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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-31 · Heft 2817 (31.12.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2817 (31.12.1926)
Date
1926-12-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Stert, Krettag Wle«r Morgc«zett»ttg 34. Dezember 1826 GeSe S 3*1, Tagesbericht. Wiltschastttche Folgen der Snza- Srrefie. Seit ungefähr einem Jahr wird durch das Palästiua- Anrt für Palen der Wanderstrom nach Palästina auf Grund eines Mkommcns mit der rumänischen staatlichen Schiffsgefellschaft „Serviciul Maritim Roman" über Rumänien geleitet. Infolge der in der letzten Zeit aus Rumänien eingelangten beunruhigenden Meldungen weigern sich die Palästinamanderer aus Polen, die Reise iiber Rumänien zu machen. Das Palästina-Amt in Warschau sah sich daher verarrlaßt, der genannten rumänischen Schisfsgesellschast verläßliche Informationen über die alarmierenden Nachrichten abzuverlangen. In der diesbezüglichen Zuschrift wird die Gesellschaft aufgefordert, den durch Rumänien reisenden jüdischen Palästina-Wanderern die unbehelligte Durchfahrt zu garantieren, widrigenfalls weitere Transporte jüdischer Emigranten durch Rumänien bis auf weiteres eingestellt werden. Eine weitere Konsequenz der Cuza-Krawalle ist die bereits eingctretene Mwanderung jüdischer Studenten aus Bukarest. Vorgestern passierte eine größere Zahl studenti-h scher Migranten Wien; sie erklärten, daß sie ihre Studien in Paris fortzusetzen beabsichtigen. Eine Abordnung jüdischer Studenten bet« Minister Petroviet. Bukarest, 26. Dezember. (I. T. A.) Der Minister für Volksbildung Petrovici empfing eine Äbordimng der jüdischen Studentenschaft, die ihm mitterüe, daß die jüdischen Studenten im und außerhalb des Universitätsgebäudes täglich schweren Mißhandlungen und Beschimpfungen seitens ihrer christlichen Kollegen ausgesetzt sind. Die Studenten ersuchten den Minister ferner, in das Wohlfahrtsbudget des Kultusministeriums auch einen Posten für jüdische Studentenheime einzusetzen. Minister Petrovici versprach, die Wünsche der jüdischen Studenten nach Möglichkeit zu befriedigen. Gin jüdischer Protest aus Jeru alrm. Jerusalem/ 28. Dezember. (I. T. A.) Die palästiucusische Völkerbundsliga hat in einem Telegramm an. die iJnternationale Union der Völkerburrdttgen in Brussel gegen die Judenverfolgungen in Rumänien pwtestiert. Irr ApseUönig. Bor kurzem starib in seinem Palast in. der fünften Avenue su Nowyork der größte ' Fruchthändler der Erde, Jofef Steinhardt, der. Apfevkönig genannt, im Alter von 62 Jahren. Seine Laufbahn ist auch für Amerika, das an ähnlichem nicht elbem arm ist, urerktoürdig genug. Steirchardt wurde in Tautberbischofsheim in Baden als der Sohn eines Schuhmachers geboren und kam als zstvöllfjährdgec Junge zu Verwandten nach Newyork. Schon nach ein -Paar Wochen warfen sic das Kind, mit 25 Cents in der Tasche, auf die Straße. Der kleine Josef ernährte sich als richtiger Straßenjunge durch allerlei, muhte <rber oft hungern. Eines Tages schenkte ihm ein Fuhrmann für Hilfe beim Ablader! eine große Tüte Aopifel. Der Junge verzehrte ein paar aus dieser Tüte und verkaufte den Rest als Hausierer. Er fand, daß sich dieses Geschäft von allen bisher versuchten am besten