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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-30 · Heft 2816 (30.12.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2816 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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GeAe * Mm, DwmeMW Di-m Pseudonym „Ka.sik" bekannt, war erst vor kurzem zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt worden, Zdzislaw Marski, dessen Spitznamen „Mirski" ist, hatte vier Jahre abzubüßen. ßstgen beide Urteile läuft die ichtiakeitsbesckw erde. SAutzkawall im Rattonalntt. »Dar J«d" als letzter Tramps. — Gme ftSr mische Zentralbankdebatte. In derselben nnrr'chmlichen und unernsten Weise, -oic der Nationalrat das gange Jahr über seine Tätigkeit ansgeübt hat, wurde auch gestern in der letzten Sitzung vor Jahresschluß der Bericht des Z e n t r a lb a n .7 - Unter s u ch u n g s a u s s ch -u s 1 e s behandelt. Die Redner befleißigten sich eines Tones, der in den Versammlungen bei der „Bretzen" seinerzeit üblich uku', als die Christlich! ozialen junt Kampf um das Wiener Rathaus die Viöhtreiber von St.'Marx mrsboten und als ihre fogialistischen Gegner mit der jeuucffc dorcc von t^enlerchenfeld und vom alten Landgut ihre Wahlschlachten schlugen. Selbstverständlich konnte mmr da gestern des noch iminer sehr schlagkräftigen Argumentes „Darr Jlld" nicht entrateu. Nachdem die Sozialdemokraten den Christlichsozialen ihre diversen Geschäftsverbindunigetr in der Bauernbank mit Jesaias A b e r b a ch und anderen Juden vorgehalten hatten, konnten die Christlichsozialen aus ihren Herzen natürlich keine Mördergrube machen und der gequälten Brust des Christlichsozialen Dr. Dostal, eines .Herrn, der wohl nicht bei der Taborlinie, nach Wien hereingekommen, aber seiner Aussprache des Deutschen nach zu schließen, über den Böhmerwald nach Oberösterreich eingewandert sein dürste, entrang sich der Schrei: ,^Jhr seid eine von I n d e n gef ü h r t c Meut c V Aber selbst abgesehen von den Schimpforgien/ die sich gestern die österreichischen Volksvertreter leisteten, stand die ganze Debatte auf einert beschämend tiefen St'nse. Einzelne Redner gefielen sich, in einem Geblödel, aus donl nichts als ihre grenzenlose Verlegenheit heraussuhören tvar, in die sie jetzt, da sie in der bevorstehenden Wahlkampagne sich verteidigen sollen, geraten sind. An der ungeheuerlichen Tatsache, daß fast 65 0 Millinr - den Staatsgelder ausgegeben werden mußten, um Unfähigkeit und Leichtsinn in der Führung christlich-arischer Geldinstitute wieder gut zu machen, ging man ziemlich achtlos vorbei, die Hauptsache war allen nur, dem Gegner mit irgendeinem Skandal aufMvarten oder ihn, wenn er sich zu einer Beschimpfung hinreißen ließ, durch eine noch gröbere zu übertrumpfen. Der Berichterstatter der Mehrheit, Dr. Odehna l, zog sich mit guter Art aus der Affäre. Die Hauptschuld an den Bankzusammenbrüchen schob er auf die Inflatronszeit und ihre Folgejahre. Vom Schusterjungen angefangen bis zu den höchsten Bearuten hätte damals jeder Mensch spekuliert. Zur Frankenspekulation seien die leitenden Beamten, die Verwültungsräte usw. verführt worden. Im übrigen seien bei dieser Riesenfranesfpekulation in der Bauernbank alle, mit Ausnahme von zwei Herren, ihrer Verpflichtung nachgekommen. Es waren dies Perl und der berühmte A ü e r b a ch. Abgeordneter Fo.rftner: ,/JÄr das dumme Volk den AnLisemitisnrus!" Den Gesamtverlust der Zentralbank bezifferte Dr. Odehnal schließlich auf 68,835,000 Schil-- l i n g. Der Hauptverlust resultiere aus den Jndustriekonzernen mit 29,300.000 Schilling,. Hoffentlich werde das