Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2816 (30.12.1926)
- Date
- 1926-12-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gPiifttf WkSWA^M«>A M. KchmOßt iSStz Kr. MS luUW.^ JwmfwiyiiRJ Re 3»dm in Polen. (M»He Ergebnisse der letzten VolkszWung. Die statistischen Ergebnisse der lebten Volkszählung Ut Polen, die ont 30. September 1921 vorgeiw rinnen iüurde, find zwar noch nicht zur Gänze veröffentlicht. Aus den bereüs vorliegenden Publilativnen^es statistischer Hauptamtes (vom'5. Rover,rber 192-^. können aoerIehr interessante Schlüsse iÜ bezrrg auf die jüdische Bevölkerung Polens gezogen iverden. Diese Volkszählung ergab eine Gesamtzahl von 25,694.700 Betvohnern Polens (mit Ausnahme der Woj- »oodschasten Wilna und Oberschlesien). Davon bekannten sich zur mosaischer» Religion 2,771.949 Menschen. Darnach beträgt die Zahl der Juden in Polen zirka 12 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bemerkenswerter ist aber das nationale Bekenntnis der Juden in Polen. Zur polnischen Nationalität bekannten sich 707.251 Juden (25.4 Perzent), zur ruthenischen 3.726 (0.1 Prozent), zur jüdischen 2,044.585 (73.8 Prozent), zur weißrussischen 4084 (0.2 Prozent), zur deutschen 9985 (0.4 Prozent), zur litauischen 77, zur russischen 1092, zur tschechischen 91, zur „lokalen" (eine naive Bezeichnung) 450 und zu anderen 653. Rach dieser Zählung muß festgestellt werden, daß der überwieflcnbe Teil des polnischen Judentums bereits national bewußt ist. Als kvnfesjionslo se Juden Habel» sich 2770 cingetrngen. Ms Kuriosum möge noch verzeichnet werden, daß 2700 Juden sich zum r ö »n i s ch - i a t h o l» s ch en, bzw. armenisch-katholischen G-anben bekcmnt haben. Interessant ist noch die Rubcii, die die Zahl der Analphabeten zeigt. Sie weift der jüdischen VolksbiWungstätigkeit neue große Ausgabe:;. In» allgemeine»» glaubt inan in Pole»», daß es unter den dortigen Juden ran: sehr wenige Unalphckbeten gibt. Die Volkszählung bewies aber das Gegenteil, der»»» z. B. in der Wojivodschaft Lublin tmrrden 564.125 Analphabeten gezählt ur»d darunter 103.051 Juden (darin sind selbstverständlich nur Personen über 10 Jahre, alt enthalten), d. i. 47 Prozent der jüdischen Bevölkerung dieser Wojwodschaft. In der Krakauer Wojwodschaft sind 11 Pwze»»t der Mischen Bevölkerung Analphabeten. In der Lemberger 16.6 Prozent, in der Stanislauer 18 Prozent, in der Tarnopvler 18.9 Prozent. Ir» Ko»»greßpole»» ist es in» allgemeinen ätfjer. Außer der Wojnwdschast Lublin (mit ihren 47 Prozent), können in Kielce 38 Prozent der Mische»» Bevölkerung tvedec lesen r»och schreiben, in Lodz 24.5 Prozent und in Warschau 22.2 Prozerrt. Diese großen Prozentsätze smd zum Teil darauf zurückzu führen, daß vielfachJuden, die erklärt Haber», daß sic jiddisch, ruthenisch oder russisch können, zu den Analphabeten gezählt »vurden. Im allgemeinen nach aber betont werde»», ärß die jüdische Volksbild-ungstätigkesi auf dicsenr Gebiete »roch viel nachzuholen hü. OBST. PATENT D. R. - PATENT Das Elastische FUßkissen, ideale Schuheinlage beseitigt sofort Fufi-Ermudungsschmerzen, Sohlenft Bei Postbestellimgbrennen und Plattfußbeschwerden Schu'nn'immer angeben APOTH£K£, Wien, H , tnmssasse 2J ■■■■■■■■■■■■■BeBHaaiBBiasaaMSBaBaBBag Bnlaünns imslSndikcher Rabbiner in Deutschland. Der Mmrgcl ar» raböinischen» Nachwuchs, der sich überall, besorrders in Deutschland fühlbar macht, hat die preußische Regierung veranlaßt, bei Berufung von Ansländern zu Gcmeinderabbineri» in Preußen Erleichterungen