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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-30 · Heft 2816 (30.12.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2816 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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*t. m mimii W. DezenOer ME> Ssktze « DIE RUHMVOLLEN EPOCHEN der jüdischen Geschichte in unseren Prämienwerkcn Josephus Flavins Heinrich Grants Berta ©cif wurde in der mit Leuchtgas erfüllten Küche ihrer Wohnung, Heinestratze 1, tot aufgefunden. Man. vermutet, das; Selbstmord vorliegt. Doppelselbstmord Meier Schwestern. Beim Ankerplatz der Süddeutschen TvnaudanMchifffabrtsgcscllschast zog man gestern die Leichen zweier Frauen aus dem Wasser. Sie waren mit einem Seidenschal aneinandergebunden. Die Aehnlichkeit der Gesichlszüge läßt darauf schließen, daß die Ertrunkenen Schwestern sind. Die eine ist etwa 20 bis 86 Jahre alt. Ihr Hemd zeigte die Märke „H. C." Tie zweite Frau ist 18 vis 20 Jahre alt. Ihre Wüsche ist mit „H. B." bezeichnet. Die Staatsanlvaltschast wurde verständigt und die gerichtliche Oeffnnng der Leichen beantragt. Vergiftung eines Ehepaares durch Leuchtgas. Der 74Mrige Bundesbahnpqnfionist Josef Swoboda und seine 69jährige Gattin wurden in dem mit Leuchtgas erfüllten Zimmer ihrer Wohnung im Hause Nr. 10o der Engerthstraße tot aufgesunden. Am Gasbackrohr wurde der Leitungshahn offen gefunden. Es scheint ein Unfall vorzuliegen. Kammerrat Pa bst gestorben. Kammorrat Johann Pav ft, der seit 33 Jahren Vorsteher der Genossenschaft der nichtprotokollierten Handelsleute Wiens war, ist gestem nach langer, schwerer Krankheit gestorben .Pabst war in den Jahren 1907 bis 1011 auch Reichsratsabgeordneter. Eine Realschülcrin vermißt. Der Privatbeamte Eduard Tesar, 10. Bez., Angeli- Sc 84 wohnhaft, zeigte am 28. d. M. dem Polizeikommisate Favoriten an, daß seine Tochter, die 16jährige Realschülerin Carmen Tesar vermißt sei. Dir sie mit ihrem eigenen Sparkassenbuch eigenmächtig eine Abhebung gemacht hat, verurutet man, daß sie aus Furcht vor den Vorwürfen des Vaters aus dem Hanse geflohen ist. Ein Familienmörder. Aus Stuttgart wird gemeldet: Gestern mittags tötete nach einem Streit der Hilfsarbeiter Gottlieb Fischer die Schwester seiner Frau und .seine Tochter mit einer Selbst^adepistole.Seinesrau wurde durcki euren Schuß in den Unterleib lebend 'Mrlich verlebt. Nach vollbrachter Tat richtete Fischer die W^e gegen sich seM und verletzte sich so schwer, daß er noch ans denr Tranport rns Krankenhaus starb. Einigung Mische« Cafetiers und Angestellte». Die Lohnverhandlungen, die sich sehr schwierig gestalteten, wurden gestern nachmittags beendet. Tie LobnechKhungcn bewegen sich zwischen 5 und 26 Prozent. Sie werden eine allgemeine Preissteigerung zur Folge haben, drc schon in den kleinsten Betrieben einige Groschen bei;eder Verabreichung vettagen wird. Rücktritt des Bürgermeisters von Mattrrsburg. Aus Mattersburg wird uns gemeldet: Der hiesige Bürgermeister Steiner hat seine Stelle niedergeleat, weil er den Vorwurf, einen Kostenvoranschlag , ohne die Genehmigung des Gemeinderates überschritten zu haben, als Mißtraueit seitens der Sozialdemokraten annahm. Ein Fuhrwerst vom Grazer Persoueuzug überfahren. Aus Graz wird gemeldet: Gestern nachmittags ereignete sich bei Strnßgang ein schwerer Unglückssall. Der Graz—Wiener-Personenzug Nr. 33, der um 13 Ubr 35 Min. vom Hauptbahnhof abging, überfuhr bei der Nebersetzung der Sttaße, die von Graznach Straßgang fühtt, ein Fuhrwerk, das mit zwei Pferden bespannt