Unvereinbarkeitsgesetz geeignet sein, ähnliche Dinge, wie sie sich bei der Zentralbank ereignet 'haben, in Zuknnft hintamuhalten. Dr. D a n n eb e rg erstarrte das Minderheitsr es erat. Er ivendete sich namentlich gegen eine VersamnÄungsrede des großdeukfchen Vizekanzlers Dr. Dinghofer, der darin von einem „jüdischen Ansturm" gesprochen hatte. Ein solches Argument nehme sich in dem Munde der Herren sehr putzig aus, die in den Vorzimmern der jüdischen Großbanken oft genug herumgestanden seien, um die Hilfe dieser Großbanken für verkrachte kleine Parteibanken in Anspruch zu nehmen. Schließlich verlangte Redner die Verlängerung der Wirksamkeit der Bankenkom- Mission. Wenn, die Mehrheit seinen diesbezüglichen Antrag niederstimmen lverde, dann werde seine Partei jeden Bankenstä'ndal, der sich irgend ereignet, im offenen Haus zur Sprache bringen. Nach den beiden Referaten wurden zunächst die noch ausständigen dritten Lesungen der m den letzten Tagen beschlossene Gesetze, das ist des Voranschlages für 1927, des Angestelltenversicherungsgesetzes, des handelspolitischen Ermächtigungsgesetzes und des Vevsassungsgofetzes über die Sicherung des Budgetrechtes des Nationalrates durch geführt. Nach einer zweistündigen Unterbrechung der Sitzung beschäftigte mau sich wieder mit der .^Zentralbank. Es sprachen der Christlichsoziale Stürkler, der in der Bauernbank eine große Rolle gespielt und sein Parteigenosse Dr. B u res ch, der sich unter anderem auch an der Fraurstontermine ohne Erfolg beteiligt hat. Sie gestanden beide zu, Jehl er gemacht zu haben. Das sc! aber auch schon auberen Lenien passiert. Lebhafter wurde es dann während der Rode dec> Großd.ulschön D v. H a m p l, der das von seinem Parteigenossen Dinghoser erfundene Argument von dem Ansturm der Großbank'.'» ans die Zentralbank ausgrisf. Anna Brenner Jndanbnrg Markus Reinfert Leoben Verfehle. brdbrt, in» Derember 1996. Öti^ano-ISäiraizBn Auch Teilzahlung! fl. Weitz, Wien, II., Darwingasse 39 AE Lär m c n d ging es erst zu, als der Sozialdemokrat Schneidmadl die Geschäfte, der Banernbank und die Verbindung der christlichsozialen Bauernsührer mit diesem Institut „populär" darstellen wollte. Die Christlichsozialen wollten ihn niederschreien, ivornns die Sozialdenrokraten einen Mordsspektakel inszenierten und die Rechte mit den saftigsten Schimpsworten regalierten. Den nachfolgenden Redner, den ehemaligen Finanzminister K o l l m a n u, ließen wiederum die Sozialdemokraten nicht sprechen. Als er ihnen das Arsenal und die anderen gemeinwirtschaftlichen Anstalten vorhiolt, steigerte sich das Zwischenrufkonzert 31t einem argen Tnmult, Schimpsworte wie Lüge, Verleumdung, Demagogie, ehrloser Lump, Schuft, Dreckseele und andere mehr flogen nur so hin und wider. Am Schluffe der Debatte sprach nian nicht mehr vmr der Zentralbank sondern nur mehr über die angeblich gefälschten Fakturen des I u n s b r u ck e r Arbeite rkonsumVereines, wozu die Abgeordneten Abram und D r. Re n n e r kurze Erklärungen abgaben. Der Bericht deS Untersuchungsausschusses wurde angenommen, der Minorrtätsantrag Dr. Dannebergs aügelchnt. Damit war die Zentralbankdebatte erledigt und das Haus schloß seine diesjährige Tätigkeit. Die nächste Sitzung wird in schriftlichem Wege embevufen werden. Der Bum des rat hat gestern beschlossen, gegen die vom Nationalrat angenommenen Vorlagen keinen Einspruch zu erheben. Nur das Agrarverfahrensgeisetz wurde an den Nationalrat zurückverwiosen Bkeitncr wird welch. Een 4-ie-r Obstruktion im GEv'uUderjwt!. —?SO^rarmüßigungen vvrfpinechen, DaL Manöver im Rathaus wurde gestern aibgebiasen. In den Rechen 'der Ghri-stkiHsozialen