cintrctcn zu lasser». Das „Ministerialblatt für die Preußische innere Verivaltung", von» 15. Dezenlber, veröffentlicht eine Verordnung, laut »velcher die vorherige »ninisterielle Zustimmung zur Anstellung ausländischer Juden nicht nrehr erforderlich erscheiirt. Der Polizeipräsident in Berlin und die Regierungspräsidentei» werden zur Genehmigung ermächtigt. „Sollten im Gnzelfall Bedenke»» unter frerndenpolizeilichen Gesrchtspurrkten bestehe»»," heißt es am Schluß der Verordnung, „so ist an das Ministeriuu» des Jrrnern, unter Berfügurrg einer Abschrift, zu berichte»»." Ehrmng des Tjk-ktors des Czerrwtvitzsr jüdischen SyllalS. Aus Czernowih wird uns gelschrieben: Anläßlich seines 60. Geburtstages war der Direktor des hiesigen jüdischen Spitals, Dr. Joses Oh re n st e i n, Gegenstand mehrfacher Ehrungen. Bei der unter Vorsitz des Primarius Dr. Lauer äbgehattenen Feier schilderte Direktor-SteÜvLrtreter Doktor M ei dl er 'die Entwicklung des SpitalB unter der Leitung des Jubilars. Auch das Mitglied des Kultusvorsiandes, Direktor Fleming er, w-ieS in seiner Rede darauf hir», daß die ExistenH und 'der Ausbau des Spitals »»eben dem Stifter. Markus Zucker, dem Spitalsdirektor Dr. Ohrenstei rr'zu -danken feien. Es wurden »roch »nehrere Reden gehalten, au<f welche der Gefeierte mit Dankesworten antwortete. Zur Erinnerung an die Feier wrrr.de im Sitzungssaale ceS Spitals das von der Aerzteschaft gewidmete, vom akademischen Maler Kolnik ausgeführte Oelporträt des Jubilars, enthüllt. Die Bnai Brith-Loge errichtete eine Ohren« stein-Stistung zur Unterstützung jüdischer Krauler. Eine Chanukahfeier zum Andenken jüdischer Äriegsaeßrllener. Aus.«undott wird uns berichtet: An eirrem der letzter» Cban>näytage wurde auf den jüdischen Heldengräbern irr Whltchall das Anderrken der jüdischen .smegsgefallenen ln feierlicher Weise geehrt. Ein Vertreter der englMen Marine legte ein vrachtdolles Bl»»n»engewi»»de in der Form eines Magen David auf das Grab der jüdischer» Gefallenen nieder. Die Kranzschleife trug die folgende Inschrift: „Zum Andenken an unsere jüdischer» Kameraden, welche sich während des Krieges aufgeovfert haben, wurde dieser Kranz anläßlich des Ehanukah-Festes niedergelegt." Hierauf lsielt der Vertreter der Regierung eine Rede, tu »velcher er die Dapferckeit und den C pfertuülnt der Ziwen ,»u nffrit Zelter» würdigte. r =ft=3=Sj| Die großen Russen Tolstoi Kindheit» Knabenjahre, Jugendzeit Krieg und Frieden, Roman in 4 Banden Anna Karenina, Roman in 2 Bänden Auferstehung, Roman in! Band Der Überfall, Der Leinwandmesser, Chadschi*Murat, Erzählungen Volkserzählungen, Dramen Dostojewski Ein Werdender, Roman in 2 Bänden Dämonen, Roman in 2 Bänden Der Idiot, Roman in 2 Bänden Aufzeichnungen aus einem Toten* hause Erniedrigte und Beleidigte, Roman in 1 Band ln den besten Oehersetznngen tterrHcne Gdnzielienttäüidc mit reichster Vergoldung auf bltifenwelOem Papier — Ein schmuck Ihr jeden Bücherschrank Schilling 4P n or bei Budiliaiaslluiig R. Eiftwif, Wien L, Roteriturmstraße 22 Bühne und Kunst. Berliner Theaterbrief. Bon Kurt Münzer,. Sollte es nicht eine stllle, feiervottc, beduchtsoanL Zeit sein? Eine zürn Nachdenken über Geschaffenes und Verfehltes, Gewolltes und Aufgegebenes? Aber die Furcht vor dem Gedanken ist allgemein. Sie ahne»» die Schrecke»» des Ergebnisses, die Leere der Bilanz. Vielmehr stürzt man sich in einer» Wirbel der Ereignisse. Knapp laßt man dem Weihnachtsabend ein paar Stunden, in denen die Theater dunkel bleiben, die