war. Der Wagen tomfoc gänzlich zertrümmert, zwei Insassen schwer verletzt und die beiden Pferde getötet. Der Zug hielt sofort an und fuhr an die Unglücksstclle zurück, nahm die Verletzten auf und brachte sie zum Bahnhof Stratzgang, von wo sie in ein Grazer Spital abgegeben wurden. Das Unglück ist auf eine Unachtsamkeit des Wagenführers zur tickzuführen. Das Müncherier Schachturnier. Aus München wird uns gemeldet: Me beiden Mngevartten der ersten Runde kamen am Montag zur Erledigung .Gebhard gewann gegen Schmitt, Przeviörka gegen Sämisch. In der zweiten Runde gewann Przepiorka gegen Gebhard. Spielmann konnte als Nachziobender in einer italienischen Partie gegen Sämisch nur Remis erzielen. Dier sehr bewegte englllme Partie SÄrnttt-Bogollubom wurde!ll ungefähr gleicher Stellung abgebrochen. Stand: Przezepiorka 3, Spielmann, Gevbard i, Bogoljubow Vs IHängepartte). Sämisch %, Schmitt 0 (1). -eide aus Kehricht. Wie das „Berliner Tageblatt" berichtet, haben die Benrebunae», die großen Kehrlchtmassen der Gemeinde in- MlstrieN zu verwerten, in jüngster Zeit wieder bedeutende ,n>rtschritte gemacht. Sv ist es jetzt veffpielsiveffe gelungen, imchdem die mechanische Abtrennung der Zellstoffmengen ans de,tl Mull bereits längere Zeit betrieben wird, den neugewonnen Rohstoff, die soaenanllte Mülhvolle in brauchbare & nnstseide mtb Kunststoffe umz;üvandeln. Der Erfinder *er neuen Methode ist der bekannte Berliner Müllfachmann, .Mg. Kurt Wehr so n, der nach langjährigen praMschen Versuchen, ictzt dkc,en sensationellen Erfolg erzielt hat. T" Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, gestottc»»» Schlaf, schlechter Laune, gereizter Stinunung greife man sogleich.-n dem altbewährten „Franz-Josef"- Bitterivasser. Berichts von Oberärzten in Heilanstalten jiit Magen» und Darmkrankheiten betone,:, lnitz das Franz-Josef'Wasser ein ganz vorzüglich wirkendes irattMcüüs ALlübrrnittÄ äst by B. Piper » Co., W. Fortsetzung. » Mvedov. 1487. &ie {ßeitfhte eines Juden. Von Seonid Vrossmann. ßCe/misgegeben von Stene 3ülöp~£Miller und Friedrich Eckstein. Aw M dW russische Bvlk die Juderr nicht hassen, wenn seine besten Vertreter öffentlich von ihnen wie von wllden Tieren sprechen? -Möge Ihnen, hochgeehrter Fjodor Mchailowitsch, dieses unLe dachte Paradoxen vergeben werden! Ich sage „unbedacht", weil Sie im Grunde genommen der herzensbeste Mell sch sind, (das haben Sie zum tausendfachstell Male in Ihrem ausgezeichneten Kapitel über den „Allnrenschen" in der gleichen Nummer ides „Tagebuches" bewiesen) und man nicht umhin kann, mit vielen Ihrer Anschauungen über die jüdische Frage übereinzustimmen. Aber genug davon! Sie haben vollkonnnen richtig bemerkt, daß dies ein viel zp breites Thema sei, imd daß es undenkbar sei, cs in Briefen erschöpfen zil wollen. Glauben Sie mir, daß ich Ln meinem .erstell Briese an Sic die jüdische Frage mehr in dem Wunsche berührte, nrir Ihre Persönlichkeit, der ich die besten Eigenschaften eines „Allmenschen" zuschrieb, zu erklären, als aus Liebe llnd Mitgefühl für tms jüdische Volk das mich ja eigentlich gar nichts angeht . . . Gestatten Sie nrir noch eine kleine Bemerkung. Soviel ich mich erinnere, sagerr Sie in dem erwähnten Märzheft des „Tagebuches", Sie könnten sich einen an seinen Jehova nicht glaubenden Juden nicht vorstellen. Was wollen Sie aber, daß die vielen jungen Juden heutzutage tun, die ihrer Ueberzeugng nach an ihren Jehova nicht glauben können? Sie haben ja ihre Att zu lebeil und zu denken .. . Raten Sic ihnen vielleicht, irgendein christliches Glaubensbekenntnis