hervschi eitel Fren-e darüber, daß es chnen durch endloses Roden gelungen ist, Breitner, dem Unevoilttichon, etwas abzutrotzen — fveilich vorläufig nur Versprechungen, die ckber spätestens vor den Wahlen in Erfüllung gchen dürsten. AIS Preis für die Einstellung der -Obstruktion und die Bewilligung des Budgets, stellte Stadtrat B r e i t n e r in einer äußerst versöhnlichen Rede eine Reihe von Steuerermäßigungen in Aussicht. Die Konsessionen sollen sich auf den B e rsvgeru n gö« z».schlang, auf die Verlängerung der Befreiung von der Wohnbau st euer für Neu- und Zulbauten, auf die Auflassung des JurrktimS Zwischen der Erhöhung des JnstandhaltungszinsLS und der Wohnbausteuer beziehen. Die diesbezüglichen Anträge der Opposition, sowie ein Antrag auf Herabsetzung der Wasferkraftabgave wurden über EmpsMung des Finanzreferenten der göfchaftsordrmngsurätzvgen Behandlung zugowiesen. Ein Antrag Z i mm e r l (christlichsozial), den Betrag für FremdenvertchrSförderung von 300.000 auf 400.000 S. zu erhöhen, wurde angelwmmen. Auch die zweite Forderung, die insbesondere Gemeinderat Dr. Plaschtes immer hartnäckig vertreten hat, nämlich die Aufnahme von Anleihen für I n ve st i-' tionszwecke, scheint nach der Aeutzerung Bveitners ihrer Erfüllung uähergekoinmen zu sein. Etadtrat Breitner erklärte, daß er zroecks Konsolidierurkg der ,LSag"-Schrrkd »vagen Aufnayme einev Anleihe bereits Fühlung genommen hohe. Der Erfolg der Oibftcuckiion, der sich vorläufig noch nicht in Zahlen ausdrürkt, ist immerhin vom. moralischen Standpunkt hoch zu 'bawerien. Die Nathausgewaltigen haben einschen imlssen, daß es mit der bisherigen Methode nicht mehr weitergehen kann. Nach Annahme des Kapitels .^Filmtlzen" wurde die Sp eg'aldebatte in normaler Weise fortgesetzt. Die Opposition tkbte in dom Zweiten Budgetkapitel „Personalnangelogercheiten" sachliche 5kritit. Gegen Stadtrat Speiser wurde der Vorwnwf echolben, daß die Persona lpolitiit mit der Pa r trip oli ti.'f -a.ll^u ittllig verlnüpfi se... Die Beratungen werden, heure und rnorgen sortgejep:, doch erscheint es in Anbetracht der Kürze der zur Aerfiignng sichende,i Zeit als "völlig a-uLgeschl y-ss e n, daß das Budget noch vor Zahresschluß unter Dach und Fach gebracht wine. Die Beratungen werden nach Neujahr fortgesetzt wer- Äen. Ein ex-lex-Z usta nd wird nicht cintreteu, da der Bürgernl-etstcr voraussichtlich von fein-rrn Rechte, Aus» gäben gegen nachträgliche Genchmigung bewilligen, Gebrauch nrnchen hurb. *. sitKMi!«» m Mi me 9» Demi Mt Wik«« JMtummme angenommen. In bet 'Jiad)t vorr Dienstag auf Mttwoä) E l UljE mu-rbcn die Bndgetverha'nd-lungen. der Wiener KEusgemvinde beendigt und die Abstimmung vorgenommen.. Das Budget wurde mit allen gegen die fünf S t i rn in e n d e s K l n b s für soziale Tätigkeit a n g e n 0 m m e n. Ans den letzten Reden ist die Anregung des Kulbus Vorstehers Doha n z« vermerken, zur Ausgestaltung des AltersversvvgungHhauses in der Seegasse ein Stackwerk anfzubanen. Dr. Bader verlangte Aenderungen im jüdischen Spita-l, inAbesonidere die Ei-nfü'hrung der freien Aerztowayl. Die Belagzahl des Spitales sei sehr stark gefunken. Dr. Klaber forderte die Errichtung einer jüdischeit Schwesternschule, nm im Spital und Versorgungshaus die jüdischen Patienten jüdischen Pflegerinnen aniverttxriien .ziu können. Der Dringbichkeitsanir-ag der z i 0 n i ft t -s ch e n F -r a >k t \ 0 n ans Einsetzung einer K 0 m m i s s i 0 n zur R e f 0 r m -i er u n g d e s W a b l rechtes wird in einer demnächst abzubaltenden Sitzung zur Vorhandlung kornmen. Lee neue polnische Preßsesetzenlvnrt. Warschau, 29. Dezember. Die Presseverovdnung