Tanzsäle schließen, die Lokale ihre Angestellten zur Familie entlassen. Schon nächsten Tages setzt sich der'Taumel fort. Es galt, zunschen Fest und Fest die Leute airzuwcken, und so brachte man kurz zuvor seine Novitäten urch Sensensationen heraus. Es gab da ei»» Kleistpreisgekröntes Stück. Vmr Lernet-Holenia. Seit dem „Fröhlichen Weirrberg" tveiß män ja, nüe man diesen Preis (1000 Mark) gewinnt: Rezept: Man »re'hme die alte Schablone des Lustspiels »rnd trage dreifach. auf. Diesmal »rennt es sich „O l l a p o t r i d a", und es sind drei Frauen, die der Junggeselle im Nebenzimmer persteckt, tvenn @atfat nnb Bräutigam seinen Wigwam stürmen. Glaubt mir, die Figuren kommen aus der uralten Theaterkiste, sie reden.nur von heute; sie stammen vielleicht sogar aus dem Koffer des Marionettenspielers, und es nützt »richts, daß der Neuschöpfer ein pirandetteskes Nachspiel schreibt. Das bezieht seine Komik unfreiwillig aus der uneingestarckenen Kopierung. Nu»», in der» Kammerspielen »nacht man so etwas ausgezeichnet. Das Publikum lacht, der Verfasser lacht zuletzt. Er kann lachen. Weiß GE, wie viele junge Dichter im Reich jcht darüber schwitzen, Blumenthal iinb' Kadelburg zu verstärken, zu pfeffern, zu spicken. Im Lustspielhaus „Hurra — ein Junge!", ein Stück aus der Mottenkiste, voi» Ar st o ld urch Bach, für Guido Thielschex, auf daß dieser Unsterbliche mit blondern Schriftstellerinnen-Bubikopf oder im Kinderrnatrosenkleid-' chen die Berliner von ihrer» Sitze»» schmeißen kann. Thielscher findet sich selbst so komisch, ist selbst so hingegeben entzückt von sich, daß mutt an diesem Theater seine Freude haben kann, wem» man sie schm» am anderen nicht hat. „Nur biiP ruft Walter Kollo im Berliner Theater, und da er die Hella Kürth hat und Siegfried Arno, hat er die Lacher auf seiner Seite, de»» jubelnden Erfolg mit einem zärtlicher» Blues. .Der Text: Furchtbare Nebensache, alles schon dägewesei», die Effekte dreier Operetten glücklich neu zusaminengeschweißt. Geht rnan denn mit Kopf und Hirn ins Theater? Mit Nerve»», Mut und seinen cmnen Gefühlsresten. Und das kommt alles auf feine Kosten. . * Auf seine Kosten ko»nmt Berlins Südostei», »o-em» er ins rmedereröffnete Zentraltheater ströint, wo im „Trompeter vorn Rhesn" der selige Viktor Neßler der nach ihm lechzenden Zeit wiedergegeben »vird. Ach, du Gute Stube Großinamas, du Hrmbeerlimonade Tante Pmchens und du Goldschnittlyrik rneürer Gm»ver»»ante! Wer redet voi» »vechselirdei» Zeiten »urd der Kultivierung des Geschmacks ur»d der Umlvertung aller Werte! In i»r»s aller» schlu»n»»»ert, »»»ächiig »vachbereit, die cwige Sehr»- sucht »»ach Muschelplüschsofa »mb Oeldruck, nach „Behüt' dich Gott" mtb Butzenscheibe»». War' es sonst möglich, daß - (siehe oben!). Mer dg stehe»» die errrste»» Bühirer» auf u»»d rette»» die Ehre der K»»nst- und Großstadt. Mt Wedekind Md jetzt irnmer Gesihäfte ju ' machen, wenn man ein« Jazzbärrd dazu nimmt unb ein bißchen Tairoff oder Meyerhof n»ü> eine »viderspruchsvolle Besetzung. Direktor Robert in der Tribüne inszeniert den „Liebestrailk" so »»mH bewährte»» Mustern; Adele Sandröck (o Medea vo,» der Birrg! Rival»»» der Wolter! T»» Stern von Wiel»!) . Sldele in Trapeztrikots u»»d Kothurn entfesselt das Theater. Das Renrren ist gervormen, es ist das Feiertagsstück; »»och das neue Jahr tmrd von ihm zehren, denn die junge, vielfach reizende, nur kalte Carola Ncher spielt mit, Lothar Müthel feuert nur so über die jazzbewegten Bretter, der kolossale W e g e n e r prunkt sich