rentiere und blieb daibei. Aber schon hatte ec Schwierigikeiten mit ■ der Konkurrenz. Ein anderer Junge seines Alters machte Anspruch auf das van ihm bevorzugte gievier. Die Rivalen suchten die Differenzen erst cm* dem natürlichen Wege, nämlich durch Prügeleien, auszutragen» brS Mießkch Joses dem andern Jungen, einem Iren nanrens Kelly, vovschlug, sich zu afsociieren. Die so entstandene Firma Steinhardt und Kelly ist dir größte Obstftrma der Erde geworden^ Ms man den Chef des Hauses, Herrn Steinhardt, zu seinem 60. Gelburtstage, also vor zwei Jahren, interviewte, gab er ein paar Zahlen zum besten: ich verleihe jedes Jahr vier Millionen Dollar an Obstgiüchter; ich bezahle den Eisen- >bahnen jährlich 2*4 Millionen Dollar an Fracht und den TelegraphengeseWschaften jedes Jahr 60.000 Dollar. Mein Iah. resiimsak betragt ungefähr 16 Millionen Dollar. §to Permnenzng im Schnee fteSeagebUebe« Verproviantierung durch ein Flugzeuggeschwader. Madrid, 30. Dezember. Auf der Strecke Madrid— Albaeete ist ein Personenzug in dem eineinhalb Meter hohen Schnee stecken geblieben. Die abgesandten Hllfszüge mußten umkehr en, da es unmöglich war, die Strecke frei zu machen. Die Regierung hat ungeordnet, daß ein Flugzeuggeschwader Über der Unfallsstelle Lebens- und Stärkungsmittel abwerfr, um die Lage der Reifenden und Angestellten bis zu ihrer Befreiung zu erleichtern. Der SchneefaII ist immer noch sehr stark. »eh und Mmikacr. Wie ,/Adove Noviny" melden, hat der Kampf zwischen den feindlichen Gruppen der orthodoxen Juden in Munckaoz, der durch den Bann hevvorgerufen wurde, den der Rabbi von Mnnkacz gegen die Anhänger, des Rabbi von Beiz erlassen Hat. sehr scharfe Formen angenommen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sind unbekannte Täter in die S y n a g o g e von B e l z e-ing-edrurrgen und. haben sie v e r w ü ft e t. Die Polizei hat festgestellt, daß von der Synagoge Spuren im frischen Schnee nach dem Hause führten, in dem der Munkaczer Rabbiner wohnt. Der Tat verdächtig erscheinen mehveve T a l m u d s ch ü l e r «des Munkaczer Rabbiners. - Lar Ghetto von Eiseastavt. Der burgenlän'dische Landtag beschloß, wie aus Eisenstadt berichtet wird, gestern den Gesetzentwurf betreffend das Statut für die Freistadt Eisensta d t. Abgeordneter Bauer, Vizebürgermeister von Eisenstadt, wies daraus hin, daß dieses Statut eine Rechtsangleichung an die österre.ichischen Vevhältnisse bedeute, daß es jedoch einen Schönheitsfehler .habe, indem es nicht auch die Einbeziehung der' Nachbarorte 801.1. . ♦ eine wertvolle Bücherprämie an Ihre Adresse abgesendet werden? ♦ HABEN Sie schon die Bezugsaebühr für Ihr Abonnement überwiesen? TEPPICH!! AUS S. 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Selbstverständlich werde man die historischen und konfessionellen Rücksichten, die dabei zu wahren seien, peinlich beobachten und insbesondere berücksicht''gen, daß das Ghetto von Eisen st a d t eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bildc -« Fahr 1926 — ein Nekordjahr der Keren Hajeffod. Wie I. T. A. aus Jerusalem mcWet, betrug das Ergebnis der Ke r e4l Hajessod-Eingänge für den Monat November 1926 57.963 Pfund Sterling. Im gleichen Monat des Vorjahres betrugen sie nur 32.984 Pf. St. Dieisevüe Verbesserung