der Rogierung, die das Strasniandat für Pressevergehen den Bevivaltungsbehörden übertrug, wurde bekanntlich vom Sejni und Senat aufgehoben und. tritt am 1. Jänner 1927 außer Kraft. Die Regierung befürchtet nun, daß ein Baknum entstehen könnte und bereitet schon fieberhaft einen neuen Entwurf vor, der noch vor Jahresschluß als Verordnung Gesetzeskraft erhalten soll. Der neue Entwurf entMt zwar nicht inehr die Bestimmung Wer die Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden für Presseübertrebungeu, im übrigen Wer ist er ebenso drakonisch wie die erste Verordnung. Sa dürfen zum Bieiispiel nur Persorlen über 17 Jahre Zeitungen kolportieren und nur an Orten, die voir den Behörden freigegeben wuvderl. Der Entwurf Mrt die Verantwortlichkeit der Ei gentüiner und Leiter der Druckereien für die Strafen und Entschädigungen lvegen PresseMertretungen ein. Die obere Grenze des Strassatzes für Presse- Übertretungen beträgt drei 'Jahre und 10.000 Zloty. Der verantwortliche Redakteur sichert sich die Straffreiheit, wenn er den Autor anzeigt. Für das N i ch teinschalten einer B>erichtlgung kann man zu drei M 0 n a t e u Arrest und 2000 Zloty verurteilt werden. Gegen diese und noch andere Bestimmungen des Entwurfes haben schon jetzt die politischen und journali-, stisthen Kreise Einspruch erhoben. See MlsoN'Peelr. Rewyork, L6. Dezoinber. Senator Elihu R 0 c t hat den ihm verliehenen Preis der Wopdrow-Wi lls 0 n-Stiftung inr Werte von 25.000 Dollars für die Errichtung eines Hi.lfSf.onbS für eine in NewyorL eofcheinende Zeitschnfr gewidmet, die i n du st r teile Angolegenheiten behandelt. zngszusnmmenstob in Sachsen. Eyemmtz, 39. Dezember. Heute mittags wurde der Be rli na r D-Zng auf dom Bahnhof Schw eile rsh a i n von einem Gütergug au ge fahren. 41 Personen wuvden verletzt, und zwar grüßenteils durch Glassplitter. Schwerere Verl etznnigen sind nicht borseLomm e n. Die beiden letzten Wagen dieses Berliner Zuges wurden schwer beschädigt. Von sämtlichen Verletzten mußten <nur drei in ein Krankenhaus überführt werden. Mische» Zentrum der SoMen $Üf»ge«ein Matt Anttta üRBOee, 2. Bez., Untere Altgartenstraße 35. Donnerstag, von 2 bis 3 Uhr, ärztliche Beratungsstelle nur für Unbemittelte; von halb 7 bis 8 Uhr, Erzichnngsberatungsstelle. Der hebräische I at g e ndkl n >b ladet alle hebräischen Jugendlichen M den Sonntag und Mittwoch ob. halb 7 Uhr abends stattfinden'den Diskussionsabenden herzlichst ein. Sonntag, den 2. Jänner, halb 5 Uhr, 2. Jüdischer Nachmittag, Israel Z a n g w i l l g e w i dm e t. Leitung Dr. Martha Hofmann und Dr. Nadja Stoirt. Amnetdungen für den .demnächst zu eröffnLndeu 3. Hebraiischen Parallel-Kurs für Anfänger sowie für den Kurs Deutsch für Ausländer werden im Sekretariat täglich von 6 bis 8 Uhr abends entgegeiMnommen. Wien, 30. Dezember 1920. Ein neuer Mttreirrdrnch? Die Temperatur bewegte sich uud) gestern über Null, es gab Regen und einen hefttgeir Sturintvind, der zahlreiche Ausrückungen der Feuerwehr zur Behebung der entstandenen Bauschadelt zur Folge hrrtte. Die Voraussage meldet: Veränderlich, in eilt bis zwei Tagen vielleicht wieder K st i teer n b r n ch ans Nordvsten. Die Levensmüdeil. Der 17jährige Hilfsarbeiter Leopold Heß, Karatzm gasse 10, bei feiner Mutter wohnhust, hat sich init Lysol Vergiftet. Tie Ursache der Tat ist häuslicher Zwist. Mi! die 3ljährige, unterstandstvse Hilfsarveiterin Marie Schlechta nahm füll auf die gleiche Weise dnö Leben. In einem Abschiedsbriese bezeichnet sie Zerwürfnisse mit ihrem Lebert aesäbrten als Ursache der Tat. Die 54jährige Private

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