cmzunehmen, wenn sie an das Christentum als religiöse Formel gleichfalls nicht glauben? Ist es nicht besser für sie, „Allmenfchen" zu bleiben? Nun zu meiner persönlichen Angelegenheit. Ich habe Ihnen, glaube ich, geschrieben, daß ich von« Gericht zu vier Jahren schtveren Kerkers verurteilt »vorden bin. Da ich nicht wünschte, dieser Strafe zu verfallen, bei der, wie. mir gesagt wurde, der Gefangene sein Menschenantlitz gänzlich einbüßt, habe ich mich bei der hiesigen Gouvernementsbehörde darum bemüht, wegen meiner schwachen Gesundheit als zur Arbeit untauglich erklätt zu werden, und dies ist mir.auch gelungen! Später habe ich nun erfahren, daß die zu schwerem Kerker Verurteilten, aus Grund eines gewissen Zirkulars des Miuisteriums des Innern, nach Sibirien verschickt werden können, *) wenn die Gemeinde, der die Verurteilten angehören, von dein ihr zustehcuden Rechte Gebrauch macht und sie-nicht mehr in ihre Mitte aufnimmt. Ich stellte mir nun die schreckliche Aussicht vor, vier Jahre im Kerker zu verbringen, ohne alle Existenzmittel und -in dem Bewußtsein, daß ich auch nach meiner 'Befreiung nicht mehr in den Hauptstädten leben und in Rußland schwerlich mehr eine ehrliche Arbeit *) Auch vor der, ihnon vom Geeicht zngMÜigten Frist. Anm. v. Kowner. - jverde finden kömren, »Md entschied mich dalser, bei meiner Gemeinde Schritte zu tun, um von ihr einen Gemeinde beschluß ausgestellt zu erhalten, dahin lautend, das; sie mich nicht mehr in ihre Mitte ausnehmen wolle, um auf diese Att noch vor Ablauf der Frist nach Sibirien gelangen zu können. Dort wird es mir hoffentlich leichter fallen, eine passende Arbeit zu finden. Ich Hobe mich lange bemi'chi. endlich wurde mir die gewünschte Erklärung geschickt, mw ich wäre im gegenwärtigen Augenblick vielleicht schon auf der Reise, wenn ich... etwas Geld hätte. Die Sache ist nämlich die, daß die Gouvernementsbchörde nicht verpslich tet ist, solche Gefangene vor der abgelaufenen Frist nach Sibirien zu verschicken, sondern im Gegenteil das Recht hat, sie bis zum Wlauf der Frist zu behalten und erst dann abzutranspottieren. So hangt also alles üoit der „Dankbarkeit" ab ... In dieser -Voraussicht habe ich schon im vergangenen Fahr siir die „Nowoje Wvemja" eine Er zählung „Wer ist besser?" geschrieben, indem ich auf das Versprechen der Redaktion, sie unverzüglich zu bringen, rechnete. Nach dem Mißerfolg mit meinem Lustspiel, das sich sowohl für die Presse als auch für die Bühne als «ich! „zenfurfähig" erwies, habe ich die Erzählung absichtlich vorher dem Moskauer Zensurkomitee übersandt, das sic, wie Ihnen bekannt, fast vollständig einwandfrei gefunden hat. Ich habe darüber, gleichzeitig mit der Sendung der Manuskripte, an Ssuworin geschrieben; als dieser aber den ansehnlichen Umfang der Handschrift sah, hat er sich geweigert, sie zu bringen, ohne sich auch nur zu überzeugen, ob der Inhalt und die Ausführung her Novelle nicht ihren Umfang aufwiege, und so schlug er nrir seine Vermittlung bei den „Vaterländischen Annalen" vor. Dort konnte man aber natürlich eine, speziell für eine Zeitung geschriebene Erzählung nicht mmehmen... Auf diefe Weise sind alle meine Hoffnungen zuschMden geworden und ich sitze auf denr Trockenen ... Ich habe mich spater auch an Ssuworin nrrt der ergebeiren Bitte gew'endet, mir hundert Rubel zu leihen, indenr ich versprach, ihm für die „Nowoje Wremja" eine Korrespondenz aus Sibirien zu schicken, und indenr ich ihm ein Bild meinertrostlosen Lage entwarf. Mer dieser Wohltäter der „Menschheit" rrnd nicht des „Menschen" hat mir