in den Vordergrund. In Berlin hat jede Komödie gewom»e»»es Spiel, »vom sie sich nur als raserrde Groteske über die Rampe »välzt. Wer ernsthaft geht es im Lessingtheater zu. Und der ftenetifche Beifall komrnt aus einer Tiefe, die nur fetten das Publikum '/roch, in sich entdeckt. Man spielt > — rinn endlich auch hier — Jules Romains „Diktator". Und Albert Bassermann setzt darin »»ach Jahren seinen dröhnenden Fuß »nieder auf eine Berliner Bühne. Er »vandctt sich nicht mehr — und »st doch nicht erstarrt. Er ist der lchte große Komödia»»t, von einer Meiftarschuft der Routine, die diese Routine zu blendender Lebe»»- digkeit macht, zu scheirchar u»»mittelbarer Ji»»pvovisaLion von . Gebärde und Tonfall. Es ist ganz große Kurrst. Und cs ist sehr reizvoll, zu sehen, »vre fein Partner, her junge Walter Franck, zur .gleichen ErndruckSstärke kommt, einfach, durch Jngcniun», durch c»rergiegefülltes Tenrpcrament, durch einen schauspielerischen Furor, der offenbar lnchts )nit Studiürn, Derrkarbeit^ Tüftelei zu. cknir^hah fmtbern ein uatürlich«r Ausbruch W. Karlheinz Mar-" tin treibt feine Spieler unirüderstehlich an. Man spürt ihn lebendig im Ablauf der fünf Akte. Ir» Sybille Binder, der rveich Frauenhaften, in. Fra»»ziska K i n z, der in allen Lager» Robusten und nie Schmelzenden, ja, in den kleinsten Charge»», hat er tauglichstes Material. In der Kölnischen Oper, a»n letzter». Abend vor Weihnächte»», stellen'sich die, „Chauvre-Souris" aus Paris vor, Berlieffs „Blauer Bogel", das Origirral des russischen Kabaretts. Ach, sic Haber» zu lange gezögert. Inzwischen haben die Kopien das Origirral verdunkelt, der Vater erreicht seine Sprößlinge nicht »»»ehr. Wenn »vir schon die Aepfel gepflückt Haber», »»ms soll uns der Baum? Immerhin: der Russe ist »mn»er großattig. Mau darf es ihm mdji entgelten lassen, daß heute das Original -wie Nachahmung »virkt. Auch hatte sich tont Berlin einge- ' funden; die Stacks der Theater und Wissenschaft, vom Einstein bis z»»r Orska, vom Gesa,»dien bis zum Mi»rister,' »var alles da. Lortzwgi „Undine" kn der Bottsoper. Um Undine, die seelenlose Wassernixe^ die in ihrer Liebe zu Ritter Hugo Schiffbruch leidet und daraufhin vol»» Wasserftirste!» Kühleborr» »,» sein feuchtes Reich zurückberufen wird, hat rücht »mr Lortzi»»g geworben. Auch dem vemste»» Romantiker E. DH. A. Hoffman»» hat sie es angetcu» »md er schvieb eine, Undinen-,Oper, welche : vor etwa 20 Jahre»» vom 'Nsurornantiker Hans Pfitzner neu bearbeitet wurde. Wenn Lortzirrg in seiner „Undine" im Jahre 1845 rh»n fremdes, romantisches Land betritt, so »nag er doch nicht auf sein eigenstes Element, die ' Komik, verzichte»». Seit jeher erfreute»» sich gerade die genmtUchen Trin'kszenen des dicken KeNer»neisters Hans und die lnstige Gestalt des Kira-ppei» Veit der besonderen Ptrblikurnsg'unst, und die gernivtvollen BoMszelrer» — gleich zu Beginn der sinnige Brautrorgen —'wirken noch heute. Weniger ori-g'urell ist Lortzi»»g in der Prägung des ro»r»mltischeu Kolorits. Rmnantisch ist der schrneiternde Hörlrerschall, rnit »velcheim im zweiter» Akte Uudines Euthüllrurg ei»»,geleitet wird, rontantisch sirrd die duftigen Agilarettsarber», mit honen die Wassermusik des Geisterreiches gernalt wird. Die dramatische Ofeschlosseuhe»t seiiler koritischei» -Oper»» ist hier freilich »»W Erreicht und die Anlehnung an andere Tondichter -- an d<»s , Geisterreich des „Hans Heiliug", des „Ta»»phä,user" ' m»d des ,,Dol» Jlioil"-Finale »r-sw. — ift' hitzpchnver. . hr'illter als sonst.