der Eingänge des Keren Hajeffod wie im Monate November ist in diesem Jahre schon seit dem Monate Juli bemerkbar. Die Keren Hajeffod-Eingänge in diesen letzten Monaten betrugen: im Jnli 76.073 Pif. St. (gegen 60.144 im Vorjahre); im Augulst 48.386 Pf. St. (gegen 36.495 im Vorjahre); im September 50.777 Pf. St. (gegen 31.831 im Vorjahre); im Oktober 67.446 Pf. St. (gegen 31.678 im Vorjahre). Hierzu wird vom Hauptbüro des Keren HajeffrL mitge-' teilt: Wir können damit rechnen, daß das Jahr' 1926 ein Rekordsahr des Keren Hajeffod darstellen wird. Im Monate November haben vie Vereinigten Staaten 35.129 Pif. St., Südafrika 60M Pf. St^ Deutschland die außerordentlich hohe Summe von 4042 Pf. St., Oesterreich 3260 Pf. St., Englaird 2001 Pf. St-, Rumänien 1494 Pf. St., Polen 1036 Pf. St., Kanada 1031 Pf. St. beigetragLn. Die Eingänge ans den Vereinigten Staaten, ans Südafrika und Ser Pelz. C rz ihluug von Hjalmar Cederberg. Der ...uiier.war streng. Bis auf die, welche Pelze trugen, wurden alle kleiner. Magistratsrat Richard besaß einen dicken Pelz. Der gehörte gewissermaßen zu. den Verpflichtungen seines Berufes, beim Richard war so etwas wie der administrative Direktor einer neuen Theatertruppe. Sein alter Freund Dr. Hank dagegen besah keinen Pelz, bloß eine schöne Frau und. drei Kinder. Doktor Hank ioar blaß iiittb hager. Es gibt Männer, die nach der Hochzeit dick werden, andere toteber, die abmagern. Dr. Hank gehörte zur zweiten Kategorie. Nun war es Winter, die letzte Dezemberwoche. „Ich habe heuer ein schlechtes Jahr gehabt" — sagte Dr. Hank zu sich selbst gegen drei Uhr nachmittags am 24. Dezember; das war zu der Zeit, als sich gerade der Aberck» niedersenkte. Dr. Hank Wae auf dem Wege zu seinem asten. Freund Richard, um bei ihm etwas Geld zu leihen. — „Ja, ein sehr schlechtes Jahr; mit meiner Gesundheit steht eS nicht am besten, und meinen Patienten... ihnen allen geht es viel besser; selten, daß sich. einer von ihnen jetzt zeigt... Aller Wahrscheinlichkelt nach werde ich bald sterben. Meine Frau ist auch dieser Meinung; ich habe es bemerkt.... In diesem Falle wäre zu wünschen, daß es noch vor dem Januar geschieht, ehe noch die verdammte Prämie auf meine Lebensversicherungspolizze gezahlt werden muß.." An diesem Punkte seiner Betrachtungen war Doktor Hank angelirngt,. als er zur Kreuzung Regierungsigaipn und Hamgätän - kam. Als er die Straße Übersetzte, um die Regierungsgatan etltlang weiterzugehen, glitt ex aus und fiel. In diesem AugerMck sauste im Galopp ein Schlitten vorüber. Der Kutscher schimpfte, und das Pferd mä) instinktiv zur Seite. Aber ein Huf des Pferdes streifte Dr. Hank an der Schulter, und ein Nagel oder dergleichen blieb an seinem Mantel hängen und hinterließ einen gewaltigen Riß. Um Dr. Hank sammelten sich Leute. Ein Schutzmann half ihm aufstehen. Ein junges Mädchen klopfte ihm den Schnee ab. Eine ältere Dame schüttelte den Kopf, deutete auf den zerrissenen Manjtel und machte eine bedauernde Geste, die bleuten sollte,, sie würde sehr gerne den Riß stopfen, wenn sie könnte. Ein königlicher Prinz, der zufällig vorübergigg, hob Dr. Hanks Hut auf und setzte ihn ihm auf. So war alles Meder in Ordnung, bis auf den Riß im Mantel. „Zum Teufel, wie siehst du denn «ms, Gustav?!" rief Magiflratsrat Richard, als Dr. Aank in sein Ar-. beitszimmer trat. „Ja, ich bin von einem Schlitten überfahren ivorden," antwortete Hank. „Das kann auch nur dir passieren!" spottete Richard gutmütig. „Doch in so einem Aufzug kannst bur nicht heim. Wenn du willst, leihe ich dir meinen Pelz; ich schicke dann einen Burschen um meinen zweiten Mantel." „Danke!" sagte Dr. Hank. Nachdem er die hundert Kronen erhalten hatte, die er brauchte, fetzte er fort: „Pergiß nicht, daß du bei uns zum Diner bist." Richard war Junggeselle und gelvvhnt, die Feiertage, hei dm Hanks zu verbringen. Auf dem Heimweg war Dr. Hank in viel besserer Stimmung, als in der ganzen letzten Zeit. „Das. ist der Pelz, der wirkt so gut auf meine' Stimmung," sagte er sich selbst. „Wäre ich gescheiter gewesen, so hätte ich schon längst einen Pelz auf Raten. Das hätte mein Selbstvertrauen gestärkt und mir mehr Ansehen in den Augen der Leute gegeben. Schade, daß ich . nicht früher auf diese Idee gekommen bin. Jetzt ist es schon zu spät." Hank. schlenderte durch den Kungstradepark. Es war schon finster und hatte wieder zu schneien begonnen. Die Bekannten, betten Dr. Hank begegnete, erkannten ihn nicht. ,-Ueürigens... ist es wirklich schon zu spät?" nahm Hank sein Selbstgespräch wieder auf. „Ich bin noch nicht alt, und über meinen Zustand kann ich mich täuschen. Freilich — ich bin arm wie ein Fuchs im Wald. Aber Johann Richard rvar bis vor kurzem auch arm. Meine Frau war in der letzten . Zeit so kühl und unfrmndlichj. Sie wäre sicher wieder lieb zu mir, wenn ich mehr verdienen Vurtb einen Pelz tragen nritrbe. Es kommt mit vor, daß sie Richard auch freundlicher entgegenkommt, seit er den Pelz hat. Sie tvar, glaube ichcäs Mädchen ein wenig in ihn verschossen. Mer er hat sie nicht beachtet. Er hat ihr und jedem, der es hören wollte, gesagt, er werde nicht wagen, zu heiraten, ehe er mcht mindestens zehntausend Kronen jährlich, verdient..." „Ich habe es gewagt. Ellen war ein armes Mädchen und . hatte nur einen Wunsch: zu heiraten. Sie hat mich, glaube ich, nicht, so geliebt, daß ich sie hätte verführen können. Hnh das wollte ich ja auch, nicht tun. Wie durfte ich von einer so großen Liebe auch nur träumen? Das habe ich auch nicht seit meinem sechzehnten Lebensjchr, da ich „Faust" in der Oper sah, mit Arnoldson in der Hauptrolle. Doch dessen bin ich sicher — in der ersten Zeit nach der Hochzeit hat mich Ellen gern gehabt. Das empfindet man, da ist kein Irrtum möglich? Warum soll sie es nicht weiter können? In der ersten Zett nach der Hochzeit war sie zu Johann unhöflich, so oft sic ihn ttaf. Mer dann hat er seine Theatergesellfchaft zusammengestellt, uns von Zeit zu Zett ins Theater eingeladen und sich einen Pelz gekauft. Ja — kein Wunder, daß sie müde tvurde, gegen ihn unhöflich zu sein. . ." . Hank hatte noch einiges fürs Diner zu besorgen. Es war schon halb fünf vorüber, als er mit Paketen beladen heimkam. Er fühlte, daß er eine linke Schulter besaß. Sonst erinnerte ihn nichts an den Unfall vom Nachmittag, außer — der Pelz. „Das wird ein Vergnügen sein, zu sehen, was stk ein Gesicht meine Frau macht, wenn sie mich in eineck Pelz erblickt." - Dr. Hank lächelte frmdig.

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