selbst unerwartetes Glück gehabt habe,! (das trifft besonders bei Ssuworin zn) und daß sic gar wvhl wissen, daß von nichtige:: hundert Rubeln Re Befreiung eines Mensch«:, jbie Verminderung seiner schweren Kerkerstrafe unc zwei.Jahre mrd sieben Monate (so viel Zeit ist mir noch verblieb«:) und feine Wiedergeburt zu einenr neuen Leber: nbhängt,... und Sie werden Re ganze Verzweifln:^ meiirer Seele verstehe,:... Glauberr Sie nnr, rnich empört nicht so sehr die menschliche Ungerechtigkeit gegen mich persönlich (ich habe ja schließlich nicht das geringste Recht auf Re menschliche Teilnahme, besser: bin ich mir rvohl bewußt), als dieser iit die Augen fallende Widerspruch zw:- schen Wort und Tat, Resc Lüge und Falschheit, Rests widerwärtige „Bedauern", sie könnten ineine Bitte nicht erfülle:: (dieser Arsenjeff, der, wie es heißt, mehr als zweihunderttausend Rubel reines Kapital besitzt)... Hochgeehrter Fjodor Michailowitsch! Ich tveiß RS jcht nicht, was Sie mit meinem Ihn«: überfaickten Manuskripten tm: komtten und wo sich Rest jetzt befinden. (Nebenbei gesagt, hatte ich meinen Bekannten keineswegs beauftragt, Ihnen rnekne Erzählung zu übergebe::, da ich :veiß, daß Sie nichts mit ihr anfangeu können; ich rechnete bloß auf mein Lustspiel, das, meiner Ansicht nach, Sie i,n „Graschdanin" unterbring«: könnten; mein Be- Paiiutcr hat Ihne,: aber ganz überflüssigerweist auch mit meiner Erzählung Scherereien aufgeladen, ivas ich Sie ergebenst Sitte, zu entschuldigen.) Mein Bekannter hat mir mitgeteilt, Sie wollten mir Anfang Mai schreibe:: (wahrscheinlich also vor Ihrer Abreise); bis jetzt habe ich jedoch keinen Brief vor: Ihnen erhalten. Liegt das daran, weil Sie nicht geschrieben haben, oder iveil der Brief nicht an seine Mxesst gelangt ist? Jchrveiß es nicht. Si« können sich daher Vörstetten, nnt welcher Ungchuld ich ein Wörtchen über das Schicksal meiner Handschriften. erwarte.. Ohne Zweifel haben Sic, infolge von Umstände::, Re gar nicht von .Ihnen abhängen, iwch nichts mit Wen anfantzen, können, und wahrscheinlich läßt sich damit überhaupt und befqnderS in der nächsten Zukunft nichts machen .. . Trotzdem hatte ich auf Sie, ich kam: es nicht verhehlen, große Hoffnungen gefetzt. Nun befinde ich inich gegenwärtig in der trostlosesten Lage. Soviel nnr bekannt if£ sind Sie ein Mensch, der ausschließlich von seiner literarischen Arbeit lebt und kein überflüssiges Kapitalbesitzt... Ich iveih .überdies, daß Sie krank und nicht immer zu arbeiten im* stände sind, es tväre folglich abscheulich von mir, wollte ich mich noch um materielle Hilfe an Sie weicken .. . jJch unterstehe rnich jedoch, Sie um euren Rat zu bitten, wie ich aus meiner widerwärtige:: Lage herauskomm«:, wie ich auch ans diesen: verflucht«: Gefängnis befrei«: soll, ivo doch Re erfehlUe Freiheit so nahe scheint'?... ÜrntteK Sie nicht dazu beitragen, daß mir irgeicherner der Redatteuve oder Herausgeber hundert Rubel als Anzahllmg ans das künftige Hoiwrar für die ErzähluW oder das Lustspiel ausfolge? .. . Diese eigentlich so geringfügige Summe würde nrich buchstäblich aus der vollsten Berztveiflung und vor mir selbst erretten. Ich will aber nicht „klägliche" Worte sprechen... Ms tiefer Psychologe werden Sie begreifen, ivas für eine nwralische Folter ich durchlebe, indem ich Sie in Ihrer Ruhe störe uttb Ihnen unt meinen kleinlichen Interessen und :neiner ziemlich nichtssagend«: Persönlichkört lästig fälle. Glaub«: Sie mir jedoch, daß ich :nm schon rnchr als drei Monate vergebliche Anstrengungen mache und :nchts erreichen kann. Indessen vergeht Re für den Transport nach Sibirien günstigste Zeit, und der Gedanke, daß ich mich tief im Herbst auf Re weite Reise begüben oder den Winter hier werde verbringen müssen, flößt :nir geradezu Entsetzen ein ... Ich weiß zwar mcht einnurl, üö und ivo dieser Brief Sie erreichen wird (ich sende ihn an Ihre Petersburger Adresse), hege aber döch Re dumme Hoffnung, daß er mir irgendwelch«: Nutzen bring«: :vird. Es kann sehr leicht