geantwortet, er könne „meine Bitte zu seinein Bedauern nicht erfüllen"... Ich habe versucht, mich mit der gleichen Bitte auch an K. K. Arsenjeff zu tverrden, als an ein Mitglied der „Gesellschaft zur Unterstützung russischer Gelehrter und Literaten", der mich in Petersburg gut gekannt und teilweise auch protegiett hatte; ich habe mich von ihm die gleiche Anttoott mit dem gleichen ancklichen Ausdmck „zu meinem Bedauern" crhaltm... Zugegeben, daß ich kein Hervorragender Literat", daß ich .Jude und vbendrern ein g&rbrecher. (Fortsetzung folgt.) * JÜDISCHE WEIT *1 zioaMche «rbeü im tschechischen Sprach, gebiet. Aus Prag wird uns geschrieben: Am 25. und 26. Dezember veranstalteten die Zionisten"Mrs den tschechischen Gebieten Böhmens lmd Mährens eine Tagung in U n g a r i s ch- H r a d i s ch. In der öffentlichen Versammlung sprachen: Doktor Ludwig Singer, Prag, und Dr. Paul Mü r z, Mähr.- Ostvau. Dr. Singer führte aus, daß die Zionisten die Wicht haben, die tschechische Oesfentlichkeit, sowohl die politische, als auch die literarische, zu informieren uitb ständige Beziehungen zu ihr zu unterhalten. In diesem Zuftnnmenhang befaßte er sich auch mit den jüdisch:,: Gegnern des Zionismus und bewies die Unzweckmäßigkeit der organisierten Assimilation. Bei der Dagrmg hat sich ein zionistiMs Ärbeitskomrtee geblldet, dessen Llufgabe die kulturelle Betätigung im tsche-' chischen Mlieu, insbesonders aber die Herausgabe jüdischer und Zionistischer Literatur in tschechischer Sprache bilden sott. An den Präsidenten der Republik tvnrde eine Begrüßungsdepesche abgesandt. ERÖFFNUNG Meierei BeMeur XX,, Große Stadtgatgasse Nr. 34 Br ei mal tä Mod: 5- 7 Uhr früh, II—ü5 Uhr mittags. 6— 7 Uhr abends: kuhwarme Milch aus den eigenen Stallungen dortselbst. Verkauf dev ganzen Tag über! Die Rational' «ad llukverfktSlsblblkoihek in Jerusalem. Aus Jerusalem wird uns geschrieberr: Die Bibliothek erhielt soeben 10 große Bücherlisten von der Gesellschaft der Freunde der Universität in Warschau. Die Sendung enthielt u. a. die Büchersammlung des Arztes Doktor Wincenth Glaß, der im Jahre 6686 iw Tomaszvw verstorben ist und seine Büchersamnrlung der Bibliothek te stamentarisch vermacht hat. Gleichzeitig langte in Jerusalem eine Sammlung von Büchern aus dem Gebiete der schönen Literatur und der Arznei künde ein, ein Geschenk des Dr. Bernard I o z in Warschau, der der Biblw thek schon früher bedeutende Schenkungen znkvrnmen lassen hatte. Herr Rechtsaruvalt Stawski, dev Vorsitzende der ge nmlnten Gesellschaft, spendete zur Erinnerung an feine vor einem Jahre dahingeschiedene Frau Sarah, der BMiothek den gesayrten Katalog der Pariser Bibliotheqne Nationale in 86 Bänden. Er erwarb auch vollständige Reihen russischer Zettschrifterr aus dem Gebiete der- Rechtskunde. Die Warschauer Gesellschaft der Freunde erhielt von der dottigen „Kulturliga" sämtliche Publikationen, die in deren Vertag erschienen sind. Die Jerusalemer Bibliothek erhielt ferner von dt'v z e n t ralen Regrerungsbücherkammer in Moskau eine große Sammlung von tmssenfchaftllchcil russischen Zeil schriften, die während der letzten Jahre erschienen sind. Ins gesamt enthielt die Sendung 699 verschiedene Zeitschriften anö allen Gebiete»! des Wissens, insbesondere «ms dem Ge biete deS-MbliothekiveseuS, der Erziehung, des Rechts, der Ärzneikunde, der Hatldelstvissenschaft und des Ackerbaues- Die Bücherkamnwr teilte der Bibliothek^ mit, daß sie diese '-stitschriften nunmehr regelmäßig tveiter erhalten ivird 3652285

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