sein, daß ich meine Befreiung, meine ganze Zukunft Ihrer Anteilnähme zu verdanken Hab«: werde .... In jedem Falle bitte ich Sie tausendmal, mir Re unangenehmen Augenblicke zu verzeih«:, die ich Jhrwn durch mein gegenwärtiges Schreiben verursache. Au§ ganzer Seele ivünsche ich Ihm:: volle Genesung, irnb das ist auch der Wunsch von ganz Rußland, das Sie so hvchschätzt rmd liebt. Ir: tiefer Verehrung Ihr ergebener Die»:«' A. jwwin'a Wenn Sie es für tunlich hatten, rmr zu anttvvrt«:, trollen Sie Migst an die Adresse des Herrn Kupernik schreiben (Rechtsanwalt L. A. Kupern:?, Siridorwwka, im Hause der Frau Medwedjeff, für Albert) . oder an den Unteroffizier Wassili Emeljanowitsch Drutmann, rm Gebäude des Moskauer Gefängnisschlvsses, auf der Taganka. AM diesen: Schreiben bricht der philosophische Brieflvechset zwischen Kvlrmer und Dostojewski ab. Seine übrig«: Briefe tragen mehr einen praktischen Charakter (Bitten, ihn in literarischen AWelegenheiten zu mrterstütz«:). Am 30. Juni 1877, unmittelbar vor seiner Deportation nach Sibirien, nimmt Kowner von Dostojewski Mschied. Sein Brief verlangt Hilfe bei der Unterbringung seiner Arbeiten, ferner Empfehlung«: nach Toms? und Mtet schließlich nm materielle Unterstützung. Nach zweijähriger Haft in den Moskauer Gefängnissen wurde Kowner anfangs Juli 1877 für einige Tage in das Transportgesangenhaus gebracht, um dem SchiiLlingstrans-;wrt :wch Sibirien zügeteilt zu - werden. >,Ungeachtet' dev musterhaften OrdnuiH in dem' Transportgefängnis mW der überaus strengen DiszMn, übte der nein: Aufenthalt in der provisorischen Haft einen erschütternden Eindruck auf nnch aus," schrieb Kowner in seinen „Erinrierungen aus dem Gefängnisse". ' sFortsetzung folgt.) Sühne und Knust. Sabdna in Amertta. i^lus New York wird u:w geschrieben: 'Das erste Äustreteu der Habima in Amerika gestaltete sich, zu eurem großen Mnstlerische» und gesellschaftlichen Ereignis. Das Mansfield-Theater hat rwch nie ein solches Theaterpublikun: beherbergt, icke bei jener «chen Aufführung, durch welche sich die Habima dem jüdischen Püblikum in Amerika vorgestellt hat. Aufgeführt :vurde Än-skiö „Dybu^. Diese dramatische Legende war in Newyork schon früher in jiddischer und englischer Sprache gespielt worden, uub das Habima-Ensemble hatte sicherlich keim leichte Aufgabe, um den Vergleich mit den früheren Darstellungen dieses Dramas zu bestehen. Im Theater herrschte die höchste Spannung der Erwartung eines großen Erlebnisses. Beim Erscheinen des ersten Darstellers wurde die Truppe stürmisch aMamiert, und Re Batlanim mußten minutenlang warten, bis sich die Ovation«: gelegt hatten. Sämtliche Newyorker Blätter besprechen die Premiere im Tone höchster Anerkennung und stellen seist, daß ein« solche Begeisterung im Theater selbst in Arnerika zu den seltensten Erscheinungen gehöre. Auch gesellschaftlich war der Mend, wie erwähnt, ein Ereignis, das geradezu schlichen Charakter trug. In den vorderen Rethen mck Logen sah man dn: Präsidenten der Zionistischen Organisation Doktor Weizmann, den Präsideltten der Zionistischen Organisation in Amerika Louis Lipski, Dr. Stefan Wise, die Schriftsteller Hermann Bernstein, A. Goldberg, DavÄ Pinski, Rüben Brainin, Ben Ami, den Theaterdirektor Morris Schwa r tz, viele jüdische und englische Schauspieler und Schriftsteller, Kongreßmitgliebes und polittsche Führer. Sämtliche Kritiken stimme« darin überein, daß Habinra das amerikanische Publikun: im Sturm eroberrr werde, wie sie auch in iE»:ropa den tiefsten Emdrllck erweckt hat. Aus den Theatern. BurgtHeater. Morgen nachmittags, 3 Uhr: Minna von Barnhelm". MendS 7 Utzrr „Der jung« Aar". Akademretheater. Morgen nachmittags, 3 Uhr: „D: e K i n d e t", Abends, halb 8 Uhr: „Sp: el in: Schlo fj". Operntheater. Morgen, halb 8 Uhr „Don Juan" mit Erik Wildhagen von der Staatsoper in München als. Deutsches Boltstheate r. : „Dal üllürrgeu, 3 Uhr nachmittags: „Das Mädel aus der Borstadt." Abends, 7 Uhr, der Schwan? „Der Feldherrnhügel". Um %lt CSüAiiiiHdvf/kTirtMAl' CD n 1* ft t tt n 95 t\ g g {Cltt Woche fin- Charlotte N oäk sowie Ks'Herrn' Paul'Be cke r statt. Raimuudtheater. Der Beginn der heutigen Abeird- Vorstellung „Das Schwalbeunest ist mit Rücksicht auf di« um haw 11 Wr nachts stattfindeüdv „Altwjener Srlvester — Neuwiensr Revue" für 7 Uhr angesetzt! Neue Wiener Bühne. Samstag und Sonntag nachmittags gelangt das Kknderftück „Max und Moritz" zur heater. Die Premiere dev große» Revue „Der Zug nach dem Westen" findet morgen um halb 9 Uhr abends statt. Die Opermvvche: Samstag, den i. Iäuner „Do u Jüan", Sonntag „Die Frau ohne Schatöen", Montag (Theatergemeindc) .Othello", Dienstag „Tw, v a n d o t". Mittwoch „Tose a". Donnerstag nachmittags 1 „Peterchens Mond fahrt", abends „Die Jüdin". Freitag „Aida", Sau^tag „Jokess legende" und „S ch l a g o V e v s", Sonntag „Loh e n g r i»". Das Theater in der Josefsta-t hqt das Säjouspiel „Stunde des AVsterbens" von Franz Th. Csokor zur Ausführung angenounnen. Das Werk wird innerhalb der zyklischen Vorstellungen dos „Theater des Reuen" in Szene gehen, «welches damit die Veranstaltungen der abgelausenen Svielgeit fortsetzt. Auch für fie haben wir einige unserer BUchsrnrämlBn reserviert. — Haben Sie schon Ihr Abonnement »berwiesenV****»# [ahresabönnenten erhaffea nach Wahl: Sesmeutaaa (Ffovius ■ SÄMTLICHE WERKE, in drei eleganten Pracht« feinenbänden. Mehr als 2000 Seiten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder ■ GESCHICHTE OER JUDEN. Drei Geschenkbaode. 2200 Seiten stark, oder Steten jHCetMin ■ PALÄSTINA. 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Die Sozialdemokraten wollen eine . Verlängerung dieses Gesetzes nur Massen, wenn die Regierung den Beschluß der steirischen Lt^smietenkomuyssion betreffend die Erhöhung des Jnstarächalttmgszinses auf das Viertausendfache als ungesetzlich erklärt. Die Strafgerichte, die bisher immer noch auf eure Verlängerung dieses durch die Ueberbürdung der Gerichte bedingten Gesetzes gerechnet hatte», stehen also vor einer vollendeten Tatsache und müssen jetzt vou heute auf nwrgen eine Umstellung des ganzen Gp richtsbetriebes vomehmen. Durch das jetzt «Agrlaufene Gesch über das vereinfachte Verfahr«: wurde «s! ermöglicht, Straffälle, bei den«: der Staatsanwalt tum vvricherein eine nW höhere Strafe als sechs Monate Kerker oder Arrest beabsichttgte, statt vor das ordentliche Schöffengericht vor einen Einzelrichter zu bring«:, dessen Strafbefugnis nicht über den angegebener: Höchstsatz hinausgchen durfte. Gegen eit: solches, von einem Ernzelrichter gefälltes Urteil stand die volle Berufung offen, die vor einem Vierersenat des Landesgerichtes zur Entscheidung fam. Auch bei den Borerhebungen und bei der Voruntersuchung war das Verfahren rvesentlich einfacher, als es in der Strafprozeßordnung vorgesehen ist. Der Ankläger brauchte keine schriftliche Anklageschrift einzubringen, fot&ent konnte einfach der: Antrag auf Bestrafung im vereinfachten Verfahren stellen. Fand der Richter, daß das begangene Delikt mit einer schiverer«: als einer fechSmonattgm Kerkerstraft zu ahnden sei, so hatte er das Recht, das Verfahren abzubrechen und auf den ordeMchen Gerichtsweg zu verryeisen. Nun werden alle Vergehen und auch di« mit weniger als sechs Monat«: zu bestrafend«: Verbrechen vor das Schöffengericht gelang«: müssen, was ein« ungeheure Belastung des Gerichtsapparates zur Folge haben wird. Eurer unserer iMitarbetter hatte Gelegenhett, per: Vizepräsidenten des Straflandesgerichtes 1, Hoftat Doktor Aichinger, über Re Auswirkungen Reser ein schneidenden Aendermrg zu beftagen. Der genannte Gerichtsfunktionär äußerte sich wie folgt; „Wir weinen dem Gesetze keine Träne nach. Der Geschäftsgang des Landesgerichtes wird vorerst von der neuen Sachlage nicht beeinflußt. Die Wirkungen rverden sich erst Mitte Februar zeigen, wenn Re der Staatsanwaltschaft zugeteAen Fälle spruchreif.sind. Di« Staatsanwaltsthast ist allMugs dmt %#&****

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